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Thriller

Eine Stadt hält den Atem an

Das Neue Filmprogramm (E. S.)  – Seit den Atombombenabwürfen auf die japanischen Städte Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) weiß die Menschheit, welches ungeheure Zerstörungspotenzial in diesen Waffen steckt. Wegen dieser schrecklichen Erkenntnis kommt es zu einem erbitterten Wettlauf um die Vervollkommnung der Bombe zwischen den USA und der Sowjetunion.

Der Kampf um das für die Bombe wichtige Uran und diverse Spionageeinsätze verschärfen das Tempo der Entwicklung. Nachdem die USA 1946 auf dem Bikini-Atoll in der Südsee zu Testzwecken Bomben explodieren lassen, zieht die die UdSSR nach und bringt am 29. August 1949 auf dem Gelände in Semipalatinsk in Sibirien ihre eigene Waffe zur Detonation. Dieser Wettlauf schlägt sich auch in verschiedenen Filmen nieder. Einer dieser Streifen im halb dokumentarischen Stil kommt aus Großbritannien und heisst Eine Stadt hält den Atem an. In der Handlung bringen heftige Gewissensbisse  über die mörderischen Möglichkeiten seiner Arbeit sowie die seelische Belastung seiner Arbeit den britischen Atomwissenschaftler Professor Willingdon (Barry Jones) völlig aus der Fassung und treiben ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Willingdon droht damit, London in die Luft zu sprengen, wenn die Regierung seine Forderung nach einem Atomwaffenstop nicht erfüllt. Er stellt der Regierung ein Ultimatum von sieben Tagen. Scotland Yard wird alarmiert, das Kabinett tagt ununterbrochen…

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Melodram

Die Sünderin

Illustrierte Filmbühne Nr. 1030 und DNF (E. S.) – Wieder einmal gibt es in Frankfurt großen Starrummel. Zur deutschen Erstaufführung des Films Die Sünderin im Turmpalast erscheinen der Regisseur Willi Forst sowie die Hauptdarsteller Hildegard Knef und Gustav Fröhlich. Alle drei verneigen sich artig vor einen Beifall klatschenden Publikum, doch bei den Pressegesprächen kommt auch reichlich Frust auf. Vor allem Forst gibt sich pikiert, weil sein Werk bei der Freiwilligen Filmkontrolle in Wiesbaden zunächst durchgefallen ist.

Die SünderinWilli Forst bittet die Journalisten eindringlich darum, ihn in der Wirrnis des deutschen Nachkriegsfilms nun „nicht im Stich zu lassen”. Täte man dies, dann würde es in Zukunft wohl nur noch „Das Dritte Schwarzwaldmädel von rechts” geben. Der Verdruss des Regisseurs ist durchaus verständlich. Der Österreicher hat schon bei den Vorbereitungen der Dreharbeiten erfahren müssen, dass das Thema seines Films nicht überall wohlgelitten ist. Forst will den Film ursprünglich in München realisieren, muss jedoch kurzfristig in die Studios der Jungen Filmunion nach Bendestorf  bei Hamburg ausweichen, da ihm in Bayern aufgrund des strittigen Filmthemas kein Atelier zur Verfügung gestellt wird. Weil in der Lüneburger Heide die Dreharbeiten dann ohne größere Aufmerksamkeit verlaufen, ahnt er nicht, dass sein Film bald Schlagzeilen in Deutschland verursachen wird. Die Aufregung um den melodramatischen Streifen beginnt drei Tage vor der geplanten Premiere am 18. Januar.

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Thriller

Staatsgeheimnis

Das Neue Filmprogramm (E. S.) In der Bundesrepublik startet am 11. August 1950 der britische Film Staatsgeheimnis. Überraschend dabei ist, dass er bereits einen Monat vor der Heimatpremiere  in Großbritannien (11. September 1950) in die Kinos kommt. Auch in Schweden (3. Juli 1950) wird der Streifen früher in die Kinos gezeigt als im Vereinigten Königreich. 

StaatsgeheimnisIn Frankfurt am Main läuft Staatsgeheimnis am 10. Oktober 1950 gleichzeitig in den Innenstadt-Häusern der heftig konkurrierenden Frankfurter Kino-Zaren Siegfried Lubliner (Bieberbau) und Wollenberg (Luxor) an. Eine Zeitungskritik in der Frankfurter Rundschau macht die Filminteressierten auf den Thriller aufmerksam. „Dieser Film stellt keine nervenkitzelnde Utopie dar, sondern eine erschreckende (…) Wirklichkeit. Sein Dramaturg ist die Angst: die Angst vor dem grauenhaften Gestern der Diktatur und der Gefahr ihrer Ausbreitung im Morgen”, heisst es da, und weiter: „Die aalglatte Umgangsform der Tyrannei, die tödliche Scheinphilosophie der Staatsräson, der Biedermann mit dem Bluthundinstinkt: wir kennen das alles, haben es am eigenen Leibe bitter erfahren müssen.” Gleichwohl wirkt der Film nicht immer nur furchteinflößend auf die Kinobesucher, sondern enthält manche Passagen mit satirisch-komödiantischen Elementen zur Rolle von Diktatoren und deren totalitären Machtstrukturen: „Der Witz, der hier zuweilen waltet, enthüllt Abgründe, vor denen wir schaudern stehen”,  formuliert die eingangs erwähnte Zeitung.

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Detektiv

Falschmünzer am Werk

Illustrierte Filmbühne Nr. 1027 (E. S.) – Anfang des Jahres 1951 tauchen in Frankfurt am Main und anderen westdeutschen Städten massenhaft gefälschte D-Mark-Scheine auf. Fast zeitgleich wird in der Nähe von Paris eine Druckerei ausgehoben, in der ähnliche Falsifikate hergestellt worden sind. Die kriminelle Realität setzt also eine intensive Zusammenarbeit deutscher und ausländischer Polizeiorgane auf die Tagesordnung.

Falschmünzer am Werk - Der Fall 7 A 9Dieses Thema wird auch in Der Fall 7 A 9 (Falschmünzer am Werk) behandelt. Der Film wird am 1. März in Frankfurt am Main (Eden-Lichtspiele) uraufgeführt. Dabei wird der Kampf gegen eine internationale Verbrecherbande gezeigt. Der Krimi orientiert sich dabei mit teilweise dokumentarischen Bildern an den zu dieser Zeit in Mode gekommenen amerikanischen Vorbildern („Der Todeskuß”, „Straße ohne Namen”, „Geheimagent T”, „Das Haus in der 92. Straße”). Weil nur 15 Tage nach der Premiere in Frankfurt das neu gegründete Bundeskriminalamt in Wiesbaden seine Arbeit aufnimmt, wirkt das Ganze wie ein begleitender Werbestreifen für das BKA. Das wird noch unterstrichen, als sich drei Tage vor der Filmpremiere Sachverständige der Kriminalpolizei, der Bank Deutscher Länder und Journalisten in Frankfurt in einer Sondervorstellung des Verleihs den Films ansehen.

