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Drama Romanze

Königin Christine

Illustrierte Filmbühne Nr. 1202 (E. S.) – Ende Dezember 1951 kommt im Frankfurter Bieberbau ein Klassiker der Filmgeschichte auf die Leinwand, der zu dieser Zeit schon 18 Jahre alt ist, in Deutschland am 24. Oktober 1934 seine deutsche Erstaufführung erlebt hat, und nun in einer neuen Synchronfassung von MGM noch einmal dem deutschen Publikum präsentiert wird.

Christine

Dass dieser ziemlich betagte Film noch einmal aus den Archiven geholt wird, liegt am allgemeinen öffentlichen Interesse, das der Schauspielerin Greta Garbo zu dieser Zeit entgegengebracht wird. Die Gazetten und einschlägigen Illustrierten sind immer wieder voller Geschichten über den schwedischen Star, der seinen letzten Film („Die Frau mit den zwei Gesichtern”) im Jahr 1941 gedreht hat. Gemunkelt wird von einem Comeback, die Rede ist von allerlei neuen Projekten, die Garbo ist trotz ihrer Scheu und Zurückgezogenheit auf Bildern mit dunkler Sonnenbrille präsent. Doch alle Pläne, nach langer Pause auf die Leinwand zurückzukehren, zerschlagen sich. Die Zeit der großen Diva ist vorbei. Dazu trägt auch das nachlassende Interesse der Hollywood-Gewaltigen entscheidend bei. Neue Filme wird es nicht mehr geben, aber alte aus den Archiven lassen sich immer noch gut vermarkten…

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Drama Heimatland

Der Wolf der Sila-Berge

Illustrierte Filmbühne Nr. 1064 (E. S.) – Die Jahre 1950 und 1951 sind in der Bundesrepublik die ersten wirkliche Reisesommer seit Kriegsende. Nachdem grundlegende materielle Bedürfnisse nach der Not der ersten Nachkriegsjahre erfüllt sind, richtet sich der Blick auf schöne Urlaubsziele. Seit 1. Juli 1950 genügt ein Reisepass, um in andere Länder zu reisen; gleichwohl bleiben die Urlaubsgebiete Oberbayern, Allgäu, Bodensee, Schwarzwald und Badeorte an Nord- und Ostsee bevorzugtes Urlaubsziel.

Der Wolf der Sila-BergeNoch hindert die wirtschaftliche Lage die Bundesbürger daran, an Ferien in fremden Ländern zu denken. Lediglich fünf Prozent der Urlauber begeben sich als Touristen in ferne Länder. Mit den ersten VW-Käfern tuckern jedoch bereits einige Wagemutige über die Alpen in Richtung Italien. Ein Frankfurter Reisebüro wirbt schon früh für den „Stiefel”. Ein Angebot betrifft Sizilien, ein anderes Kalabrien. Dabei ist die Rede von der undurchdringlichen Sila, einer kalabresischen Bergkette, die viele Legenden und fantastische Geschichten in sich bergen soll. Im (noch) primitiven Prospekt wird die Landschaft als eine Mischung aus Hochebenen, Bergen, Weiden, Flüssen, Wäldern, Hängen und Seen beschrieben.

Daran werde ich erinnert, als ich im März 1951 im Frankfurter Turmpalast die deutsche Erstaufführung des italienischen Filmes Der Wolf der Sila-Berge erlebe. Großartige Schauspieler agieren in diesem Film aus Italien. Allen voran Silvana Mangano, die wir schon kurz zuvor in „Bitterer Reis” erlebt haben, gleichermaßen beeindruckend auch ihre Mitspieler Vittorio Gassman, Jaques Sernas und Amedo Nazzari.

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Drama Familie

Blutsfeindschaft

Illustrierte Filmbühne Nr. 962 (E. S.) – Mit politischen Tyrannen und Herrschern haben wir genug zu tun gehabt in den vergangenen Jahren, und auch in einer Familie der Nachbarschaft habe ich einen kleinen Despoten erlebt – soll ich mir also diesen Film ansehen, bei dem es genau um dieses Thema geht und der Anfang November 1951 im Frankfurter Roxy anläuft? Das Kinos in der Innenstadt ist eher für Gangsterfilme Thriller, Krimis oder Western bekannt. Und jetzt ein Drama? Ich gehe trotzdem…

BlutsfeindschaftUnd werde auch nicht enttäuscht. Spannung und Dramatik sind eben doch nicht nur in Krimis oder Western zu erleben, auch in eher „seriösen“ und gut gemachten Streifen wird oft exzellente Unterhaltung geboten. Dabei ist die Geschichte nicht einmal so ungewöhnlich. Der italienische Einwanderer Gino Monetti (Edward G. Robinson) macht als Bankier eine steile Karriere in New York. Der frühere Barbier ist rücksichtslos und tyrannisch, aber gerade das ermöglicht ihm den steilen gesellschaftlichen Aufstieg. Auf der Strecke bleibt seine Familie, die er unbarmherzig seinem despotischen Willen unterwirft. Nur der Freigeist Max (Richard Conte), einer seiner vier Söhne und Rechtsanwalt, lässt sich nicht „unterbuttern“, fühlt sich frei und unabhängig und ist vielleicht deshalb der einzige, den sein Vater nicht wie einen ABC-Schützen schulmeistert. Joe, Petro und Toni (Luther Adler, Paul Valentine, Efrem Zimbalist jr.) dagegen sind die „Sklaven“ des hasserfüllten Vaters. Doch auch Max ist abhängig von seinem Vater, wenn auch auf andere Art. In gewisser Weise ist auch er ihm hörig, denn als die dunklen Geschäfte seines Vaters aufzufliegen drohen, nimmt er die Schuld auf sich, schwört sogar einen Meineid und muss mehrere Jahre ins Gefängnis. Während er seine Strafe verbüsst, stirbt sein Vater und die drei anderen Söhne leiten nun im Auftrag der Mutter die Bankgeschäfte.

