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Western

Geächtet

Illustrierte Filmbühne Nr 1046 (E. S.) – Ein Wildwest-Film ohne besondere Tiefenwirkung ist der Streifen Geächtet aus dem Jahr 1943. Er kommt im März 1951 in die deutschen Kinos. Begleitet wird sein deutscher Start von zahlreichen Berichten in den einschlägigen Illustrierten und auch in der Tagespresse. Das hat seinen Grund im Auftritt von Jane Russell, die meist als „Busenwunder” apostrophiert wird, sowie den vielfältigen Hintergründen der Filmentstehung.

GeächtetIn Frankfurt wird der Film erstmals im April 1951 im Eden gezeigt. Als ich den Kino wenig später im Wall-Kino in Sachsenhausen anschaue, ist von all dem wenig zu spüren. Es ist ein Western der noch nicht einmal das Niveau der üblichen Sorte erreicht, und in dem Revolverheld Doc Holliday (Walter Huston) und Sheriff Pat Garret  (Thomas Mitchell) in erster Linie um ein Pferd streiten, während sich der junge Billy the Kid (Jack Beutel) in das Mädchen Rio (Jane Russell) verlieben darf, die im Film eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Die beiden heiraten sogar und fliehen über die Grenze, während Doc Holliday von Pat Garrett niedergestreckt wird. Das wirkt nicht nur alles recht harmlos, sondern ist auch ziemlich unbedarft auf die Leinwand gebracht. Der zu dieser Zeit acht Jahre alte Film hat jedoch 1943 nach seiner Premiere in San Francisco heftige Kontroversen ausgelöst. Einerseits stehen brutale Gewalt und auch sexuelle Andeutungen im Mittelpunkt, andererseits werden die legendenumwobenen „Westernhelden” durchaus mit ironischen Untertönen durch den berühmten Kakao gezogen.

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Thriller

Unter Geheimbefehl

Illustrierte Filmbühne Nr. 1043 (E. S.) – Die Maschinerie der US-Polizei läuft in dem Thriller „Unter Geheimbefehl“ auf Hochtouren. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dabei Leutnant Dr. Clinton Reed (Richard Widmark), ein junger Arzt der Gesundheitspolizei, der bei einem ermordeten Mann einen Fall von Lungenpest diagnostiziert hat. Reed überzeugt die Behörden von der Gefahr einer drohenden Epidemie, und unter größtem Zeitdruck beginnt die Jagd nach den Mördern und anderen Kontaktpersonen, könnten sie doch selbst bereits infiziert sein.

Unter GeheimbefehlDie drohende Seuche in der Stadt New Orleans ist ganz real. Das ist jedoch nur der vordergründige Inhalt des spannenden Films. Weit brisanter ist die Frage, ob eine Behörde die Bevölkerung vor einer drohenden Gefahr dieser Art warnen soll oder nicht. Denn weil ein Reporter Wind von der Sache bekommen hat und eine Veröffentlichung bevorsteht, wird er vorübergehend festgenommen und „aus dem Verkehr” gezogen; erst auf Anordnung höherer Chargen wird der Journalist wieder freigelassen, denn schließlich geht es hier auch um die besonders in den USA hoch gelobte Freiheit der Presse. Offensichtlich im Bewusstsein dieser Problematik lädt der Fox-Filmverleih wenige Tage vor der Aufführung des Films im Frankfurter Filmpalast im August 1951 einige Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, Beamte der Frankfurter Polizei und Journalisten zu einer Sondervorführung ein, um just über diese Frage der Pressefreiheit zu diskutieren.

Als im Film die Festnahme des Zeitungsmannes gezeigt wird, gibt es unter den anwesenden Polizisten spontanen Beifall, was von den Pressevertretern in der anschliessenden Gesprächsrunde als Ausdruck der Tatsache angesehen wird, „dass die unteren Beamten die notwendige Zusammenarbeit zwischen Polizei und Presse in einem demokratischen Staat offenbar noch nicht ganz verstanden haben.” (Frankfurter Rundschau vom 2. August 1951).

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Melodram

Dämonische Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 1042 (E. S.) – Just Scheu, Mainzer von Geburt, ist nach dem Krieg ein bekannter Mann bei Radio Frankfurt. Die Ratesendung „Doppelt oder nichts” mit ihm als Hauptperson geniesst hohe Popularität, Scheu ist aber auch Schauspieler, Romancier, Stückeschreiber, Schlagertexter. Und Ernst Nebhut, in Frankfurt lebend, ist nicht minder vielseitig. Manchmal lese ich in der Zeitschrift „Der Neue Sport” seine Glossen zum Fußball. Was ich (noch) nicht weiß, ist, dass Just und Nebhut eng zusammenarbeiten und Boulevard-Komödien sowie Filmdrehbücher schreiben…

Dämonisçhe LiebeDas erfahre ich erst, als ich Dämonische Liebe sehe, weil im Vorspann aufgeführt ist, dass der Film auf einer Vorlage der beiden Autoren beruht. Das Stück heisst „Der Teufel stellt Monsieur Darcy ein Bein”, ist Drama und Tragikomödie zugleich, und zeigt, wie der bisher überaus korrekte Pariser Bankkassierer Pierre Darcy (Paul Hörbiger) zusammen mit der geldgierigen, aber auch verführerischen Jaqueline (Margot Hielscher) auf einen Schlag zwei Millionen Francs verjubelt. Darcy hat das Geld unterschlagen, nur weil Jaqueline seinen Schlips bewundert hat. Wer glaubt’s wird selig, aber aus dem zu dieser Zeit üblichen „Diskretionsgründen” wird nicht mehr gezeigt. Erst am Abend erwacht Darcy aus seinem Liebesrausch und erkennt, dass er sein bisher so penibel geführtes Leben zerstört hat. Als er sich – entsetzt von seiner Tat – in seinem Stammcafé das Leben nehmen will, erscheint der Teufel in Gestalt des Gauners Poupoulle (Kurt Meisel) und gibt ihm die Chance, diesen Tag noch einmal zu erleben und es anders (und besser) zu machen. Doch auch der neue Tag verläuft wie der vorhergehende.

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Detektiv

Rauschgiftbrigade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Anfang der Fünfziger Jahre ist Rauschgift noch nicht das große Thema in der Öffentlichkeit, wird in doch meist „gehobenen Kreisen” sowie dem Künstlermilieu zugeordnet. Doch am 28. Juni 1951 berichtet die Hamburger Wochenzeitschrift „Die Zeit“ von einem Drogenskandal an New Yorker Schulen.

