Wildwest in Oberbayern

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Im Frankfurter Turmpalast sehe ich Mitte Dezember 1951 einen sogenannten Filmschwank, der sich bei näherem Hinsehen als eine Klamotte ersten Ranges entpuppt: Wildwest in Oberbayern nennt sich der 87 Minuten lange Streifen und er lebt in erster Linie von altbewährten Ladenhütern der Filmkomik.

Wildwest-in-OberbayernEine Berliner Filmproduktion will beim Ochsenwirt Alois Salvermoser einen Wildwest-Film drehen, steckt deshalb Einheimische aus Oberbayern in Indianer-Kostüme und lässt sie in Kriegsbemalung um den Marterpfahl tanzen. Obwohl es wirklich nur ein derber Spaß ist, widmet sogar die Zeitschrift „Der Spiegel” dem Streifen ein paar Zeilen und schreibt: „Lautreicher Zusammenprall von Berliner (Schnauze) und bayerischen Maßkrügen bei Wildwest-Filmaufnahmen der Ruck-Zuck-Gesellschaft. Regisseur Dörfler und Joe Stöckel parodieren dabei Berlin, Oberbayern, den wilden Westen und (unfreiwilligerweise) sich selber.“ Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Doch warum auch nicht ein bisschen Klamauk? Das Kinopublikum ist zu dieser Zeit leicht zufrieden zu stellen, lacht auch über die ältesten Kalauer und hat einen Heidenspaß, wenn die Magd Zenzi (Lucie Englisch) als „Prärie-Lola“ auftritt und der Ochsenwirt Alois Salvermoser (Joe Stöckel) den „Wilden Büffel“ spielt. Und ein gewisser Herr Bietschke (Rudolf Platte) gibt unterdessen dessen den nervösen und wildgewordenen Aufnahmeleiter.

Alles nur grobschlächtiger Witz. Welch herrliche und selbstironische Satire hätte das jedoch tatsächlich werden können, hätten Produzent, Drehbuchschreiber und Regisseur Ferdinand Dörfler die Gelegenheit für eine spritzige Komödie beim Schopf gepackt. Mit dem Blick auf sicheren Gewinn an der Kasse, blieb es leider dann doch nur bei Althergebrachtem. Deshalb muss sich der Zuschauer mit billiger Kostümierung, den üblichen Saalschlachten samt Kriegsbeil und Bierseidel begnügen.

Daten zum Film

Wildwest in Oberbayern (Das Neue Filmprogramm, eine Ausgabe der Illustrierten Filmbühne wurde nicht gedruckt) ist eine Klamotte der Dörfler-Film GmbH aus der Bundesrepublik Deutschland (1951). In dem 87 Minuten langen Klamauk führt Ferdinand Dörfler auch die Regie. Seine Darsteller sind Joe Stöckel (als Ochsenwirt Alois Salvermoser), Margarete Haagen (als seine Frau Mathilde), Renate Mannhardt (als ihre Tochter Vevi), Lucie Englisch (als Zenzi, Magd beim Ochsenwort), Beppo Brem (als Knecht Sepp) Volker von Collande (als Gutsverwalter Hans), Paul Demel (als Regisseur der Ruck-Zuck-Film), Rudolf Platte (als Aufnahmeleiter Bietschke), Walter Giller (als zweiter Aufnahmeleiter Schmittchen). Produzent ist Franz Wagner, am Drehbuch versuchen sich Ludwig Schmid-Wildy und Curt Hanno Gutbrod, an der Kamera stehen Franz Koch und Josef Illig, die Musik stammt von Artur Schanze.

Erstaufführungen am 11. Oktober 1951 in München, am 23. November 1951 in Österreich, am 17. Juli 1953 in der DDR. Frankfurter Premiere am 14. Dezember 1951 im Turmpalast.