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Drama Heimatland

Föhn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der Tag passt irgendwie zum Film. Am Freitag, 27. Oktober 1950, gibt es in der Bundesrepublik Deutschland die ersten größeren Schneefälle des Winters. In Teilen Südwestdeutschlands sowie in Hessen entsteht eine geschlossene Schneedecke, in Frankfurt liegt Matsch auf den Straßen. An diesem Tag also läuft im Turmpalast der Film Föhn an, der in der eisbedeckten Landschaft der Alpen spielt.

FöhnDer Film ist ein Remake des klassischen Stummfilms „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ aus dem Jahr 1929, gedreht von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst. Diesmal führt Rolf Hansen Regie, der gerade in München eine eigene Filmgesellschaft gegründet hat und den Streifen auch produziert. Das ist in dieser Zeit an der Tagesordnung, denn der Zuspruch des Publikums in den Kinos ist ungebrochen. Das Fernsehen als Konkurrenz ist noch nicht vorhanden. Zwar gibt es in Hamburg bereits erste Versuchssendungen, aber offiziell wird der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) erst zwei Jahre später mit einem noch dürftigen Programm beginnen. Gleichwohl erwirtschaften die neuen Filmfirmen nur selten Gewinne. Die Kosten sind hoch und die Refinanzierung nur bei wirklichen Kassenschlagern möglich. Auch Föhn wird kein Erfolg, obwohl Hans Albers die Hauptrolle spielt. Doch Albers bleibt in dem Drama eher blass. Auch bei der Frankfurter Erstaufführung im Turmpalast erscheint mir der Schauspieler nicht in Bestform, obwohl die Geschichte dramatisch genug ist.

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Drama

Der blaue Engel

Das Neue Filmprogramm (© E. S.) Ein Wiedersehen mit dem Heinrich Mann-Drama Der blaue Engel gibt es im Februar 1951 im Frankfurter Filmpalast: Der Film erzählt die Tragödie des Gymnasialprofessors Rath, der sich durch ungehemmte Leidenschaft für die Tingeltangel-Sängerin Lola gegen Ende des 19. Jahrhunderts zugrunde richtet.

Blauer EngelEin blauer Engel ist mir seit frühester Kindheit ein Begriff. Als dien Eltern in der Elisabethenstraße im südlichen Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wohnen, gibt es eine Kneipe dieses Namens direkt im Eckhaus der Dreikönigsstrasse zur Brückenstrasse hin, nur wenige Meter von unserem Haus entfernt, das aber bei den Bombenangriffen im März 1944 völlig niederbrennt. Nach der Rückkehr aus der Evakuierung finden wir eine Bleibe in der Wallstrasse, aber auch von da ist es nicht viel weiter hin zum „Blauen Engel“ als vorher. Die Wirtschaft hat erhebliche Schäden davongetragen, auffällig ist aber, dass das mächtige Gasthaus-Schild – es zeigt einen stilisierten blauen Engel – erhalten geblieben ist, wenn auch beschädigt. Ob der Name des Lokals mit dem Film Der blaue Engel zu tun hat, oder nicht, bleibt mir verborgen, spielt aber keine große Rolle. Als ich jedoch diesen berühmten Film im Jahr 1950bei seiner Wiederaufführung zu sehen bekomme, erinnere ich mich sogleich an dieses Wirtshausschild, prangt es doch immer noch – leicht beschädigt –, über dem Eingang des Lokals, ehe es später dem Wiederaufbau der Fünfziger Jahre zum Opfer fällt.

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Drama

Sklavin des Herzens

Illustrierte Filmbühne Nr. 881 (E. S.) – Dieser Film ist ein Melodram wie aus dem Bilderbuch. Es geht um Schuld und Sühne, doch obwohl das stets Alfred Hitchcocks wichtigsten Filmthemen sind, strapaziert er das Drama mit überlangen Einstellungen von bis zu zehn Minuten, die eher an Theateraufführungen als an Filmsequenzen erinnern. Die Aufnahmen mit komplizierten Farbtricks sind so schwierig, dass es zwischen Alfred Hitchcock und Ingrid Bergman zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt.