Nachdem sich herausgestellt hat, dass an vielen Schulen mit Rauschgift  gehandelt wird, ordnet der für New York zuständige Gouverneur Dewey eine gründliche Untersuchung an. Die Ergebnisse sind erschreckend und lösen in den USA große Erregung aus. Der Präsident der Oberschulbehörde von New York nennt die Zahl von 1500 süchtigen Schülern und Schülerinnen an höheren Schulen, die zuständige Generalstaatsanwaltschaft spricht sogar von mindestens 5000 Betroffenen. Inoffiziell und unter der Hand kursieren sogar Gerüchte von 15 000 Abhängigen. Rund vier Wochen später läuft im Frankfurter Filmpalast der halbdokumentarische Film Rauschgiftbrigade, der sich just mit dem Thema befasst und ebenfalls in New York angesiedelt ist. Es wird geschildert, wie von einem amerikanischen Frachtschiff eine ganze Kiste Rauschgift verschwindet und das New Yorker Drogendezernat mit den Zollbehörden daran arbeitet, den Gangstern das Handwerk zu legen.

Die Wolkenkratzer der großen Stadt bilden eine faszinierende steinerne Kulisse für die Jagd. Fragen ergeben sich wie von selbst. Woher kommt plötzlich die große Menge des Rauschgiftes, wer betreibt das gewissenlose Geschäft? Die Beamten gehen den dunklen Wegen nach, versuchen die Schwachstellen ausfindig zu machen, ein gefährliches Doppelspiel erst bringt die Gangster zur Strecke. Menschen sind gleichwohl zu Schaden gekommen. Rauschgiftsüchtige sowieso, Informanten, Beamte und andere.

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Revue

Auf einer Insel mit Dir

Illustrierte Filmbühne Nr. 1038  und Neues Filmprogramm (E. S.). – Wir haben Esther Williams als die „Badende Venus” erlebt, wir haben sie in „Flitterwochen zu dritt” beobachtet, sie ist uns als Stierkämpferin in „Mexikanische Nächte” begegnet – und nun ist die hübsche Schwimmerin also schon wieder als Wassernixe in dem bunten Streifen Auf einer Insel mit Dir zu sehen… Die üblichen Zutaten, die solche Filme interessant machen, sind ein Wasserballett, Xavier Cugats swingende Jazzmusik und eine fast unvermeidliche Liebesromanze natürlich…

Auf einer Insel mit DirEs ist ganz schön heiss in diesem Sommer in Frankfurt. In der Innenstadt werden am 31. Juli 1951 über 32 Grad im Schatten gemessen. Grund genug, um sich vielleicht beim Betrachten filmischer Wasserszenen wenigstens innerlich ein wenig abzukühlen. Im großen Kino am Eschenheimer Turm wird  an diesem Tag der MGM-Film Auf einer Insel mit Dir gezeigt. Die Abendvorstellung ist gut besucht, es hat ein wenig abgekühlt, und auf der Leinwand erwartet uns ein junger Marineoffizier namens Kingslee (Peter Lawford), der als Sachverständiger für eine Filmproduktion engagiert worden ist und sich umgehend in Rosalind Rennolds (Esther Williams), den Star des zu drehenden Musicals, verliebt. Um sie für sich alleine zu haben „entführt“ Kingslee die Schauspielerin auf eine einsame Insel. Das bringt nicht nur reichlich Probleme für die Dreharbeiten mit sich, sondern verärgert auch Ricardo Montez (Ricardo Montalban), den Verlobten des Stars.

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Lustspiel

Hochzeit im Heu

Illustrierte Filmbühne Nr. 1036 (E. S.) – Als eine vergnüglich-harmlose Sache stellt sich der Film Hochzeit im Heu nur auf den ersten Blick dar. Der Film erlebt Anfang Juni 1951 im Bieberbau seine Frankfurter Premiere und es flimmert eineinhalb Stunden hübsche Unterhaltung über die Leinwand – nicht krachledern, sondern mit besinnlichen Untertönen, wenn gelegentlich auch durchaus derb – doch immerhin ist es eher eine Tragikomödie denn derber Bauernschwank, und durchaus verbunden mit kritischen Untertönen.

Der Wiener Schriftsteller, Journalist und  Autor Ludwig Anzengruber (1839-1889) gilt vielen als kritischer Zeitgenosse mit einem Hang zur sozialen Gerechtigkeit. Gewiss kein Sozialist im herkömmlichen Sinne, aber doch ein Mann, der sich nicht dem Bild von einer heilen Welt  verschrieben hat. Auch „Der Meineidbauer”, „Der Kreuzlschreiber” oder „Der Pfarrer von Kirchfeld”, um nur einige Beispiele zu nennen, legen Zeugnis davon ab. In seinem  Theaterstück „Doppelselbstmord”, auf dem der Film beruht,  greift Anzengruber das uralte Drama von „Romeo und Julia” auf, verbindet die ländliche Liebesromanze aber mit sozialen Aspekten einer bäuerlichen Dorfgemeinschaft. Dabei ist das Thema wahrhaftig nicht neu. Im Film hat Regisseur Arthur Maria Rabenalt indessen schmunzelnd und detailgetreu ein hübsches Bild vom dörflichen Leben in den Bergen gezeichnet, von Liebe, Hass und häuslicher Tyrannei natürlich, von Menschen eben und von Käuzen. So ist daraus ein Heimatfilm geworden, der sich mit Blick auf den Ursprungsautor Anzengruber und dessen Bodenhaftung deutlich von anderer Massenware dieser Zeit abhebt.

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Revue

Es tanzt die Göttin

Illustrierte Filmbühne Nr. 1033 (E. S.) Weihnachten 1950. Das ganze Bundesgebiet wird an Heiligabend fast gänzlich von einer Schneedecke eingehüllt; Bundeskanzler Adenauer erklärt in der Weihnachtsansprache, die Erhaltung des Friedens sei das oberste Ziel der Regierung; am ersten Feiertag besiegt der amerikanische Boxer „Sugar” Ray Robinson im Haus der Technik (Halle 3) auf dem Messegelände in Frankfurt den 22 Jahre alten Hans Stretz durch K. o. in der 5. Runde – alles schön und gut, aber wir wollen hier von Rita Hayworth reden, denn schließlich: Es tanzt die Göttin

„Die Hayworth” ist der Tanz- und Revuestar der Vierziger Jahre und als der Film im 1500 Zuschauer fassenden Filmpalast von Willy Colm in der Nähe der Konstablerwache in Frankfurt am 21. Dezember 1950 für Deutschland uraufgeführt wird, sind die Weihnachtstage gerettet. Sowohl für das Publikum als auch für den Betreiber. Das prächtige Theater in der Großen Friedberger Strasse 26-28 – an diesem traditionsreichen Ort wurden schon seit 1929 in den Vorläufer-Kinos Roxy und Pali Filme gezeigt – ist von August Reichard nach den Kriegszerstörungen wieder aufgebaut und an den Stuttgarter Willy Colm verpachtet worden. Der riesige Saal mit Rängen und Logen bietet 1500 Menschen Platz. Nach offiziellen Angaben von Colm besuchen im Jahr 1950 zwar sage und schreibe 1.033.981 Menschen das Kino, was allerdings nur einer Auslastung von etwa 37 Prozent entspricht, und bei täglich fünf Vorstellungen – was die Regel ist –, ist es von Anfang an schwierig, die notwendigen Einnahmen zu generieren.

