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Lustspiel

Es schlägt 13

Was Anfang der Fünfziger Jahre aus deutscher oder österreichischer Produktion in die Kinos kam, war von Ausnahmen abgesehen, in der Regel eher durchschnittlich; Unverbindliches war an der Tagesordnung, leichte Kost wurde wöchentlich neu angerichtet. Das hatte auch mit der schwierigen finanziellen Situation der Filmwirtschaft zu tun, zumal viele branchenfremde Geldgeber investieren und natürlich Profit machen wollen. 

Unter diesen Umständen waren Lustspiele besonders populär – sowohl bei den Produzenten als auch bei den Theaterbesitzern. Und das Publikum, das den Krieg längt vergessen hatte, ließ sich gerne auf diese Weise unterhalten. Als im Mai 1951 im Frankfurter Turmpalast das österreichische Lustspiel „Jetzt schlägt’s 13!“ (in Österreich: „ Es schlägt 13″) gestartet wurde, war dann an den ersten Tagen bei allen Vorstellungen der große Saal gut besetzt. Hans Moser und Theo Lingen waren das „Komiker-Traumpaar” in deutschen oder österreichischen Filmen. Sie hatten in zahllosen Streifen schon in den Dreissiger und Vierziger Jahren zusammen gespielt. Darunter in „Himmel auf Erden„, „Rosen in Tirol“, „Sieben Jahre Pech“, „Sieben Jahre Glück“ und „Wiener Blut„, um nur einige der bekanntesten zu nennen. 

In „Jetzt schlägt’s 13!“ gaben sie wieder ein kongeniales Duo. Das sah dann so aus: Theo Lingen als entlassener Diener Max sieht in seinem Nachfolger Ferdinand (Hans Moser) einen steckbrieflich gesuchten Verbrecher; dieser glaubt seinerseits das gleiche von Max und so entsteht bei ihren gegenseitigen Verdächtigungen und der kuriosen Detektiv-Spielerei ein heilloses Durcheinander – ganz im Sinne eines lachbegierigem Publikums. 

Der Ur-Wiener Moser und der Hannoveraner Lingen durften dabei ihr „mosern” und „näseln” so richtig ausleben. Die beiden wegen ihrer schlichten Rollen oft unterschätzten, aber glänzenden Schauspieler, übertrafen sich bei der Darstellung selbst. In vielen turbulenten Szenen und mit perfekter ihrer Situationskomik gaben sie ihren Rollen den entscheidenden Pfiff. 

Daten zum Film

Jetzt schlägt’s 13!“ ist ein österreichisches Lustspiel (Originaltitel: Es schlägt Dreizehn) aus dem Jahr 1950. In dem von der Helios produzierten Film führt E. W. Emo die Regie, als Hauptdarsteller agierten Theo Lingen (als alter Diener Max) und Hans Moser (als neuer Diener Ferdinand). In weiteren Rollen: Josef Meinrad, Susi Nicoletti, Gusti Wolf und Lotte Lang. – Begleitheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 884.

Erstaufführungen waren am 22. September 1950 in Österreich (Wien), am 22. September 1950 in der Bundesrepublik (Krefeld). In Frankfurt im Mai 1951 im Turmpalas tangelaufen, wurde es dort vom Autor am 26. Mai gesehen. – Im Fernsehen wieder einmal am Samstag, 29. August 2020 in 3sat die österreichische Fassung unter dem Titel „ Es schlägt 13″ gesendet.

Erstveröffentlichung dieses Beitrages am 30. Mai 2013

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Lustspiel

Hallo, Dienstmann

Manchmal findet der Interessent alter Spielfilme aus den späten 40er oder frühen 50er Jahren doch noch das eine oder andere schöne Stück im Fernsehen, wenn auch zu eher ungünstigen Zeiten. So am 22. August 2020 morgens um 10.30 Uhr der österreichische Film „Hallo, Dienstmann“ aus dem Jahr 1951. Das weckte in mir eine Erinnerung an Januar 1952, als in Frankfurt mit eben diesem Lustspiel die Rex-Lichtspiele als 52. Kino nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Betrieb aufnahmen.

Das neue Theater befand sich in der Kaiserstraße (damals noch Friedrich-Ebert-Straße), in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Betreiber waren Heribert Froechte und Hans Ulbrich, die auch schon am Bieberbau und am Turmpalast beteiligt waren. Der Saal lag im ersten Stock einer Passage, die zur Taunusstraße führte. Eine palastartige, breite Treppe führte in den Raum mit silbergrau abgesteppten Wänden, die allerdings ein wenig kühl wirkten. 

Vier Mitwirkende von Hallo, Dienstmann waren eigens nach Frankfurt zur Erstaufführung gekommen: Paul Hörbiger und die Hauptdarstellerin Maria Andergast – einige Jahre zuvor als „Mariandl”-Interpretin aus „Der Hofrat Geiger” in aller Ohren –, außerdem Regisseur Franz Antel und Komponist Hans Lang. Das Schlitzohr Hörbiger hatte wohl keine große Lust mit den neugierigen Presseleuten zu reden und begründete das in ironischer Übertreibung mit den Worten: 

Wissen’s mit mir können’s schwer über Filme reden, weil i niemols ins Kino geh!” 

Der Film selbst war eine heitere Verwechslungskomödie aus Wien, zum ersten Mal seit fünf Jahren spielten hier die österreichischen Haudegen Hörbiger und Hans Moser wieder einmal zusammen. Der Film war von Hörbiger, der als noch unbekannter Schauspieler den älteren Hans Moser bewundert hatte, initiiert worden. Der Inhalt sollte an Mosers berühmten Sketch „Der Dienstmann“ aus den Zwanziger Jahren erinnern und bot ihm die Gelegenheit, noch einmal seine populärste Rolle zu spielen.

Um was geht es? Professor Ferdinand Godai (Paul Hörbiger) hat sich für einen Maskenball als Dienstmann verkleidet. Frühmorgens trifft er, mehr als leicht angeheitert und immer noch kostümiert, in einem Bahnhofslokal auf den echten Dienstmann Anton (Hans Moser), und aus dieser Situation ergeben sich allerlei erquickliche Szenen. Vor allem, als Godai die junge Frau Brandstätter (Maria Andergast) kennenlernt, die sich als eine neue Kollegin von ihm entpuppt. Da hat er dann eine liebe Müh’ und Not, seine Verkleidung wieder loszuwerden. Und zum Finale erklingt das berühmt gewordene Duett von Moser und Hörbiger: „Hallo, Dienstmann!”

Wer das durchaus gelungene Lustspiel nach Jahrzehnten wieder seht, ist allerdings irritiert über die besonders im letzten Filmdrittel sichtbar werdende Prüderie und Sittenstrenge. Dies ist aber auch eine Gelegenheit für jüngere Menschen, sich in jene verklemmte Zeit hinein zu versetzen, die das private Leben und Lieben in den Vierziger und Fünfziger Jahren auf oft unerträgliche Weise einengte.

Produktion & Besetzung

Produktion: Schönbrunn-Film (Österreich). – Regie: Franz Antel.- Drehbuch: Franz Antel, Lilian Belmont, Rudolf Österreicher nach einer Idee von Paul Hörbiger. – Musik: Hans Lang. Kamera: Hans Heinz Theyner. – Schnitt: Arnfried Heyne. – Darsteller: Hans Moser (Dienstmann Anton Lischka), Harry Fuss (Sohn von Anton), Annie Rosar (Lischkas Schwester Rosa), Paul Hörbiger (Prof. Ferdinand Godal), Susi Nicoletti (Godals geschiedene Frau), Weitere Darsteller: Maria Andergast, Rudolf Carl, Waltraud Haas.- Österreichische Premiere: Freitag, 18. Januar 1952 in Salzburg, deutsche Erstaufführung: Dienstag, 29. Januar, Rex-Lichtspiele in Frankfurt am Main. – Begleitheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 1441. 