Sklavin des HerzensIn einem Interview wird Ingrid Bergman später einmal sagen, zum ersten und letzten Mal habe sie bei diesen Aufnahmen an einem Drehort geweint. In der Biografie „Alfred Hitchcock“ von Donald Spoto (im Kabel-Verlag, Hamburg) wird dieses Interview genau zitiert, und darin beklagt sich die Schwedin über diese endlos langen Aufnahmen und die sich ständig bewegende Kamera zwischen all den Kulissen. „Sechs Minuten ging vielleicht alles ganz wunderbar, und dann ging plötzlich irgend etwas schief, und wir mussten wieder ganz vorne vorne beginnen“. Dazwischen seien auch noch die Bühnenarbeiter herumgelaufen, die Möbel hätten sich hin- und herbewegt und die Kamera ebenfalls. „Das machte uns alle verrückt (…) Der ganze Boden war mit aufgemalten Nummern übersät, und jeder musste im richtigen Moment neben der richtigen Nummer stehen, sonst war die ganze Einstellung ruiniert.“ Und nicht nur die Dreharbeiten waren sehr problematisch. Schon das Thema ist schwer und düster, zusammengeschneidert aus einem Theaterstück und einem Roman.

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Drama

Angst vor der Schande

Illustrierte Filmbühne Nr. 809 (E. S.) – Im Frankfurter Kino Bieberbau startet am 27. Juli 1951 ein Film, in dem es um die einsame, junge Eloise Winters (Susan Hayward) geht, die der zarten Liebe zu Walt Dreiser (Dana Andrews) nachtrauert, der kurz vor der geplanten Hochzeit bei einem Manöver getötet worden ist. Der Soldat Dreiser ist eines der Millionen Opfer des barbarischen Krieges; und das Schicksal von Eloise Winters müssen unzählige Frauen in aller Welt hinnehmen – und auch Eloise spätere Vernunftehe mit einem Jugendfreund kann die aufgerissenen Wunden nicht heilen. 

Angst vor der SchandeFast alle diejenigen Mitarbeiter, die sich bei den ausländischen Verleihern deutsche Filmtiteln ausdenken müssen, orientieren sich offensichtlich allzu leicht am so genannten Zeitgeist. Denn der für diesen Film sehr zutreffende US-Originaltitel „My foolish Heart” („Mein törichtes Herz”) wird in der Frankfurter RKO-Zentrale in der Taunusstraße in die kitschige und unpassende Formulierung Angst vor der Schande umgemodelt. Das heikle Thema wird völlig verwässert, ja konterkariert, passt jedoch genau in die stark verkrampfte Atmosphäre der Adenauer-Ära zu Beginn der Fünfziger Jahre, als „Schande” den Beigeschmack einer prüden Gesellschaft hat. Immerhin steht ja – man mag es kaum glauben – in dieser Zeit auch noch der Kuppel-Paragraph in völler Blüte. Dabei spielt im Film die „Schande” gar keine Rolle, es geht vielmehr um die subtile Darstellung von Eloises Leben, das unbestimmt und widersprüchlich verläuft. Eloise Winters teilt das Schicksal unzähliger anderer Frauen, denen der Krieg den Partner genommen hat. In Rückblenden schildert Eloise Winters nun einer Freundin ihre Gefühle und Sehnsüchte.

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Drama

König der Toreros

Illustrierte Filmbühne Nr. 763 (M. F.) –  Ein Tag, nachdem am 4. August 1950 im Frankfurter Turmpalast der Film König der Toreros anläuft, wird in München von den verschiedenen Radio-Stationen in der Bundesrepublik eine Entwicklung eingeleitet, die das Film- und Kino-Geschehen in Deutschland nachhaltig prägen wird: Die Intendanten der Sender gründen mit Unterstützung einiger politischer Gremien in München die ARD („Arbeitsgemeinschaft der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands”). Wenig später wird das Zeitalter des Fernsehens eingeläutet…

König der TorerosDie Handlung, die der Schriftsteller Vicente Blasco Ibáñez bereits 1908  vorgegeben hat, ist klar. Juan Gallardo (Tyrone Power), der nach dem Tod des Vaters verarmt als kleiner Straßenjunge in Sevilla lebt, will den einstigen Ruhm seines Vaters nicht nur erreichen, sondern sogar noch übertreffen. Mit eisernem Willen und zudem auch mit tatkräftiger Unterstützung seiner jungen Frau Carmen (Linda Darnell) schafft er den Weg in die große Arena und wird schnell berühmt. Aber auf dem Höhepunkt seiner Karriere erliegt der Matador jedoch den Reizen der verführerischen Stadtschönheit Doña Sol des Muiro (Rita Hayworth), die sich in seinem Ruhm sonnen möchte. Die wickelt ihn um den Finger, um selbst in seinem Ruhm zu glänzen. Und der inzwischen eitel und großspurig gewordene Gallardo verlässt tatsächlich – geblendet von ihrer Raffinesse  seine Frau, er macht Schulden und beginnt zu trinken. Erst als alles schon verloren scheint, kommt er zur Besinnung, er versöhnt sich mit seiner Frau Carmen. Doch bei seinem letzten Auftritt in der Arena wird er vom Stier getötet und stirbt in den Armen seiner Frau.

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Drama

Liebe in Fesseln

Illustrierte Filmbühne Nr. 615 (E. S.) – Hinter diesem Film steckt mehr als es uns die Beschreibung der MGM-Presseabteilung weismachen will. Die Vorlage stammt von dem bekannten Schriftsteller Sinclair Lewis (Nobelpreisträger 1931), der dafür bekannt ist, in seinen Romanen ein schonungsloses Bild der amerikanischen Gesellschaft im Mittleren Westen der USA zu zeichnen. Der Film kann die Erwartungen freilich nicht erfüllen: Aus dem Buch ist ein gewöhnliches Melodram geworden.

