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Revue

Kind der Donau

Illustrierte Filmbühne Nr.  1113 (E. S.) – Zu den Osterfeiertagen 1951 läuft im Turmpalast die Frankfurter Erstaufführung des österreichischen Musikfilms „Kind der Donau“ mit Marika Rökk an. Es ist ein ganz und gar auf den den Charme und die ungarisch-wienerische Herzlichkeit der Hauptdarstellerin ausgerichteter Unterhaltungsfilm.

Kind der Donau-neuDer eher dürftige Streifen mit dünnem Handlungsfaden fällt freilich durch einige Besonderheiten auf: Es ist Österreichs erster Farbfilm überhaupt, einige Szenen des Films stammen zudem aus Material, das bereits 1944 aufgenommen worden ist. Die Uraufführung findet überraschend zuallererst in der DDR statt (4. August 1950 in Berlin), noch zwei Wochen vor der Premiere in Österreich (Wien). Letzteres ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die Finanzierung des Films – wie auch die einiger anderer – erst durch großzügige Kredite der unter sowjetischer Kontrolle arbeitenden Rosenhügel-Ateliergesellschaft ermöglicht wird. Ein Umstand, der dann auch dazu führt, dass der Streifen in der Bundesrepublik trotz seiner Harmlosigkeit nicht gerade wohlwollend aufgenommen wird.

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Sozialdrama

Meuterei auf der Bounty

Illustrierte Filmbühne Nr. 1112 und Berliner Filmkurier 2520 (E. S.) – Die „Meuterei auf der Bounty“ ist ein amerikanischer Filme, der bereits 1936 in Deutschland gezeigt worden ist, zu einer Zeit, als die Nazis den Vertrieb unliebsamer ausländischer Filme noch nicht unterbunden haben. Im Jahr 1951 wird der Streifen von Metro-Goldwyn-Mayer in einer  nagelneuen, synchronisierten Fassung wieder die deutschen Kinos geschickt.

Bounty

Der Film beruht auf dem Roman „Schiff ohne Hafen” von Charles Nordhoff und James Norman Hall und beschäftigt sich mit einem historisch verbürgten Ereignis aus dem Jahr 1789, wobei allerdings die Buch- und Filmdarstellungen nichts mit der Realität zu tun haben. Es wäre an dieser Stelle übertrieben, die wirklichen Geschehnisse im Detail zu beschreiben, denn inzwischen ist alles Wesentliche rund um die Meuterei von Historikern erforscht und niedergeschrieben worden. Doch als ich den Streifen Mitte Juni 1951 im Frankfurter Turmplast sehe, ist mir das alles noch unbekannt. So sehe ich einen spannenden und aufwühlenden Film, wenngleich die Brutalität und unmenschliche Härte von Kapitän William Bligh (Charles Laughton) erschreckend ist.

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Unterhaltung

Der alte Sünder

Illustrierte Filmbühne Nr. 1110 (E. S.) – Wiener Heurigen-Romantik, verknüpft mit diversen menschlichen Problemen eines wohlhabenden Schneiders, geben die Staffage ab für einen österreichischen Film, der ab 4. Oktober 1951 im Frankfurter Metro im Schwan zu sehen ist.

Der (silberhaarige) alte Sünder Ferdinand Bauer (Paul Hörbiger), Modekönig von Wien, legt noch immer einen Walzer auf’s Parkett, dass die Jungen vor Neid erblassen. Doch der Lebemann richtet mit seinem lockeren Lebenswandel sein Modehaus zugrunde, seine drei Töchter Fritzi, Fanny und Franzi (Inge Konradi, Johanna Matz, Thea Weis) sind zunächst auch unfähig, den Laden über Wasser zu halten. Doch nach einigen Verwicklungen und späten Einsichten wird alles gut. Wer hätte das (nicht) gedacht? Dass der in den Revuestar Yvonne Farini (Susi Nicoletti) verschossene Modekönig am Schluss in den Armen seiner früheren Zuschneiderin Mizzi Hanak (Maria Andergast) landen wird, ist schon frühzeitig erkennbar. So geht der Film mit viel Wiener Schmäh‘ einem gemütlichen und glücklichem Ende entgegen, genauso wie im gleichnamigen Theaterstück von Martin Costa, in dem Paul Hörbiger bei diversen Auftritten ebenfalls die Hauptrolle spielt.

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Tragikomödie

Lichter der Großstadt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1105 und Filmkurier Nr. 1578 (E. S.).– „Alle Filme kann man nicht sehen, diesen aber muss man sehen!” erklärt die Zeitungswerbung, als Lichter der Großstadt ab 24. März 1951 für ein paar Tage in einer Wiederaufführung im Luxor in Frankfurt zu sehen ist. In dem mit Musik unterlegten Stummfilm geht es um den Landstreicher Charlie, der sowohl Retter eines exzentrischen Millionärs als auch selbstloser und hilfsbereiter Verehrer eines blinden Blumenmädchens ist.

Lichter

Als Charlie Chaplin bei der deutschen Erstaufführung 1931 in Berlin gefragt wird, ob er auch in Zukunft beim Stummfilm bleiben werde, antwortet er:

„Es wäre die größte Torheit meines Lebens, wenn ich von der Leinwand herunter spräche!…” Und zu den Filmgewaltigen der damaligen Zeit gewandt, ergänzt er: „Sie besaßen (mit dem Stummfilm) das idealste Mittel der internationalen Verständigung. Die ganze Welt verstand das stumme Spiel der Künstler. Aber eines Tages haben Sie dieses Weltprodukt nationalisiert… In diesem Augenblick richten Sie mit ihren französischen, deutschen, spanischen Versionen nur Verwirrung an. Das kostet viel Geld aber der Erfolg ist zweifelhaft.”

Doch gleichwohl nutzt Chaplin in der ironischen und sozialkritischen Tragikomödie Lichter der Großstadt die Möglichkeiten des neuen Mediums, indem er seinen stumm gedrehten Film mit musikalischen Effekten untermalt. Weil er selbst keine Noten lesen und schreiben kann, lässt er seine Ideen von einem Musiker namens Gordon Pollock aufschreiben.

