Im Zeichen des Zorro

Illustrierte Filmbühne Nr. 346  (E. S.) – Der Film Im Zeichen des Zorro, den ich mit einigen Freunden im Winter 1949 in den Nidda-Lichtspielen in Frankfurt-Nied sehe, ist für unsere kleine Gruppe von Filmverrückten eine Unterhaltung nach Maß. Denn solche schwungvollen und auch noch mit Romantik versehenen Abenteuergeschichten samt ihrem „Mantel und Degen”-Milieu sind jedenfalls ganz nach unserem Geschmack.

ZorroNebenbei bemerkt geht nicht nur um ein Abenteuer um des Abenteuer willens, es geht im Grunde sowohl in der literarischen Erzählung wie auch im Film um Macht, Politik, Raffgier und Unterdrückung. Die Entrechtung von Menschen in aller Welt und der Widerstand dagegen finden in diesem Film den lokalen, kalifornischen Bezug, der überzeugend und gut verpackt ist in eine spannende Story mit durchaus humoristischen Elementen.

Der junge Diego Vega alias Zorro (Tyrone Power) ist am besten und überzeugendsten in jenen Szenen, in denen er den versnobten Stutzer spielt. Diese Momente erinnern stark an das Auftreten von Jefferson Destry (James Stewart) in dem Western „Der große Bluff”. Wie Destry in dem Western ist auch Diego Vega eben nicht nur der gockelhafte Dandy, sondern nächtens auch der mutiger Kämpfer für Recht und Ordnung, der gegen den despotischen und feigen Gouverneur Don Luis Quentero mit Pferd und Degen zu Felde zieht – ausgestattet mit einem breitkrempigen, schwarzen Hut und der dazu passenden dunklen Augenmaske. Zorro eben, der als Markenzeichen ein gezacktes Z zu hinterlassen pflegt.

Für den Schauspieler Tyrone Power ist es eine Glanzrolle. Er gefällt uns vor allem wegen seiner lockeren und unerschrockenen, aber zugleich auch ernsthaften Art, mit der gegen den Terror des räuberischen Gouverneurs ankämpft, nachdem er aus Spanien in seine kalifornische Heimat zurückgekehrt ist und erkennen muss, wie nicht nur seine Familie – sein Vater war Bürgermeister von Los Angeles –, sondern die gesamte Bevölkerung unter den Unterdrückern zu leiden hat.

Wenn Diego Vega maskiert und als verwegener Zorro für die Freiheit des Landes und das Recht seiner Bürger auftritt, steht er stellvertretend für viele andere, die sich zur Wehr setzen, wenn Unrecht geschieht. Dass Zorro dabei am Ende, nachdem er dem drohenden Tod von der Schippe gesprungen ist, auch noch eine reizende junge Frau erobert, die an Diego Vegas vermeintlicher Gleichgültigkeit schon schier verzweifelt ist, versteht sich natürlich von selbst.

Daten zum Film

Im Zeichen des Zorro (Illustrierte Filmbühne Nr. 346) mit dem Originaltitel The Mark of Zorro ist ein amerikanischer Abenteuerfilm der 20th Century Fox aus dem Jahr 1940 mit politischem Hintergrund nach der Erzählung „The Curse of Capistrano” von Johnston McCulley. Unter der Regie von Rouben Mamoulian spielen Tyrone Power (als Don Diego Vega und Zorro), Linda Darnell (als Lolita Quintero), Basil Rathbone (als Esteban Pasquale). In weiteren Rollen sind Gale Sondergaard, Eugene Pallette, J. Edward Bromberg und Montagu Love zu sehen. Die deutschen Stimmen kommen von Hans Nielsen (Tyrone Power) und Erika Georgi (Linda Darnell).

Weltpremiere am 1. November 1940 in Cincinnati (Ohio), USA-landesweit: am 8. November 1940. Erstaufführung in der Bundesrepublik Deutschland am 12. Juli 1949. Vom Autor gesehen im Winter 1949 den Nidda-Lichtspielen in Frankfurt.