Liebe in FesselnDer honorige Richter Cass Timberlane aus einer Provinzstadt im mittleren Westen der USA verliebt sich bei einer Vernehmung in die junge und aus so genannten „armen Verhältnissen” stammende Zeugin Virginia „Jinny” Marshland. Der ältere Witwer bittet sie bald, seine Frau zu werden, doch sie zögert, weil Timberlane zum Umfeld einer Familie gehört, die ihren Reichtum einigen nicht immer legalen Rüstungsgeschäften zu verdanken hat. Als der Richter und Virginia gegen erhebliche Widerstände heiraten, wird die junge Frau von anderen Frauen als „Goldgräberin“ denunziert. Die  allgemeine gesellschaftliche Ächtung von Virginia Marshland und der Hinweis auf die dunklen Rüstungsgeschäfte werden im Film nur am Rande gestreift. Das ist 1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als überall internationale Waffengeschäfte angekurbelt werden, gerade von einem Hollywood-Konzern aus den Vereinigten Staaten nicht unbedingt zu erwarten. Der in der „Illustrierten Filmbühne” abgedruckte Text lässt jedenfalls auch nicht den geringsten Zweifel daran, dass es in nicht um gesellschaftskritische Akzente, sondern „nur“ um ein persönliches Liebesdrama geht.

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Drama

Verlorene Jugend

Illustrierte Filmbühne Nr. 562  (E. S.) – Als der im Jahr 1948 produzierte italienische Film Verlorene Jugend im Frühsommer 1950 in die Kinos  kommt, ist auch die wildeste Nachkriegszeit in Deutschland bereits vorbei. Die Auswirkungen des Krieges sind nicht mehr so krass zu spüren wie in den fünf Jahren zuvor, als besonders Kinder und  Jugendliche unter den Nachwirkungen des Krieges zu leiden hatten.

Verlorene JugendDoch die trübe Erinnerung an Not und Elend ist den meisten von uns durchaus noch allgegenwärtig. Nach 1945 waren viele entwurzelte Jugendliche durch die Trümmer der zerstörten Stadt Frankfurt geirrt, hatten sich an den Schwarzmarkt-Geschäften und Schiebereien beteilig und den Menschen in der Bahnhofsgegend Angst eingejagt. Das Harmloseste war noch das „Kippenstechen” –  Einsammeln von achtlos weggeworfenen Zigarettenresten amerikanischer GIs. Doch einige der jungen Burschen hatten sich sogar zu schweren Straftaten wie Raub und Mord hinreissen lassen, weil sie sich schnellen Gewinn an Geld oder Naturalien erhofften. Doch die andere Seite dieser Medaille erzählt uns allen von der Hilfsbereitschaft junger Leute beim Aufbau der großen Stadt, ihrem Einsatz bei der Trümmerbeseitigung, ihren ländlichen Hamsterfahrten für ihre Familien und ihrem Wunsch, dauerhaft in Frieden zu leben. Angesichts des Kalten Krieges und der viel diskutierten Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik ist das allerdings ein Wunschtraum.

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Drama

Gilda

Illustrierte Filmbühne Nr. 550 (E. S.) – Der Columbia-Film Gilda mit Rita Hayworth und Glenn Ford als Stars ist trotz mancher Schwächen für uns jugendliche Frankfurter Kino-Fans ein großartiger Film, doch wieder einmal von Übel ist die erste deutsche Fassung, in der – wie auch bei den Filmen „Weißes Gift” und „Casablanca” –  alle Anspielungen auf die Nazi-Zeit durch die Synchronisation entfernt werden: – was wir damals freilich nicht ahnen.

GildaDoch anderes ist auch interessant im indirekten Zusammenhang mit dem Film. Der „Deutsche Frauenring” – einflussreiche Dachorganisation mehreren deutscher Frauenverbände – protestiert nämlich am 21. Dezember 1949 gegen den im Bonner Bundestag diskutierten Entwurf eines Gesetzes, in dem u.a. festgelegt werden soll, dass verheiratete weibliche Beamte entlassen werden müssen, wenn das Familieneinkommen ihre wirtschaftliche Versorgung auf Dauer zu sichern scheint. Eine ziemlich kleinkarierte Vorstellung, denn diese von der Bürokratie entwickelte Idee passt so gar nicht in das Bild jener Frauen, die nach dem Krieg in Deutschland (und anderswo natürlich auch) ihren „Mann” standen, die Trümmer der Bombenangriffe wegräumten und oft genug ihre Kinder alleine durchbringen mussten. Und es passt auch nicht zu dem Frauenbild, das in vielen ausländischen Film präsentiert wird.

Zum Beispiel in Gilda! Nur eine Woche nach dem Protest des Deutschen Frauenringes läuft in der Bundesrepublik dieser Columbia-Film an, der uns Rita Hayworth als eine temperamentvolle und emanzipierte Schönheit zeigt, die sich in der Welt der Männer auf ihre Weise durchzusetzen versucht. Dass sie dabei in der Wahl ihrer Mittel nicht immer zimperlich ist, steht zwar auf einem anderen Blatt, aber auch viele Frauen hierzulande sind bei ihrem tagtäglichen Überlebenskampf ja nicht frei von menschlichen Fehlern und Irrtümern.

