Kategorien
Komödie

Mein Freund Harvey

Illustrierte Filmbühne Nr. 1184 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspieltheater „Metro im Schwan” startet Mitte Juli 1951 ein Film, der mit seinem hintergründigem Humor den grauen Alltag vergessen lässt und in fast poetischer Weise die Herzensgüte eines spleenigen, aber gutmütigen Mannes in einer amerikanischen Kleinstadt zum Thema hat.

HarveyEin gewisser Elwood P. Dowd (James Stewart) lebt in Harmonie mit seinem überaus guten Freund und ständigen Begleiter. Wo auch immer der freundliche Mann hingeht, begleitet ihn dieser Freund. Außer Elwood Dowd merkt das freilich niemand im näheren Bekannten- und Freundeskreis, denn nur er selbst vermag den zwei Meter großen Harvey zu sehen; es ist ein weißer Hase, mit dem sich Dowd berät und austauscht und dieses Verhalten bringt seine Schwester Veta (Josephine Hull) fast zur Verzweiflung, denn wegen des skurrilen Auftretens fürchtet sie um die Heiratschancen ihrer Tochter Myrtle Mae (Victoria Horne) – schließlich vertreibt Elwood alle in Frage kommenden Kandidaten aus dem Haus. Danach wird im Verwandtenkreis erwogen, den im Grunde absolut harmlosen Elwood in eine psychiatrische Anstalt einweisen.

Kategorien
Abenteuer Komödie

Die Liebesabenteuer des Don Juan

Illustrierte Filmbühne Nr. 1080 (E. S.) – Friedrich Wollenberg, Besitzer des „Metro im Schwan” an der Hauptwache in Frankfurt, hat sich wieder einmal etwas Besonderes ausgedacht, als der Warner-Streifen Die Liebesabenteuer des Don Juan Premiere hat. Nicht gerade verwunderlich, denn Wollenberg ist stadtbekannt für seine außergewöhnliche Werbemaßnahmen.  

Die Liebesabenteuer des Don JuanAls der Film Anfang März 1951 vor seiner Erstaufführung in der Mainmetropole steht, ordert Wollenberg sage und schreibe 10 000 kleine Blumensträußchen bei einschlägigen Händlern, lässt die gleiche Zahl von winzigen Visitenkärtchen drucken, und fügt sie den Gebinde bei. Die Geschenke werden von Pagen in der Innenstadt verteilt. Auf den Kärtchen steht nicht viel, nur einige Worte: „Ihr Don Juan erwartet Sie. Telefon 34668!“ Es ist eine eigens eingerichtete Nummer für den Vorverkauf. Im Gefolge der Pagen rollt – wie die Zeitung „Frankfurter Rundschau” am 6. März zu berichten weiß –, ein von Ponys gezogener Wagen des Zoologischen Gartens durch die Stadt, der ebenfalls zur eingesetzten Werbekolonne gehört. Klappern gehört für den Kinozar einfach zum Handwerk. Es ist nicht überliefert, inwieweit die Aktion den Besuch des Kinos tatsächlich positiv beeinflusst hat, immerhin ist Hauptdarsteller Errol Flynn zu dieser Zeit auch ohne massive Werbung immer noch ein Kassenmagnet, obwohl sein Stern in der Heimat wegen diverser Alkoholprobleme bereits am Sinken ist.

Kategorien
Familie Komödie

Vater der Braut

Illustrierte Filmbühne Nr. 1073 (E. S.) Diese Familienkomödie handelt von den vielfältigen Freuden und „Leiden” eines amerikanischen Vaters am Hochzeitstag seiner Tochter. Die Geschichte, die wahrscheinlich jeder Kinobesucher in dieser oder jener Form selbst schon einmal erlebt hat, ist warmherzig und mit Humor erzählt und die Szenen, in denen der Vater der Braut sowohl Stolz als auch zärtliche Gefühle zeigen darf, finden beim Publikum viel Anklang.