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Thriller

Weißes Gift

Illustrierte Filmbühne Nr. 1103 (E. S.) – Ein amerikanischer Freund ist höchst irritiert. In den Zeitungen liest er Berichte über den Hitchcock-Film Weißes Gift, und da ist von einem Rauschgift-Drama die Rede – er selbst aber hat den Film in den USA bereits gesehen und schwört Stein und Bein, es gehe nicht um irgendwelche Dealer, sondern um Nazi-Spione und um die Jagd nach Uran.

Nachforschungen ergeben, dass der Freund recht hat. Die deutschen Zeitungen haben jedoch von der Manipulation keine Ahnung. In einer Frankfurter Tageszeitung ist im September 1951 die Version zu lesen, dass es sich bei Ingrid Bergman um eine kratzbürstige „Wildkatze” handelt, bei Cary Grant um einen schlichten Detektiv und bei Claude Rains um einen gefährlichen Rauschgiftkönig. „Zwischen ihnen spielen sich dialoggeladene Seelenkämpfe ab, die am Rande des weißes Giftes üppig gedeihen”, schreibt der getäuschte Filmkritiker. Es ist die Rede von Hass, Liebe, Kriminalität und Psychologie. Tatsächlich aber hat der Verleih den Film für die deutschen Zuschauer gefälscht. Aus Nazispionen sind internationale Rauschgiftschmuggler geworden. Der Grund für den Schwindel ist politischer und wirtschaftlicher Natur: Wie in vergleichbaren anderen Fällen auch (z. B. „Casablanca”) will der Verleih die deutschen Zuschauer nicht mit der eigenen düsteren Vergangenheit konfrontieren, natürlich auch in Erwartung auf gut gefüllte Kinokassen.

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Unterhaltung

Engel im Abendkleid

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Zweite Weltkrieg scheint 1951 bei vielen Kinobesuchern vergessen und abgehakt. Reine Unterhaltung zählt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass so genannte gesellschaftliche Ereignisse die Menschen eher faszinieren: Im Iran und in Ägypten spiegeln Märchenhochzeiten eine heile Welt aus Tausendundeiner Nacht vor. Schah Resa Pahlewi, Herrscher auf dem Pfauenthron, heiratet die deutschstämmige Soraya, König Faruk von Ägypten die 17-jährige Narriman Sadek. Und genau zu solchen Ereignissen passen dann auch Unterhaltungsfilme wie Engel im Abendkleid.

Engel im AbendkleidEine der am meisten beschäftigen Nachwuchsschauspielerinnen im deutschen Nachkriegsfilm ist die in Chemnitz geborene Bruni Löbel. Sie spielt eine energische, junge Gerichtsvollzieherin, die angeblich eine große Erbschaft gemacht hat und deshalb bald von überaus penetranten Mitgiftjägern heimgesucht wird. Weil sich bald herausstellt, dass die vermeintliche Erbin einer Nerzfarn nach wie vor ein arme Schluckerin ist, verschwinden die Heiratswilligen flugs wieder aus ihrem Leben. Übrig bleibt nur Peter Harden (Rudolf Prack), der sich als jener Übeltäter entpuppt, der mittels eines fingierten Inserats den ganzen Wirbel um den vermeintlichen Millionenbesitz erst ausgelöst hat. Selbst mit einem Berg von Schulden belastet und Besitzer einer maroden Immobile, erobert er gleichwohl das Herz die Gerichtsvollzieherin. Das ist durchaus eine Geschichte, die sich mit Pfiff erzählen ließe, doch die Hand des ungarischen Regisseurs Ákos von Rátony kann dem Geschehen keinen rechten Schwung verleihen. Selbst die ansonsten immer bewährten Routiniers Rudolf Prack und Paul Kremp wirken ein wenig uninspiriert.

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Western

Flammendes Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 1099 (E. S.) – In den Scala-Lichtspielen in der Frankfurter Innenstadt läuft im Sommer 1951 der Western „Flammendes Tal“ an – keine außergewöhnlich erwähnenswerte Sache, denn in diesem Technicolor-Streifen der Paramount werden die Zutaten der Wildwest-Geschichte nur auf die übliche Weise zusammengebraut, ohne jedoch nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Es sind ehemalige Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs, die nach Ende der Kampfhandlungen als Farmer arbeiten. Als auf ihrem Grundstück Kupfer gefunden wird, werden sie von kriminellen Geschäftsleuten aus der Stadt und dem windige Sheriff Lane Travis (McDonald Carey) auf übelste Art und Weise über den Tisch gezogen. Erst als der Revolverheld und Kunstschütze Johnny Carter (Ray Milland) den gebeutelten Schürfern auf die Sprünge hilft und sie sich mit seiner Hilfe zur Wehr setzen, müssen die Lumpen klein beigeben. Vorher freilich kommt es im Tal zu einer wilder Reiterschlacht unter den verfeindeten Gruppen, und danach versteht es sich von selbst, dass nicht nur die Guten gewinnen, sondern der auf der „richtigen” Seite kämpfende Carter und das schwarzhaarig-gelockte Tanzmädchen Lisa (Hedy Lamarr) – ihr Herz hatte zuvor noch einem der üblen Gesellen gehört –, sich selig den Armen liegen.

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Unterhaltung

Eine Frau mit Herz

Illustrierte Filmbühne Nr. 1096 (E. S.) – Eine Frau mit Herz ist ein eher belangloser Film aus der deutschen Nachkriegszeit. Die Venus-Film der in München lebenden Schauspielerin Olga Tschechowa hat den Streifen produziert, ein Erfolg freilich wird es nicht, obwohl einige der zu dieser Zeit üblichen Verdächtigen mitspielen. Neben der Tschechowa selbst sind das Rudolf Prack – kurz zuvor mit „Schwarzwaldmädel” zu frischem Ruhm gekommen –, Gustav Knuth, Susi Nicoletti, Ursula Herking und Siegfried Breuer.