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Revue

Die Frau meiner Träume

Anfang August 2020 war im Fernsehsender RBB wieder einmal der Film Die Frau meiner Träume zu sehen. Es ist einer jener Streifen, die noch in der Nazi-Zeit produziert und uraufgeführt worden ist, wegen inhaltlicher „Unbedenklichkeit” aber bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges von den Besatzungsbehörden als so genannte „Reprise“ bald wieder zur Vorführung freigegeben worden ist.

Die meisten Deutschen haben den Film nach seiner Premiere am 25. August 1944 im „Marmorhaus“ und im „Germania“ in der Frankfurter Allee in Berlin nicht mehr zu sehen bekommen. Die Endphase des Krieges ließ das gar nicht zu. Viele Männer waren an der Front, viele Frauen mit ihren Kindern evakuiert oder Fliegerangriffen ausgesetzt, unvermittelt aufheulende Sirenen, Versorgungsprobleme überall: da stand nur noch wenigen Menschen der Sinn nach Film-Unterhaltung dieser Art. Das änderte sich aber nach der Kapitulation schnell, denn trotz der immer noch sehr schwierigen Zeiten ist Spaß ein probates Mittel gegen die vielfältigen, alltäglichen Sorgen.

Vor allem die zündenden Schlager von Franz Grothe haben es den Menschen angetan, sie werden auch immer häufiger im Rundfunk gespielt, der Titel „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine” wird zum echten Gassenhauer, aber auch die Schlager „Mach’ dir nichts daraus” oder „Alles ist noch wie ein Traum für mich” sind in aller Ohren. Die Handlung des Films ist gleichwohl eher schlicht.

Der Revuestar Julia Köster (Marika Rökk) ist völlig überarbeitet, flieht in den wohlverdienten Urlaub und steigt unterwegs irrtümlich aus dem auf freier Strecke anhaltenden Zug. In einem nahegelegenen, einsamen Blockhaus findet sie Unterschlupf bei den Bauingenieuren Peter Groll (Wolfgang Lukschy) und Erwin Forster (Walter Müller). Julia und Peter verlieben sich schnell ineinander, doch als Peter erfährt, dass sie keine einfache Hausfrau, sondern eine Unterhaltungskünstlerin ist, will er nichts mehr mit ihr zu tun haben, steckt er doch in dieser Hinsicht voller Vorurteile.

Doch natürlich springt er – das Finale naht mit Riesenschritten  – über seinen Schatten und sitzt am Premierenabend strahlend in der Vorstellung. Auch in diesem Film gilt wie so oft in diesem leichten Genre: Ende gut, alles gut…

Daten zum Film

Die Frau meiner Träume (Illustrierte Filmbühne Nr. 186) ist ein deutscher Ufa-Musikfilm aus dem Jahr 1943/44 in Agfacolor. Das Drehbuch stammt von Johann Vaszary und Georg Jacoby, der Ehemann von Marika Rökk. Jakoby führt auch die Regie. Als Darsteller agieren Marika Rökk (als Revuestar Julia Köster), Grethe Weiser (als Julia Kösters Zofe Luise), Valentin Froman (als Solotänzer), Wolfgang Lukschy (als Oberingenieur Peter Groll), Walter Müller (als Ingenieur Erwin Forster). Die Musik stammt von Franz Grothe. – Erstaufführung war am 25. August 1944 in den Berliner Kinos Marmorhaus und Germania in der Frankfurter Allee. – In Frankfurt am Main lief der Film ab 27. August 1948 im Central in Griesheim, im Apollo in Bornheim, im Römer in Praunheim und in den Ton-Lichtspielen in Rödelheim. – Zuletzt gesehen im Fernsehen Anfang August 2020. Bildheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 186

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Drama Nachkrieg

Die Mörder sind unter uns

Der erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Wolfgang Staudte bei der DEFA in Berlin realisiert. Am 20. Juli 2020 war er wieder einmal im Fernsehen zu sehen, und zwar auf dem deutsch-französischen Kulturkanal „arte“. Das Drama um Schuld und Sühne wurde am 15. Oktober des Jahres 1946 im sowjetisch besetzten Sektor (Admiralspalast) uraufgeführt. Die Mörder sind unter uns ist ein hochpolitischer Film und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals die Hauptrolle übernahm.

Hartnäckig hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands erstmals 1971 gezeigt worden, was auch in der Enzyklopädie Wikipedia so angegeben wird. Korrekt ist dagegen, dass der Film in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt). Und in Hannover wurde der Film zum Beispiel am 4. September des Jahres 1948 im Palast-Theater gezeigt. Richtig ist aber auch, dass der Streifen bald wieder aus den Kinos verschwand, da die geistige Restauration zu diesem Zeitpunkt offensichtlich bereits so weit fortgeschritten war, dass das Publikum sich mit der Verantwortung für die Vergangenheit nicht auseinandersetzen mochte.

Die Zeitung „Hannoversche Presse” beklagte in ihrer Ausgabe vom 11. September 1948 die Reaktionen vieler Kinobesucher und kommentierte:

„Die Reihe der Zuschauer, die protestierend das Theater verließ, beweist sehr genau, dass der Film unsere geistige Situation widerspiegelt; man sieht nun mal nicht gern in einen so nackten und scharfen Spiegel, sondern setzt lieber eine rosarote Brille auf.” 

Unter solchen Umständen wart es dann tatsächlich kein Wunder, dass der Film schnell in der Versenkung verschwand, befürchteten doch die gewinnorientierten Filmverleiher entsprechende Einbußen. Das Kulturarchiv der Fachhochschule Hannover machte in einer kritischen Analyse darauf aufmerksam, dass in dem Film nicht nur die Geschichte eines Kriegsheimkehrers erzählt wird, sondern auch eine „Bestandsaufnahme des materiellen und moralischen Trümmerfeldes” erfolgt, „das die NS-Zeit hinterlassen hat.”

Gleichzeitig, so kommentieren die Autoren, werde aber auch die Frage nach der individuellen Schuld gestellt. Die Hochschule kam in ihrer weiteren Betrachtung zu der Erkenntnis:

„Eine derartige Konfrontation aber führte 1948 zur Ablehnung durch das Publikum, dessen Interesse offenbar zunehmend bestimmt war vom wirtschaftlichen Aufschwung und Wiederaufbau, weniger jedoch der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit…”

Daten zum Film

Die Mörder sind unter uns (Illustrierte Filmbühne Nr. 241) war der erste deutsche Spielfilm, der nach dem Ende des Krieges gedreht wurde. Regisseur Wolfgang Staudte stieß bei seinem Projekt auf Ablehnung bei den westlichen Alliierten und verwirklichte den Film dann bei der DEFA (zu Beginn der Dreharbeiten noch in Gründung befindlich). Hauptdarsteller waren Wilhelm Borchert (als Kriegsheimkehrer Dr. Mertens, der in Berlin einem Hauptmann begegnet, der an der Ostfront den Befehl zu Vergeltungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung gegeben hat), sowie Hildegard Knef (als Susanne Wallner, die Mertens in letzter Minute davon abbringt, Selbstjustiz zu üben). Produzent war Herbert Uhlich. Der Film hat eine Länge von 85 Minuten. Wolfgang Staudte schrieb auch das Drehbuch.