Insbesondere am Mittag und Nachmittag verlieren sich oft nur wenige Zuschauer in dem weitläufigen Raum. An Sonntagen und Feiertagen sieht das natürlich weit besser aus, und als dann der Film Es tanzt die Göttin läuft, ist das Kino bestens gefüllt. Das ist nicht erstaunlich, denn erstens sind die Weihnachtstage zu dieser Zeit immer (noch) ein lukratives Geschäft für die Kinobetreiber, und zweitens locken hier zwei Topstars. Die Hayworth ist schon der große Star, Gene Kelly schafft mit diesem Film seinen endgültigen Durchbruch.

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Thriller

Eine Stadt hält den Atem an

Das Neue Filmprogramm (E. S.)  – Seit den Atombombenabwürfen auf die japanischen Städte Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) weiß die Menschheit, welches ungeheure Zerstörungspotenzial in diesen Waffen steckt. Wegen dieser schrecklichen Erkenntnis kommt es zu einem erbitterten Wettlauf um die Vervollkommnung der Bombe zwischen den USA und der Sowjetunion.

Der Kampf um das für die Bombe wichtige Uran und diverse Spionageeinsätze verschärfen das Tempo der Entwicklung. Nachdem die USA 1946 auf dem Bikini-Atoll in der Südsee zu Testzwecken Bomben explodieren lassen, zieht die die UdSSR nach und bringt am 29. August 1949 auf dem Gelände in Semipalatinsk in Sibirien ihre eigene Waffe zur Detonation. Dieser Wettlauf schlägt sich auch in verschiedenen Filmen nieder. Einer dieser Streifen im halb dokumentarischen Stil kommt aus Großbritannien und heisst Eine Stadt hält den Atem an. In der Handlung bringen heftige Gewissensbisse  über die mörderischen Möglichkeiten seiner Arbeit sowie die seelische Belastung seiner Arbeit den britischen Atomwissenschaftler Professor Willingdon (Barry Jones) völlig aus der Fassung und treiben ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Willingdon droht damit, London in die Luft zu sprengen, wenn die Regierung seine Forderung nach einem Atomwaffenstop nicht erfüllt. Er stellt der Regierung ein Ultimatum von sieben Tagen. Scotland Yard wird alarmiert, das Kabinett tagt ununterbrochen…

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Melodram

Die Sünderin

Illustrierte Filmbühne Nr. 1030 und DNF (E. S.) – Wieder einmal gibt es in Frankfurt großen Starrummel. Zur deutschen Erstaufführung des Films Die Sünderin im Turmpalast erscheinen der Regisseur Willi Forst sowie die Hauptdarsteller Hildegard Knef und Gustav Fröhlich. Alle drei verneigen sich artig vor einen Beifall klatschenden Publikum, doch bei den Pressegesprächen kommt auch reichlich Frust auf. Vor allem Forst gibt sich pikiert, weil sein Werk bei der Freiwilligen Filmkontrolle in Wiesbaden zunächst durchgefallen ist.

Die SünderinWilli Forst bittet die Journalisten eindringlich darum, ihn in der Wirrnis des deutschen Nachkriegsfilms nun „nicht im Stich zu lassen”. Täte man dies, dann würde es in Zukunft wohl nur noch „Das Dritte Schwarzwaldmädel von rechts” geben. Der Verdruss des Regisseurs ist durchaus verständlich. Der Österreicher hat schon bei den Vorbereitungen der Dreharbeiten erfahren müssen, dass das Thema seines Films nicht überall wohlgelitten ist. Forst will den Film ursprünglich in München realisieren, muss jedoch kurzfristig in die Studios der Jungen Filmunion nach Bendestorf  bei Hamburg ausweichen, da ihm in Bayern aufgrund des strittigen Filmthemas kein Atelier zur Verfügung gestellt wird. Weil in der Lüneburger Heide die Dreharbeiten dann ohne größere Aufmerksamkeit verlaufen, ahnt er nicht, dass sein Film bald Schlagzeilen in Deutschland verursachen wird. Die Aufregung um den melodramatischen Streifen beginnt drei Tage vor der geplanten Premiere am 18. Januar.

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Thriller

Staatsgeheimnis

Das Neue Filmprogramm (E. S.) In der Bundesrepublik startet am 11. August 1950 der britische Film Staatsgeheimnis. Überraschend dabei ist, dass er bereits einen Monat vor der Heimatpremiere  in Großbritannien (11. September 1950) in die Kinos kommt. Auch in Schweden (3. Juli 1950) wird der Streifen früher in die Kinos gezeigt als im Vereinigten Königreich. 

StaatsgeheimnisIn Frankfurt am Main läuft Staatsgeheimnis am 10. Oktober 1950 gleichzeitig in den Innenstadt-Häusern der heftig konkurrierenden Frankfurter Kino-Zaren Siegfried Lubliner (Bieberbau) und Wollenberg (Luxor) an. Eine Zeitungskritik in der Frankfurter Rundschau macht die Filminteressierten auf den Thriller aufmerksam. „Dieser Film stellt keine nervenkitzelnde Utopie dar, sondern eine erschreckende (…) Wirklichkeit. Sein Dramaturg ist die Angst: die Angst vor dem grauenhaften Gestern der Diktatur und der Gefahr ihrer Ausbreitung im Morgen”, heisst es da, und weiter: „Die aalglatte Umgangsform der Tyrannei, die tödliche Scheinphilosophie der Staatsräson, der Biedermann mit dem Bluthundinstinkt: wir kennen das alles, haben es am eigenen Leibe bitter erfahren müssen.” Gleichwohl wirkt der Film nicht immer nur furchteinflößend auf die Kinobesucher, sondern enthält manche Passagen mit satirisch-komödiantischen Elementen zur Rolle von Diktatoren und deren totalitären Machtstrukturen: „Der Witz, der hier zuweilen waltet, enthüllt Abgründe, vor denen wir schaudern stehen”,  formuliert die eingangs erwähnte Zeitung.

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Detektiv

Falschmünzer am Werk

Illustrierte Filmbühne Nr. 1027 (E. S.) – Anfang des Jahres 1951 tauchen in Frankfurt am Main und anderen westdeutschen Städten massenhaft gefälschte D-Mark-Scheine auf. Fast zeitgleich wird in der Nähe von Paris eine Druckerei ausgehoben, in der ähnliche Falsifikate hergestellt worden sind. Die kriminelle Realität setzt also eine intensive Zusammenarbeit deutscher und ausländischer Polizeiorgane auf die Tagesordnung.