Die Frankfurter Erstaufführung ist am 9. Mai 1951 im Metro im Schwan, aber die Kritiker sind nicht angetan: „Das ist wirklich kein guter Film“, heisst es da zum Beispiel, und weiter: „Da quält sich der begabte Regisseur Rudolf Jugert mit einem Drehbuch herum, das sich mit einem geringen Aufwand an Einfällen zähflüssig bis zum Happy-End hinzieht.” Die Darstellung von Rudolf Prack wird als „holzschnitzartig” bezeichnet, und einige der Witzchen als „geschmacklos” eingestuft. Kein Grund also, sich den Film anzusehen, obwohl andere Rezensenten zu dem gegenteiligen Schluss kommen; sie schreiben, der Film sei nicht „ohne Stil, Leichtigkeit und vergnügliche Regieeinfälle”. Und die öffentliche Werbung natürlich – wie könnte es anders sein –, fabuliert sogar von einem „Feuerwerk lustiger Einfälle”. 14 Tage später gerate ich doch in Versuchung, mir diesen Film anzusehen. Der Grund: Das „Schwanen” in Bockenheim und „Die Kurbel“ im Nordend annoncieren den Auftritt der „3 Travellers”.

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Thriller

Gehetzt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1093 (E. S.) Psychologische Differenzierung, dichte Atmosphäre und die analytisch-kritische Darstellung einer aus Dummheit und Engherzigkeit geborenen Massenhysterie machen ihn zum Klassiker seines Genres und zum amerikanischen Gegenstück zu dem dramatischen Streifen „M” (Deutschland 1931).

GehetztGute und spannende Filme starten Anfang der Fünfziger Jahre nicht immer in den Premierentheatern Frankfurts: etwa im Turm- oder Filmpalast oder im Metro im Schwan. Kleinere Verleiher wie etwas die amerikanische United Artists müssen zur Erstaufführung oft in Häuser der zweiten Kategorie ausweichen. Ein Beispiel dafür ist der Film Gehetzt, der erstmals nach dem Krieg für wenige Tage in der Mainmetropole im Hansa und Roxy zu sehen ist. Der Streifen ist schon satte 15 Jahre alt, sein Regisseur heisst Fritz Lang. Von Lang weiß ich zu dieser Zeit nur, dass er in Deutschland mit dem Stummfilm Metropolis (1923) zu Berühmtheit gelangt ist, und 1932 mit „M” einen frühen Tonfilm-Klassiker geschaffen hat – ein Streifen, in dem Peter Lorre als gejagter Mörder eine Glanzleistung abliefert.

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Unterhaltung

Geheimwelle 505

Filmkritiker sind entsetzt (E. S.) – Kinobesuche Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre ergeben sich für den Autor nicht aus künstlerischen oder ähnlichen Erwägungen: Zugpferde sind vielmehr die großen Leinwandstars aus Hollywood und England. Sind sie einmal nicht in neuen Filmen zu sehen, nimmt man gerne auch mit biederer Hausmannskost aus Deutschland vorlieb oder lässt sich auch einmal wider besseres Wissen von einen eher zweifelhaften Streifen anlocken.

GeheimwelleEiner dieser Filme läuft Mitte April 1951 in der Frankfurter Scala. Obwohl die „Frankfurter Rundschau” in ihrer Kritik von einem wahren „Alptraum” geschrieben hat, sehe ich mir das britische Machwerk Geheimwelle 505 an. Don Stannard spielt darin einen gewissen Dick Barton, der als gewiefter Meisterdetektiv vorgestellt wird, der jedwede Situation voll im Griff hat und auch die aberwitzigsten Verbrechen verhindert. Weil zu dieser Zeit der Kalte Krieg zum politischen „Tagesgeschäft” gehört, sind auch die kommerziellen Filmemacher längst auf den Zug der Propagandafeldzüge aufgesprungen, ob in West oder Ost – je nach ideologischer Sicht. Auch die Werbung lässt sich nicht lumpen und spricht im Zusammenhang mit diesem Streifen von „einer menschenmordenen Waffe, gegen die die Atombombe nur ein Kinderspielzeug ist”.

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Melodram Romanze

Liebesrausch auf Capri

Illustrierte Filmühne Nr. 1087 & DNF (E. S.) – Ohne nähere Einzelheiten über den Film „Liebesrausch auf Capri“ zu wissen, lockt doch der Titel in den Frankfurter Filmpalast. Denn Ende der Vierziger, auch noch Anfang der Fünfziger Jahre, ist in der Bundesrepublik ein Schlager in aller Ohren: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt…”

Liebesrausch auf Capri

Viele Interpreten haben das Lied von Gerhard Winkler (Text: Ralph Maria Siegel) schon gesungen, am bekanntesten ist in dieser Zeit die einschmeichelnde Version mit Rudi Schuricke. Doch das Paramount-Melodram Liebesrausch auf Capri hat nun rein gar nichts zu tun, mit dem schnulzigen Ohrwurm, obwohl es sich im Film durchaus um eine Romanze der außergewöhnlichen Art handelt – wenn auch mit ernsterem Hintergrund.

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Krimi

Entgleist

Illustrierte Filmbühne Nr. 1085 (E. S.) – Der Titel des Films „Entgleist“, der Anfang April 1951 im Frankfurter Roxy anläuft, ist doppeldeutig. Nicht nur ein Eisenbahnzug entgleist und bringt Leid über die Passagiere, sondern auch die Hauptfigur Helen Ferguson selbst – ohnehin schon mit diversen Problemen konfrontiert – wird aus ihrer Lebensbahn geworfen. 

EntgleistDas ist sechs Jahre nach Ende des Krieges in Deutschland – das tägliche Leben ist immer noch von manchen Mühen gekennzeichnet –, als Film nicht außergewöhnlich dramatisch, aber doch ähnlich dem, was manche Zuschauer selbst als eigene Schicksalsschläge haben verkraften müssen. Und aus diesem eigenem Erleben lässt sich manches besser verstehen. So auch bei diesem Drama, in dem Helen Ferguson (Barbara Stanwyck) – von ihrem brutalen Geliebten Stephan Morle (Lyle Bettger) im schwangeren Zustand verlassen und brutal gedemütigt –, im Zug die ebenfalls schwangere Patricia Harkness (Phyllis Thaxter) kennen lernt. Die junge Frau ist mit ihrem Mann Hugh (Richard Denning) auf der Reise zu dessen Familie. Helen Ferguson probiert gerade spaßeshalber den Ehering der anderen, als es zu einer Zugkatastrophe mit vielen Toten kommt. Wegen des Ringes an ihrem Finger wird sie für Patricia Harkness gehalten, die aber in Wirklichkeit mit ihrem Mann um’s Leben gekommen ist. Für Helen ergibt sich nun die Möglichkeit, mit der Identität von Patricia zu leben. Das wird begünstigt, weil niemand in der Familie Patricia Harkness zuvor gesehen hat.