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Drama

Die gute Erde

Illustrierte Filmbühne Nr. 532 (E. S.) – Was ist zu tun, wenn ein nur auf Gewinn ausgerichteter Filmverleiher einen kleinen Kinobetreiber mit „sanftem Druck“ dazu „überredet”, einen Film in sein Programm aufzunehmen, der am Interesse des Publikums in dieser Gegend so völlig vorbeigeht? Nun, wenigstens so zu tun, als ob ein wichtiger kultureller Anlass die Vorführung geradezu zwingend notwendig macht. So handelt jedenfalls der Besitzer der Wall-Lichtspiele in Frankfurt-Sachsenhausen.

Die gute ErdeHerr K. steckt zweifellos in der Klemme, als er  Die gute Erde weniger aus  Überzeugung, sondern aufgrund seiner Verpflichtungen mit dem amerikanischen Filmverleih MGM vorführen muss. Das  ergibt– so weiß Herr K. aus seiner langjährigen Erfahrung – wenig Sinn und wird mit Sicherheit kein einträgliches Geschäft. Herr K. kennt schließlich seine Pappenheimer ganz genau, begrüsst viele Besucher persönlich mit Handschlag, wenn er in seinem mehr als winzigen Kassenhäuschen sitzt und ihnen die Eintrittskarten verkauft. Und außerdem weiß er, dass die Besucher vor allem in sein kleines Lichtspielhaus kommen, um Abenteuerfilme oder auch leichte Unterhaltung genießen zu können. Schließlich wollen sich die Leute nach der schweren Arbeit einfach nur entspannen.

Die gute Erde nach dem gleichnamigen Roman von Pearl S. Buck gehört jedoch zur schwereren Kost. Herr K. macht also aus seiner Not eine Tugend und weist in der Werbung darauf hin, dass er den Film vom Freitag (22. September) bis zum Montag (25. September 1950) aus Anlass der zweiten Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche als kombinierte „Film-und Buchwoche” zeigen werde. Mit diesem Hinweis auf das kulturelles Anliegens hofft der Mann, die Situation zu retten.

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Drama

Begegnung mit Werther

Illustrierte Filmbühne Nr. 386  (E. S.) – Das Goethe-Jahr 1949 aus Anlass des 200. Geburtstages des Dichterfürsten aus Frankfurt am Main erlebt natürlich manche Feierlichkeit in der Stadt. In der bereits wieder aufgebauten Paulskirche, direkt neben dem Römer und Schauplatz der Nationalversammlung von 1848, wird zum Beispiel der Schriftsteller Thomas Mann – er lebt zu dieser Zeit noch in der Emigration in den USA – mit dem Goethe-Preis der Stadt gewürdigt.

WertherJohann W. Goethes Geburtshaus im Großen Hirschgraben wird zur gleichen Zeit wieder originalgetreu aufgebaut, nachdem es bei den drei Tage andauernden und schweren Bombenangriffen vom März 1944 völlig zerstört worden ist. Auch in den Schulen ist Goethe ein wichtiges Thema, denn nach den Sommerferien werden die Schüler der oberen Schulklassen darauf hingewiesen, sich möglichst bald den Streifen Begegnung mit Werther anzusehen, der anlässlich des Goethe-Jahres 1949 im Luxor am Hauptbahnhof in Erstaufführung gezeigt wird. Als „eine unsterbliche Liebesgeschichte” wird der Film im Hinblick auf Goethes Intentionen bezeichnet, und die Lehrer meinen, aus dem Dargebotenen liessen sich gewiss auch Erkenntnisse über Goethe selbst gewinnen.

Einige aus der Klasse sehen sich den Film gemeinsam an, doch gefällt er nicht sonderlich. Obwohl alle im Unterricht auf das Thema vorbereitet worden sind, bleibt allen die Geschichte des jungen Mannes, der sich in schwärmerischer Liebe zu einer Frau verzehrt und den Freitod wählt, doch fremd. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir alle viel zu jung sind, um den Konflikt wirklich zu verstehen.

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Drama

Nacht über Indien

Illustrierte Filmbühne Nr. 345  (E. S.) – Im Jahr 1949 macht Bruno Gröning als so genannter „Geist- und Wunderheiler” viel von sich reden. Zunächst in Herford, später vor allem auf dem Traberhof bei Rosenheim, sammeln sich unzählige Behinderte und Kranke in der Hoffnung auf Linderung ihrer Leiden. Manche Illustrierte in der Bundesrepublik steigert mit Berichten über die angeblichen Wunderheilungen ihre Auflagen und auch die Filmindustrie wittert ein einträgliches Geschäft. 