Die Anwesenden sind sich darin einig, dass der Film über die Falschmünzer- und Autoschmuggler-Bande bei Verzicht auf Sensationseffekte sehr realistisch ist. Die Teilnehmer der Besprechung verlangen sogar, in Frankfurt eine Beratungsstelle einzurichten, um vor allem Kassierer von großen Warenhäusern und Industriefirmen über Falschgeld ausreichend zu informieren. Immerhin seien bei guter Sachkenntnis „Blüten” auch von Laien schnell zu erkennen.

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Krieg

Vier Federn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Ein wegen seines Austritts aus der Armee von seinen Ex-Kameraden und seiner Braut wegen „Feigheit” gedemütigter britischer Offizier zeigt während des Mahdi-Aufstands im Sudan (1898) größeren Mut als seine moralischen Richter: Das ist der Inhalt eines britischen Films, der viele Fragen aufwirft.

Vier FedernAls Anfang November 1950 im Frankfurter Turmpalast Vier Federn anläuft, fragt die  „Frankfurter Rundschau” ein wenig irritiert, ob die Vorführung dieses Films in Deutschland zu dieser Zeit unbedingt nötig ist. „Darüber lässt sich streiten”, stellt die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 9. November fest. Das Blatt verweist darauf, dass die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft” (FSK) in Wiesbaden die Vorführung noch vor kurzem abgelehnt hat und dann doch überraschend und nach einigen Schnittauflagen die Freigabe erteilt hat. Auch Angehörige der Frankfurter Jugendorganisation „Die Falken“ fragen nach dem Sinn dieses Films, der die distanzlose Verherrlichung von soldatischem Ethos in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt. Immerhin erfolgt die Aufführung zu einer Zeit, in der in der Bundesrepublik intensiv über die bevorstehende Wiederbewaffnung gestritten wird. Doch es bleibt nicht nur bei rhetorischen Fragen. „Die Falken“ jedenfalls verabreden sich zu einer Protestaktion, gehen als große Gruppe in die 18-Uhr-Vorstellung am Sonntag und verlassen mitten während der Vorstellung mit Pfiffen und lautem Gepolter das Kino am Eschenheimer Turm.

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Familie

Das doppelte Lottchen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1009 und DNF Nr. 384 (E.S.) – Der Film Das doppelte Lottchen wird in Frankfurt später an als in anderen deutschen Städten gezeigt. Der Grund ist simpel. Der an Weihnachten laufende Zeichentrick-Film „Bambi” wird im Bieberbau so gut besucht, dass eine Verlängerung unumgänglich ist. Weil aus Vertragsgründen danach auch erst noch „Rasputin” über die Leinwand flimmern muss, wird  die Frankfurter Premiere vom 12. Januar 1951 den auf 26. Januar 1951 verschoben.

Das doppelte LottchenDie Bieberbau-Direktion hat sich zusammen mit dem National-Filmverleih wieder einmal etwas besonderes ausgedacht, um auf den Start des Films aufmerksam zu machen. In Zeitungsberichten werden Zwillinge alter Altersstufen aufgefordert, sich für die Premiere anzumelden. In der 17.00-Uhr-Vorstellung sind dann auch unzählige dieser Paare zwischen fünf und 65 Jahren als „Begleitmusik” im Kino versammelt. Sie sehen einen schönen Unterhaltungsfilm nach einem Roman von Erich Kästner.

Die Handlung, über dessen Handlung die „Illustrierte Filmbühne” informiert: „In einem Ferienheim in den Alpen treffen sich zwei zehnjährige Mädchen, die einander zum Verwechseln ähnlich sind. Das eine, lebhaftere und braungelockte, heißt Luise Palfy und kommt aus Wien,. Das andere, stillere und bezopfte, heißt Lotte Körner und kommt aus München. Die erste Bestürzung, die sich bei Luise bis zur Wut steigert, weicht allmählich einer zärtlichen Freundschaft,, in deren Verlauf die beiden Kinder entdecken, dass sie Zwillinge sein müssen. Von nun an suchen sie, unermüdlich und doch vergeblich, das Geheimnis ihres Lebens zu entschleiern.”

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Familie

Im Dutzend billiger

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Kinderreichtum ist in Deutschland der Nachkriegsjahre keine Seltenheit. Doch als der amerikanische Film Im Dutzend billiger am 20. Juni 1952 im Bieberbau anläuft, fällt es dem Centfox-Filmverleih doch nicht so leicht, zur Premiere als „Werbegag” eine entsprechend große Familie aufzutreiben. Schließlich werden die Verantwortlichen im Stadtteil Höchst fündig, wo eine passende Großfamilie zu Hause ist.

Im Dutzend billigerVor den Vorhang treten aber schließlich Alfred Dürr, seine Frau und zwölf Kinder (neun Mädchen und drei Jungen) im Alter zwischen einem und 25 Jahren. Die älteste ist Lina, die immer noch der Mutter im Haushalt zur Hand geht, als Nesthäkchen wird die hellblonde Ursula vorgestellt. Der Vertreter des Filmverleihs überreicht Frau Dürr einen diskret verschlossenen Umschlag und einen  prächtigen Strauß Blumen, der Vater erhält eine Flasche Weinbrand, die Kinder je eine Tafel Schokolade. Das Publikum quittiert das Erscheinen der Familie mit freundlichem Beifall und ist gut eingestimmt auf den folgenden Film, in dem es um das Leben einer amerikanischen Familie geht, in denen die Eltern behaupten, Kinder im Dutzend aufzuziehen, sei „einfach billiger…”

Hervorragend gibt Clifton Webb den zwar dickköpfigen, aber zugleich weichherzigen Papa Gilbreth, die souveräne Myrna Loy die Mutter Lilian, die sowohl ihren etwas skurrilen „Alten” wie auch die ganze sommersprossige Kinderschar mit unaufdringlichem Verständnis und viel Kameradschaft an der Kandare hält. So ergibt sich ein liebenswerter Film, bei denen sowohl den großen wie auch den kleinen Besuchern im „Bieberbau” das Herz warm wird.

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Unterhaltung

Pikanterie

Illustrierte Filmbühne Nr. 1006 (E. S.) – Die Zeit zu Beginn der Fünfziger Jahre ist im deutschen Kinoleben von glanzvollen Premieren geprägt. Zu den überregionalen, aber auch regionalen Erstaufführungen werden die Stars von den Filmverleihern präsentiert, und auch Schnickschnack – wie etwa Modenschauen – gehören in vielen Fällen – und wenn es zum Film passt –, zur Promotion.

PikanterieIn Frankfurt am Main läuft zum Beispiel am Dienstag, 23. Januar 1951, im großen Filmpalast die Liebesromanze Pikanterie (nach dem Theaterstück von Franz Gribitz) an. Grund genug für Kinobetreiber Willy Colm und den Commerz-Filmverleih vorab und am Premierentag  kräftig die Werbetrommel zu rühren. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. So werden dem Publikum nicht nur hübsche Modellkleider des Salons Antoinette vorgeführt, auch  Irene von Meyendorff und Suzanne von Almassy präsentieren sich auf der Bühne des großen Kinos (1500 Plätze) dem Publikum, nachdem sie sich zuvor in der neuen Mokka-Stube des Kinos mit den Vertretern der örtlichen Presse über Gott und die Welt (und natürlich den Film) unterhalten haben. In dem geht es um die Liebe zwischen der jungen Witwe Hortense Clairmont (Irene von Meyendorff) und dem skandalumwitterten Schriftsteller Sascha Borotratz (Curd Jürgens). Ein durchaus gelungener Streifen, doch bei genauerem Hinsehen überstrahlen doch viele der altbekannten deutschen Kinoklischees die französisch angelegten Amouren.