Vater der BrautWas den Film zuerst für die Amerikaner, und ein Jahr später für die europäischen Kinobesucher so interessant macht, ist eine Heirat, die es „im wirklichen Leben” gegeben hat. Die Hauptdarstellerin Elizabeth Taylor, ein ehemaliger MGM-Kinderstar von nunmehr 18 Jahren, hat nämlich am 6. Mai 1950 – rund einen Monat vor der Weltpremiere des Films – tatsächlich geheiratet, und zwar den Hotelbesitzersohn Conrad „Nick“ Hilton. Als der MGM-Streifen einen Monat später in die amerikanischen Kinos kommt, wirkt das Lustspiel fast wie ein überaus gezielt arrangierter Werbegag. Denn natürlich sind die Wochenschauen und die bunten Blätter der Regenbogenpresse nach der Heirat voll von Details der glanzvollen Hochzeit in Beverly Hills. Als der Streifen aber am 10. April 1951 in die deutschen Kinos kommt, ist das Paar schon wieder geschieden. Vor allem Conrads Hiltons Alkoholprobleme, die zu tätlichen Angriffen auf Elizabeth führen, sind der Grund für die schnelle Trennung. Abgesehen von dem Ende dieser „realen” Ehe sind die Parallelen zwischen den Produkten der „Traumfabrik” und dem wirklichen Leben für das Publikum reizvoll.

Kategorien
Komödie Musik

Professor Nachtfalter

Illustrierte Filmbühne Nr. 1070 (E. S.)  – Zur Frankfurter Premiere des Films Professor Nachtfalter am 23. Februar 1951 lässt sich die Direktion des Turmpalastes etwas ganz Besonderes einfallen: Zur Verlosung kommt unter dem Publikum ein Vespa-Motorroller, was der Tatsache geschuldet ist, dass auch Professor Wendler (Johannes Heesters) im Film auf einem jener schnuckeligen Zweiräder italienischer Provenienz unterwegs ist.

Professor NachtfalterAußerdem unternimmt der vor kurzem erst neu gegründete Vespa-Club aus Frankfurt am Premierentag ein Stadtrundfahrt, um dann am Eschenheimer Turm vor das Kino zu fahren, um danach dem Film geschlossen die Ehre eines Besuches zu erweisen. Diese durchaus hübsche Idee gefällt dem Publikum, noch mehr Spaß hat allerdings Helga Jockel aus Frankfurt-Ginnheim, denn mit der Nummer 008723 wird sie zur stolzen Besitzerin der ausgelobten Vespa. Das außerordentlich einfach konstruierte (und zu fahrende) Zweirad ist 1946 in Italien entwickelt worden  und findet erst im Jahr 1950 den Weg nach Deutschland. Auch der Herr Professor ist jugendlich-strahlend – wenn auch in der realen Wirklichkeit während der Aufnahmen schon 47 Jahre alt – und wird natürlich angehimmelt von seinen Schülerinnen im Mädchenpensionat am Bodensee.

Kategorien
Familie Komödie Märchen

Das zauberhafte Land

Illustrierte Filmbühne Nr. 956 (E. S.) – Hollywood ist schon seit jeher ein Synonym für den Begriff „Traumfabrik“. Wie am Fließband werden in Los Angeles Filme hergestellt, und dabei echte oder vermeintliche Wünsche des Publikums erfüllt. Als ein klassisches Paradebeispiel für die Schaffung einer solchen Traumwelt gilt der MGM-Farbfilm Das zauberhafte Land aus dem Jahr 1939. 