Nacht über IndienEin Wochenschau-Reporter namens Rolf Engler schnipppelt in fünf Wochen einen Film über den „Wunderdoktor” zusammen, der Herzog-Filmverleih beteiligt sich daran auch finanziell und bringt die Dokumentation mit dem eher schlichten Titel „Gröning” auf den Markt. Doch irgendwie läuft die Sache nicht ganz so rund wie erhofft. Die Direktion des Bieberbau-Theaters in Frankfurt, die den Film in der Hoffnung auf gute Geschäfte für längere Zeit terminiert hat, sieht sich jedenfalls gezwungen, bereits nach wenigen Tagen die Reißleine zu ziehen und den Film abzusetzen. Und einige zeitgenössische Berichte sprechen von einem Publikum, das seinem Instinkt alle Ehre gemacht habe, denn: „Im Zuschauerraum herrschte gähnende Leere.” (Frankfurter Rundschau). An Stelle von “Gröning” wird umgehend der Centfox- Streifen Nacht über Indien aus dem Jahr 1939 eingesetzt, der auf dem Roman von Louis Bromfield beruht und im Bieberbau unter dem Titel Der große Regen vorgeführt wird, wie auch den Zeitungen zu entnehmen ist.

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Drama Nachkrieg

Die Mörder sind unter uns

Illustrierte Filmbühne Nr. 241  (E. S.) – Der erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg wird von Wolfgang Staudte bei der DEFA in Berlin realisiert. Das Drama um Schuld und Sühne wird am 15. Oktober des Jahres 1946 im sowjetisch besetzten Sektor (Admiralspalast) uraufgeführt. Die Mörder sind unter uns ist ein hochpolitischer Film und begründet nebenbei den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals die Hauptrolle übernimmt.

Mörder sind unter unsHartnäckig hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands erstmals 1971 gezeigt worden, was auch in der Enzyklopädie Wikipedia so angegeben wird. Korrekt ist dagegen, dass der Film in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wird, zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt). Und in Hannover wird der Film zum Beispiel am 4. September des Jahres 1948 im bekannten Palast-Theater gezeigt. Richtig ist aber auch, dass der Streifen bald wieder aus den Kinos verschwindet, da die geistige Restauration zu diesem Zeitpunkt offensichtlich bereits so weit fortgeschritten ist, dass das Publikum sich mit der Verantwortung für die Vergangenheit nicht auseinandersetzen will.

Die Zeitung „Hannoversche Presse” beklagt in ihrer Ausgabe vom 11. September 1948 die Reaktionen vieler Kinobesucher und kommentiert: „Die Reihe der Zuschauer, die protestierend das Theater verließ, beweist sehr genau, dass der Film unsere geistige Situation widerspiegelt; man sieht nun mal nicht gern in einen so nackten und scharfen Spiegel, sondern setzt lieber eine rosarote Brille auf.” 

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Drama

Gaslicht und Schatten

Illustrierte Filmbühne Nr. 219  (E. S.) – Gaslicht und Schatten! Diesen Film habe ich versäumt, als er nach Kriegsende in englischer Originalfassung in vielen deutschen Kinos gezeigt wird. Im April 1949 aber läuft das Stück in einer deutsch synchronisierten Fassung in der Lichtburg am Hauptbahnhof in einer Nachaufführung. Gelegenheit also, das Versäumte nachzuholen.

Gaslicht und SchattenDer Titel weckt, noch bevor ich in die Lichtburg eingetreten bin, Erinnerungen an unsere frühere Wohnung in Bockenheim. Dort muss noch Anfang der Vierziger Jahre allabendlich das bläulich-weiße Gaslicht entzündet werden, um etwas sehen zu können. Als wir dann nach Sachsenhausen in eine andere Wohnung ziehen, mache ich eine ganz neue Erfahrung, denn dort gibt es Elektrizität und „richtige” Glühlampen. Doch als bei einem schweren Luftangriff 1944 Bombeneinschläge für einen ziemlich langen Stromausfall sorgen, müssen wir uns auch hier mit einer Notlösung behelfen: Kerzenlicht! Aufgrund solcher persönlicher „Licht”-Erlebnisse aus der Kindheit verlockt nun also Gaslicht und Schatten zum Besuch in einem Kino, das trotz langer Tradition nicht zu den ersten Häusern am Platz zählt. Doch die Kino-Situation in Frankfurt ist noch sehr bescheiden. Die neuesten Filme starten zu dieser Zeit im Bieberbau, im Eden, Luxor, Scala oder Roxy, während in der Lichtburg (mit durchgehendem Einlass für Bahnreisende) meist nur Zweit-und Drittaufführungen angeboten werden. Die Innenstadt rüstet allerdings kräftig auf. Der Filmpalast und das Metro im Schwan werden beide im Dezember 1949 ihren Betrieb aufnehmen, der Turmpalast soll Ende März 1950 folgen.

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Drama

Symbol des Glücks

Illustrierte Filmbühne Nr. 211 (E. S.) –  Mitte 1948 wird in Berlin erstmals in Deutschland der Film Symbol des Glücks gezeigt, der dann bis 1949 in den verschiedenen Kinos der so genannten Bi-Zone läuft. Im Rhein-Main-Gebiet ist er zu zum Jahreswechsel 1948/1949 im Gloriapalast in Offenbach, im Casino in Höchst, (Werbung: „Einer der schönsten Filme der letzten Zeit”), in den Römer-Lichtspielen in Praunheim und im Delphi in Preungesheim zu sehen.

