Zugvögel

Illustrierte Filmbühne Nr. 199 (E. S.)  – Die „Alleinige Erstaufführung” verkündet das Filmtheater Luxor am Hauptbahnhof in Frankfurt am 28. August 1948 stolz in einer Anzeige der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau”. Es geht um den Film Zugvögel, dem klar und unzweideutig bescheinigt wird, „von Jugend und Liebe in herrlicher Landschaft” zu handeln. Mal sehen.

ZugvögelZugvögel ist allerdings auch ein Film, bei dem sich der Autor und Regisseur Rolf Meyer nicht so richtig zu entscheiden vermag, in welche Richtung er den Film dirigieren soll. Zwar ist Zugvögel einer der ersten Spielfilme nach dem Krieg, es wird aber vermieden, die Trümmer zu zeigen. Insofern bleibt er zwiespältig, wobei eine Gruppe von Jugendlichen, die gerade die Schrecken des Krieges und der Zerstörung erlebt haben, reden und diskutieren, wie es nun weiter gehen soll mit ihnen, ihrem zerstörten Land und überhaupt… Bei einem gemeinsamen Bootsausflug auf der Weser kommen sie gemeinsam zu der Erkenntnis, die Vergangenheit hinter sich zu lassen ohne zu Vergessen und beim Wiederaufbau zu helfen. Aufbruchstimmung ja, aber vieles wirkt übertrieben und voller Pathos; es ist eine eher verkrampfte Aufforderung, sich der Zukunft zuzuwenden. Von den täglichen Alltagssorgen der Menschen wird im Film zwar auch einige Male geredet, aber es bleiben doch nur Streiflichter, so als wolle der Filmemacher nur eine gewisse Anstandspflicht erfüllen.

Die Nachkriegsnöte spielen keine wirkliche Rolle, es geht vor allem um die Verbreitung von Optimismus und gespielt wird eine Zukunftsmusik, die zu dieser Zeit noch nicht richtig zu hören ist. Wer das Luxor nach der Vorstellung verlässt und sich auch 1948 noch von zahlreichen Trümmer-Grundstücken umgeben sieht, bleibt nach den oft aufgesetzt wirkenden Übertreibungen skeptisch, obwohl jeder neue und frische Film, der nicht in reinen Unterhaltungsklamauk verfällt, ja nur zu begrüssen ist…

Daten zum Film

Zugvögel  (Filmpost Büdingen, Nr. 134) ist ein deutscher Nachkriegsfilm aus dem Jahr 1947, hergestellt von der Produktionsfirma Studio 45. Das Drehbuch stammt von Rolf Meyer, der auch die Regie führt und vornehmlich mit den Darstellern Carl Raddatz, Lotte Koch, Fritz Wagner, Gerta Böttcher und Gert Schaefer arbeitet. – Die Uraufführung war am 23. Mai 1947, die Frankfurter Erstaufführung im August 1948 im Luxor. – Anmerkung: Die Firma Studio 45 wurde 1945 von den Filmschauspielern Victor de Kowa und Winnie Markus gegründet und produzierte neben Zugvögel noch die Filme Und finden dereinst wir uns wieder. Im Mai 1948 wurde ihr von der britischen Militärregierung aus dem Autor nicht bekannten Gründen die Lizenz entzogen.