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Lustspiel

Weltrekord im Seitensprung

Illustrierte Filmbühne Nr. 1084 und Filmkurier Nr. 3072 (E. S.) – Im „Dritten Reich” ist das Medium Film ein wichtiges Propagandamittel; doch die Nazi-Ideologie wird nur in relativ wenigen Filmen, darunter „Stukas”, „Hitlerjunge Quex”, „Ich klage an”, „Kolberg„” „Jud Süß” unverhohlen zur Schau gestellt. Denn der zuständige Propagandaminister Goebbels setzt vor allem nach 1939 auf unpolitische Unterhaltungsfilme, weil leichte Kost angesichts der harten Realität des Krieges die Menschen bei Laune halten soll.

Weltrekord im SeitensprungDie Mehrheit der deutschen Produktion umfasst Lustspiele, Operetten, im Ausland spielende Kriminalfilme und melodramatische Heimatfilme. Wie vom Fließband rauschen sie in die Kinos. Einer dieser vielen Filme heisst Weltrekord im Seitensprung, wird im Januar 1940 uraufgeführt und kommt elf Jahre später als Reprise wieder in die bundesdeutschen Kinos. In Frankfurt ist er 1951 in der Harmonie in Sachsenhausen zu sehen. Der etwa 100 Minuten lange Streifen ist ein derber Sçhwank um einige Frohnaturen in der fiktiven Stadt Dingelsingen und bierselige Bayern in München während des Oktoberfestes. Erzählt wird die Geschichte eines im Ruhestand lebenden Hoteliers, der sich bei einem Kegelturnier in München auf amouröse Abwege begibt, was zahlreiche Verwicklungen in München und danach in seiner Heimatgemeinde auslöst.

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Abenteuer Komödie

Die Liebesabenteuer des Don Juan

Illustrierte Filmbühne Nr. 1080 (E. S.) – Friedrich Wollenberg, Besitzer des „Metro im Schwan” an der Hauptwache in Frankfurt, hat sich wieder einmal etwas Besonderes ausgedacht, als der Warner-Streifen Die Liebesabenteuer des Don Juan Premiere hat. Nicht gerade verwunderlich, denn Wollenberg ist stadtbekannt für seine außergewöhnliche Werbemaßnahmen.  

Die Liebesabenteuer des Don JuanAls der Film Anfang März 1951 vor seiner Erstaufführung in der Mainmetropole steht, ordert Wollenberg sage und schreibe 10 000 kleine Blumensträußchen bei einschlägigen Händlern, lässt die gleiche Zahl von winzigen Visitenkärtchen drucken, und fügt sie den Gebinde bei. Die Geschenke werden von Pagen in der Innenstadt verteilt. Auf den Kärtchen steht nicht viel, nur einige Worte: „Ihr Don Juan erwartet Sie. Telefon 34668!“ Es ist eine eigens eingerichtete Nummer für den Vorverkauf. Im Gefolge der Pagen rollt – wie die Zeitung „Frankfurter Rundschau” am 6. März zu berichten weiß –, ein von Ponys gezogener Wagen des Zoologischen Gartens durch die Stadt, der ebenfalls zur eingesetzten Werbekolonne gehört. Klappern gehört für den Kinozar einfach zum Handwerk. Es ist nicht überliefert, inwieweit die Aktion den Besuch des Kinos tatsächlich positiv beeinflusst hat, immerhin ist Hauptdarsteller Errol Flynn zu dieser Zeit auch ohne massive Werbung immer noch ein Kassenmagnet, obwohl sein Stern in der Heimat wegen diverser Alkoholprobleme bereits am Sinken ist.

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Heimatland Krimi

Grenzstation 58

Illustrierte Filmbühne Nr. 1078 (E. S.) – 1950 hat das Schmuggel-Geschäft in Mitteleuropa Hochkonjunktur. Nach einer Recherche der Hamburger Wochenschrift „Die Zeit” gehen der Bundesrepublik Anfang der Fünfziger Jahre jährlich rund 800 Millionen Deutsche Mark an Zöllen und Steuern verloren. Der Hauptanteil davon geht auf Kaffee- und Zigaretten-Schmuggel zurück, ein Rest (etwa ein Achtel) entfällt auf illegale Einfuhr von Tee, Schokolade und Nylonstrümpfe.

Grenzstation 58Das hat seine Gründe. Die Preise in den verschiedenen Staaten sind extrem unterschiedlich, Zölle und Steuern gerade in Deutschland exorbitant hoch. In der Bundesrepublik müssen immerhin 46 Prozent des Zigarettenpreises an den Fiskus abgeführt werden; auf jedem Kilo Kaffee liegen 10 Mark Steuer, auf einem Kilo Tee sogar 15 Mark. Und besonders der Schmuggel an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Belgien nimmt Besorgnis erregende Formen an, aber auch in den Alpen werden zwischen Italien, der Schweiz, Österreich und Bayern kiloweise Waren über die gefährlichen Saumpfade der Berge geschleppt. Kein Wunder, dass sich auch die Filmemacher auf das brisante Thema stürzen. Grenzstation 58 ist ein Beispiel dafür. Die Zöllner und Grenzbeamten an der Grenze zwischen Bayern und Tirol werden in dem Film von einer raffinierten Bande in Atem gehalten, wobei Grenzjäger Reitlechner (Heinz Engelmann) und seine Kollegen fast immer auf verlorenem Posten stehen. Die Menschen im Dorf – fast alle direkt oder indirekt verbandelt mit den Schmugglern und deshalb fast alle auch ein wenig korrupt –, lachen sich über die erfolglosen Einsätze der Staatsdiener in’s Fäustchen.

