DamalsKino

ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Katastrophe

Titanic

Illustrierte Filmbühne Nr. 628*  (© E. S.)–  Ein freundlicher Bekannter schreibt mir eine Karte und empfiehlt dringend einen Kino-Besuch. In den Stuttgarter Planie-Lichtspielen ist am 7. Februar 1950 erstmals in Deutschland der Film Titanic gezeigt worden. Und viele  Menschen hätten sich „an der Kasse gedrängelt”, so der junge Mann in seiner kurzen Nachricht, und abgesehen von der lauen Handlung sei der Untergang „beeindruckend und sehenswert” verfilmt.

TitanicAls der Film eine Woche nach der Stuttgarter Aufführung im Februar 1950 im Frankfurter Filmpalast läuft, steht deshalb die Darstellung dieser Katastrophe im Mittelpunkt meines Interesses. Die Trickaufnahmen sind gelungen. Das dramatische Geschehen nach der Kollision mit dem Eisberg im Nordatlantik fesselt alle im großen Saal, ist es doch mehr als bequem, sich im Kinosessel zu räkeln, anstatt real im eisigen Atlantik zu ertrinken. Gesellschaftliches Treiben auf dem Schiff und die Rolle von Kapitän Edward J. Smith dagegen wird nur am Rande wahrgenommen.

Einige Wochen nach meinen Kinobesuch verfügen die Alliierten Hochkommissare der USA, Großbritanniens und Frankreichs am 29. März 1950 dann überraschend ein Verbot des Films zum 1. April. Die von der Freiwilligen Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) mit einigen Auflagen erteilte Freigabe wird damit außer Kraft gesetzt. Dieser Vorgang veranlasst mich, etwas genauer nach den Gründen für das Verbot zu fragen. Was hat die Hochkommissare bewogen, so konsequent zu reagieren?

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Der Untergang von Pompeji

Illustrierte Filmbühne Nr.  587 und 627  ( E. S.) – In Frankfurt am Main sind im Jahr 1950 zwei Filme zu sehen, die sich mit dem tragischen Ende der römischen Stadt Pompeji befassen. Der eine stammt aus den USA und ist schon 15 Jahre alt (Der Untergang von Pompeji), der andere kommt aus Italien und Frankreich und ist gerade erst produziert worden (Die letzten Tage von Pompeji).

Der Untergang-von-PompejiKonkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft. Ob das tatsächlich der Fall ist, dürfte in manchen Fällen doch fraglich sein. Vor allem im Filmhandel gibt es oft ein seltsames Gebaren. Als zum Beispiel 1950 im März der italienische-französische Film aufgeführt wird, ruft das auch die Konkurrenz auf den Plan. Die amerikanische RKO holt einen alten Streifen mit einem ähnlich klingenden Titel aus dem Archiv und schickt ihn in die deutschen Kinos. Eine fragwürdige Angelegenheit. In Frankfurt selbst starten Die letzten Tage… am 24. April im Filmpalast. Als der Markt für das dramatische Thema schon abgegrast ist, folgt Der Untergang… am 8. November in der nahe gelegenen Scala.

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