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Melodram Musik Romanze

Toselli-Serenade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Im März 1947 ist eine kleine Notiz in den Tageszeitungen zu lesen, der zufolge Kronprinzessin Luisa von Sachsen-Florenz am 23. März als arme Blumenfrau in Brüssel verstorben ist. Ihre Urne, so ist zu lesen, werde im Kloster Hedingen in Sigmaringen, der Grablege der Fürsten von Hohenzollern, beigesetzt.

ToselliAn diese kleine Notiz werde ich erinnert, als fast auf den Tag genau fünf Jahre später, an Gründonnerstag, 22. März 1951, im Frankfurter Filmpalast ein so genannter „historischer Liebesfilm“ gezeigt wird. In den Nachmittagsvorstellungen läuft an diesem Tag noch der Film „Der Bandit und die Königin” mit Cornel Wilde, aber für 21.00 Uhr wird als besonderes Ereignis die Premiere des Films Toselli-Serenade annonciert. Die Zeitungsinserate versprechen großspurig das „klingende Dokument einer unmöglichen Liebe”. Damit nicht genug. Sie verheissen außerdem noch „den ersten weltbewegenden Liebesskandal und das erste weltbewegende Liebeslied dieses Jahrhunderts.” Große Worte fürwahr! Die Französin Danielle Darrieux und der Italiener Rossano Brazzi spielen das historische Paar. Im Anzeigentext liest sich das so: „Kronprinzessin Luise von Sachsen und Enrico Toselli in allem Glück und allem Leid, das ihnen das Schicksal vorzeichnete”. Der Film bezieht sich weniger auf das Leben des Komponisten Toselli, sondern in erster Linie auf die Liebesgeschichte und Ehe zwischen ihm und Prinzessin Luisa von Sachen-Florenz.

Da trieft das Schmalz aus jedem belichteten Meter Film, doch die Realität und der teilweise doch sehr kitschige Inhalt klaffen meilenweit auseinander. Liebe, Krankheit, Verzicht und Tod werden in unwirklichem Gartenlauben-Stil zusammengepantscht, so dass die wichtige historische Rolle der Kronprinzessin als unabhängige, sich gegen alle Konventionen durchsetzende Frau nicht gewürdigt wird.

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Melodram

Unsterbliche Geliebte

Illustrierte Filmbühne Nr. 1000 (E. S.) – Im ersten Halbjahr 1951 gibt es in Frankfurt am Main erheblichen Wirbel um den von Regisseur Veit Harlan gedrehten Film Unsterbliche Geliebte mit Kristina Söderbaum und Hans Holt. Dabei geht es nicht um den Inhalt des Film – erzählt wird darin die tragische Liebesgeschichte einer Pastorenfrau, deren Kind ertrinkt, während sie mit dessen unehelichem Vater ein Stelldichein hat  – , sondern einzig und allein um die Person des Regisseurs.

Unsterbliche-GeliebteHarlan – „eine der Galionsfiguren des Nazifilms“, wie der Filmhistoriker Rudolf Worschech in einem Artikel über das Nachkriegskino in der Mainmetropole vermerkt – hat 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süss“ gedreht und in den letzten Kriegsmonaten mit dem Historienfilm „Kolberg“ die Deutschen mit Durchhalteparolen gefüttert. Harlan hat nach 1945 zunächst Berufsverbot und wird danach von den „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ (VVN) und der „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt. Doch im April 1949 spricht das Hamburger Landgericht den Regisseur mangels Beweises frei, ein Urteil, das auch exakt ein Jahr später in einer Revisionsverhandlung bestätigt wird.

Allerdings wird darauf hingewiesen, dass der Film „Jud Süss“ sowohl objektiv als auch subjektiv durchaus den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit erfülle. Für Harlan ist gleichwohl der Weg frei, um in sein altes Metier zurückzukehren. Als ersten Film nimmt er das Melodram Unsterbliche Geliebte in Angriff und der Streifen soll am 24. Februar 1951 im „Metro in Schwan” in Frankfurt anlaufen.

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Abenteuer Zeitgeschichte

Suez

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Der Suez-Kanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1869  immer wieder Zankapfel diverser politisch-wirtschaftlicher Interessengruppen. Auch Anfang der Fünfziger Jahre gibt es zahlreiche Auseinandersetzungen um den Schifffahrtsweg zwischen Port Said und Port Taufiq.

SuezEin Blick in die Zeitungen verdeutlich das eindrucksvoll. Am 16. November 1950 kündigt Ägyptens Ministerpräsident Mustafa Nahhas Pascha an, sein Land wolle den 1936 mit Großbritannien geschlossenen Vertrag kündigen, demzufolge britische Truppen im Gebiet beiderseits des Suezkanals stationiert werden können. Bereits sechs Tage später demonstrieren in Kairo 12 000 Studenten gegen die Erklärung des britischen Außenministers Bevin, sein Land habe nicht die Absicht, seine Truppen aus der Suezkanalzone abzuziehen. Wegen der heftigen Proteste wird über die ägyptische Hauptstadt sowie über Alexandria und Port Said der Ausnahmezustand verhängt. Ein halbes Jahr später, im Juli 1951, entsendet die britische Regierung wegen angeblicher ägyptischer Behinderung der Schifffahrt einige Kriegsschiffe ins Rote Meer.

Das führt dazu, dass Ägypten am 8. Oktober 1951 den bestehenden Vertrag  über die Verwaltung und Stationierung britischer Truppen in der Suezkanalzone aufkündigt. Zwei Wochen später verstärkt Großbritannien seine dortigen Garnisonen um fast  8000 Mann. Gleichzeitig wird festgelegt, dass britische Soldaten die Städte Ismailia, Port Said und Suez nur noch aus dienstlichen Gründen betreten dürfen. Am 3. Dezember 1951 gibt es dann bei einem Feuergefecht zwischen Briten und Ägyptern nahe der Stadt Suez 24 Tote. In dieser Zeit fällt auch die Erstaufführung des amerikanischen Spielfilms Suez.

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Lustspiel

Die fidele Tankstelle

Illustrierte Filmbühne Nr. 999 (E. S.) – Es ist schon einigermaßen erstaunlich, mit welcher Schlichtheit das deutsche Kinopublikum zu Beginn der Fünfziger Jahre konfrontiert wird. Allerdings werden Klamotten und Schwänke wie Die fidele Tankstelle von den Besuchern auch toleriert und goutiert. Die Nase zu rümpfen, wäre deshalb kaum angebracht. Als der Film zwei Tage vor Silvester 1950 im Frankfurter Turmpalast anläuft, ist der große Saal jedenfalls ausverkauft. 