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Arzt Wissenschaft

Das Herz muss schweigen

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Als ich 1950 eine Röntgenuntersuchung über mich ergehen lassen muss, mache ich mir so meine Gedanken über das „Röntgen”. Ich weiß natürlich, dass der griffige Begriff von dem Arzt Conrad Röntgen abgeleitet ist, doch ich stelle mir immer wieder mal vor, der Entdecker dieser Strahlen hätte vielleicht schlicht Schulze oder Müller geheissen. Man geht mal zum „Schulzen” oder zum „Müllern”. Oder der Arzt sagt: „Wir machen mal eine Schulzenaufnahme!”. Es wäre kaum auszudenken…

Das Herz muss schweigenAn meine eigene Untersuchung – abgeschirmt mit dicker Bleiplatte – werde ich einige Monate später erinnert, als ich im Frankfurter „Metro im Schwan” den Film Das Herz muss schweigen sehe. Der Streifen ist in den letzten Monaten der Nazi-Herrschaft gedreht worden, nur wenige Zuschauer können das Drama Ende 1944 und Anfang 1945 in Wien und Berlin noch in den Kinos sehen. Nach dem Ende des Krieges verschwinden die Kopien in den Archiven der Alliierten und werden als Reprisen 1950 von der Deutschen London-Film wieder in die Kinos gebracht. Filmhistoriker streiten später darüber, ob Das Herz muss schweigen aufgrund seiner Diktion als Propaganda für den „Opfer-Gedanken” des „Dritten Reiches”, als Durchhaltefilm oder einfach nur als ein Drama, das zufällig in der Nazi-Endzeit hergestellt worden ist, zu bewerten ist. Sich „für eine (gute) Sache zu opfern” – in diesem Fall dem medizinischen Fortschritt –, verbunden mit viel Ethos und Pathos prägt jedenfalls die 92 Minuten.

Im Mittelpunkt steht dabei die Arbeit mit Röntgengeräten. Um das dramatische Geschehen rankt sich im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts eine konfliktreiche Liebesromanze und schwere Erkrankungen, hervorgerufen durch den sorglosen Umgang mit den gefährlichen Strahlen.

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Familie Komödie

Vater der Braut

Illustrierte Filmbühne Nr. 1073 (E. S.) Diese Familienkomödie handelt von den vielfältigen Freuden und „Leiden” eines amerikanischen Vaters am Hochzeitstag seiner Tochter. Die Geschichte, die wahrscheinlich jeder Kinobesucher in dieser oder jener Form selbst schon einmal erlebt hat, ist warmherzig und mit Humor erzählt und die Szenen, in denen der Vater der Braut sowohl Stolz als auch zärtliche Gefühle zeigen darf, finden beim Publikum viel Anklang.

Vater der BrautWas den Film zuerst für die Amerikaner, und ein Jahr später für die europäischen Kinobesucher so interessant macht, ist eine Heirat, die es „im wirklichen Leben” gegeben hat. Die Hauptdarstellerin Elizabeth Taylor, ein ehemaliger MGM-Kinderstar von nunmehr 18 Jahren, hat nämlich am 6. Mai 1950 – rund einen Monat vor der Weltpremiere des Films – tatsächlich geheiratet, und zwar den Hotelbesitzersohn Conrad „Nick“ Hilton. Als der MGM-Streifen einen Monat später in die amerikanischen Kinos kommt, wirkt das Lustspiel fast wie ein überaus gezielt arrangierter Werbegag. Denn natürlich sind die Wochenschauen und die bunten Blätter der Regenbogenpresse nach der Heirat voll von Details der glanzvollen Hochzeit in Beverly Hills. Als der Streifen aber am 10. April 1951 in die deutschen Kinos kommt, ist das Paar schon wieder geschieden. Vor allem Conrads Hiltons Alkoholprobleme, die zu tätlichen Angriffen auf Elizabeth führen, sind der Grund für die schnelle Trennung. Abgesehen von dem Ende dieser „realen” Ehe sind die Parallelen zwischen den Produkten der „Traumfabrik” und dem wirklichen Leben für das Publikum reizvoll.

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Krimi

Das unheimliche Haus

Illustrierte Filmbühne Nr. 1071 (E. S.) – Noch ehe die Romane von Georges Simenon mit der Figur des Pariser Kriminalkommissars Maigret in den Fünfziger Jahren durch den Verlag „Kiepenheuer & Witsch” in der Bundesrepublik Deutschland zum großen Verkaufserfolg werden, gibt es einen französischen Film zu sehen, der ebenfalls auf einer Vorlage des belgischen Autors beruht: Das unheimliche Haus.

Das unheimliche HausMit diesem Film, der in Frankfurt am Main erstmals am 14. August 1951 im Roxy zu sehen ist, hat es freilich eine besondere Bewandtnis. Der Streifen ist nämlich während der Besetzung Frankreichs im Jahr 1941 von der Firma „Continental” hergestellt worden, einer eigens vom deutschen Propagandaminister Joseph Goebbels gegründeten Firma für subtile Unterwanderung der französischen Bevölkerung. Zwar ist die dem Film zugrunde liegende Fassung „Les inconnus dans la maison” unverfänglich, doch werden dem Kriminal- und Gerichtsfilm einige antisemitische Tendenzen beigemischt, was dann nach der Befreiung  1944 zum Verbot des Films in Frankreich führt. Weil die „Continental” in weiteren Filmen auf Werke von Simenon zurückgegriffen hat, wird der Autor nach dem Krieg von der Widerstandsbewegung heftig angegriffen.

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Komödie Musik

Professor Nachtfalter

Illustrierte Filmbühne Nr. 1070 (E. S.)  – Zur Frankfurter Premiere des Films Professor Nachtfalter am 23. Februar 1951 lässt sich die Direktion des Turmpalastes etwas ganz Besonderes einfallen: Zur Verlosung kommt unter dem Publikum ein Vespa-Motorroller, was der Tatsache geschuldet ist, dass auch Professor Wendler (Johannes Heesters) im Film auf einem jener schnuckeligen Zweiräder italienischer Provenienz unterwegs ist.