Das Zauberhafte LandBesonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Kinder und Jugendliche soviel Hunger, Leid und Elend erlebt haben, ist ein solcher phantasievoller Märchenfilm wie geschaffen dafür, aus der harten Realität in eine prachtvolle Phantasiewelt entführt zu werden. Als der Streifen 1950 in die deutschen Kinos kommt, hat er noch kein bisschen Patina angesetzt.  Der Musical-Klassiker bietet jedenfalls bei seinem Erscheinen beste Unterhaltung. Vor allem das Lied „Over the Rainbow“ („Jenseits des Regenbogens“) ist als Ohrwurm unschlagbar und wird später einmal vom „American Film Institute“ auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmsongs aller Zeiten gesetzt. Weil die Homosexuellen der USA in dem Lied die Widerspiegelung eigener Sehnsüchte nach einer toleranteren und besseren Welt sehen, wird es in den 70er Jahren zu einer Art Hymne für sie. Doch das liegt alles noch in der Zukunft. Denn als ich den Film Anfang der 50er Jahre in den Harmonie-Lichtspielen sehe, sind es vor allem tollen Farben und der traumhaft schöne Inhalt, der mich begeistert.

Kategorien
Komödie

Sein Engel mit den zwei Pistolen

Illustrierte Filmbühne Nr. 782 (M. F.)  – Spaß muss sein, Spaß sollte auch sein! Muss Mensch dafür Steuer zahlen, dass er lacht und sich auf die Schenkel schlägt vor Freude und sich köstlich amüsiert, wie etwa bei der Western-Parodie Sein Engel mit den zwei Pistolen? Die Frage taucht immer wieder auf, wenn es um die oft heiß umstrittene Vergnügungssteuer geht: – auch am Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger Jahre in der Bundesrepublik ist dies ein immer wieder diskutiertes Thema. 

PistolenAls ob es nicht schon schlimm genug wäre, für einen Kinobesuch diesen eher seltsamen Steuer-Obulus berappen zu müssen, setzt die gerade kurz zuvor gegründete „Spitzenorganisation der Filmwirtschaft“ noch einen drauf und fordert Ende April 1951 – genau zu der Zeit, als ich den Film in der Scala sehe – von den Zuschauern einen zusätzlichen „Filmgroschen”, dessen Erlös dann den Produzenten, den Kinobesitzern und auch den Verleihern zufließen soll. Und dabei knabbert die Filmbranche – trotz einiger herber Verluste bei hektisch und schlecht gemachten Filmen – nicht gerade am Hungertuch, dreht Filme wie am Fließband, zahlt satte Gagen an so genannte Stars und Sternchen, und ist auch bei ihrer Außendarstellung mit viel Prunk und glanzvollen Premieren und bei Filmbällen nicht gerade zurückhaltend. Prachtvolle Kinos schießen derweil wie Pilze aus dem Boden, so dass es irgendwie grotesk erscheint, mit einem Zuschlag dieser angeblich „kränkelnden” Filmbranche wieder auf die Beine zu helfen. Doch das weit verbreitete kapitalistische Motto: „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren”, gilt auch zu dieser Zeit.

Kategorien
Komödie

Der Mustergatte

Illustrierte Filmbühne Nr. 737 (E. S.) – Der Beginn der frühen Fünziger Jahre ist in der Bundesrepublik Deutschland gekennzeichnet von sehr durchschnittlicher und  ziemlich leichter Filmkost; der ungebremsten Verleihwut der acht mächtigen US-Companies setzen die deutschen Produzenten – in finanzieller Hinsicht fast immer ziemlich klamm – meist nur noch konventionelle Massenware entgegen, die auch einer weit verbreiteten Stimmung im Land entgegenkommt. 

MustergatteDie Adenauer-Ära hat gerade begonnen. Und trotz der geplanten Wiederbewaffnung und dem damit verbundenen Widerstand vieler dagegen („Ohne mich”-Standpunkt), haben die Menschen gleichwohl auch Lust auf Unterhaltung. Auch die so genannten gesellschaftliche Ereignisse interessieren mehr und mehr und prägen die vier Wochenschauen: Die Wahl der „Miss Germany” Susanne Erichsen ebenso wie die Verlobung des Schahs von Persien mit Fürstentochter Soraya oder die Hochzeit des Filmstars Elizabeth Taylor mit dem Erben des Hotelkönigs Hilton. In den Kinos sind derweil zahlreiche eher belanglose deutsche Titel aufgetaucht, auch viele Unterhaltungsfilme aus der Kriegs- und Vorkriegszeit – so genannte Reprisen – schmücken die Programme der Lichtspielhäuser.