Die fidele TankstelleDas allgemein übliche Normalbenzin kostet im Jahr 1950 zwischen 50 und 60 Pfennige pro Liter. Doch der Bedarf an Treibstoff steigt ständig, denn mehr Menschen als je zuvor, können sich zu dieser Zeit ein Auto zulegen – immerhin sind zu dieser Zeit schon knapp zwei Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen – und diese Vehikel brauchen reichlich „Trinkwasser”.  Kein Wunder, dass nun Herr Alois Hinterholzer (Joe Stöckel), der schlitzohrige Wirt vom Weißen Lamm mit einer Tankstelle direkt an seinem Gasthaus versucht, aus dem natürlichen Bedürfnis der Motoren Kapital zu schlagen. Außerdem möchte er nicht nur Sprit an den Mann zu bringen, sondern auch sein darbendes Gasthaus mit neuem Leben erfüllen. Der Wirt lässt in Erwartung hoher Umsätze seinen Knecht Jakob (Erhard Siedel) zum Tankwart ausbilden und der Dorfschmied Wastl (Beppo Brem) rüstet in der Hoffnung auf zahlreiche defekte Automobile seine Schmiede in eine Reparaturwerkstatt um.

Doch leider werden die hochfliegenden Pläne auf Gewinn schnell zunichte gemacht, denn am Tag der Eröffnung lässt sich kein einziger Autofahrer blicken. Doch als der Fahrer eines voll besetzen Reisebusses anhält, um Kühlwasser nachzufüllen, entfernt der listige Hinterholzer den Verteilerfinger am Bus und bugsiert die Reisegesellschaft umgehend in sein Wirtshaus, währenddessen  Schmied Wastl den angeblichen „Defekt“ zu beheben versucht. Doch plötzlich läuft alles aus dem Ruder…

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Sciencefiction

Das Ding aus einer anderen Welt

Illustrierter Filmkurier, Wien (E. S.) – Dieser Film ist einer der ersten so genannten Schocker, der im Jahr 1951 in deutschen Kinos (und auch in Frankfurt) zu sehen ist. Erstaufführung in Deutschland und der Mainmetropole ist am 26. Oktober 1951 im Metro im Schwan, das bei seiner Programmgestaltung ansonsten eher auf Unterhaltungsfilme jeder Coleur sowie Melodramen und Monumentalschinken spezialisiert ist. 

Das-DingDie Konjunktur für Filme über Aliens nimmt mit Das Ding aus einer anderen Welt ihren Anfang. Vier Jahre zuvor (am 24. Juni 1947) hat im realen Leben der  amerikanische Pilot Arnold nach seinen eigenen Angaben neun rotierende Flugobjekte gesichtet. Und wenige Tage nach dieser Beobachtung von Arnold stürzen dann in der Nähe von Roswell in New Mexiko einige Metallteile vom Himmel. Obwohl ein US-General namens Ramey erklärt, bei diesen Trümmern handele es sich nur um die Überreste eines Wetterballons, wird ihm keineswegs geglaubt. In dieser Zeit nimmt auch der Kalte Krieg zwischen West und Ost Fahrt auf. Die Stimmung ist gereizt, es wird viel von einer äußeren Bedrohung gesprochen. Kein Wunder, dass Bewohner aus Roswell glauben, Außerirdische seien gelandet.

Die UFO-Legende ist damit jedenfalls geboren und schwappt in nächster Zeit aus den USA auch nach Europa über. Der Film nimmt das viel diskutierte Thema auf und lässt nahe einer Forschungsstation am Nordpol ein Raumschiff abstürzen. Als die Bewohner das Vehikel sprengen, wird eine übergroße, aber ansonsten durchaus menschenähnliche Gestalt entdeckt und in die nahe gelegene Forschungsstation gebracht. Als das Eis rund herum zu schmelzen beginnt, befreit sich das Ding und macht Jagd auf die Menschen in der Station.

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Unterhaltung

Schön muss man sein

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Die Lustspiel-Welle schwappt Anfang der 50er Jahre immer mehr in die deutsche Kino-Landschaft. Neben rührseligen Heimatschnulzen haben auch so genannte Komödien, die doch nur kleine Klamotten sind, Hochkonjunktur. Einer dieser Filme heisst Schön muss man sein und stammt aus den Hamburger Realfilm-Studios. Frankfurter Erstaufführung ist am 2. August 1951 im Bieberbau.

Schön-muss-man-seinIrgendwie entsprechen diese Filme dem herrschenden Zeitgeist. Sechs Jahre nach Kriegsende sind höchst melodramatische und dazu schnulzenhafte oder seicht unterhaltende Streifen aus Deutschland alltäglich geworden. Sie entsprechen der Stimmungslage der Menschen, die die Schrecken der Vergangenheit hinter sich lassen möchten. Das drückt sich auch in den optimistischen, modischen Gepflogenheiten aus. Die Farben rot und weiß dominieren im Sommer auf den Straßen, obwohl die textile Versorgungslage auf dem Bekleidungssektor bei weitem noch nicht perfekt ist. Es gibt in der noch jungen Bundesrepublik allerdings schon wieder Stoffe in allen Preislagen, außerdem unterstreichen modische Accesoires jeder Art den damenhaften Chic. Weil die Konfektion gleichwohl noch etwas unterentwickelt ist, haben Schnittmusterhefte – zum Beispiel die „Sogra-Schnitte“, das „GeJo Modenblatt“ oder „Der neue Schnitt“ – Hochkonjunktur. Diese Zeitschriften werden zu begehrten Arbeitsjournalen in den Wohnungen. Auch Schneiderinnen, die in’s Haus kommen, sind selbstverständlich, viele Frauen nähen sich ihre Kleider aber auch selbst, wobei sie sich auch Anregungen aus locker-leichteren Filmen holen.

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Krieg Krimi

Tokio Joe

Illustrierte Filmbühne Nr. 996 (E. S.) – Ein Mann namens Tokio Joe wird in dem aufgewühlten Japan der Nachkriegszeit in die Tragödie einer Ehe und in die Machenschaften skrupelloser Elemente verwickelt, die in der Atmosphäre nach dem Ende des Krieges ihren kriminellen und politischen Geschäften nachgehen. Ein Film, der am 22. Mai 1951 im Filmpalast seine Frankfurter Erstaufführung erlebt.

Tokio-JoeDie Nachkriegsjahre unter amerikanischer Besatzung sind in Japan  turbulent – ähnlich wie auch in Deutschland. Schmuggler und Schieber machen im Land der aufgehenden Sonne ihre zweifelhaften Geschäfte. Das wird begünstigt, weil die Menschen im Land nach den verheerenden amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten tief verunsichert und verängstigt sind. Gleichwohl wird in dem Film einer eher menschliche, private Tragödie im Umfeld politisch-krimineller Elemente thematisiert. So entsteht ein gravierender Gegensatz zwischen dem harten Realismus des Milieus und der romanhaft überladenen Handlung, in der Pflichterfüllung und Liebe sich immer wieder gegenüberstehen. In der fiebrigen Atmosphäre des Films fehlen zwar auch kleine Seitenhiebe auf Militärbürokratie und Geheimdienst nicht, doch in erster Linie ist das Ganze ein Starporträt für Humphrey Bogart geworden, der diesen Film mit seiner Produktionsgesellschaft „Santana“ verwirklicht. Gleichwohl ist er am Ende nicht der strahlende Held, sondern als völlig desillusionierter Mann zum Scheitern verurteilt, den Opfertod mit eingeschlossen.