Professor NachtfalterAußerdem unternimmt der vor kurzem erst neu gegründete Vespa-Club aus Frankfurt am Premierentag ein Stadtrundfahrt, um dann am Eschenheimer Turm vor das Kino zu fahren, um danach dem Film geschlossen die Ehre eines Besuches zu erweisen. Diese durchaus hübsche Idee gefällt dem Publikum, noch mehr Spaß hat allerdings Helga Jockel aus Frankfurt-Ginnheim, denn mit der Nummer 008723 wird sie zur stolzen Besitzerin der ausgelobten Vespa. Das außerordentlich einfach konstruierte (und zu fahrende) Zweirad ist 1946 in Italien entwickelt worden  und findet erst im Jahr 1950 den Weg nach Deutschland. Auch der Herr Professor ist jugendlich-strahlend – wenn auch in der realen Wirklichkeit während der Aufnahmen schon 47 Jahre alt – und wird natürlich angehimmelt von seinen Schülerinnen im Mädchenpensionat am Bodensee.

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Western

Panik am Roten Fluss

Illustrierte Filmbühne Nr. 1068 (E. S.) – Knorrige, hartgesottene Menschen, meist karg im Reden, rasch im Handeln – das sind die Charaktere dieser Geschichte. Gefühle äussern sie meist nur in Blicken und dürren Gesten. Das Land dagegen atmet, der Staub der Prärie blendet die Augen, der Geruch der riesigen Rinderherde liegt über der Steppe, die rasende Flucht der Tiere reisst förmlich hinein in einen schier unentrinnbaren Strudel von Leidenschaft und Erbarmungslosigkeit. Das ist ein Stoff wie gemalt für einen Regisseur wie Howard Hawks, der den Film Panik am Roten Fluss in epischen, aber auch spröden Bildern dokumentiert.

Red RiverDieser ursprüngliche Western wird von Hawks nach einer Geschichte von Borden Chase erzählt. Sie ist unter dem Titel „The Chisholm Trail” in der „Saturday Evening Post” erschienen und hat einen historischen Bezug zu einem berühmten Rinderweg in den USA. Dieser „Chisholm Trail” ist ein Herdenweg, der hauptsächlich in den Jahren zwischen 1867 und 1887 benutzt wird, um Rinder aus dem Süden von Texas zum Verladebahnhof in Abilene in Kansas zu treiben, wo die Tiere dann mit der „Kansas Pacific Railway” in die Schlachthöfe des Osten  transportiert werden. Die Strecke – immerhin rund 500 Meilen (800 Kilometer) lang –, ist nach dem Geschäftsmann Jesse Chisholm benannt, der schon vor Beginn des Bürgerkrieges entlang dieser Route eine Reihe von Post- und Handelsstationen eingerichtet hat.

Sie werden bald zu wichtigen Stützpunkte in den schönen, aber auch trostlosen Landschaften des Westens, vor allem, als es zum mörderischen Rindertreiben kommt. Diese Trecks sind vor allem dem Krieg zwischen den Nordstaaten und den Konföderierten geschuldet, denn über Jahre hinweg können die Rinder des konföderierten Texas nicht mehr in den Norden geliefert werden.

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Sozialdrama

Vulcano

Illustrierte Filmbühne Nr. 1067 (E. S.) – Die Nummerierung der „Illustrierten Filmbühne” ist wegen der Vielzahl von Filmen, die in die deutschen Kinos kommen, nicht immer chronologisch überschaubar. So ist Vulcano mit der höheren Nummer 1067 zum Beispiel in Frankfurt Mitte Februar 1951 schon in den Stadtteilkinos Schwanen (Bockenheim), Blumen (Bornheim), Filmbühne (Sachsenhausen) und Kurbel (Nordend) zu sehen, während „Stromboli” im Turmpalast – obwohl mit der niedrigeren Nummer 933 – erst am Freitag, 16. Februar, in Frankfurter Erstaufführung startet.

VulcanoVulcano stellt zwei Dinge in den Mittelpunkt: Einerseits die Menschen auf der kleinen Insel Vulcano nördlich von Sizilien, andererseits den Vulkan, der wie eine ständige Bedrohung für die auf dem Eiland lebenden Frauen, Männer und Kinder wirkt. Dabei ist Vulcano im Grunde genommen gar kein Spielfilm im üblichen Sinne, in dem ein sorgfältig  und dramaturgisch ausgeklügelter Handlungsablauf den Gang der Dinge bestimmt, sondern ein eher episodenhaft zusammen gestelltes Melodram, das in starken und eindringlichen Skizzen das karge Leben der Fischer und Handwerker anreisst, aber auch vertieft, vor allem als der Vulkan zu speien beginnt. Im Mittelpunkt steht Maddalena Natoli (Anna Magnanit), die jahrelang in Neapel als Dirne gearbeitet hat, und nun in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Als der schurkenhafte Fischer Donato (Rossano Brazzi) ihre jüngere Schwester Maria (Geraldine Brooks) verführen will, greift Maddalena ein, um ihr das eigene Schicksal zu ersparen. Der Vulkan steht dabei immer wie ein Mahnmal über all diesen schicksalhaften Vorgängen – auch über dem Leben der Menschen und der Düsternis ihres Daseins auf der winzigen, einengenden Insel.

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Krimi

Späte Sühne

Illustrierte Filmbühne Nr. 1065 (E. S.) – Der Kriminalfilm Späte Sühne, viel besser einzuordnen als ein Streifen der so genannten Schwarzen Serie (Film Noir), bietet eine überaus spannende Handlung, knappe Dialoge, Milieuschilderungen von lebendiger Echtheit und in Humphrey Bogart einen Schauspieler von Format.

Als ich den Film Anfang Januar 1952 im Frankfurter „Roxy” sehe, werde ich an zwei andere Filme erinnert, in denen Humphrey Bogart die Hauptrolle spielt. „Der Malteser Falke” und „Tote schlafen fest”. Bogart wandelt als ehemaliger Offizier und Fallschirmspringer in Späte Sühne den Typ der Privatdetektive Sam Spade aus „Der Malteser Falke” und Philipp Marlowe aus „Tote schlafen fest” nur geringfügig ab. Die Handlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, ist natürlich anders angelegt, was teilweise auch eine anderes Herangehe erfordert. Allerdings zeichnet sich der Film (leider) auch durch einige überaus brutale Szenen aus, und der weibliche Co-Star Lizabeth Scott erreicht nie das Niveau von Mary Astor (Der Malteser Falke) oder Lauren Bacall (Tote schlafen fest), so dass ihre Rolle als gerissene Verbrecherin, die am Schluss bei einem Autounfall um’s Leben kommt, insgesamt wenig glaubhaft wirkt.