Darsteller: Hildegard Knef (als Susanne Wallner), Erna Sellmer (als Frau Brückner), Arno Paulsen (als Ferdinand Brückner), Ernst Wilhelm Borchert (als Dr. Mertens), Christian Schwarzwald (als Otto). Kamera: Friedl Behn-Grund und Eugen Klagemann, die Musik stammt von Ernst Roters. Schnittmeister (und Regieassistent) war Hans Heinrich. Die deutsche Erstaufführung war am 15. Oktober 1946 im Admiralspalast im Ostteil von Berlin… Begleitheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 241

(Erstveröffentlichung dieses Beitrages am 23.Mai 2012)

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Krimi

Das Testament des Dr. Mabuse

Der Thriller „Das Testament des Dr. Mabuse“ aus dem Jahr 1933 war in der Bundesrepublik Deutschland erstmals im August 1951 zu sehen, in Frankfurt am Main wurde der Film am 11. September 1951 im „Bieberbau” an der Hauptwache gestartet.

testament dr. Mabuse

Der große Regisseur Fritz Lang hatte diesen Kriminalreißer 1932/33 in einer deutschen und französischen Fassung geschaffen, doch wurden beide Versionen wegen der Parabel auf die Naziherrschaft in Nazi-Deutschland verboten. Der Bezug zum Faschismus ist unübersehbar. „Die Essenz dieses Films ist”, so schreibt ein Kritiker nach der Aufführung in Frankfurt, „dass ein Wahnsinniger Gesunde so unter seinen Einfluss bringen (kann), dass sie in seinem hypnotischen Auftrag Verbrechen begehen.” Und der Journalist fährt danach fort: „Propagandaminister Goebbels’ Köpfchen begriff, dass eine solche Essenz nicht unter die Leute kommen durfte.” Doch abgesehen von den politischen Aspekten „ist der Film ein spannend und suggestiv inszenierter Thriller von außergewöhnlich kreativer Gestaltung” wie es in einer weiteren Beurteilung heisst.

Fritz Lang indessen hatte das Thema schon lange vor 1933 fasziniert, denn der Regisseur hat bereits 1922 einem zweiteiligen Stummfilm mit dem Titel „Dr. Mabuse, der Spieler” geschaffen, aber mit dem Aufkommen des Tonfilms ließ sich die Gestalt des ”genialen Verbrechers” noch dramatischer darstellen. So entstand die Geschichte eines Mannes, der zwar schon seit langem in einer psychiatrischen Heilanstalt lebt, aber mit Hilfe eines von ihm beeinflussten und manipulierten Arztes Angst und Entsetzen in der Welt verbreiten kann.

Die Beschreibung in der „Illustrierten Filmbühne Nr. 1237 von 1951 nimmt keinerlei Bezug auf die politische Brisanz des Films und schildert nur die kriminellen Machenschaften Mabuses und seines „Erben”. Im Detail heisst es dort in dürren Worten und holprigen Deutsch:

„Der Psychiater und Besitzer einer Nervenklinik, Professor Baum, hält Vorlesung über sein Lieblingsthema, über das Gehirn des ehemaligen Hypnotiseurs und späteren Falschmünzers Dr. Mabuse, der jetzt als unheilbar Wahnsinniger in seiner Anstalt lebt. Dr. Mabuse schreibt in seiner Krankheit Anweisungen für Verbrechen, die völlig sinnlos auf Zerrüttung der menschlichen Gesellschaft ausgehen. Diese Verbrechen werden ausgeführt durch seine Helfershelfer, deren Chef Professor Baum ist, der völlig unter dem Einfluss des Wahnsinnigen handelt.

Die Polizei steht machtlos vor den für sie rätselhaften Verbrechen, bis eines Tages ein heruntergekommener Assistent, der sich rehabilitieren will, Entdeckungen macht und den Namen Dr. Mabuse seinem früheren Chef Lohmann mitteilen kann. Als man nach Dr. Mabuse forscht, muss man feststellen, dass er inzwischen gestorben ist, ohne dass aber die Verbrechen aufhörten. Kent, ein Mitglied der Bande, will nicht mehr mitmachen, obwohl er weiß, dass dies seinen Tod bedeuten würde. Es gelingt ihm, trotz größter Lebensgefahr, die Polizei zu benachrichtigen, die inzwischen von sich aus auch Spuren zu anderen Mitgliedern der Bande gefunden hat.

Als man Professor Baum als Haupt der Verbrecher verhaften will, hat er bereits zu einem Anschlag auf die Chemischen Werke ausgeholt, deren Sprengung das Leben der ganzen Stadt vernichten würde. Es gelingt im letzten Augenblick, größeren Schaden zu verhüten. Baum ist, von der Polizei verfolgt, in seine Klinik geflüchtet. Kommissar Lohmann findet ihn, wahnsinnig geworden, auf dem einstigen Bett Dr. Mabuses sitzend, bei der Vernichtung der Schriften Dr. Mabuses…”

Daten zum Film

Das Testament des Dr. Mabuse (Illustrierte Filmbühne Nr. 1237) ist eine Literaturverfilmung aus dem Jahr 1932. Der Streifen (Nero-Film) im Erstverleih der Constantin nach einem von Regisseur Fritz Lang angeregten Roman von Norbert Jaques ist ein ScienceFiction-Thriller aus Deutschland und hat eine Länge von 122 Minuten; er wurde gleichzeitig in einer deutschen und französischen Fassung produziert. Regie führt Fritz Lang.

Unter seiner Leitung spielen Rudolf Klein-Rogge (als Dr. Mabuse), Oscar Beregi (als Professor Braun, Leiter einer Nervenklinik), Theodor Loos (als Brauns Assistent Dr. Kramm), Otto Wernicke (als Kriminalkommissar Lohmann), Klaus Pohl (als Kriminalassistent Müller), Wera Liessem (als Lilli), Karl Meixner (als Hofmeister), Camilla Spira (als Juwelen-Anna), Theo Lingen (als Karetzky), Paul Henckels (als Litograph), Gustav Diessl (als Kent), Rudolf Schündler (als Hardy), Karl Meixner (als Hofmeister). Das Drehbuch stammt von Thea von Harbou, an der Kamera stehen Fritz Arno Wagner und Karl Vash, die Musik komponiert Hans Erdmann. – Begleitheft zum Film: Illustrierte Filmbühne Nr. 1237.

Weltpremiere der französischen Fassung am 12. April 1933 in Paris, in Österreich am 12. Mai 1933 gestartet, westdeutsche Erstaufführung am 24. August 1951, in Frankfurt ab 11. September 1951 im Bieberbau zu sehen.

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Familie Lustspiel

Mutter sein dagegen sehr!

August 1951. Wieder einmal herrschte großartige Premierenstimmung in Frankfurt! Wieder einmal wurde im „Turmpalast” am Eschenheimer Turm eine „Welturaufführung” präsentiert – jedenfalls legte Pressechef Schneider von der Verleihfirma Siegel-Monopol großen Wert auf diese Bezeichnung, warum auch immer.

Mutter

Es geht um das Lustspiel „Mutter sein dagegen sehr!„, in dem Ilse Werner, Paul Klinger und Paulchen Kemp die Hauptrollen spielen. Paul Klinger war bei der Erstaufführung „persönlich anwesend”, wie es so schön formuliert wurde, Paul Kemp war ebenso dabei wie auch der Komponist Peter Igelhoff und die drei Kinder Dagmar Jansen, Saskia Daniel und Heiko Kaiser. Ilse Werner war zwar verhindert, aber die Stimmung im großen Kinosaal war gleichwohl prächtig, was vor allem den drei Kindern geschuldet ist.