Unter diesen Filmen befindet sich auch der bereits 13 Jahre alte Klassiker Der Mustergatte. Darin geht es um die Ehepaare Margret und William Bartlett (Leni Marenbach, Heinz Rühmann) sowie Doddy und Jack Wheeler (Heli Finkenzeller, Hans Söhnker). Barlett ist fast krankhaft pedantisch, Wheeler in Bezug auf weibliche Wesen überaus leichtsinnig. Beide Frauen sind deshalb unzufrieden mit ihren Rollen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Motiven: Margret Bartlett leidet unter ihrem überkorrekten und langweiligen Mann und will sich scheiden lassen, Doddy Wheeler hingegen macht sich ständig Sorgen wegen der „Weibergeschichten” ihres Angetrauten.

Kategorien
Komödie

Ich war eine männliche Kriegsbraut

Illustrierte Filmbühne Nr. 695 (E. S.) – Als der Centfox-Film Ich war eine männliche Kriegsbraut am 21. April 1950 im „Metro im Schwan“ in Frankfurt Premiere hat, will ich unbedingt dabei sein. Immerhin ist die groteske Roadmovie-Groteske in den Regionen Rhein-Neckar und Rhein-Main gedreht worden. Grund genug, sich schon am ersten Tag ins Kino zu setzen.

Mänliche KriegsbrautDie Außenaufnahmen sind von Regisseur Howard Hawks und seinen Mitarbeitern  auf dem Neckar bei Heidelberg , im nördlichen Kraichgau sowie auch in Schwetzingen, Mannheim und Frankfurt am Main aufgenommen worden. Weil ich die Dreharbeiten aufgrund einer Abwesenheit verpasse, – sonst bin ich möglichst immer dabei, wenn in Frankfurt Filmaufnahmen gemacht werden –, will ich nun doch im Kino einen Blick auf die Stadt werfen, werde aber enttäuscht, weil die einzelnen Schauplätze kaum zu erkennen sind. Die Frankfurter Szene ist nur kurz und unauffällig und selbst für Alteingesessene kaum wahrnehmbar. Immerhin entschädigt der Film dann für dieses entgangene Vergnügen. Es ist eine witzige übermütige Parodie auf den Bürokratismus beim amerikanischen Militär geworden. Am eigenen Leib erfahren hat dies der französische Offizier Henri Rochard, der nach seiner Einreise in die Vereinigten Staaten und nach seiner Heirat seine kuriosen Erlebnisse mit der Militärbürokratie aufgeschrieben hat.

Kategorien
Komödie

Nur meiner Frau zuliebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 674 (E. S.) – Die Frankfurter Innenstadt ist durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört, die Trümmerberge aber sind 1950 weitgehend beseitigt. Doch es gibt Streit zwischen Einwohnern, Politikern und Städteplanern über den zukünftigen Weg. Einige wollen die alten Straßen und Gassen wieder aufbauen, andere plädieren für einen Neuaufbau.