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Heimatland Unterhaltung

Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd!

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Im Frankfurter Kino Bieberbau an der Hauptwache startet am 9. März 1951 der Film Auf der Alm, da gibts koa Sünd!, in dem Maria Andergast (Mariandl) den von Komponist Hans Lang geschriebenen gleichnamigen Schlager singt. In dem Streifen geht es um den Ferienaufenthalt von 40 unehelichen Kindern in einem heimeligen Ort in Tirol und der Gamskogelalm, den die Erzieherin Kitty Schröder gegen den störrischen Bürgermeister erstreitet.

Auf-der-AlmIrgendwelche „Sünden“ auf dieser abgelegenen Hochalm sind natürlich schon von vorne herein ausgeschlossen, auch wenn es die üblichen und spitzfindigen Verwicklungen in diversen Liebesangelegenheiten geht. Ansonsten aber geht es eher deftig zu, die Kinder spielen gleichwohl eine wichtige Rolle. In der Nachkriegszeit gibt es einige Filme, die sich mit dem Thema von in Not geratenen Kindern befassen. Auch die Idee des Österreichers Hermann Gmeiner, verwaisten und verlassenen Kindern ein neues Zuhause zu geben, mag dabei Einfluss gehabt haben. Gmeiner hat 1949 den Verein „SOS-Kinderdorf“ gegründet und in Imst in Tirol das erste Kinderdorf  errichten lassen. Es erscheint allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der Film in irgendeiner Beziehung zum Wirken Anliegen Gmeiners  steht. Dazu ist der Streifen zu oberflächlich, zu kommerziell auf Kassenerfolg angelegt. Der Grund ist sehr simpel: Heimat- und Schnulzenfilme jedweder Art überfluten zu dieser Zeit die deutschen Kinos, der Blick auf den Kassenerfolg von „Schwarzwaldmädel“ ruft jede Menge Nachahmer auf den Plan.

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Unterhaltung

Insel der zornigen Götter

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Die Darbietung des Films Insel der zornigen Götter ist nicht besonders aufregend, der Inhalt eher schlicht. Der französische Abenteurer André Laurence (Louis Jourdan) heiratet in Polynesien die Häuptlingstochter Kalua (Debra Paget), was unter den Eingeboren nicht nur viel Unruhe auslöst, sondern die zornigen Götter wohl auch zu einem Vulkanausbruch veranlasst. 

Insel-der-zornigen-GötterDas ist beängstigend, aber für den Ablauf der Handlung auch bitter nötig, denn bis dahin zieht sich der melodramatische Konflikt nur träge über die Leinwand. Doch als das Spucken des Berges einsetzt, werden die Inselbewohner nicht nur in tiefen Schrecken versetzt, sie erwägen auch, die gerade frisch verheiratete Kalua zu opfern, um die Götter zu besänftigen. Dieser Vorgang ist allerdings nur Staffage für das eigentliche Ziel des Films, nämlich immer wieder romantische Bilder der Südsee mit passenden und einlullenden Melodien zu präsentieren. Weil das Melodram außerdem in prächtigen Technicolor-Farben feilgeboten wird, wird die eher einfältig-exotische Handlung vom Publikum auch goutiert. Auch die Werbung zielt darauf ab. In einer Kinoanzeige der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ (FR) heisst es am Tag der Frankfurter Erstaufführung: „Eine Erzählung aus dem traumschönen Paradies der Südsee mit noch nie gezeigten Bildern von einem Vulkanausbruch.“ Dabei sind Vulkanausbrüche nicht unbedingt dazu geeignet, positive Stimmung zu verbreiten. Wenige Wochen vor der Premiere des Films in den USA ist zum Beispiel am 17. Januar 1951 der bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte „Lamington“ in Papua-Neuguinea ausgebrochen  und hat fast 3000 Menschen in den Tod gerissen.

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Heimatland Melodram

Der Geigenmacher von Mittenwald

Illustrierte Filmbühne Nr. 980 (E. S.) – Am 9. August 1951 wird in Frankfurt am Main das 50. Kino nach dem Krieg eröffnet. Das schmucke Theater in der Mainzer Landstrasse 310 trägt den Namen Gallus-Lichtspiele, was sich auf den Stadtteil gleichen Namens bezieht. Die Besitzerin hat zur Eröffnung ein ganze Schar Prominenter für die Premiere aufgeboten.

Der Geigenmacher von MittenwaldPeter Frankenfeld, damals noch in Frankfurt zu Hause, und ohnehin bei vielen Premieren als Conferencier verpflichtet, gibt den launigen Unterhalter, und ein junger Mann namens Vico Torriani aus der Schweiz singt – noch ganz am Anfang seiner Karriere stehend – zu zarten Gitarrenklängen, wo seine „Wiege stand“ und erzählt von einer „Cafeteria in Lugano“. Das Lichtspielhaus selbst ist ansehnlich, fasst immerhin 550 Besucher (also durchaus beachtlich für ein Vorstadt-Kino), die Wände und Decken sind – wie auch zeitgenössischen Berichten zu entnehmen ist –, von zurückhaltender Lieblichkeit. Hinter dem Eingang mit Garderobe und Vitrinen nimmt ein ansprechendes Foyer mit einer großen Rundbank die Besucher in Empfang. Und eine technische Neuerung gibt es auch: Die für den jeweiligen Film gefertigte Werbetafel über dem Kinoeingang wird mit einer Spezialfarbe bemalt und mit ultraviolettem Licht angestrahlt, wobei ein plastisches Bild erzeugt wird. Das ist sehr beeindruckend. Was an diesem Premierentag im Frankfurter Westen über die neue Leinwand flimmert, ist allerdings weniger beeindruckend. Ein typisches Ganghofer-Drama um den Geigenmacher von Mittenwald

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Western

Der gebrochene Pfeil

Das neue Filmprogramm (E. S.) Eine echte Überraschung wird den Kinobesuchern Ende September 1951 im Frankfurter Filmpalast geboten, als der Film Der gebrochene Pfeil anläuft. Erstmals wird in diesem amerikanischen Western ein realistischeres Bild der Indianer gezeigt als das bis dahin der Fall ist. 

Der-gebrochene-PfeilRegisseur Delmer Daves präsentiert uns mit viel anerkennenswertem Ernst und gebührender Fairness den berechtigen Kampf der Apachen in Arizona gegen die unaufhaltsam vordringenden weißen Eroberer. Immerhin sind zu dieser Zeit (1870) schon vier Fünftel des nordamerikanischen Territoriums den Indianern abgejagt worden, doch in Arizona leisten die Apachen-Stämme unter ihrem Häuptling Cochise (Jeff Chandler) noch heftigen Widerstand. Gegen die aufmüpfigen „Rothäute“ wie die Ureinwohner stets rassistisch abqualifiziert werden, soll deshalb eine militärische Expedition eingesetzt werden, letztendlich mit dem Ziel, die Indianer auszurotten. Doch auf beiden Seiten gibt es Männer, die den absehbaren, blutigen Krieg vermeiden wollen. Dazu gehören der Regierungsbeauftragte General Howard (Basil Ruysdael) sowie der Trapper Tom Jeffords (James Stewart). Jeffords, der die Sitten der Apachen aus eigener Anschauung kennt, hat er doch zeitweise bei ihnen gelebt und ist mit der Indianerin Sonseeahray (Debra Paget) verheiratet, gelingt es schließlich, sowohl Cochise als auch Howard zu Verhandlungen zu bewegen. Obwohl es immer wieder blutige Zwischenfällen gibt, bei denen auch Jeffords indianische Frau stirbt, wird der Friede schließlich erreicht.