Falschmünzer am Werk - Der Fall 7 A 9Dieses Thema wird auch in Der Fall 7 A 9 (Falschmünzer am Werk) behandelt. Der Film wird am 1. März in Frankfurt am Main (Eden-Lichtspiele) uraufgeführt. Dabei wird der Kampf gegen eine internationale Verbrecherbande gezeigt. Der Krimi orientiert sich dabei mit teilweise dokumentarischen Bildern an den zu dieser Zeit in Mode gekommenen amerikanischen Vorbildern („Der Todeskuß”, „Straße ohne Namen”, „Geheimagent T”, „Das Haus in der 92. Straße”). Weil nur 15 Tage nach der Premiere in Frankfurt das neu gegründete Bundeskriminalamt in Wiesbaden seine Arbeit aufnimmt, wirkt das Ganze wie ein begleitender Werbestreifen für das BKA. Das wird noch unterstrichen, als sich drei Tage vor der Filmpremiere Sachverständige der Kriminalpolizei, der Bank Deutscher Länder und Journalisten in Frankfurt in einer Sondervorstellung des Verleihs den Films ansehen.

Die Anwesenden sind sich darin einig, dass der Film über die Falschmünzer- und Autoschmuggler-Bande bei Verzicht auf Sensationseffekte sehr realistisch ist. Die Teilnehmer der Besprechung verlangen sogar, in Frankfurt eine Beratungsstelle einzurichten, um vor allem Kassierer von großen Warenhäusern und Industriefirmen über Falschgeld ausreichend zu informieren. Immerhin seien bei guter Sachkenntnis „Blüten” auch von Laien schnell zu erkennen.

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Krieg

Vier Federn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Ein wegen seines Austritts aus der Armee von seinen Ex-Kameraden und seiner Braut wegen „Feigheit” gedemütigter britischer Offizier zeigt während des Mahdi-Aufstands im Sudan (1898) größeren Mut als seine moralischen Richter: Das ist der Inhalt eines britischen Films, der viele Fragen aufwirft.

Vier FedernAls Anfang November 1950 im Frankfurter Turmpalast Vier Federn anläuft, fragt die  „Frankfurter Rundschau” ein wenig irritiert, ob die Vorführung dieses Films in Deutschland zu dieser Zeit unbedingt nötig ist. „Darüber lässt sich streiten”, stellt die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 9. November fest. Das Blatt verweist darauf, dass die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft” (FSK) in Wiesbaden die Vorführung noch vor kurzem abgelehnt hat und dann doch überraschend und nach einigen Schnittauflagen die Freigabe erteilt hat. Auch Angehörige der Frankfurter Jugendorganisation „Die Falken“ fragen nach dem Sinn dieses Films, der die distanzlose Verherrlichung von soldatischem Ethos in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt. Immerhin erfolgt die Aufführung zu einer Zeit, in der in der Bundesrepublik intensiv über die bevorstehende Wiederbewaffnung gestritten wird. Doch es bleibt nicht nur bei rhetorischen Fragen. „Die Falken“ jedenfalls verabreden sich zu einer Protestaktion, gehen als große Gruppe in die 18-Uhr-Vorstellung am Sonntag und verlassen mitten während der Vorstellung mit Pfiffen und lautem Gepolter das Kino am Eschenheimer Turm.

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Familie

Das doppelte Lottchen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1009 und DNF Nr. 384 (E.S.) – Der Film Das doppelte Lottchen wird in Frankfurt später an als in anderen deutschen Städten gezeigt. Der Grund ist simpel. Der an Weihnachten laufende Zeichentrick-Film „Bambi” wird im Bieberbau so gut besucht, dass eine Verlängerung unumgänglich ist. Weil aus Vertragsgründen danach auch erst noch „Rasputin” über die Leinwand flimmern muss, wird  die Frankfurter Premiere vom 12. Januar 1951 den auf 26. Januar 1951 verschoben.

Das doppelte LottchenDie Bieberbau-Direktion hat sich zusammen mit dem National-Filmverleih wieder einmal etwas besonderes ausgedacht, um auf den Start des Films aufmerksam zu machen. In Zeitungsberichten werden Zwillinge alter Altersstufen aufgefordert, sich für die Premiere anzumelden. In der 17.00-Uhr-Vorstellung sind dann auch unzählige dieser Paare zwischen fünf und 65 Jahren als „Begleitmusik” im Kino versammelt. Sie sehen einen schönen Unterhaltungsfilm nach einem Roman von Erich Kästner.

Die Handlung, über dessen Handlung die „Illustrierte Filmbühne” informiert: „In einem Ferienheim in den Alpen treffen sich zwei zehnjährige Mädchen, die einander zum Verwechseln ähnlich sind. Das eine, lebhaftere und braungelockte, heißt Luise Palfy und kommt aus Wien,. Das andere, stillere und bezopfte, heißt Lotte Körner und kommt aus München. Die erste Bestürzung, die sich bei Luise bis zur Wut steigert, weicht allmählich einer zärtlichen Freundschaft,, in deren Verlauf die beiden Kinder entdecken, dass sie Zwillinge sein müssen. Von nun an suchen sie, unermüdlich und doch vergeblich, das Geheimnis ihres Lebens zu entschleiern.”

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Familie

Im Dutzend billiger

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Kinderreichtum ist in Deutschland der Nachkriegsjahre keine Seltenheit. Doch als der amerikanische Film Im Dutzend billiger am 20. Juni 1952 im Bieberbau anläuft, fällt es dem Centfox-Filmverleih doch nicht so leicht, zur Premiere als „Werbegag” eine entsprechend große Familie aufzutreiben. Schließlich werden die Verantwortlichen im Stadtteil Höchst fündig, wo eine passende Großfamilie zu Hause ist.

Im Dutzend billigerVor den Vorhang treten aber schließlich Alfred Dürr, seine Frau und zwölf Kinder (neun Mädchen und drei Jungen) im Alter zwischen einem und 25 Jahren. Die älteste ist Lina, die immer noch der Mutter im Haushalt zur Hand geht, als Nesthäkchen wird die hellblonde Ursula vorgestellt. Der Vertreter des Filmverleihs überreicht Frau Dürr einen diskret verschlossenen Umschlag und einen  prächtigen Strauß Blumen, der Vater erhält eine Flasche Weinbrand, die Kinder je eine Tafel Schokolade. Das Publikum quittiert das Erscheinen der Familie mit freundlichem Beifall und ist gut eingestimmt auf den folgenden Film, in dem es um das Leben einer amerikanischen Familie geht, in denen die Eltern behaupten, Kinder im Dutzend aufzuziehen, sei „einfach billiger…”

Hervorragend gibt Clifton Webb den zwar dickköpfigen, aber zugleich weichherzigen Papa Gilbreth, die souveräne Myrna Loy die Mutter Lilian, die sowohl ihren etwas skurrilen „Alten” wie auch die ganze sommersprossige Kinderschar mit unaufdringlichem Verständnis und viel Kameradschaft an der Kandare hält. So ergibt sich ein liebenswerter Film, bei denen sowohl den großen wie auch den kleinen Besuchern im „Bieberbau” das Herz warm wird.

