Wir machen Musik

Illustrierte Filmbühne Nr. 25  (E. S.) – Die Frankfurter Lichtburg liegt am Ende der Kaiserstraße und direkt am Hauptbahnhof. Das führt dazu, dass es nach dem Krieg in dem Kino keine starr eingerichteten Anfangszeiten gibt, sondern zwischen 10 und 22 Uhr ein ununterbrochenes Kommen und Gehen der Besucher möglich ist. Das bringt natürlich viel Unruhe in den Saal, ist aber für die  Bahnreisenden sehr angenehm, denn in andere Züge umzusteigen, kann zu dieser Zeit wegen der schlechten Verbindungen zeitraubend sein.

Wir machen MusikAllerdings stört es mehr als sonst, wenn ein Musikfilm auf dem Programm steht, weil die Schatten werfenden Besucher die Aufmerksamkeit stören. Das ist der Fall bei Wir machen Musik, der hier im Sommer 1948 zu sehen ist – Herstellungsjahr war 1942, der Film ist also schon sechs Jahre alt – und in dem es schlicht um das Thema Liebe, Ehe, Eifersucht und schließlich auch der unvermeidlichen Versöhnung mit Happyend zwischen dem Ehepaar Ilse Werner (junge Musikschülerin) und Victor de Kowa (Komponist) geht.

Dass Victor de Kowa sich eigentlich als ein ernsthafter Komponist versteht und eine Oper schreibt, die freilich bei der Aufführung durchfällt. macht den Reiz aus, vor allem, als er sich der leichten Muse zuwendet. Diese musikalische Komödie ist schon während des Krieges in die Filmtheater gekommen, soll die Menschen auf der damals üblichen „unpolitischen“ Art im Krieg bei guter Laune halten, ist aber auch in der Nachkriegszeit beliebt – weil die pfeifende Ilse Werner ganz neue Akzente im Unterhaltungsgenre setzt und weil der Film auch in den Trümmerfeldern Deutschlands für Optimismus und Aufbruchstimmung sorgt. Es ist schlicht gute Unterhaltung.

Diskussionen darüber, ob Wir machen Musik ein so genannter „Durchhaltefilm” der Nazis war oder aufgrund seiner jazzigen Elemente und der Kontroverse über ernste und heitere Musik eher aufmüpfig gegen die damalige Machthaber ist – wie es unter den Filmwissenschaftlern später geschieht –, erscheinen dem Autor in diesem Zusammenhang eher müßig.

Daten zum Film

Wir machen Musik (Illustrierte Filmbühne Nr. 25 – zuvor auch Nr. 25 des 3. Jahrgangs) ist eine deutsche Komödie der Terra-Filmgesellschaft aus dem Jahr 1942 nach einer literarischen Vorlage von Manfred Rößner und Erich Ebermayer und wurde in Prag gedreht. Unter der Anleitung von Regisseur Helmut Käutner agieren Ilse Werner (als Musikstudentin Anni Pichler), Viktor de Kowa (als Komponist Karl Zimmermann), Edith Oß (als Musikstudentin Trude), Georg Thomalla (als Musikstudent Franz), Grethe Weiser (Frau Bratzberger), Kurt Seifert (Hugo Bratzberger). Deutsche Erstaufführung ist am 8.Oktober 1942, die Wiederaufführung erfolgt direkt nach Ende des Krieges (die Illustrierte Filmbühne verzeichnet ihn in ihrer Chronologie der Filmprogramme als Nr. 25); gespielt in der Lichtburg Anfang September 1948.