Nur meiner Frau zuliebeDoch weil der Streit nicht so schnell und ohne weiteres beigelegt werden kann, wird zunächst einmal ein Baustopp für die ganze Innenstadt verhängt. Das verschlimmert die Wohnungsnot der Bevölkerung und ruft manche Spekulanten auf den Plan, die auch noch von einem Gesetz profitieren, das Bauherren die Möglichkeit einräumt, von ihren zukünftigen Mietern so genannte „Baukosten-Zuschüsse“ zu kassieren. Zwar soll dieses Geld über die Mietabrechnung zurückgezahlt werden, aber dabei geht nicht immer alles korrekt zu. Doch nicht nur die Kriegsverlierer in Deutschland haben mit Wohnungsnot zu kämpfen, auch bei den Siegern im fernen Amerika ist der Wohnraum – vor allem in den Metropolen – äusserst knapp bemessen. In New York wohnt zum Beispiel der Werbetexter Jim Blandings (Cary Grant) mit seiner Familie in einer mehr als kleinen, engen Wohnung, in der sich alle gegenseitig über den Haufen rennen. Irgendwann hat Blandings die Nase voll von dem Getümmel und erwirbt ohne nachzudenken, ein Haus auf dem Land. Nur meiner Frau zuliebe, wie er sich selbst einredet.

Kategorien
Komödie

Der Millionär

Illustrierte Filmbühne Nr. 322  (E. S.)  – Einer der ersten Filme, die 1947 in die Lichtspielhäuser kommen, ist eine deutsche Komödie: sie heisst knapp Der Millionär. Das Lustspiel handelt von dem Postboten Leopold Habernal, der nach einer Erbschaft zum reichen Mann wird, aber entgegen aller Erwartungen seiner Mitmenschen weiter unverdrossen seine Postsendungen austrägt. Es ist das Hohelied vom braven Mann.

Der MillionärIn den ersten Monaten nach dem Krieg beschäftigen also nicht nur zahlreiche „Trümmerfilme” die eifrigen deutschen Filmemacher, es wird auch schon wieder recht emsig am Lustspiel-Genre gearbeitet – wenn in diesem Fall auch nur indirekt. Denn es handelt sich bei diesem belanglosen Streifen nicht um eine Nachkriegsproduktion, sondern um einen Überhang-Film aus der Zeit vor der deutschen Kapitulation. Die Münchener Bavaria hat das Stück von November 1944 bis in den Januar 1945 gedreht, für eine Uraufführung reicht es in den letzten Kriegsmonaten nicht mehr. Die Defa in Ost-Berlin vollendet den Streifen, danach genehmigen die Besatzungsbehörden aller Zonen die Vorführung, darunter auch in Frankfurt.

Der Film wirkt freilich irgendwie recht ambivalent. In der Nazi-Zeit, als ganz Europa schon in Schutt und Asche versunken ist, soll diese mehr als seichte Unterhaltungsware die Menschen zum Durchhalten animieren, zwei Jahre später dient er unter anderen politischen Voraussetzungen dazu, der Bevölkerung das schwierige Leben im Deutschland der Nachkriegszeit wenigstens filmisch zu versüßen.

Kategorien
Komödie

Der Apfel ist ab

Illustrierte Filmbühne Nr. 249  (E. S.) – Es gibt auch nach dem Krieg unter den ersten neuen Filmen einige eher seltsame Exemplare. Einer davon ist Der Apfel ist ab und er wird nicht von jedermann goutiert und verstanden. Die täglichen Einspiel-Ergebnisse sind insgesamt eher bescheiden, die Menschen haben für diese Art satirischen Humors wohl noch nicht das rechte Verständnis. Der Film ist seiner Zeit voraus.

Der Apfel-ist-ab-neuIn dem Film von Helmut Käutner –  das Thema wurde von ihm und Kollegen schon 1935 für ein Kabarettprogramm verfasst –, liegt ein Apfelsaft-Fabrikant nach einem Suizid-Versuch im Koma und erlebt nun in seinen Träumen die Geschichte von Adam und Eva und dem berühmt-berüchtigten und verhängnisvollen Apfel als Spiegelbild seiner zahlreichen, eigenen Probleme im Liebesleben. Die Ausgabe Nummer 249 der „Illustrierten Filmbühne” (München) beschreibt das Ganze als einen „überaus heiteren Musikfilm, eine musikalische Komödie, in der der Zeigefinger anmutig (…) erhoben und dessen Lehren nicht geredet, sondern gesungen werden”, doch ändert dies nichts daran, dass dieser Film bei der Mehrheit der Kino-Interessierten zu dieser Zeit kein Wohlgefallen auslöst.