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Unterhaltung

Pikanterie

Illustrierte Filmbühne Nr. 1006 (E. S.) – Die Zeit zu Beginn der Fünfziger Jahre ist im deutschen Kinoleben von glanzvollen Premieren geprägt. Zu den überregionalen, aber auch regionalen Erstaufführungen werden die Stars von den Filmverleihern präsentiert, und auch Schnickschnack – wie etwa Modenschauen – gehören in vielen Fällen – und wenn es zum Film passt –, zur Promotion.

PikanterieIn Frankfurt am Main läuft zum Beispiel am Dienstag, 23. Januar 1951, im großen Filmpalast die Liebesromanze Pikanterie (nach dem Theaterstück von Franz Gribitz) an. Grund genug für Kinobetreiber Willy Colm und den Commerz-Filmverleih vorab und am Premierentag  kräftig die Werbetrommel zu rühren. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. So werden dem Publikum nicht nur hübsche Modellkleider des Salons Antoinette vorgeführt, auch  Irene von Meyendorff und Suzanne von Almassy präsentieren sich auf der Bühne des großen Kinos (1500 Plätze) dem Publikum, nachdem sie sich zuvor in der neuen Mokka-Stube des Kinos mit den Vertretern der örtlichen Presse über Gott und die Welt (und natürlich den Film) unterhalten haben. In dem geht es um die Liebe zwischen der jungen Witwe Hortense Clairmont (Irene von Meyendorff) und dem skandalumwitterten Schriftsteller Sascha Borotratz (Curd Jürgens). Ein durchaus gelungener Streifen, doch bei genauerem Hinsehen überstrahlen doch viele der altbekannten deutschen Kinoklischees die französisch angelegten Amouren.

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Melodram Musik Romanze

Toselli-Serenade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Im März 1947 ist eine kleine Notiz in den Tageszeitungen zu lesen, der zufolge Kronprinzessin Luisa von Sachsen-Florenz am 23. März als arme Blumenfrau in Brüssel verstorben ist. Ihre Urne, so ist zu lesen, werde im Kloster Hedingen in Sigmaringen, der Grablege der Fürsten von Hohenzollern, beigesetzt.

ToselliAn diese kleine Notiz werde ich erinnert, als fast auf den Tag genau fünf Jahre später, an Gründonnerstag, 22. März 1951, im Frankfurter Filmpalast ein so genannter „historischer Liebesfilm“ gezeigt wird. In den Nachmittagsvorstellungen läuft an diesem Tag noch der Film „Der Bandit und die Königin” mit Cornel Wilde, aber für 21.00 Uhr wird als besonderes Ereignis die Premiere des Films Toselli-Serenade annonciert. Die Zeitungsinserate versprechen großspurig das „klingende Dokument einer unmöglichen Liebe”. Damit nicht genug. Sie verheissen außerdem noch „den ersten weltbewegenden Liebesskandal und das erste weltbewegende Liebeslied dieses Jahrhunderts.” Große Worte fürwahr! Die Französin Danielle Darrieux und der Italiener Rossano Brazzi spielen das historische Paar. Im Anzeigentext liest sich das so: „Kronprinzessin Luise von Sachsen und Enrico Toselli in allem Glück und allem Leid, das ihnen das Schicksal vorzeichnete”. Der Film bezieht sich weniger auf das Leben des Komponisten Toselli, sondern in erster Linie auf die Liebesgeschichte und Ehe zwischen ihm und Prinzessin Luisa von Sachen-Florenz.

Da trieft das Schmalz aus jedem belichteten Meter Film, doch die Realität und der teilweise doch sehr kitschige Inhalt klaffen meilenweit auseinander. Liebe, Krankheit, Verzicht und Tod werden in unwirklichem Gartenlauben-Stil zusammengepantscht, so dass die wichtige historische Rolle der Kronprinzessin als unabhängige, sich gegen alle Konventionen durchsetzende Frau nicht gewürdigt wird.

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Melodram

Unsterbliche Geliebte

Illustrierte Filmbühne Nr. 1000 (E. S.) – Im ersten Halbjahr 1951 gibt es in Frankfurt am Main erheblichen Wirbel um den von Regisseur Veit Harlan gedrehten Film Unsterbliche Geliebte mit Kristina Söderbaum und Hans Holt. Dabei geht es nicht um den Inhalt des Film – erzählt wird darin die tragische Liebesgeschichte einer Pastorenfrau, deren Kind ertrinkt, während sie mit dessen unehelichem Vater ein Stelldichein hat  – , sondern einzig und allein um die Person des Regisseurs.

Unsterbliche-GeliebteHarlan – „eine der Galionsfiguren des Nazifilms“, wie der Filmhistoriker Rudolf Worschech in einem Artikel über das Nachkriegskino in der Mainmetropole vermerkt – hat 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süss“ gedreht und in den letzten Kriegsmonaten mit dem Historienfilm „Kolberg“ die Deutschen mit Durchhalteparolen gefüttert. Harlan hat nach 1945 zunächst Berufsverbot und wird danach von den „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ (VVN) und der „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt. Doch im April 1949 spricht das Hamburger Landgericht den Regisseur mangels Beweises frei, ein Urteil, das auch exakt ein Jahr später in einer Revisionsverhandlung bestätigt wird.

Allerdings wird darauf hingewiesen, dass der Film „Jud Süss“ sowohl objektiv als auch subjektiv durchaus den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit erfülle. Für Harlan ist gleichwohl der Weg frei, um in sein altes Metier zurückzukehren. Als ersten Film nimmt er das Melodram Unsterbliche Geliebte in Angriff und der Streifen soll am 24. Februar 1951 im „Metro in Schwan” in Frankfurt anlaufen.

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Abenteuer Zeitgeschichte

Suez

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Der Suez-Kanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1869  immer wieder Zankapfel diverser politisch-wirtschaftlicher Interessengruppen. Auch Anfang der Fünfziger Jahre gibt es zahlreiche Auseinandersetzungen um den Schifffahrtsweg zwischen Port Said und Port Taufiq.

SuezEin Blick in die Zeitungen verdeutlich das eindrucksvoll. Am 16. November 1950 kündigt Ägyptens Ministerpräsident Mustafa Nahhas Pascha an, sein Land wolle den 1936 mit Großbritannien geschlossenen Vertrag kündigen, demzufolge britische Truppen im Gebiet beiderseits des Suezkanals stationiert werden können. Bereits sechs Tage später demonstrieren in Kairo 12 000 Studenten gegen die Erklärung des britischen Außenministers Bevin, sein Land habe nicht die Absicht, seine Truppen aus der Suezkanalzone abzuziehen. Wegen der heftigen Proteste wird über die ägyptische Hauptstadt sowie über Alexandria und Port Said der Ausnahmezustand verhängt. Ein halbes Jahr später, im Juli 1951, entsendet die britische Regierung wegen angeblicher ägyptischer Behinderung der Schifffahrt einige Kriegsschiffe ins Rote Meer.