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Drama Heimatland

Der Wolf der Sila-Berge

Illustrierte Filmbühne Nr. 1064 (E. S.) – Die Jahre 1950 und 1951 sind in der Bundesrepublik die ersten wirkliche Reisesommer seit Kriegsende. Nachdem grundlegende materielle Bedürfnisse nach der Not der ersten Nachkriegsjahre erfüllt sind, richtet sich der Blick auf schöne Urlaubsziele. Seit 1. Juli 1950 genügt ein Reisepass, um in andere Länder zu reisen; gleichwohl bleiben die Urlaubsgebiete Oberbayern, Allgäu, Bodensee, Schwarzwald und Badeorte an Nord- und Ostsee bevorzugtes Urlaubsziel.

Der Wolf der Sila-BergeNoch hindert die wirtschaftliche Lage die Bundesbürger daran, an Ferien in fremden Ländern zu denken. Lediglich fünf Prozent der Urlauber begeben sich als Touristen in ferne Länder. Mit den ersten VW-Käfern tuckern jedoch bereits einige Wagemutige über die Alpen in Richtung Italien. Ein Frankfurter Reisebüro wirbt schon früh für den „Stiefel”. Ein Angebot betrifft Sizilien, ein anderes Kalabrien. Dabei ist die Rede von der undurchdringlichen Sila, einer kalabresischen Bergkette, die viele Legenden und fantastische Geschichten in sich bergen soll. Im (noch) primitiven Prospekt wird die Landschaft als eine Mischung aus Hochebenen, Bergen, Weiden, Flüssen, Wäldern, Hängen und Seen beschrieben.

Daran werde ich erinnert, als ich im März 1951 im Frankfurter Turmpalast die deutsche Erstaufführung des italienischen Filmes Der Wolf der Sila-Berge erlebe. Großartige Schauspieler agieren in diesem Film aus Italien. Allen voran Silvana Mangano, die wir schon kurz zuvor in „Bitterer Reis” erlebt haben, gleichermaßen beeindruckend auch ihre Mitspieler Vittorio Gassman, Jaques Sernas und Amedo Nazzari.

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Lustspiel Musik

Liebe an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 1062 (E. S.) – Die Jugend in der Bundesrepublik Deutschland scheint Anfang der 50er Jahre mit ganz unterschiedlichen Interessen unterwegs zu sein. Ein Teil geniesst nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges die zunehmenden Annehmlichkeiten des Lebens, vergnügt sich bei Tanzveranstaltungen und Kinobesuchen, andere hingegen engagieren sich verstärkt im politischen Leben und treten gegen die geplante Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auf.

Liebe an BordDoch diese Verhaltensweisen sind in Wirklichkeit durchaus kein Widerspruch, denn viele Menschen tun sowohl das eine wie auch das andere. Auch die rund 200 Teilnehmer ein Anti-Kriegs-Kongresses, der im März 1951 in Frankfurt am Main über die Bühne geht, sind durchaus keine verbiesterten „Jung-Funktionäre”, sondern sehr engagierte Vertreter  von Jugendorganisationen, die ”für aktive Neutralität und gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands” eintreten. Gleichwohl goutieren manche von ihnen natürlich auch ganz unbeschwert leichte Unterhaltungskost aus Hollywood. Der führende Filmkonzern Metro-Goldwyn-Mayer (Motto: „Mehr Stars als Sterne am Himmel stehen!”), ist in den Vierziger und Fünfziger Jahren berühmt für seine musikalischen Unterhaltungsfilme. Auch in Deutschland werden die Streifen – meist mit Esther Williams in den Hauptrollen –, gerne goutiert. Einer dieser Filme heisst Liebe an Bord, und obwohl das im Mittelpunkt stehende Schiff auf dem Meer herumschippert, ist der beliebte Schwimmstar diesmal nicht dabei.

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Western

Winchester 73

Illustrierte Filmbühne Nr. 1060 (E. S.) In den Frankfurter Kinos Roxy und Eden läuft am 13. April 1951 gleichzeitig der Film Winchester 73 an, der diesem berühmt gewordenen Gewehr ein filmisches Denkmal setzt. Dabei hat Regisseur Anthony Mann mit den Darstellern James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea, Stephan Mc Nally, Rock Hudson und Tony Curtis (die beiden Letztgenannten in frühen Filmen zu sehen) einen spannenden, aktionsreichen Western geschaffen.

Winchester 73Der Regisseur vermeidet dabei jedes ziellose Herumballern und Herumreiten. Blicke, Töne und die Gestik der Beteiligten schaffen vielmehr eine insgesamt ruhige Atmosphäre, was insofern von Bedeutung ist, als die meisten Amerikaner seit je her einen fast krankhaften Drang und Hang zu Waffen haben, und auch ihr Schießeisen oft locker genug sitzt. Das liegt weitgehend in der Geschichte des Landes begründet, in der die gnadenlose Eroberung des Territoriums gegen die Urbevölkerung eine zentrale Rolle spielt. Ob Indianer oder Gangster, ob privater Rachefeldzug oder kriegerische Auseinandersetzung wie im Bürgerkrieg: Revolver und Gewehre sind stets als Handwerkszeug der Gewalt parat. Insofern kommt es auch nicht von ungefähr, dass der legendär gewordene Revolver von Samuel Colt, das Henry-Gewehr und die Winchester aus der Geschichte der USA nicht wegzudenken sind. Die Winchester 73 ist in dieser Zeit wegen ihrer Zuverlässigkeit und Präzision überaus begehrt. Sie ist teuer (100 Dollar gegenüber 40 Dollar eines normalen Gewehres), weil nur einer von 1000 gefertigten Läufen – und zwar der allerbeste – für diese Serie verwendet wird. Im Film dient diese Büchse nicht nur dem Kampf gegen allerlei Gesindel, sondern sie ist auch „ritterliches Werkzeug” im friedlichen Wettschießen.