Der Autor dieses Berichtwar als blutjunger Reporter einer Jugendzeitschrift eingeladen, und fand deshalb schneller Zugang zu den Jugendlichen als so mancher älterer Kollege von den etablierten Tageszeitungen. So erfuhr er von Dagmar Jansen, die ein Meerschweinchen dabei hat, dass sie bereits vor diesem Film in einem kleinen Werbestreifen für Bleichmittel mitgemacht hat, und sie bedankte sich auch noch bei Doktor Eichler, der zwar nirgendwo im Film genannt wird, aber tatsächlich die ganzen Kinderszenen ohne Drehbuch und sonstigem Klimbim arrangiert hatte. Dieser Herr Eichler hatte schon beim „Doppelten Lottchen” dafür gesorgt, dass alles ohne Probleme abgelaufen war, er ist Spezialist für so genannte Kinderregie, was ihm aber von den Produzenten und Regisseuren nicht weiter gedankt wird. Deshalb fiel sein Name im Vorspann unter den Tisch. Der Ruhm hat andere Väter…

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Revue

Sensation in San Remo

Illustrierte Filmbühne Nr. 1220 (E. S.) – Die in der Bundesrepublik der Fünfziger Jahre typische Lustspiel-Geschichte ist schnell erzählt. Weil der leicht vertrottelte, aber durchaus ehrenwerte Professor Feldmann (Ewald Balser) auf hohen Hypothekenschulden sitzt, arbeitet Töchterlein Cornelia (Marika Rökk) – im Brotberuf noch Gymnastiklehrerin -, unter den Inkognito-Namen „Corrie Walden” als Tänzerin in einem Nachtklub…

San Remo

Cornelia tut das einerseits, um den Papa finanziell zu entlasten, andererseits aber auch, um sich ihre heimlichen Träume von einem großen Leben als Bühnenstar zu erfüllen. Weil der Zeitgeist in der Bundesrepublik im Jahre 1951 – die Moral ist fünf Jahre nach Kriegsende höchst prüde und zudem verklemmt – die Arbeit in einem Nachklub von vielen Menschen als höchst bedenklich angesehen wird, ergeben sich aus der verzwickten Situation für „Corrie Walden” natürlich allerlei Komplikationen. So ist es auch nicht schwer zu erraten, dass die „unmoralische” Verhaltensweise des Professoren-Töchterleins ein längeres Versteckspiel mit Verwirrungen und diversen menschlichen Enttäuschungen nach sich zieht. Doch wie nicht anders zu erwarten, winkt bald das Glück am Bühnenhimmel. Cornelias Doppelleben findet ein Ende, ihr baldiger Ruhm als Tänzerin ist nur noch reine Formsache, und die längst aufgeflammte Liebe zwischen ihr und dem komponierenden Kapellmeister Robert Valenta (Peter Pasetti) kommt zu einem glücklichen Ende.

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Lustspiel Revue

Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen

Illustrierte Filmbühne Nr 1215 (E. S.) – Mit großem Rummel erlebt der Film Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen Ende September 1951 im Frankfurter Turmpalast seine Uraufführung. Der Herzog-Filmverleih scheut in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn weder Kosten und Mühen, um dem Publikum die Hauptdarsteller (und unter anderen auch Miss Germany, Miss Baden und Miss Westberlin) zu präsentieren.

JohannesbraunHöhepunkt ist die Ankunft eines Sonderzuges am Hauptbahnhof, und die Zahl 13 aus dem Filmtitel wird genutzt, um die Sache noch werbewirksamer zu machen. Denn der Zug läuft genau um 13.13 Uhr auf Gleis 13 ein, später steht der Zug noch einmal auf Gleis 1 des Frankfurter Südbahnhofs. Von 17.23 bis 18.13 Uhr werden hier nochmals Autogramme verteilt. Mit von der Partie sind der überaus gestresst wirkende Rudolf Prack, eine Grethe Weiser in bester Laune – sie reitet sogar auf einem Esel durch die Sperre an Gleis 13 –, Hans Richter und Kurt Pratsch-Kaufmann. Der Bahnhof ist überfüllt mit Autogrammjägern und „Seh-Leuten”, die einen Blick auf ihre Leinwand-Lieblinge erhaschen wollen. Am Bahnsteig herrscht dichtes, fast gefährliches Getümmel, halb Frankfurt scheint an diesem sonnigen Donnerstagnachmittag auf den Beinen zu sein. Am nächsten Tag berichtet die „Frankfurter Rundschau”:

„Der Bahnhofsvorplatz glich einem Hexenkessel. Eine halbe Stunde lang verhinderte das begeisterte Publikum die Abfahrt des Omnibusses. Es war ein (…) turbulentes Volksfest.”

Am Ende sind die Schauspieler restlos erledigt, denn zwischen all dem Trubel und den Autogrammstunden präsentieren sich auch noch bei mehreren Vorstellungen dem Publikum im Turmpalast.

Anfang der Fünfziger Jahre sind Schönheitswettbewerbe der große Hit in der Bundesrepublik Deutschland. Zwar hat es solche Wettbewerbe schon in den 30er Jahren gegeben, aber die Nachkriegszeit – verbunden mit beginnendem wirtschaftlichem Aufschwung –, bringt die Lawine der Miss-Wahlen erst so richtig in’s Rollen. Erster Veranstalter ist eine Modezeitschrift, später tritt „Opal” als Geldgeber auf, sind doch die gleichnamigen „Feinstrumpfwerke” aus Schleswig-Holstein daran interessiert, ihre Beinkleider mittels werbewirksamer Miss-Wahlen an die Frau zu bringen. Jedenfalls solange bis die Firma 1962 Konkurs anmelden muss…

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Revue

Duell in der Manege

Illustrierte Filmbühne Nr. 1209 (E.S.) Im dekorativen neuen Gewand präsentiert sich das Frankfurter Innenstadt-Kino „Roxy”, als am 22. Februar 1952 der MGM-Film „Duell in der Manege“ seine Frankfurter Premiere erlebt. Innerhalb von nur zehn Tagen ist das Lichtspielhaus, das drei Jahre nach dem Kriegsende (am 16. November 1948) seinen Spielbetrieb inmitten von Trümmern aufgenommen hat, modernisiert worden.

AnnieIm Innenraum sorgen neue Hochpolsterstühle in Rot und eine Fußboden-Erhöhung für bequemere Sicht auf die Leinwand. Der Kassenraum im Eingangsbereich besteht aus einer Mischung aus Glas und Metall, insgesamt ein Ambiente, dass der Zeit angemessen ist. Und zur Wiedereröffnung gibt es einen Film, der die Herzen der Stammkunden höher schlagen lässt. Denn dieser farbenprächtige Streifen ist die Verfilmung des großen Broadway-Erfolges „Annie get your Gun” von Irving Berlin. Es ist eine ziemlich freie Schilderung des Lebens der berühmten amerikanischen Kunstschützin Annie Oakley (1860-1926), die im glitzernden Reich der Wildwestschauen mit Buffalo Bill und Häuptling Sitting Bull ihre Schießkünste feilbietet. Cowboys, Indianer und Artisten prägen das bunte Bild der Zirkusnummern, in denen Eifersucht und Ehrgeiz eine große Rolle spielen – und natürlich auch die Liebe.

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Drama Romanze

Königin Christine

Illustrierte Filmbühne Nr. 1202 (E. S.) – Ende Dezember 1951 kommt im Frankfurter Bieberbau ein Klassiker der Filmgeschichte auf die Leinwand, der zu dieser Zeit schon 18 Jahre alt ist, in Deutschland am 24. Oktober 1934 seine deutsche Erstaufführung erlebt hat, und nun in einer neuen Synchronfassung von MGM noch einmal dem deutschen Publikum präsentiert wird.