Das führt dazu, dass Ägypten am 8. Oktober 1951 den bestehenden Vertrag  über die Verwaltung und Stationierung britischer Truppen in der Suezkanalzone aufkündigt. Zwei Wochen später verstärkt Großbritannien seine dortigen Garnisonen um fast  8000 Mann. Gleichzeitig wird festgelegt, dass britische Soldaten die Städte Ismailia, Port Said und Suez nur noch aus dienstlichen Gründen betreten dürfen. Am 3. Dezember 1951 gibt es dann bei einem Feuergefecht zwischen Briten und Ägyptern nahe der Stadt Suez 24 Tote. In dieser Zeit fällt auch die Erstaufführung des amerikanischen Spielfilms Suez.

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Lustspiel

Die fidele Tankstelle

Illustrierte Filmbühne Nr. 999 (E. S.) – Es ist schon einigermaßen erstaunlich, mit welcher Schlichtheit das deutsche Kinopublikum zu Beginn der Fünfziger Jahre konfrontiert wird. Allerdings werden Klamotten und Schwänke wie Die fidele Tankstelle von den Besuchern auch toleriert und goutiert. Die Nase zu rümpfen, wäre deshalb kaum angebracht. Als der Film zwei Tage vor Silvester 1950 im Frankfurter Turmpalast anläuft, ist der große Saal jedenfalls ausverkauft. 

Die fidele TankstelleDas allgemein übliche Normalbenzin kostet im Jahr 1950 zwischen 50 und 60 Pfennige pro Liter. Doch der Bedarf an Treibstoff steigt ständig, denn mehr Menschen als je zuvor, können sich zu dieser Zeit ein Auto zulegen – immerhin sind zu dieser Zeit schon knapp zwei Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen – und diese Vehikel brauchen reichlich „Trinkwasser”.  Kein Wunder, dass nun Herr Alois Hinterholzer (Joe Stöckel), der schlitzohrige Wirt vom Weißen Lamm mit einer Tankstelle direkt an seinem Gasthaus versucht, aus dem natürlichen Bedürfnis der Motoren Kapital zu schlagen. Außerdem möchte er nicht nur Sprit an den Mann zu bringen, sondern auch sein darbendes Gasthaus mit neuem Leben erfüllen. Der Wirt lässt in Erwartung hoher Umsätze seinen Knecht Jakob (Erhard Siedel) zum Tankwart ausbilden und der Dorfschmied Wastl (Beppo Brem) rüstet in der Hoffnung auf zahlreiche defekte Automobile seine Schmiede in eine Reparaturwerkstatt um.

Doch leider werden die hochfliegenden Pläne auf Gewinn schnell zunichte gemacht, denn am Tag der Eröffnung lässt sich kein einziger Autofahrer blicken. Doch als der Fahrer eines voll besetzen Reisebusses anhält, um Kühlwasser nachzufüllen, entfernt der listige Hinterholzer den Verteilerfinger am Bus und bugsiert die Reisegesellschaft umgehend in sein Wirtshaus, währenddessen  Schmied Wastl den angeblichen „Defekt“ zu beheben versucht. Doch plötzlich läuft alles aus dem Ruder…

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Sciencefiction

Das Ding aus einer anderen Welt

Illustrierter Filmkurier, Wien (E. S.) – Dieser Film ist einer der ersten so genannten Schocker, der im Jahr 1951 in deutschen Kinos (und auch in Frankfurt) zu sehen ist. Erstaufführung in Deutschland und der Mainmetropole ist am 26. Oktober 1951 im Metro im Schwan, das bei seiner Programmgestaltung ansonsten eher auf Unterhaltungsfilme jeder Coleur sowie Melodramen und Monumentalschinken spezialisiert ist. 

Das-DingDie Konjunktur für Filme über Aliens nimmt mit Das Ding aus einer anderen Welt ihren Anfang. Vier Jahre zuvor (am 24. Juni 1947) hat im realen Leben der  amerikanische Pilot Arnold nach seinen eigenen Angaben neun rotierende Flugobjekte gesichtet. Und wenige Tage nach dieser Beobachtung von Arnold stürzen dann in der Nähe von Roswell in New Mexiko einige Metallteile vom Himmel. Obwohl ein US-General namens Ramey erklärt, bei diesen Trümmern handele es sich nur um die Überreste eines Wetterballons, wird ihm keineswegs geglaubt. In dieser Zeit nimmt auch der Kalte Krieg zwischen West und Ost Fahrt auf. Die Stimmung ist gereizt, es wird viel von einer äußeren Bedrohung gesprochen. Kein Wunder, dass Bewohner aus Roswell glauben, Außerirdische seien gelandet.

Die UFO-Legende ist damit jedenfalls geboren und schwappt in nächster Zeit aus den USA auch nach Europa über. Der Film nimmt das viel diskutierte Thema auf und lässt nahe einer Forschungsstation am Nordpol ein Raumschiff abstürzen. Als die Bewohner das Vehikel sprengen, wird eine übergroße, aber ansonsten durchaus menschenähnliche Gestalt entdeckt und in die nahe gelegene Forschungsstation gebracht. Als das Eis rund herum zu schmelzen beginnt, befreit sich das Ding und macht Jagd auf die Menschen in der Station.

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Unterhaltung

Schön muss man sein

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Die Lustspiel-Welle schwappt Anfang der 50er Jahre immer mehr in die deutsche Kino-Landschaft. Neben rührseligen Heimatschnulzen haben auch so genannte Komödien, die doch nur kleine Klamotten sind, Hochkonjunktur. Einer dieser Filme heisst Schön muss man sein und stammt aus den Hamburger Realfilm-Studios. Frankfurter Erstaufführung ist am 2. August 1951 im Bieberbau.

Schön-muss-man-seinIrgendwie entsprechen diese Filme dem herrschenden Zeitgeist. Sechs Jahre nach Kriegsende sind höchst melodramatische und dazu schnulzenhafte oder seicht unterhaltende Streifen aus Deutschland alltäglich geworden. Sie entsprechen der Stimmungslage der Menschen, die die Schrecken der Vergangenheit hinter sich lassen möchten. Das drückt sich auch in den optimistischen, modischen Gepflogenheiten aus. Die Farben rot und weiß dominieren im Sommer auf den Straßen, obwohl die textile Versorgungslage auf dem Bekleidungssektor bei weitem noch nicht perfekt ist. Es gibt in der noch jungen Bundesrepublik allerdings schon wieder Stoffe in allen Preislagen, außerdem unterstreichen modische Accesoires jeder Art den damenhaften Chic. Weil die Konfektion gleichwohl noch etwas unterentwickelt ist, haben Schnittmusterhefte – zum Beispiel die „Sogra-Schnitte“, das „GeJo Modenblatt“ oder „Der neue Schnitt“ – Hochkonjunktur. Diese Zeitschriften werden zu begehrten Arbeitsjournalen in den Wohnungen. Auch Schneiderinnen, die in’s Haus kommen, sind selbstverständlich, viele Frauen nähen sich ihre Kleider aber auch selbst, wobei sie sich auch Anregungen aus locker-leichteren Filmen holen.