Symbol des Glücks-neuAuch ich schaue mir den melodramatischen Film an, doch weniger der Geschichte wegen, sondern nur, um die Hauptdarstellerin Margaret Lockwood zu sehen. Denn als ich wegen eines leichten grippalen Infektes den Hausarzt aufsuche, lese ich im schmalen Wartezimmer im „Spiegel” eine despektierliche Beschreibung der Hauptdarstellerin, die ich zuvor schon in einigen anderen Filmen gesehen habe. Die Lockwood überzeuge nicht gerade durch große schauspielere Leistung lautet das wenig schöne Urteil, und außerdem sei sie nicht einmal besonders attraktiv und schön: „Die Nase spitz, die Lippen schmal und in einem ungewöhnlichen Doppelbogen geschwungen.” Süffisant bemängelt das Magazin ein Muttermal, dass „wie ein großes Schönheitspflaster (…) neben dem linken Auge (sitzt).”

Ziemlich starker Tobak, finde ich, und als ich den Film gesehen habe, finde ich die Lockwood immer noch beeindruckend, den Film aber mäßig. Es kommt halt ziemlich viel Durchschnittsware in die Kinos. Es ist auf jeden Fall einer jener Filme, deren literarische Vorlage gut und gerne auch Aufnahme in die Reihe jener Schicksalsromane hätte finden können, die zu dieser Zeit anfangen, die Kioske zu überschwemmen.

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Drama

Der Teufelsbauer

Illustrierte Filmbühne Nr. 85 (E. S.) – Eines der ersten Kinos, das in Frankfurt am Main nach dem Ende des Krieges wieder Filme zeigen kann, ist das Hansa in der Kaiserstraße Nr. 50. Bereits am 19. Oktober des Jahres 1945  läuft dort zur Wiedereröffnung der Film Alles, was Geld kaufen kann. Doch eine Illustration in Form eines Filmprogramms zu diesem interessanten Film lässt sich nur als Der Teufelsbauer auftreiben.

Der TeufelsbauerDas hat auch seinen guten Grund. Der RKO-Streifen aus dem Jahr 1941 wird vom Verleih mehrmals umbenannt. Zuerst wird er unter dem Namen Alles, was Geld kaufen kann angeboten, danach kommt er plötzlich als Der Teufelsbauer in die Lichtspieltheater, später wird er nach der Originalversion Der Teufel und Daniel Webster genannt. Und bei der alljährlichen Oscar-Verleihung ist er dann sogar als All that money can buy geführt, um im sehr religiösen amerikanischen Süden mit dem Wort „Devil” im Titel keine Unruhe auszulösen. Trotz dieser Umstände  ist der Film überaus sehenswert, denn die zahlreichen faszinierenden Spezialeffekte machen diese filmische Variation des Faust-Themas unabhängig von der erwähnten Titelflut zu einem interessanten Fantasy-Film der 40er Jahre. Im übrigen erinnert die Geschichte auch an viele Vorkommnisse im Nachkriegsdeutschland. Denn um zu überleben, hat in dieser schwierigen Zeit so mancher Zeitgenosse ebenfalls seine Seele verkauft – nicht nur um zu sich ganz persönlich durchzumogeln, sondern um sich an anderen zu bereichern…

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Drama

Caesar und Cleopatra

Illustrierte Filmbühne Nr. 61 (E. S.) – Weihnachten 1946 sind bereits eineinhalb Jahre nach Kriegsende vergangen, aber es gibt immer noch bittere Not in den Städten; es fehlt an fast allem, das Geld ist längst nichts mehr wert und die Lebensumstände sind beschwerlich. Gleichwohl lassen die Menschen den Mut nicht sinken; inzwischen haben überall schon wieder Kinos ihren Betrieb aufgenommen, im Dezember kommt der Film Caesar und Cleopatra in die Kinos der britischen Zone und die Kassen klingeln.

Caesar und CleopatraIrgendwie ist es ja doch merkwürdig. Die Menschen kämpften ums Überleben, haben genügend alltägliche Sorgen und trotz allem blüht ungebrochener Optimismus. In Frankfurt zum Beispiel ist der von deutschen Pionieren gesprengte Eiserne Steg vor kurzem wieder eröffnet worden, erste Theaterstücke werden aufgeführt, zum Beispiel in Sachsenhausen Goldinis „Diener zweier Herren”. Aufführungsort ist das „Kleine Komödienhaus”, aber was so bombastisch klingt, ist in Wirklichkeit eine Turnhalle mit primitivster Ausstattung.

Ganz bescheiden geht unterdessen am Römerberg ein erster Weihnachtsmarkt über die Bühne. Egal wie: Die Menschen lechzen nach Unterhaltung. Ein 129 Minuten langer Monumentalschinken aus England passt da also durchaus gut ins Bild, auch wenn der Film zunächst nur in Städten der britischen Zone zu sehen ist. Erst eineinviertel Jahr später kommt er nach Frankfurt.

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Drama

Gefährliche Reise

Illustrierte Filmbühne Nr. 47  (E. S.) Der englische Film Gefährliche Reise aus dem Jahr 1946 hat keinen  bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch der Besuch in den Wall-Lichtspielen in Sachsenhausen ist angeregt worden durch ein sehr farbenfrohes Plakat, auf dem ein attraktiver Stewart Granger zu sehen ist, der bereits einigen anderen britischen Filmen Profil gegeben hat.