Christine

Dass dieser ziemlich betagte Film noch einmal aus den Archiven geholt wird, liegt am allgemeinen öffentlichen Interesse, das der Schauspielerin Greta Garbo zu dieser Zeit entgegengebracht wird. Die Gazetten und einschlägigen Illustrierten sind immer wieder voller Geschichten über den schwedischen Star, der seinen letzten Film („Die Frau mit den zwei Gesichtern”) im Jahr 1941 gedreht hat. Gemunkelt wird von einem Comeback, die Rede ist von allerlei neuen Projekten, die Garbo ist trotz ihrer Scheu und Zurückgezogenheit auf Bildern mit dunkler Sonnenbrille präsent. Doch alle Pläne, nach langer Pause auf die Leinwand zurückzukehren, zerschlagen sich. Die Zeit der großen Diva ist vorbei. Dazu trägt auch das nachlassende Interesse der Hollywood-Gewaltigen entscheidend bei. Neue Filme wird es nicht mehr geben, aber alte aus den Archiven lassen sich immer noch gut vermarkten…

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Abenteuer

Abenteuer im Roten Meer

Illustrierte Filmbühne Nr. 1185 (E. S.) – Im August 1951 kommt der österreichische Dokumentarstreifen Abenteuer im Roten Meer in die deutschen Kinos – darunter auch in das „Metro im Schwan” in Frankfurt am Main. Dem Streifen wird allseits bescheinigt, interessanter und spannender zu sein als viele Spielfilme dieser Zeit.

Die Beschreibungen in den Tageszeitungen sind dann auch außergewöhnlich enthusiastisch. Alfred Happ schreibt in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau”:

„Das Eigentliche sind hier glitzernden Lichter der Tiefe, die Urlandschaften der Korallengebirge, die Urrhythmen der Fischschwärme und ihre märchenhafte Schönheit.”

Rotes Meer

„Die Neue Zeitung”, Blatt der US-Besatzungsbehörde, begeistert sich gleichermaßen für den Film:

„Das Faszinierende sind weniger die – an sich natürlich einzigartigen – Aufnahmen seltener und gefährlicher Meerestiere aus nächster Nähe, sondern die Darstellung des in eine Welt der Schwerelosigkeit und Phantastik versetzten Menschen.”

Der Dokumentarfilm hat eine dünne Spielhandlung, die allerdings nur den Bericht des Wiener Zoologen und Meeresforschers Hans Hass über Fauna und Flora des Roten Meeres locker zu verbinden sucht.

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Western

Rio Grande

Illustrierte Filmbühne Nr. 1201. (E. S.) – Der Western-Klassiker Rio Grande wird Ende September 1951 in verschiedenen deutschen Städten, darunter im Frankfurter Eden im Ostend, für die Bundesrepublik erstaufgeführt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Colonel Kirby Yorke (John Wayne).

Rio Grande grünDieser Streifen, angesiedelt am gleichnamigen Grenzfluss zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, ist allerdings nicht nur ein Western der üblichen Sorte mit Knallerei und wilden Reiterjagden, sondern ein Kriegsfilm, in dem die US-Truppen einen erbarmungslosen Kampf gegen die indianischen Ureinwohner des Landes führen. Und der Film wird – wie allgemein üblich in US-Filmen (Ausnahmen bestätigen die Regel) – nicht aus der Sicht der Indianer erzählt, sondern aus dem Blickwinkel der Land-Eroberer; voll gestopft mit edlem „Patriotismus”. Wer den Streifen mit vielen Jahrzehnten Abstand im Jahr 2015 noch einmal sieht, erkennt in der erzählten Geschichte aus 1879 jenes System, das die Voraussetzungen für die politisch-militärischen Verhaltensweisen legte, die auch heute noch von den USA „gepflegt” werden – allerdings nicht mehr nur lokal auf dem Boden der USA, sondern weltweit. Eingebettet wird das Ganze in eine Familiengeschichte mit lange anhaltenden Zerwürfnissen, die sich aber in Luft auflösen, als die angreifenden – und natürlich bösen Apachen – von den guten Weißen besiegt werden. Wie könnte es anders sein? Es ist ein durch und durch amerikanischer Film.

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Komödie

Mein Freund Harvey

Illustrierte Filmbühne Nr. 1184 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspieltheater „Metro im Schwan” startet Mitte Juli 1951 ein Film, der mit seinem hintergründigem Humor den grauen Alltag vergessen lässt und in fast poetischer Weise die Herzensgüte eines spleenigen, aber gutmütigen Mannes in einer amerikanischen Kleinstadt zum Thema hat.

HarveyEin gewisser Elwood P. Dowd (James Stewart) lebt in Harmonie mit seinem überaus guten Freund und ständigen Begleiter. Wo auch immer der freundliche Mann hingeht, begleitet ihn dieser Freund. Außer Elwood Dowd merkt das freilich niemand im näheren Bekannten- und Freundeskreis, denn nur er selbst vermag den zwei Meter großen Harvey zu sehen; es ist ein weißer Hase, mit dem sich Dowd berät und austauscht und dieses Verhalten bringt seine Schwester Veta (Josephine Hull) fast zur Verzweiflung, denn wegen des skurrilen Auftretens fürchtet sie um die Heiratschancen ihrer Tochter Myrtle Mae (Victoria Horne) – schließlich vertreibt Elwood alle in Frage kommenden Kandidaten aus dem Haus. Danach wird im Verwandtenkreis erwogen, den im Grunde absolut harmlosen Elwood in eine psychiatrische Anstalt einweisen.

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Lustspiel

Die Frauen des Herrn S.

Illustrierte Filmbühne Nr. 1180 (E. S.) – Erstaufführung eines deutschen Films im Bierbau im August 1951. Hoffnungen auf ein satirisches Lustspiel werden freilich nicht erfüllt, wenngleich es die Werbung verspricht.

Herr SEs geht – verfremdet versteht sich – um die Rolle der vier Besatzungsmächte in Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Thema ist nach 1945 in mehreren Filmen thematisiert worden. Die Briten machen den gangsterhaften Kriminalstreifen „Der dritte Mann”, die Schweizer drehen das Drama „Die Vier im Jeep” – ebenfalls mit Schauplatz Wien – , die Deutschen versuchen es mit einer Art satirischem Lustspiel mit dem Titel Die Frauen des Herrn S. Als Besatzungstruppen fungieren Makedonen (Amerikaner), Kreter (Briten), Perser (Russen) und Korinther (Franzosen). Sie werden dabei auf die Schippe genommen, doch nicht immer gelingt dies. Das politische Ränkespiel des Philosophen Sokrates als geheimer Ratgeber der Regierung im antiken Athen. Die Geschichte dient als Rückprojektion, um politische und weltanschauliche Probleme der Nachkriegszeit zu karikieren; das weitgehend niveaulos aufgezogene Lustspiel weist freilich nur geringe satirische oder kabarettische Elemente auf.

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Lustspiel

Hilfe, ich bin unsichtbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1174 (E. S.) Ohne jede inhaltliche Bedeutung ist das Lustspiel Hilfe, ich bin unsichtbar, das am 2. September 1951 im Luxor am Hauptbahnhof seine Frankfurter Erstaufführung erlebt. Gleichwohl bleibt mir der Film in guter Erinnerung, denn just zur gleichen Zeit darf ich erste Erfahrungen in der „praktischen Filmarbeit” machen.