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Krieg Krimi

Tokio Joe

Illustrierte Filmbühne Nr. 996 (E. S.) – Ein Mann namens Tokio Joe wird in dem aufgewühlten Japan der Nachkriegszeit in die Tragödie einer Ehe und in die Machenschaften skrupelloser Elemente verwickelt, die in der Atmosphäre nach dem Ende des Krieges ihren kriminellen und politischen Geschäften nachgehen. Ein Film, der am 22. Mai 1951 im Filmpalast seine Frankfurter Erstaufführung erlebt.

Tokio-JoeDie Nachkriegsjahre unter amerikanischer Besatzung sind in Japan  turbulent – ähnlich wie auch in Deutschland. Schmuggler und Schieber machen im Land der aufgehenden Sonne ihre zweifelhaften Geschäfte. Das wird begünstigt, weil die Menschen im Land nach den verheerenden amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten tief verunsichert und verängstigt sind. Gleichwohl wird in dem Film einer eher menschliche, private Tragödie im Umfeld politisch-krimineller Elemente thematisiert. So entsteht ein gravierender Gegensatz zwischen dem harten Realismus des Milieus und der romanhaft überladenen Handlung, in der Pflichterfüllung und Liebe sich immer wieder gegenüberstehen. In der fiebrigen Atmosphäre des Films fehlen zwar auch kleine Seitenhiebe auf Militärbürokratie und Geheimdienst nicht, doch in erster Linie ist das Ganze ein Starporträt für Humphrey Bogart geworden, der diesen Film mit seiner Produktionsgesellschaft „Santana“ verwirklicht. Gleichwohl ist er am Ende nicht der strahlende Held, sondern als völlig desillusionierter Mann zum Scheitern verurteilt, den Opfertod mit eingeschlossen.

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Heimatland Unterhaltung

Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd!

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Im Frankfurter Kino Bieberbau an der Hauptwache startet am 9. März 1951 der Film Auf der Alm, da gibts koa Sünd!, in dem Maria Andergast (Mariandl) den von Komponist Hans Lang geschriebenen gleichnamigen Schlager singt. In dem Streifen geht es um den Ferienaufenthalt von 40 unehelichen Kindern in einem heimeligen Ort in Tirol und der Gamskogelalm, den die Erzieherin Kitty Schröder gegen den störrischen Bürgermeister erstreitet.

Auf-der-AlmIrgendwelche „Sünden“ auf dieser abgelegenen Hochalm sind natürlich schon von vorne herein ausgeschlossen, auch wenn es die üblichen und spitzfindigen Verwicklungen in diversen Liebesangelegenheiten geht. Ansonsten aber geht es eher deftig zu, die Kinder spielen gleichwohl eine wichtige Rolle. In der Nachkriegszeit gibt es einige Filme, die sich mit dem Thema von in Not geratenen Kindern befassen. Auch die Idee des Österreichers Hermann Gmeiner, verwaisten und verlassenen Kindern ein neues Zuhause zu geben, mag dabei Einfluss gehabt haben. Gmeiner hat 1949 den Verein „SOS-Kinderdorf“ gegründet und in Imst in Tirol das erste Kinderdorf  errichten lassen. Es erscheint allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der Film in irgendeiner Beziehung zum Wirken Anliegen Gmeiners  steht. Dazu ist der Streifen zu oberflächlich, zu kommerziell auf Kassenerfolg angelegt. Der Grund ist sehr simpel: Heimat- und Schnulzenfilme jedweder Art überfluten zu dieser Zeit die deutschen Kinos, der Blick auf den Kassenerfolg von „Schwarzwaldmädel“ ruft jede Menge Nachahmer auf den Plan.

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Unterhaltung

Insel der zornigen Götter

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Die Darbietung des Films Insel der zornigen Götter ist nicht besonders aufregend, der Inhalt eher schlicht. Der französische Abenteurer André Laurence (Louis Jourdan) heiratet in Polynesien die Häuptlingstochter Kalua (Debra Paget), was unter den Eingeboren nicht nur viel Unruhe auslöst, sondern die zornigen Götter wohl auch zu einem Vulkanausbruch veranlasst. 

Insel-der-zornigen-GötterDas ist beängstigend, aber für den Ablauf der Handlung auch bitter nötig, denn bis dahin zieht sich der melodramatische Konflikt nur träge über die Leinwand. Doch als das Spucken des Berges einsetzt, werden die Inselbewohner nicht nur in tiefen Schrecken versetzt, sie erwägen auch, die gerade frisch verheiratete Kalua zu opfern, um die Götter zu besänftigen. Dieser Vorgang ist allerdings nur Staffage für das eigentliche Ziel des Films, nämlich immer wieder romantische Bilder der Südsee mit passenden und einlullenden Melodien zu präsentieren. Weil das Melodram außerdem in prächtigen Technicolor-Farben feilgeboten wird, wird die eher einfältig-exotische Handlung vom Publikum auch goutiert. Auch die Werbung zielt darauf ab. In einer Kinoanzeige der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ (FR) heisst es am Tag der Frankfurter Erstaufführung: „Eine Erzählung aus dem traumschönen Paradies der Südsee mit noch nie gezeigten Bildern von einem Vulkanausbruch.“ Dabei sind Vulkanausbrüche nicht unbedingt dazu geeignet, positive Stimmung zu verbreiten. Wenige Wochen vor der Premiere des Films in den USA ist zum Beispiel am 17. Januar 1951 der bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte „Lamington“ in Papua-Neuguinea ausgebrochen  und hat fast 3000 Menschen in den Tod gerissen.

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Heimatland Melodram

Der Geigenmacher von Mittenwald

Illustrierte Filmbühne Nr. 980 (E. S.) – Am 9. August 1951 wird in Frankfurt am Main das 50. Kino nach dem Krieg eröffnet. Das schmucke Theater in der Mainzer Landstrasse 310 trägt den Namen Gallus-Lichtspiele, was sich auf den Stadtteil gleichen Namens bezieht. Die Besitzerin hat zur Eröffnung ein ganze Schar Prominenter für die Premiere aufgeboten.