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Unterhaltung

Skandal in der Botschaft

Illustrierte Filmbühne Nr. 968 (E. S.) – „Tolle Verwicklungen um Victor de Kowa in einer Doppelrolle in der amüsanten Filmkomödie Skandal in der Botschaft“ verspricht uns die Werbeanzeige des Frankfurter Turmpalastes zu Weihnachten 1950.

Skandal-in-der-BotschaftIn der Zeit des beginnenden Kalten Krieges geht es zwischen den Weltmächten und den mit ihnen verbündeten Staaten in Ost und West natürlich auch um das Ausspähen von echten oder auch nur vermeintlichen „Geheimnissen”. Das Thema Atomspionage nimmt breiten Raum ein. Anfang Januar ist der Physiker Dr. Klaus Fuchs in London als sowjetischer Kundschafter enttarnt worden. Auch die Filmemacher nehmen sich dieser brisanten Themen an – entweder ernsthaft und spannend in aufregenden Thrillern verpackt, oder auf der Basis eher heiterer Verwicklungen. Letzteres ist bei der von Richard Eichberg produzierten Komödie Skandal in der Botschaft der Fall; um geheime Unterlagen nicht in die Hand einer fiktiven und namentlich nicht genannten totalitären Macht fallen zu lassen, bedient sich ein ebenfalls nicht näher bezeichneter (und natürlich böser Staat) der kriminellen Geschicklichkeit eines erfahrenen Geldschrankknackers, um an irgendwelche Geheimnisse heran zu kommen. Wer hätte das (nicht) gedacht?

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Tragikomödie

Der Reigen

Illustrierte Filmbühne Nr. 967 (E. S.) – Das Jahr 1951 wird im Kino vor allem bestimmt von raubeinigen Western-Helden,  dokumentarisch-realistischen Kriminalfilmen amerikanischer Herkunft sowie Heimat-, Unterhaltungs- und Revuefilmen deutscher und österreichischer Zelluloid-Belichter.

Der-ReigenUnter diesen Umständen ist es höchst erfreulich, dass ab 8. Mai 1951 im Frankfurter Bieberbau nahe der Hauptwache der französische Film Der Reigen zu sehen ist – gleichzeitig ist tröstlich, dass die Verfilmung des skandalumwitterten Theaterstücks von Arthur Schnitzler nicht in die Hände deutscher Produzenten gefallen ist. Vermutlich wäre dabei nur ein grobschlächtiger „Sittenfilm“ herausgekommen und gestürzt hätte man sich dabei gewiss auch auf die Skandale von einst, denn das Stück löste nach seiner Uraufführung am 23. Dezember 1920 – erst zwanzig Jahre nach Fertigstellung des Manuskriptes – sowohl am Kleinen Schauspielhaus in Berlin als auch in Wien Theaterskandale aus und führte bald zum so genannten „Reigen-Prozess”, nach dem Schnitzler ein Aufführungsverbot seiner Arbeit hinnehmen musste. Enttäuscht veranlasst Schnitzler später selbst eine Sperre für weitere Aufführungen, die von seinem Sohn sogar bis 1982 verlängert wird. Durch Hörspiele und Filme wird Der Reigen  auf „Umwegen” gleichwohl der breiten Öffentlichkeit bekannt. Anlass für die damalige Empörung sind zehn erotischen Szenen, in denen nicht nur die „unerbittliche Mechanik des Beischlafs“ beschrieben wird, sondern auch die direkt damit zusammenhängenden Themen Macht, Verführung, Sehnsucht, Enttäuschung und Liebe eine zentrale Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht dabei die morbide Moral der Gesellschaft, wobei alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie eingebunden sind.

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Drama Familie

Blutsfeindschaft

Illustrierte Filmbühne Nr. 962 (E. S.) – Mit politischen Tyrannen und Herrschern haben wir genug zu tun gehabt in den vergangenen Jahren, und auch in einer Familie der Nachbarschaft habe ich einen kleinen Despoten erlebt – soll ich mir also diesen Film ansehen, bei dem es genau um dieses Thema geht und der Anfang November 1951 im Frankfurter Roxy anläuft? Das Kinos in der Innenstadt ist eher für Gangsterfilme Thriller, Krimis oder Western bekannt. Und jetzt ein Drama? Ich gehe trotzdem…

BlutsfeindschaftUnd werde auch nicht enttäuscht. Spannung und Dramatik sind eben doch nicht nur in Krimis oder Western zu erleben, auch in eher „seriösen“ und gut gemachten Streifen wird oft exzellente Unterhaltung geboten. Dabei ist die Geschichte nicht einmal so ungewöhnlich. Der italienische Einwanderer Gino Monetti (Edward G. Robinson) macht als Bankier eine steile Karriere in New York. Der frühere Barbier ist rücksichtslos und tyrannisch, aber gerade das ermöglicht ihm den steilen gesellschaftlichen Aufstieg. Auf der Strecke bleibt seine Familie, die er unbarmherzig seinem despotischen Willen unterwirft. Nur der Freigeist Max (Richard Conte), einer seiner vier Söhne und Rechtsanwalt, lässt sich nicht „unterbuttern“, fühlt sich frei und unabhängig und ist vielleicht deshalb der einzige, den sein Vater nicht wie einen ABC-Schützen schulmeistert. Joe, Petro und Toni (Luther Adler, Paul Valentine, Efrem Zimbalist jr.) dagegen sind die „Sklaven“ des hasserfüllten Vaters. Doch auch Max ist abhängig von seinem Vater, wenn auch auf andere Art. In gewisser Weise ist auch er ihm hörig, denn als die dunklen Geschäfte seines Vaters aufzufliegen drohen, nimmt er die Schuld auf sich, schwört sogar einen Meineid und muss mehrere Jahre ins Gefängnis. Während er seine Strafe verbüsst, stirbt sein Vater und die drei anderen Söhne leiten nun im Auftrag der Mutter die Bankgeschäfte.

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Lustspiel

Wildwest in Oberbayern

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Im Frankfurter Turmpalast sehe ich Mitte Dezember 1951 einen sogenannten Filmschwank, der sich bei näherem Hinsehen als eine Klamotte ersten Ranges entpuppt: Wildwest in Oberbayern nennt sich der 87 Minuten lange Streifen und er lebt in erster Linie von altbewährten Ladenhütern der Filmkomik.