HilfeZunächst zum Film: Der Inkassovertreter Fritz Sperling (Theo Lingen) ist zwar ein liebender, aber auch sehr „vergnügungssüchtiger” Ehemann, der in seiner Freizeit das mühsam verdiente Geld – sehr zum Leidwesen seiner jungen Frau (Inge Landgut) – in technische Experimente steckt, um einen Apparat zu entwickeln, der die Menschen unsichtbar machen soll. Irgendwann wird er tatsächlich unsichtbar, und setzt seine Umwelt in gehörige Verwirrung, muss aber schnell erkennen, dass die Welt auch für einen Unsichtbaren nicht gerade vergnüglicher wird. Um wieder sichtbar zu werden, benötigt Sperling sogar eine gewisse Menge alkoholischer Getränke, was ihn unversehens vor die Frage stellt, entweder unsichtbar und nüchtern zu sein, oder sichtbar und betrunken. Die sich daraus ergebenden Situationen halten den Film mit zahlreichen komischen Szenen am Laufen, ohne jedoch Beifallstürme auszulösen. Es ist eben ein Lustspiel, wie sie zu dieser Zeit massenweise in die Kinos gespült werden. Immerhin aber sind Theo Lingen, Grethe Weiser, Fita Benkhoff, Hubert von Meyerinck und Joseph Offenbach zu dieser Zeit Garanten für beste Unterhaltung. Für mich persönlich aber ergibt sich nach dem Film sogar die Chance, selbst bei einem Film „mitzuarbeiten.

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Oper

Liebesnächte in Sevilla

Illustrierte Filmbühne Nr. 1171 (E. S.) –  Es ist ein farbenprächtiger Film, der am 31. August 1951 über die Leinwand des Filmpalastes in Frankfurt flimmert. Rita Hayworth, verführerisch und temperamentvoll wie eh und je, ist der Star in dem Streifen Liebesnächte in Sevilla, der von Regisseur Charles Vidor in Szene gesetzt ist. Gleichwohl kann der Film manche professionelle Kritiker nicht begeistern.

Liebesnächte in Sevilla KopieDie Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” zum Beispiel bezeichnet Rita Hayworth schlicht als „andalusische Postkartenschönheit” und der Journalist Alfred Happ betrachtet es in diesem Zusammenhang als einigermaßen fatal, „eine zwar schöne, aber schauspielerisch nur mäßig begabte Frau mit gut praktizierten Sex-Appeal und sehr kleinen Tanzkünsten eine Gestalt der Weltliteratur verkörpern zu sehen”. Die Hamburger Wochenpostille „Der Spiegel” ist in ihrem Urteil noch schärfer und prägnanter: „Trotz ihrer romanischen Herkunft bleibt Rita Hayworth der Titelrolle alles schuldig, bis auf das Make-up. Gestellte Postkarten-Erotik in einem Spanien aus Pappmaché.” Eine Kritikermeinung, die sich nicht jedem erschließt, denn die Besucher verlassen recht zufrieden das Lichtspielhaus, wahrscheinlich auch deshalb, weil die meist jungen Besucher das Carmen-Original bisher nicht kennen (und erlebt haben). Weder die Novellen-Urfassung von Prosper Mérimée, noch die Oper von Bizet.

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Oper

Hoffmanns Erzählungen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1169 (E. S.) Klappern gehört seit jeher im Filmgeschäft zum Handwerk. Auch als der britische Tanz- und Opernfilm Hoffmanns Erzählungen am 31. August 1951 im Frankfurter „Metro im Schwan” an der Hauptwache seine Deutschland-Premiere feiert, geht es in dieser Hinsicht in den werbenden Zeitungsanzeigen ein wenig großspurig zu.

Hoffmann„Eine phantastische Schöpfung, wie sie noch nie auf einer Leinwand zu sehen war” heisst es da zum Beispiel oder auch: „Ein Farbfilm-Wunder, das Sie die Welt vergessen lässt.” Einige weitere Superlative lauten: „Verschwenderische Ausstattung”, „musikalische Opulenz”, „exquisite Choreografie”. Das alles mag ein wenig übertrieben erscheinen, aber tatsächlich haben die Produzenten Michael Powell und Emeric Pressburger – sie schreiben außerdem das Drehbuch und führen Regie – eine höchst beeindruckende Verfilmung der Offenbach-Oper (nach den Erzählungen von E. T. A. Hoffmann) geschaffen. Manche sprechen sogar von einem künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignis”. Die Produzenten scheuen jedenfalls keine Mühen, um ihrem Farbfilm den nötigen Glanz zu verleihen. So hat der berühmte Dirigent Sir Thomas Beecham die musikalische Leitung übernommen, für das Bühnenbild ist Oscar-Preisträger Hein Heckroth („Die roten Schuhe”) zuständig – ein Mann, dessen künstlerisches Schaffen die Theaterbesucher in Frankfurt am Main bald noch intensiver erleben werden, denn Heckroth kommt 1956 an die Städtischen Bühnen, die vom legendären Harry Buckwitz geleitet werden.

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Sozialdrama

Fahrraddiebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 1168 (E. S.) Der Film Fahrraddiebe, der im August 1951 in die deutschen Kinos gekommen ist, weckt bei mir viele Erinnerungen an die erste Nachkriegszeit auch bei uns. Ein intaktes Fahrrad zu besitzen, das war in dieser schwierigen Zeit durchaus ein Privileg: und es gegen diebische Mitmenschen zu verteidigen (und zu behalten) das oberste Gebot.

FahrraddiebeWie wichtig ein solches Vehikel sein konnte, erlebte meine Familie nach dem Krieg im Frühjahr 1946, als es für uns Ausgebombte um eine Rückkehr-Genehmigung nach Frankfurt ging. Durch Erlass des Oberbürgermeisters, und abgesegnet von den Militärbehörden, war das zunächst nämlich untersagt. Für Handwerker wie meinen Vater gab es allerdings Ausnahmen, weil sie zum Wiederaufbau dringend gebraucht wurden. Um darüber mit dem Wohnungsamt zu verhandeln, waren zahlreiche Fahrrad-Touren notwendig, weil in Frankfurt auch längst nicht alle Straßenbahnen verkehrten. Einmal radelten meine Schwester und ich sogar aus dem Westerwald nach Frankfurt, erledigten alle Formalitäten und strampelten am nächsten Tag zurück, nachdem wir bei Bekannten für eine Nacht Unterschlupf gefunden hatten. In solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig ein Drahtesel sein konnte. Deshalb war mir die Lage des Plakatklebers Antonio in dem Film so gegenwärtig. Eigene Erlebnisse machen vieles, was anderen widerfährt, verständlicher. Das bezieht sich auch auf Antonio, den Plakatkleber, der in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg nach langer Arbeitslosigkeit endlich eine Stelle als Plakatkleber findet.

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Sciencefiction

Endstation Mond

Illustrierte Filmbühne Nr. 1161 (E. S.) – Es ist Mitte Juli des Jahres 1951, als einige seltsam aussehende Gestalten den Menschen an der Frankfurter Hauptwache entgegentreten. Die sperrig wirkenden Anzüge sind nicht gerade furchteinflößend, aber die mächtigen, runden Helme erregend die Aufmerksamkeit der Passanten, obwohl Weltraumfahrt bisher kein großes Thema in der Bundesrepublik Deutschland ist.