Der Geigenmacher von MittenwaldPeter Frankenfeld, damals noch in Frankfurt zu Hause, und ohnehin bei vielen Premieren als Conferencier verpflichtet, gibt den launigen Unterhalter, und ein junger Mann namens Vico Torriani aus der Schweiz singt – noch ganz am Anfang seiner Karriere stehend – zu zarten Gitarrenklängen, wo seine „Wiege stand“ und erzählt von einer „Cafeteria in Lugano“. Das Lichtspielhaus selbst ist ansehnlich, fasst immerhin 550 Besucher (also durchaus beachtlich für ein Vorstadt-Kino), die Wände und Decken sind – wie auch zeitgenössischen Berichten zu entnehmen ist –, von zurückhaltender Lieblichkeit. Hinter dem Eingang mit Garderobe und Vitrinen nimmt ein ansprechendes Foyer mit einer großen Rundbank die Besucher in Empfang. Und eine technische Neuerung gibt es auch: Die für den jeweiligen Film gefertigte Werbetafel über dem Kinoeingang wird mit einer Spezialfarbe bemalt und mit ultraviolettem Licht angestrahlt, wobei ein plastisches Bild erzeugt wird. Das ist sehr beeindruckend. Was an diesem Premierentag im Frankfurter Westen über die neue Leinwand flimmert, ist allerdings weniger beeindruckend. Ein typisches Ganghofer-Drama um den Geigenmacher von Mittenwald

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Western

Der gebrochene Pfeil

Das neue Filmprogramm (E. S.) Eine echte Überraschung wird den Kinobesuchern Ende September 1951 im Frankfurter Filmpalast geboten, als der Film Der gebrochene Pfeil anläuft. Erstmals wird in diesem amerikanischen Western ein realistischeres Bild der Indianer gezeigt als das bis dahin der Fall ist. 

Der-gebrochene-PfeilRegisseur Delmer Daves präsentiert uns mit viel anerkennenswertem Ernst und gebührender Fairness den berechtigen Kampf der Apachen in Arizona gegen die unaufhaltsam vordringenden weißen Eroberer. Immerhin sind zu dieser Zeit (1870) schon vier Fünftel des nordamerikanischen Territoriums den Indianern abgejagt worden, doch in Arizona leisten die Apachen-Stämme unter ihrem Häuptling Cochise (Jeff Chandler) noch heftigen Widerstand. Gegen die aufmüpfigen „Rothäute“ wie die Ureinwohner stets rassistisch abqualifiziert werden, soll deshalb eine militärische Expedition eingesetzt werden, letztendlich mit dem Ziel, die Indianer auszurotten. Doch auf beiden Seiten gibt es Männer, die den absehbaren, blutigen Krieg vermeiden wollen. Dazu gehören der Regierungsbeauftragte General Howard (Basil Ruysdael) sowie der Trapper Tom Jeffords (James Stewart). Jeffords, der die Sitten der Apachen aus eigener Anschauung kennt, hat er doch zeitweise bei ihnen gelebt und ist mit der Indianerin Sonseeahray (Debra Paget) verheiratet, gelingt es schließlich, sowohl Cochise als auch Howard zu Verhandlungen zu bewegen. Obwohl es immer wieder blutige Zwischenfällen gibt, bei denen auch Jeffords indianische Frau stirbt, wird der Friede schließlich erreicht.

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Unterhaltung

Skandal in der Botschaft

Illustrierte Filmbühne Nr. 968 (E. S.) – „Tolle Verwicklungen um Victor de Kowa in einer Doppelrolle in der amüsanten Filmkomödie Skandal in der Botschaft“ verspricht uns die Werbeanzeige des Frankfurter Turmpalastes zu Weihnachten 1950.

Skandal-in-der-BotschaftIn der Zeit des beginnenden Kalten Krieges geht es zwischen den Weltmächten und den mit ihnen verbündeten Staaten in Ost und West natürlich auch um das Ausspähen von echten oder auch nur vermeintlichen „Geheimnissen”. Das Thema Atomspionage nimmt breiten Raum ein. Anfang Januar ist der Physiker Dr. Klaus Fuchs in London als sowjetischer Kundschafter enttarnt worden. Auch die Filmemacher nehmen sich dieser brisanten Themen an – entweder ernsthaft und spannend in aufregenden Thrillern verpackt, oder auf der Basis eher heiterer Verwicklungen. Letzteres ist bei der von Richard Eichberg produzierten Komödie Skandal in der Botschaft der Fall; um geheime Unterlagen nicht in die Hand einer fiktiven und namentlich nicht genannten totalitären Macht fallen zu lassen, bedient sich ein ebenfalls nicht näher bezeichneter (und natürlich böser Staat) der kriminellen Geschicklichkeit eines erfahrenen Geldschrankknackers, um an irgendwelche Geheimnisse heran zu kommen. Wer hätte das (nicht) gedacht?

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Tragikomödie

Der Reigen

Illustrierte Filmbühne Nr. 967 (E. S.) – Das Jahr 1951 wird im Kino vor allem bestimmt von raubeinigen Western-Helden,  dokumentarisch-realistischen Kriminalfilmen amerikanischer Herkunft sowie Heimat-, Unterhaltungs- und Revuefilmen deutscher und österreichischer Zelluloid-Belichter.

Der-ReigenUnter diesen Umständen ist es höchst erfreulich, dass ab 8. Mai 1951 im Frankfurter Bieberbau nahe der Hauptwache der französische Film Der Reigen zu sehen ist – gleichzeitig ist tröstlich, dass die Verfilmung des skandalumwitterten Theaterstücks von Arthur Schnitzler nicht in die Hände deutscher Produzenten gefallen ist. Vermutlich wäre dabei nur ein grobschlächtiger „Sittenfilm“ herausgekommen und gestürzt hätte man sich dabei gewiss auch auf die Skandale von einst, denn das Stück löste nach seiner Uraufführung am 23. Dezember 1920 – erst zwanzig Jahre nach Fertigstellung des Manuskriptes – sowohl am Kleinen Schauspielhaus in Berlin als auch in Wien Theaterskandale aus und führte bald zum so genannten „Reigen-Prozess”, nach dem Schnitzler ein Aufführungsverbot seiner Arbeit hinnehmen musste. Enttäuscht veranlasst Schnitzler später selbst eine Sperre für weitere Aufführungen, die von seinem Sohn sogar bis 1982 verlängert wird. Durch Hörspiele und Filme wird Der Reigen  auf „Umwegen” gleichwohl der breiten Öffentlichkeit bekannt. Anlass für die damalige Empörung sind zehn erotischen Szenen, in denen nicht nur die „unerbittliche Mechanik des Beischlafs“ beschrieben wird, sondern auch die direkt damit zusammenhängenden Themen Macht, Verführung, Sehnsucht, Enttäuschung und Liebe eine zentrale Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht dabei die morbide Moral der Gesellschaft, wobei alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie eingebunden sind.