Einige Kritiker attestierten dem Film zwar, er sei eine „der ersten deutschen Nachkriegsproduktionen mit originellen, aus der Not der Zeit geborenen Ausstattungsideen”, doch urteilen andere, die ironisch-politische Persiflage sei zwar amüsant, von der Inszenierung her sei er aber nicht rundum überzeugend. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ kritisiert zum Beispiel, der Film habe nicht gezündet, er sei ein kabarettistisches (…) Märchen mit fadenscheiniger Hintergründigkeit. „Er ist mit Geist und Witz gemacht, auch mit Liebe und Laune, aber nicht — mit Herz, nicht mit Wärme.”

Kategorien
Komödie

Oh, Susanne!

Illustrierte Filmbühne Nr. 182 (E. S.) – Die Frankfurter Erstaufführung in den Scala-Lichtspielen Anfang Januar 1949. „Susanne verzaubert New York und ganz Amerika” trommelt die kleine Zeitungsanzeige und fügt fast bescheiden, wenn auch nachdrücklich hinzu: „…und auch uns in Frankfurt.” Mit dabei in dem Film sind Joan Fontaine und George Brent, das Ganze heisst Oh’ Susanne! Schau’n wir also mal.

Oh SusanneDer Film ist für  Heranwachsende jedenfalls sehr lehrreich – vor allem in diesen schwierigen, ersten Jahren nach dem Krieg, in denen von den Menschen oft vorschnell gedacht (und gehandelt) wird. Dass man sich jedoch nicht zu leicht und unüberlegt von den Urteilen anderer beeinflussen lassen soll, ist für uns junge Besucher eine wichtige Erkenntnis nach den anderthalb Stunden im Kino. Das Problem wird dem Zuschauer auf überaus originelle Weise vermittelt. Während einer Party mitten in New York trifft Roger Berton (George Brent) drei ehemalige Freunde seiner Braut Susan Darell (Joan Fontaine), die er demnächst zu ehelichen gedenkt. In mehreren Gesprächen – und unterstützt von zahlreichen Rückblenden – zeichnet jeder der Männer aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel ein völlig anderes Bild der jungen Frau und Robert  schlingert nun immer tiefer in die eigenen Zweifel, ob er Susan Darell tatsächlich heiraten soll oder nicht. Was natürlich sogleich die Frage aufwirft: Kennt er sie wirklich?

Kategorien
Komödie

Geisterkomödie

Illustrierte Filmbühne Nr. 171 (E. S.) – Es ist eine durchaus geistvolle Komödie mit Fantasy-Charakter, die zu Weihnachten 1948 über die Leinwand der Zoo-Lichtspiele in Frankfurt flimmert. Regisseur Lean liefert mit Geisterkomödie eine witzige Arbeit ab (so empfindet es jedenfalls das Publikum), während Bühnenautor Noel Coward mit der Arbeit eher unzufrieden ist, und dem Regisseur vorwirft, sein Stück kaputt gemacht zu haben. 

GeisterkomödieGleichwohl wird David Lean im Verlauf seine Karriere noch große Welterfolge wie „Lawrence von Arabien”, „Die Brücke am Kwai” und auch „Doktor Schiwago” drehen. Dem Publikum aber gefällt durchaus auch die Geisterkomödie. Das hängt sicher damit zusammen, dass solcher „schwarzer” Humor hier noch weitgehend unbekannt ist und auch die allgemeine Situation in den einzelnen Besatzungszonen ja nicht gerade zu Freudensprüngen verleitet. Immerhin ist auch das Weihnachtsgeschäft trotz der im Juni erfolgten Währungsreform meilenweit hinter den Erwartungen des Einzelhandels zurückgeblieben. Unter solchen misslichen Umständen sind viele Menschen im Lande jedenfalls erst einmal froh, sich für knapp zwei Stunden auf dem Kinostuhl richtig entspannen zu können, auch wenn die eingeblendeten deutschen Untertitel einiges an Konzentration abverlangen. Für die meisten Zuschauer, die das nicht kennen, ist das Texte-Lesen am Anfang gewöhnungsbedürftig.