NeumondDeshalb sind es vor allem Jugendliche und Kinder, die sich für die Männer interessieren, die vom Constantin-Filmverleih auf die Straße geschickt worden sind, um für den im Turmpalast anlaufenden Film Endstation Mond Werbung zu betreiben. Dieser utopische Farbstreifen ist ohne Zweifel ein Propagandafilm des beginnenden Kalten Krieges. „Wer zuerst Besitz vom Mond nimmt”, – und damit eine Raketenabschussbasis besitzt –, „wird die Erde kontrollieren und beherrschen”, lautet die Botschaft, nachdem eine „feindliche Macht” sich ebenfalls um Präsenz auf dem Erdtrabanten bemüht. Die US-Regierung freilich ist einigen gut betuchten Privatleuten zu zögerlich, nachdem ein erster Versuch, den Mond zu erobern, durch Sabotage gescheitert ist. Die wirklich Mächtigen des Landes greifen zur Selbsthilfe.

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Thriller

Du lebst noch 105 Minuten

Illustrierte Filmbühne Nr. 1160 (E. S.) – Eine neurotische und zudem gehbehinderte Frau liegt krank im Bett, sie ist allein in ihrem luxuriösem Haus, sie versucht ihren Mann im Büro zu erreichen… Ihre Dienerschaft hat sie weggeschickt, denn sie erwartet ihren Mann. Doch der kommt nicht. Sie ruft ihn im Büro an… Ein Knacken in der Leitung, unbekannte Männerstimmen besprechen einen Mordplan an einer einsamen Frau im Herzen von New York…

Du-neuFurcht breitet sich aus in ihr. Leona Stevenson (Barbara Stanwyck) hört gebannt zu, noch ahnt sie nicht, dass sie selbst gemeint sein könnte. Sie versucht, telefonisch auf den Mordplan aufmerksam zu machen, 105 Minuten lang, bei der Telefongesellschaft, bei der Polizei, bei ihrem Vater, bei ihrem Arzt – alles erfolglos. In diesem schlimmen Minuten erkennt sie in wachsender Verzweiflung, dass es um sie selbst geht, dass sie selbst das Opfer sein wird… Kurz vor 23.15, der verabredeten Mordzeit, hört sie Schritte auf der Treppe, der gedungene Mörder schleicht sich heran, um die Tat auszuführen, die ihr eigener Ehemann Henry (Burt Lancaster) selbst in Auftrag gegeben hat. Endlich gelingt es ihr, mit Henry zu sprechen, doch es ist zu spät, die Uhr tickt unbarmherzig ihrem Ende entgegen.

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Lustspiel

Das späte Mädchen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1154 (E. S.) – Die Frankfurter erleben Anfang Juni 1952 ein zunächst nebensächlich erscheinendes Ereignis, das aber die Bundesrepublik in den Jahren danach entscheidend mit prägen wird. Am Ostbahnhof eröffnet nämlich Josef Neckermann das erste Versandhaus in Deutschland.

Das späte MädchenMitte Juni eröffnet im Nordend aber auch ein weiteres Frankfurter Kino. Es ist das inzwischen 54. Lichtspiel-Theater in der wachsenden Mainmetropole und ein Neubau im Erdgeschoss eines Geschäfts- und Wohnhauses. Betreiber sind die Brüder Friedrich und Helmut Wollenberg mit ihrer Hessenfilm GmbH. Nach der Straße, in dem es errichtet worden ist, wird das Theater Glauburg-Palast genannt. Die „Frankfurter Rundschau” schreibt am 23. Juni über das Theater: „Der geschmackvolle, in zartem Reseda und Altrosa gehaltene Zuschauerraum mit der muschelförmigen, hellen Decke macht einen behaglich-ruhigen Eindruck. Von allen 750 mit hellbraunem Cord bezogenen Flachpolsterstühlen hat man einen guten Blick auf die Leinwand.” Auf dieser Leinwand sehen die Premierengäste in festlicher Stimmung den deutschen Spielfilm Das späte Mädchen, von dem jedoch niemand genau einzuordnen weiß, ob es ein Melodram, ein Liebesfilm oder eine leichte Komödie ist.

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Western

Tal der Leidenschaften

Illustrierte Filmbühne Nr. 1139 (E. S.) – Bürgerkriege haben ihre ganz eigenen Gesetze wie jedermann aus der Geschichte weiß. In Korea tobt in den Jahren zwischen 1950 und 1953 ein schlimmes Gemetzel zwischen dem Norden und den Süden. Schon früher gab es diese unheilvollen Auseinandersetzungen, die eingebrannt sind in das Gedächtnis der Menschheit. Zur Zeit des Koreakrieges läuft in Deutschland der Film Das Tal der Leidenschaften, der sich mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt.

Titelblatt der Filmbühne (© Filmverlag Unucka)

Erstmals ist dieser groß angelegte US-Film am 24. April 1951 im Frankfurter Metro im Schwan zu sehen und er vermittelt dem Zuschauer Ausschnitte aus der amerikanischen Geschichte. Dabei werden sowohl politische als auch private Geschehnisse lebendig gemacht. Alles spielt während der Präsidentschaft von Abraham Lincoln um 1861, zu einer Zeit also, als der Abfall der Südstaaten zum Ausbruch dieses unbarmherzig geführten Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten führt. Ganz eng verknüpft mit den vielfältigen kriegerischen Ereignissen ist das Geschick der Familie Dabney, die das wilde und fruchtbare Lebanon-Tal im Süden des Staates Mississippi in jahrelanger Arbeit kultiviert hat und nun mitsamt ihrer großen Plantage in den Strudel des Bürgerkriegs hineingerissen wird.

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Detektiv

Inspektor Goddard

Illustrierte Filmbühne Nr. 1137 (E. S.) – Wieder einmal ein Besuch im Roxy in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Geschuldet ist dies dem Hauptdarsteller Alan Ladd, der sich diesmal als Inspektor Goddard von der Kriminalabteilung der US-Bundespost auf Verbrecherjagd begibt.

Alan Ladd ist mit seiner unterkühlten und lässigen Art ein beliebter Darsteller in Kriminal-, Abenteuer- und Acitionsfilmen dieser Jahre. Seine trockene und zugleich nonchalante Art machen ihn bei den Jugendlichen besonders beliebt. Und viele amerikanische Kriminalfilme dieser Zeit haben halbdokumentarischen Charakter, der das jugendliche Publikum ebenfalls anspricht. Diese Streifen orientieren sich meist an der Tätigkeit der Sicherheitsorgane großer US-Institutionen wie etwa des Schatzamtes oder – in diesem gezeigten Fall – der US-Post. Ähnliche Filme dieser Art sind „Der Todeskuss”, „Straße ohne Namen”, „Polizeirevier 21” oder „Geheimagent T”, um nur einige zu benennen. Auch Inspektor Goddard reiht sich hier ein und versucht ein realistisches Bild von der Arbeit der Beamten im Kampf gegen das Verbrechen zu zeichnen. In diesem Fall geht es um einen geplanten Raub von einer Million Dollar. Einer der Sicherheitsleute ist bereits ermordet worden, also schleicht sich Goddard in die Bande hinein, um als Undercover-Agent den großen Coup zu vereiteln.

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Sozialdrama

Boulevard der Dämmerung

Illustrierte Filmbühne Nr. 1136 (E. S.) – Der von Billy Wilder meisterhaft inszenierte und von Kameramann John Seitz herausragend fotografierte Film Boulevard der Dämmerung – die Frankfurter Erstaufführung ist Anfang Mai 1951 im Metro im Schwan – kritisiert zwar außergewöhnlich offen das glamouröse Image der Filmmetropole Hollywood, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser „Traumfabrik”.