Wildwest-in-OberbayernEine Berliner Filmproduktion will beim Ochsenwirt Alois Salvermoser einen Wildwest-Film drehen, steckt deshalb Einheimische aus Oberbayern in Indianer-Kostüme und lässt sie in Kriegsbemalung um den Marterpfahl tanzen. Obwohl es wirklich nur ein derber Spaß ist, widmet sogar die Zeitschrift „Der Spiegel” dem Streifen ein paar Zeilen und schreibt: „Lautreicher Zusammenprall von Berliner (Schnauze) und bayerischen Maßkrügen bei Wildwest-Filmaufnahmen der Ruck-Zuck-Gesellschaft. Regisseur Dörfler und Joe Stöckel parodieren dabei Berlin, Oberbayern, den wilden Westen und (unfreiwilligerweise) sich selber.“ Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Doch warum auch nicht ein bisschen Klamauk? Das Kinopublikum ist zu dieser Zeit leicht zufrieden zu stellen, lacht auch über die ältesten Kalauer und hat einen Heidenspaß, wenn die Magd Zenzi (Lucie Englisch) als „Prärie-Lola“ auftritt und der Ochsenwirt Alois Salvermoser (Joe Stöckel) den „Wilden Büffel“ spielt. Und ein gewisser Herr Bietschke (Rudolf Platte) gibt unterdessen dessen den nervösen und wildgewordenen Aufnahmeleiter.

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Krieg

Der Verrat des Surat Khan

Illustrierte Filmbühne Nr. 961 (E. S.) – Der Warner-Streifen Der Verrat des Surat Khan ist Mitte April 1950 im Frankfurter Filmpalast zu sehen – und es ist ein durch und durch zwiespältiger Film: Auf der einen Seite die Verharmlosung britischer Kolonialgeschichte, pathetische Glorifizierung des Heldentodes, andererseits spektakuläre Bilder, die zu den ausgefeiltesten der Filmgeschichte zählen dürften.

Der Verrat-des-Surat-KhanUnverhohlen wird der Krieg verherrlicht, der „Heldentod“ als eine durchaus ehrenwerte Sache dargestellt. Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Millionen Toten wirkt der Film zu dieser Zeit deshalb eher ein wenig befremdlich. Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden hat an dieser Tendenz freilich nichts auszusetzen. Anfang der Fünfziger Jahre entspricht das auch durchaus dem Zeitgeist in der Bundesrepublik. Abgesehen von diesem Aspekt überzeugen die mehr als kunstvoll arrangierten Actionszenen. Regisseur Michel Curtiz greift dabei auch beim zweiten großen Film von Errol Flynn nach dem erfolgreichen „Captain Blood“ („Unter Piratenflagge“) mit Bravour und Geschick in die Trickkiste Hollywoods. Der Spielleiter erweist sich dabei als Meister seines Faches, insbesondere bei der Anordnung spektakulärer Szenen. Eine groß angelegte Leopardenjagd, untermalt vom Dröhnen unzähliger Trommeln und der großartigen Filmmusik Max Steiners, die Erstürmung eines Forts, kreischende Frauen und brüllende Kinder –  das hinterlässt einen starken Eindruck und weist hin auf die meisterliche Hand von Kameramann Sol Polito.

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Drama Heimatland

Föhn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Tag passt irgendwie zum Film. Am Freitag, 27. Oktober 1950, gibt es in der Bundesrepublik Deutschland die ersten größeren Schneefälle des Winters. In Teilen Südwestdeutschlands sowie in Hessen entsteht eine geschlossene Schneedecke, in Frankfurt liegt Matsch auf den Straßen. An diesem Tag also läuft im Turmpalast der Film Föhn an, der in der eisbedeckten Landschaft der Alpen spielt.

FöhnDer Film ist ein Remake des klassischen Stummfilms „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ aus dem Jahr 1929, gedreht von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst. Diesmal führt Rolf Hansen Regie, der gerade in München eine eigene Filmgesellschaft gegründet hat und den Streifen auch produziert. Das ist in dieser Zeit an der Tagesordnung, denn der Zuspruch des Publikums in den Kinos ist ungebrochen. Das Fernsehen als Konkurrenz ist noch nicht vorhanden. Zwar gibt es in Hamburg bereits erste Versuchssendungen, aber offiziell wird der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) erst zwei Jahre später mit einem noch dürftigen Programm beginnen. Gleichwohl erwirtschaften die neuen Filmfirmen nur selten Gewinne. Die Kosten sind hoch und die Refinanzierung nur bei wirklichen Kassenschlagern möglich. Auch Föhn wird kein Erfolg, obwohl Hans Albers die Hauptrolle spielt. Doch Albers bleibt in dem Drama eher blass. Auch bei der Frankfurter Erstaufführung im Turmpalast erscheint mir der Schauspieler nicht in Bestform, obwohl die Geschichte dramatisch genug ist.

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Western

Jesse James – Mann ohne Gesetz

Illustrierte Filmbühne Nr. 960 (E. S.) – Wer war Jesse James? Ein Kämpfer gegen das Unrecht oder nur ein gewöhnlicher Bandit?  Darüber streiten sich die Historiker längst nicht mehr, obwohl die filmische Aufarbeitung seines Lebens noch 1950 bei vielen Jugendlichen Kinobesuchern zur allgemeinen Verwirrung beiträgt – wie das so ist mit Biografien, die sich nicht immer an der historischen Wahrheit orientieren. Auch der Film Jesse James, Mann ohne Gesetz dient nicht der Auf-, sondern der Verklärung des lange volkstümlichen, aber auch skrupellosen Verbrechers.

Jesse-JamesDavon weiß ich noch nichts, als ich den Streifen im Januar 1951 in den Scala-Lichtspielen sehe. Jedenfalls glorifiziert der vom amerikanischen Filmverleih 20th Century Fox verbreitete kleine Werbetext – auch im wesentlichen abgedruckt in der „Illustrierten Filmbühne“ Nr. 960 – Jesse James als einen großartigen Gutmenschen: „Jesse James, ein junger Farmer, tapfer, treu und tollkühn, ein Mensch, der nicht begreifen kann, dass Unrecht im Namen des Gesetzes begangen wird, der sich widersetzt und nie die Sehnsucht nach dem Frieden verliert.“ Eine solche heroische Beschreibung ist nicht nur für die noch unbedarften Kinogänger einleuchtend, sondern verkauft sich als „Legende“ auch in den Medien viel besser. Dass das für das Geschäft förderlich ist, versteht sich am Rande.  Die Wahrheit ist jedoch oft viel prosaischer, auch wenn sie vielen von den jungen Kinobesuchern erst später klar wird. Viele Quellen belegen die Entwicklung vom aufmüpfigen, jungen Mann zum Banditen. Und beim Vergleich wird deutlich, dass sich Produzent und Regisseur nicht lange mit der historischen Wahrheit aufgehalten haben.

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Lustspiel Revue

Die verschleierte Maja

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der bewährte Zelluloid-Schuster Geza von Cziffra hat in den Nachkriegsjahren reichlich zu tun. Seine Spezialität sind musikalische Revue- oder Unterhaltungsfilme. Nachdem er bei der Hamburger Real-Film erst „Gabriela“ und danach sogleich „Die Dritte von rechts“  heruntergekurbelt hat, inszeniert er für die Pontus-Film Die verschleierte Maja. Cziffras Rezept ist einfach: Inhaltlich belanglose Geschichten, angereichert mit flotter Musik und tanzenden Frauen.