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Familie Unterhaltung

Meine Herren Söhne

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Wenn ein paar  Lausbuben wie Lutz (Lutz Moik) und Lütte (Hans Nele) Hauptdarsteller eines Films sind, kann man getrost davon ausgehen, dass allerlei fällig ist. Auch in Meine Herren Söhne gelingt ihnen ohne Mühe , sämtliche Erwachsenen auf die sprichwörtliche Palme zu bringen. Der Film startet 1951 in Frankfurt in der Harmonie (Sachsenhausen) und in der Schauburg (Bornheim). Beide Kinos sind nur Nachaufführungstheater. Doch der kleinen Firma Türck, die die Verleihrechte von der Atlantik (AKA) übernommen hat, bleiben die großen Innenstadt-Häuser verwehrt. 

Meine Herren SöhneWenn das sympathische Lustspiel auch eher harmlos daherkommt – die Reprise ist von der Tobis 1944 in Brandenburg gedreht worden und im Februar 1945 uraufgeführt worden –, sind doch in den pädagogischen Aussagen auch Elemente der Erziehungsideologie des Dritten Reichs zu spüren. Das wird deutlich, als die zunächst nur schwer erziehbaren Buben eines verwitweten Gutsbesitzers nach einen verbissenen Nervenkrieg gegen die Tyrannei einer Wirtschafterin und nach dem Einzug einer jungen Hauslehrerin plötzlich „geläutert” und friedfertig werden. Damit entsprechen sie grob gesagt dem zu dieser Zeit geforderten Ideal einer positiven Entwicklung, zeigen Verantwortung und Gemeinschaftssinn für die Familie und das „Große und Ganze.”.

Diese Tendenz muss freilich nicht überbewertet werden, überwiegen doch die fröhlichen Elemente, was sicher auch Regisseur Robert A. Stemmle zu verdanken ist, der eine Fülle heiterer Szenen schafft, die Bubenstreiche auch lebendig und locker ineinander fügt und damit Ideologisches in den Hintergrund drängt.

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Revue

Neptuns Tochter

Illustrierte Filmbühne Nr. 1050 (E. S.) – Esther Williams, die Badende Venus von 1944, und immer noch Allzweckwaffe von Metro-Goldwyn-Mayer in diversen musikalischen Revuefilmen mit azurblau-grünen Wasserbecken. Auch in Neptuns Tochter plantscht sie, die sich selbst nicht gerade für eine begabte Darstellerin hält, ebenso lustig wie konsequent durch erleuchtete Gewässer. Das jedenfalls kann sie gut und begleitet wird sie dabei meist von rhythmischen Klängen der Xavier-Cugat-Band.

Neptuns TochterAls junges Mädchen war Esther Williams eine erfolgreiche Schwimmerin, hatte sich bereits für die Olympischen Spiele 1940 in Tokio qualifiziert, doch weil dieses Sportereignis  dem Krieg zum Opfer fiel, tingelte sie mit einer Wasserrevue durch die USA – zusammen mit „Tarzan” Johnny Weissmüller –, ehe sie 1942 von MGM für den Film entdeckt wird. Neptuns Tochter ist einer jener Filme, die von Hollywoods Superstudio nach immer gleichem Strickmustern hergestellt werden: es ist harmlose, aber durchweg sehr charmant präsentierte Unterhaltung. Der Film glänzt sogar mit einem Oscar, den der Komponist Frank Loesser für seinen Song „Baby It’s Cold Outside“ erhalten hat.

Der Film startet in Frankfurt im Turmpalast, und er wirkt auf mich einerseits wie ein Abklatsch von „Badende Venus”, auf der anderen Seite scheint der Streifen Esther Williams selbst zur weiteren beruflichen Laufbahn im wirklichen Leben inspiriert zu haben. Sie spielt eine Designerin von Bademoden, was der Schwimmstar später tatsächlich erfolgreich umsetzt. Die überaus muntere, musikalische Komödie ist außerdem garniert mit sehenswerten Auftritten eines Wasserballetts und einer Vielzahl geradezu grotesker Gags von Red Skelton.

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Unterhaltung

Wiener Geschichten

Illustrierte Filmbühne Nr. 1048 und Filmkurier Nr. 3107 (E. S.) – In der Nachkriegszeit eröffnen in Frankfurt am Main zahlreiche Caféhäuser ihre Pforten. An die flüsterleise Stimmung in solchen Tortentempeln werde ich erinnert, als ich den Film Wiener Geschichten sehe, in dem es um die spezielle Wiener Caféhaus-Stimmung geht.

Wiener Geschichten - nDiese besondere Wiener Atmosphäre ist natürlich nicht in eine Stadt wie Frankfurt zu übertragen, aber immerhin wird das neuartige „Wipra” zwischen Hauptwache und Römer in dieser Zeit zu einer Attraktion. Das im Erdgeschoss eines Trümmerhauses eingerichtete Etablissement nennt sich „Café der Tierfreunde”. Es gibt dort ein Papageien-Zimmer, einen Wintergarten mit Aquarien sowie Pinselohräffchen und Schimpansen zwischen all den geschäftigen oder ausruhenden Menschen. Auch alte Frankfurter Cafés haben den Betrieb wieder aufgenommen wie das dem Wipra gegenüberliegende Café Liebfrauenberg. Ende März 1950 eröffnet Heinrich Adam, bestens bekannt als Besitzer des alten Café Schneider an der Neuen Kräme, sein neues Domizil in der Kaiserstraße 12 (damals vorübergehend Friedrich-Ebert-Straße).

Direkt an der Hauptwache errichtet das traditionsreiche Berliner Kranzler eine Filiale. Das ist alles erfreut die Menschen, aber den berühmten Wiener Schmäh‘ sucht man natürlich vergebens. Den findet man dann eher im Film Wiener Geschichten, der auch durch Schlager wie „Der Wiener braucht sein Stammcafé“ und „Ja, das sind halt Wiener G’schichten“ Aufmerksamkeit erregt.