Das Selbstbildnis vom Sunset Boulevard – so lautet der amerikanische Originaltitel – ist eine Mischung zwischen Dichtung und Wahrheit. Es geht dabei um die Tragödie der einst überschwänglich gefeierten Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson), die nach dem Ende ihrer einst glanzvollen Karriere und besessen von dem Wunsch nach einem Comeback den jungen, aber mittellosen Drehbuchautor Joe Gillis (William Holden) an sich bindet, um mit seiner Hilfe ihren Traum von der Rückkehr auf die Leinwand zu verwirklichen. Anfangs unterstützt Gillis sie bei ihren Selbsttäuschungen, wendet sich aber bald ab von ihr und macht sie unbarmherzig auf die raue Wirklichkeit ihres Niedergangs aufmerksam. Im düsteren Leben inmitten einer Welt musealer Erinnerungen in ihrem Prunkhaus nistet tatsächlich in allen Ecken der Traum von neuem Ruhm, der von dem ihr sklavisch und bedingungslos ergebenen Butler Max (Erich von Strohheim) kritiklos unterstützt wird – wohl auch deshalb, weil er nicht nur ihr früherer Regisseur, sondern auch ihr erster Ehegatte war.

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Zirkuswelt

Der Tiger Akbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1130 (E. S.) – Ab 25. Mai 1951 läuft in acht Frankfurter Stadtteilen der Film „Der Tiger Akbar“ an. Zusammengetan zur Erstaufführung haben sich das Anker (Fechenheim), das Adler (Ginnheim), Atrium (Heddernheim), Römer (Praunheim), Delphi (Preungesheim), Neues Theater (Höchst), Lichtspiele (Riederwald) und die Lichtspiele (Rödelheim). Hauptdarsteller des Streifens ist ein Mann, der auf eigentümliche Weise Kinogeschichte geschrieben hat.

Der Tiger AkbarDer Name Harry Piel ist uns Schülern und Jugendlichen geläufig, obwohl die meisten von uns nicht genau wissen, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Doch so ziemlich alle Eltern haben früher nach Kinobesuchen immer intensiv über die skurrilen Abenteuer des Sensationsdarstellers und über spektakulären Aktionen in seinen Filmen gesprochen. Kein Wunder, dass auf Schulhöfen und Straßen der Satz „Harry Piel sitzt am Nil, wäscht die Beene mit Persil” – mit zahlreichen Abwandlungen, die hier nicht erörtert werden sollen – ein beliebter Reim ist. Nun ist also eine gute Gelegenheit, Harry Piel selbst in einem seiner Filme kennen zu lernen.

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Sozialdrama

Bandito

Illustrierte Filmbühne Nr. 1132 (E. S.)  – Für den italienischen Film ist es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fast selbstverständlich, sich mit der schwierigen, sozialen Situation der einfachen Menschen zu beschäftigen. Unter diesen Umständen entstehen einige der besten Streifen der Filmgeschichte. Darunter ist auch „Bandito“ von Alberto Lattuada aus dem Jahr 1946.

BanditoBildViele Gründe spielen für das, was Filmhistoriker als Neorealismus bezeichnen, eine gewichtige Rolle. Weil die Filmstadt Cinecittà vor den Toren Roms von Flüchtlingen belegt ist, und es an allen Materialen fehlt, die zum Filmen notwendig sind, gehen die italienischen Filmemacher auf die Straßen, drehen in den Trümmer der Städte und zeigen das Elend des besiegten Landes. Oft wird nur mit Laiendarstellern gearbeitet, weil kein Geld vorhanden ist. So entstehen unter anderen die Rosellini-Streifen „Rom – Offene Stadt”, „Paisà”, „Deutschland im Jahre Null” sowie „Fahrraddiebe” und „Schuhputzer” (von Vittorio de Sica), um nur einige der wichtigsten zu nennen. Auch der Film Bandito von Regisseur Alberto Lattuada gehört zu diesem Filmen, obwohl sich in diesem Streifen reißerische Elemente mit melodramatischen Akzenten vermischen. Anna Magnani, die Hauptdarstellerin wie in vielen italienischen Werken der Nachkriegszeit, ist neben den Regisseuren der große Star dieser Zeit.

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Arzt

Eva und der Frauenarzt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1131 (E. S.) – Zu einer der merkwürdigsten Premieren des deutschen Films kommt es am 30. März 1951 im Frankfurter Filmpalast. Gezeigt wird der Film Eva und der Frauenarzt. Es soll Sexualaufklärung betrieben werden; das Ganze ist verpackt in eine schmale Spielfilmhandlung.

EvaDem Film wird zwar allgemein bescheinigt, aus medizinischer Sicht durchaus fundiert zu sein, bleibt aber gleichwohl eine zwiespältige Angelegenheit. Das mag einerseits daran liegen, dass der Streifen weitgehend aus amerikanischen Kulturfilmen zusammengeschnitten und mit einer nur dürftigen Rahmenhandlung deutscher Machart versehen ist, was die Herstellungskosten des Streifens auf nur 40.000 DM senkt. Auf der anderen Seite spekulieren die Produzenten natürlich auf größere Gewinne. Als „umsatzfördernde Maßnahme” wird beschlossen, das Publikum im Kino nach Geschlechtern getrennt sitzen zu lassen, was zweifellos (und durchaus beabsichtigt) Erwartungen auf besonders prickelnde erotische Szenen hervorruft. Und so ist der Andrang von Zuschauern tatsächlich beachtlich. Die Frauen müssen im Frankfurter Filmpalast auf der rechten Seite im großen Saal Platz nehmen, die Männer links. In der Mitte bleibt eine Reihe frei. Ein wenig schamhaft und klopfenden Herzens nehmen die meist jungen Leute – darunter auch meine Freundin und ich – ihre Plätze ein und harren der Dinge, die da kommen sollen. Die auf diese Weise hoch geschaukelten Erwartungen auf erotische Überraschungen werden freilich nicht erfüllt.

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Arzt Melodram

Dr. Holl

Illustrierte Filmbühne Nr. 1118 (E. S.) – Mit diesem Streifen wird im Jahr 1951 in der Bundesrepublik das der Genre der Arztfilme kreiert. Weil Der Film Dr. Holl (Untertitel: Die Geschichte einer großen Liebe) einer der finanziell erfolgreicheren der Nachkriegszeit ist, folgten bald weitere, in denen Mediziner jeder Coleur im Mittelpunkt der Handlung stehen.

Dr. HollFür jene, die genauer hinschauen, ist der Stoff allerdings höchst unglaubwürdig. Für andere, die sich am Liebesleid- und schmerz berauschen können, ist es dagegen ein wahrer Genuss: Denn der Arzt Dr. Holl (Dieter Borsche) ehelicht – obwohl mit der jungen Medizinstudentin Helga Römer (Heidemarie Hatheyer) verlobt – die scheinbar unheilbare Patientin Angelika Alberti (Maria Schell), um ihr letzte Tage des Glücks zu schenken. Eine erstaunliche Haltung zweifellos! Immerhin ist aber schon bald zu ahnen, dass der Film ohnehin einen anderen (und glücklicheren) Ausgang nehmen wird als anfangs vermutet. Denn Dr. Holl beginnt nicht nur seine Patientin wahrhaft zu lieben, sondern entwickelt – wer hätte das im Geheimen nicht bereits geahnt? – ein Serum, mit dem Angelika Alberti vor dem sicher scheinenden Tod gerettet werden kann. Doch Dr. Holl ist weiter hin- und her gerissen zwischen den beiden Frauen. Ein publikumswirksames Gefühlsdrama wie aus dem Bilderbuch nimmt seinen Lauf. Wie wird es weitergehen? Dr. Holls Verlobte Helga Römer macht schließlich den Weg frei für Holl und Angelika. Helga gibt ihrer beruflichen Karriere den Vorrang, der Weg ist nun frei und aus der Mitleids- wird eine Liebesehe.