Gefährliche ReiseBei der Londoner Gainsborough, die unter den Fittichen des mächtigen J. Arthur Rank steht – Rank ist mit seinem Mischkonzern finanziell in  Filmproduktionen involviert und betätigt sich auch als Super-Verleiher –, hat Granger bereits in den Filmen „Der Herr in Grau”, „Cornwall Rhapsodie”, „Die Madonna der sieben Monde” sowie „Gaslicht und Schatten” gespielt, bei einer anderen Firma wird er in „Caesar und Cleopatra eingesetzt.

Die Gainsborough hat sich seit einiger Zeit auf Kostümfilme spezialisiert, da diese in England Mitte der Vierziger Jahre beim weiblichen Publikum sehr beliebt sind und viel Geld in die Kinokassen spülen. Doch bald nach dem Ende des Krieges lässt das Interesse an dieser meist nur schwer verdaulichen Kost wieder nach. Noch ehe man sich in den Studios auf andere Stoffe orientiert, muss Granger nach dem gleichen Strickmuster noch einen Part in Gefährliche Reise (und danach in „Paganini”) spielen, ehe er bald danach in Richtung Hollywood abdampft.

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Drama

Der Glöckner von Notre Dame

Illustrierte Filmbühne Nr. 29  (© E. S.) Im Jahr 1831 schrieb der französische Autor Victor Hugo die im 16. Jahrhundert unter König Ludwig XI. spielende Geschichte Der Glöckner von Notre Dame, die zu einem der Klassiker der Weltliteratur wurde und mehr als einmal verfilmt worden ist. In der RKO-Fassung von 1939 spielt Charles Laughton den weitgehend stummen Glöckner Quasimodo, Maureen O’Hara gibt die Esmeralda.

Glöckner von Notre DameAls der us-amerikanische Film am 3. Februar 1948 (zunächst mit einkopierten Untertiteln, ein Jahr später synchronisiert) in die deutschen Kinos kommt, hat er zwar den Charakter eines etwas gruseligen Horrorfilms, kann aber die zahlreichen Besucher nicht wirklich erschrecken. Sie haben zu viel zu tun beim Wiederaufbau des Landes und werden ohnehin täglich von diversen Sorgen heimgesucht, denn es hapert noch an Ecken und Enden. Und die Lage ist keineswegs rosig. In der britischen wie auch der amerikanischen Zone treten rund drei Millionen Angestellte und Arbeiter aus Protest gegen die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln in den Streik. Immerhin geht es anderswo vorwärts: Berlin wird zu dieser Zeit wieder an das internationale Telefonnetz angeschlossen. Auch die Kinoversorgung ist bereits gewährleistet. Die Filme, die von den amerikanischen Militärbehörden zur Vorführung freigegeben werden, sind zwar meistens schon älteren Datums, aber doch auch in vielerlei Hinsicht faszinierend – so wie Der Glöckner von Notre Dame eben. 

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Drama

Die Waise von Lowood

Illustrierte Filmbühne Nr. 4  (E. S.) – Im Sommer 1947 wird der Film Die Waise von Lowood von der „Motion Pictures Export Association (MPEA)”, der großen Export-Organisation der Major Companies aus den USA, in Zusammenarbeit mit dem US-Militär in die deutschen Kinos gebracht. In den Hauptrollen sind Joan Fontaine  – sie hat gerade kurz vorher in dem Hitchcock-Drama „Rebecca” eine ähnliche Rolle gespielt – sowie Orson Welles zu sehen, doch die Zuschauer in Deutschland haben beim Kampf um das Überleben in der Nachkriegszeit noch ganz andere Sorgen als sich mit einem solch schwermütigen Stoff zu „vergnügen”. 

Waise von LowoodWohl deshalb wird der Film, der immerhin auf dem Roman „Jane Eyre”, einer Perle der Weltliteratur beruht, hierzulande nicht gerade zu einem finanziellen Erfolg und verschwindet bald schon wieder aus den Lichtspielhäusern. Auch in Frankfurt ist der Film inmitten der Trümmerberge nur kurz zu sehen. Dabei ist es eine aufwühlende, aber zugleich auch eine recht romantische Melodramatik, die den im Jahr 1847 erschienenen autobiografischen Roman der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë  – er ist zunächst unter dem männlichen Pseudonym Currer Bell im Verlag „Smith, Elder und Co.” herausgekommen – von der ersten bis zur letzten Seite innewohnt.

Denn nach einer ziemlich freudlosen Jugend in England kommt Jane Eyre als Erzieherin in das Schloss des herrischen Mr. Edward Rochester. Der Hausherr fühlt sich bald zu der intelligenten Gouvernante hingezogen, und auch sie entwickelt Zuneigung zu dem älteren Mann. Doch Rochester verbirgt ein düsteres Geheimnis, was die spröde Liebe der beiden ungleichen Menschen überschattet.

Die Dramatik wird offenbar, als Jane Eyre am Tage ihrer geplanten Hochzeit mit Rochester erfährt, dass dieser noch verheiratet ist und seine unheilbar geisteskranke und zudem gewalttätige Gattin verborgen hält.