Winchester 73

Illustrierte Filmbühne Nr. 1060 (E. S.) In den Frankfurter Kinos Roxy und Eden läuft am 13. April 1951 gleichzeitig der Film Winchester 73 an, der diesem berühmt gewordenen Gewehr ein filmisches Denkmal setzt. Dabei hat Regisseur Anthony Mann mit den Darstellern James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea, Stephan Mc Nally, Rock Hudson und Tony Curtis (die beiden Letztgenannten in frühen Filmen zu sehen) einen spannenden, aktionsreichen Western geschaffen.

Winchester 73Der Regisseur vermeidet dabei jedes ziellose Herumballern und Herumreiten. Blicke, Töne und die Gestik der Beteiligten schaffen vielmehr eine insgesamt ruhige Atmosphäre, was insofern von Bedeutung ist, als die meisten Amerikaner seit je her einen fast krankhaften Drang und Hang zu Waffen haben, und auch ihr Schießeisen oft locker genug sitzt. Das liegt weitgehend in der Geschichte des Landes begründet, in der die gnadenlose Eroberung des Territoriums gegen die Urbevölkerung eine zentrale Rolle spielt. Ob Indianer oder Gangster, ob privater Rachefeldzug oder kriegerische Auseinandersetzung wie im Bürgerkrieg: Revolver und Gewehre sind stets als Handwerkszeug der Gewalt parat. Insofern kommt es auch nicht von ungefähr, dass der legendär gewordene Revolver von Samuel Colt, das Henry-Gewehr und die Winchester aus der Geschichte der USA nicht wegzudenken sind. Die Winchester 73 ist in dieser Zeit wegen ihrer Zuverlässigkeit und Präzision überaus begehrt. Sie ist teuer (100 Dollar gegenüber 40 Dollar eines normalen Gewehres), weil nur einer von 1000 gefertigten Läufen – und zwar der allerbeste – für diese Serie verwendet wird. Im Film dient diese Büchse nicht nur dem Kampf gegen allerlei Gesindel, sondern sie ist auch „ritterliches Werkzeug” im friedlichen Wettschießen.

Der Inhalt des Films beginnt mit einem solchen Wettbewerb in Dodge City am 4. Juli 1876, dem 100. Jahrestag der Unabhängigkeit. Als Preis ist eines der berühmten Gewehre des Jahrgangs 1873 ausgesetzt. Zwei miteinander verfeindete Brüder streiten dabei um die Winchester. Der eine ist Lin McAdam (James Stewart), der andere Dutch Henry Brown (Stephen McNally). McAdam gewinnt, aber im Verlauf der Handlung geht die Büchse noch durch viele Hände von Waffenhändlern, Bankräubern und Indianern, ehe sie am Schluss wieder in den Besitz von Lin McAdam übergeht. Insofern ist der Film eher eine Waffen-, denn eine Menschengeschichte. Und das ist wohl auch so beabsichtigt.

Daten zum Film

Winchester 73 (Illustrierte Filmbühne Nr. 1060) heisst im amerikanischen Original ebenfalls Winchester 73 und ist ein Film der Universal Pictures aus dem Jahr 1950, produziert von Aaron Rosenberg. Nach einer literarischen Vorlage von Stuart N. Lake spielen in dem 92 Minuten langen Film unter der Regie von Anthony Mann die Darsteller James Stewart (als Lin McAdam), Shelley Winters (als Lola Manners) und Dan Duryea (als  Waco Johnny Dean, Kansas Kid) die Hauptrollen. Weitere Mitwirkende sind Stephen McNally (als Dutch Henry Brown), Rock Hudson (als Indianerhäuptling Junger Stier), Tony Curtis (als Doan), Millard Mitchell (als Johnny High Spade Williams),  Charles Drake (als Steve Miller), John McIntire (als Joe Lamont), Will Geer (als Wyatt Earp).

Das Drehbuch schreiben Robert L. Richards und und Borden Chase, die Kamera führt William H. Daniels, die Musik stammt von Joseph Gershenson und Jesse Hibbs. Die deutschen Synchronstimmen kommen von  Siegmar Schneider (James Stewart), Giselas Trowe (Shelley Winters), Peter Mosbacher (Dan Duryea), Klaus Schwarzkopf (Tony Curtis), Peter Petersz (Rock Hudson), Werner Hinz (Stephen McNally).

Uraufführung am 12. Juli 1950 in den USA, am 9. Februar 1951 in der Bundesrepublik, am 13. April 1951 in Frankkfurt gleichzeitig im Roxy und Eden angelaufen.