Die verschleierte-MajaGleichwohl rankt sich um Die verschleierte Maja ein politischer Skandal allererstes Ranges. Ursprünglich will nämlich die Hamburger Real-Film diesen Film produzieren; doch eine politische Intrige macht das unmöglich. Innenminister Robert Lehr ist in diese übers traurige Geschichte verwickelt. Deutsche  Filmproduzenten beantragen in der Regel so genannte Bundesbürgschaften, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Die finanziellen Zusagen des Bundes sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie werden – wie am Fall des Real-Chefs Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung jedoch als politisches Druckmittel missbraucht. Der Jude Walter Koppel wird 1951 denunziert, weil er von 1947 bis 1949 Mitglied der Kommunisten Partei Deutschlands (KPD) war und demzufolge – so der Vorwurf, „nicht würdig” ist, eine Bürgschaft zu erhalten.

Obwohl Koppel erklärt, dass seine KP-Mitgliedschaft eine Reaktion darauf war, dass seine Eltern von der Gestapo umgebracht worden sind, und er selbst jahrelang in Konzentrationslagern verbracht hat, bleibt Bonn unnachgiebig. Ähnlich wie bei McCarthy, dessen Ausschuss Filmschaffende der USA wegen angeblicher „unamerikanischer Umtriebe” verfolgt, wird Koppel in Bonn  vor einem Ausschuss gezerrt und erhält tatsächlich keine Bürgschaften für seine Filme.

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Screwball-Comedy

Die Nacht vor der Hochzeit

Illustriertes Filmprogramm/Odlas, Wien (E. S.) – Dieser Schwarzweiß-Film ist ein Klassiker der amerikanischen Screwball-Comedys der 30er und 40er Jahre, vollgepackt mit subtiler Gesellschaftskritik, witzigen und hintergründigen Dialogen und einer glanzvoller Besetzung. Der Film startet in der Bundesrepublik am 7. Februar 1950, der Autor sieht ihn im Laufe des Sommers in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen. 

Die-Nacht-vor-der-HochzeitSeltsamerweise ist zu diesem Streifen in Deutschland kein Filmprogramm-Heft erschienen; in Österreich ist jedoch eine Ausgabe des „Illustrierten Filmprogramms“ (siehe Bild) produziert worden. Obwohl 1950 vor allem so genannte leichtere Kost in den Kinos bevorzugt wird, ist die US-Komödie entweder bei der Planung der Filmbühne übersehen worden oder die Presseabteilung der MGM hat den Start des Films verschlafen. Immerhin gibt es wöchentlich mehrere Premieren und deutsche Streifen haben in dieser Zeit Hochkonjunktur. Film des Jahres in der Bundesrepublik ist zum Beispiel der Heimatfilm »Schwarzwaldmädel« mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den Hauptrollen. Die „Illustrierte Filmbühne“ verkauft Hunderttausende von Programmheften zu dieser Heimatschnulze. Überhaupt finden in diesen Monaten gesellschaftliche Ereignisse großes Interesse. Die Wahl der ersten Miss Germany, die Verlobung des Schahs von Persien mit der Fürstentochter Soraya oder die Heirat des ehemaligen Hollywood-Kinderstars Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton sind wichtige Themen in der Regenbogen-Presse. Wahrscheinlich spielt auch politische Situation eine Rolle. In der Bundesrepublik steht die Wiederbewaffnung auf der Tagesordnung, international droht der Korea-Konflikt. Von diesen Dingen haben die Menschen genug. Heile Welt ist ihnen da lieber.

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Lustspiel

Laurel und Hardy

Illustrierte Filmbühne Nr. 959 (E. S.) – Fest in der internationalen Filmgeschichte verankert ist der Ruhm von Stan Laurel und Oliver Hardy, die im deutschen Sprachraum allerdings als „Dick und Doof“ unter Wert vermarktet wurden. Als Anfang Dezember 1950 im Roxy  Stierkämpfer wider Willen anläuft, ist es ein Muss, sich diesen vermeintlichen Klamauk anzusehen, der in Wirklichkeit durchaus als „künstlerisch wertvoll“  zu betrachten ist.

StierkämpferEs ist zwar nicht gerade einer der besten Filme von Laurel und Hardy, der da über die Leinwand flimmert, aber kein noch so schlechtes Drehbuch, kein noch so abgedroschener Kalauer vermag die Lust an dem Komikerduo zu mindern, das im Laufe seines Filmlebens massenhaft Filme abgeliefert hat. Der Dicke und der Doofe machen ihren Unsinn wie eh und je. Und am schönsten ist es, wenn ihre Gags beinahe wie in Zeitlupe kommen – wie zum Beispiel in einer Springbrunnen-Szene, bei einer Eier-Darbietung oder zu Beginn des Stierkampfes. Stan, der mit Oliver in einer Detektivmission nach Mexiko gereist ist, muss dabei die Rolle eines Stierkämpfers übernehmen, weil er diesem zum Verwechseln ähnlich sieht. Wie immer in diesen Filmen geschehen um Laurel und Hardy und mit ihnen als Hauptpersonen jedenfalls an einem Tag so viel außergewöhnliche Dinge, wie bei normalen Menschen im Laufe eines ganzen Lebens. Diese Turbulenz – und der gleichzeitige, hintergründige Humor – macht den Erfolg aus, was sich immerhin in 106 gemeinsamen Produktionen (79 Kurzfilme, 27 Spielfilme) zwischen den Jahren 1926 und 1951 bewährt.

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Familie Komödie Märchen

Das zauberhafte Land

Illustrierte Filmbühne Nr. 956 (E. S.) – Hollywood ist schon seit jeher ein Synonym für den Begriff „Traumfabrik“. Wie am Fließband werden in Los Angeles Filme hergestellt, und dabei echte oder vermeintliche Wünsche des Publikums erfüllt. Als ein klassisches Paradebeispiel für die Schaffung einer solchen Traumwelt gilt der MGM-Farbfilm Das zauberhafte Land aus dem Jahr 1939. 

Das Zauberhafte LandBesonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Kinder und Jugendliche soviel Hunger, Leid und Elend erlebt haben, ist ein solcher phantasievoller Märchenfilm wie geschaffen dafür, aus der harten Realität in eine prachtvolle Phantasiewelt entführt zu werden. Als der Streifen 1950 in die deutschen Kinos kommt, hat er noch kein bisschen Patina angesetzt.  Der Musical-Klassiker bietet jedenfalls bei seinem Erscheinen beste Unterhaltung. Vor allem das Lied „Over the Rainbow“ („Jenseits des Regenbogens“) ist als Ohrwurm unschlagbar und wird später einmal vom „American Film Institute“ auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmsongs aller Zeiten gesetzt. Weil die Homosexuellen der USA in dem Lied die Widerspiegelung eigener Sehnsüchte nach einer toleranteren und besseren Welt sehen, wird es in den 70er Jahren zu einer Art Hymne für sie. Doch das liegt alles noch in der Zukunft. Denn als ich den Film Anfang der 50er Jahre in den Harmonie-Lichtspielen sehe, sind es vor allem tollen Farben und der traumhaft schöne Inhalt, der mich begeistert.