Kategorien
Komödie

Lebenskünstler

Illustrierte Filmbühne Nr. 155  (E. S.) – Als einen der ersten Filme schicken die US-Militärbehörden 1946 den Columbia-Film Lebenskünstler in die Kinos. Der Film von Frank Capra ist 1939 mit zwei Oscars (bester Film, beste Regie) ausgezeichnet worden, und lässt eine gewisse Qualität erwarten. Capra gilt als Meister der leichten Gesellschaftskomödien mit sozialkritischen Aspekten.

LebenskünstlerObwohl der Film so bald nach Ende des Krieges über die Leinwände flimmert, ist er bereits in deutscher Sprache zu sehen (und natürlich zu hören), so dass die Zuschauer, die des Englischen zu dieser Zeit meistens nicht mächtig sind, sich an den vielen, schönen Dialogen erfreuen können, ohne pausenlos auf die wechselnden  Untertitel starren zu müssen. Und solche nette Unterhaltung wie im Film, wünschen sich natürlich zu dieser Zeit alle, ist doch ein Jahr nach Kriegsende das Leben noch extrem stark geprägt von den alltäglichen Sorgen inmitten riesiger Trümmerwüsten. Doch die Menschen sind andererseits voller Erfindungsreichtum, wenn es darum geht, in ein normales Leben zurückzukehren. Sie packen an und im westlichen Frankfurter Stadtteil Nied wird schon im Mai die erste Nachkriegskerb gefeiert; dabei fehlt gewiss der würzige Geruch, der normalerweise über solch einer Kirmes liegt, es mangelt  ja an allem, aber: ein Kettenkarussell für die kleinen Kinder dreht sich, und trotz der allgemeinen Not macht sich auf dem Juxplatz viel Heiterkeit breit.

Kategorien
Komödie

Keine Zeit für Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 99  (E. S.) – Im Sommer des Jahres 1946 haben in Frankfurt nur wenige Kinos nach den massiven Zerstörungen im Krieg ihren Betrieb wieder aufgenommen, darunter befinden sich auch die im nordöstlichen Stadtteil Bornheim die Schauburg-Lichtspiele (Berger Straße Nr. 161) und das Apollo (Berger Straße 179). Mit nur einer Kopie des Filmes Keine Zeit für Liebe werden im Juni beide Häuser gleichzeitig bespielt.

Keine Zeit für die LiiebeKopien sind oft rar in diesen Tagen. Nicht selten wird ein Film gleichzeitig in zwei Kinos gespielt. Das verursacht ein kleines organisatorisches Problem, aber die Menschen jener Tage sind sehr erfinderisch. Die Anfangszeiten werden einfach  entsprechend zeitlich versetzt, es werden auch Schulbuben engagiert – meist sind es Kinder der Kino-Besitzer, des Filmvorführers oder andere Schulkameraden, die dann für ihre Tätigkeit mit Freikarten „entlohnt“ werden –, um die  Filmrollen sind zwischen den Kinos hin- und herzutragen. Dabei muss natürlich der Ablauf perfekt sitzen, aber wenn einmal Verzögerungen eintreten, werden diese vom geduldigen Publikum recht gelassen hingenommen. Die meisten Menschen sind schließlich Schlimmeres gewohnt aus der Zeit des Krieges und den Monaten danach, in denen die permanente Jagd nach Nahrungsmitteln aufgrund der Zuteilungen von Lebensmittelmarken zum Alltag gehört. Der Film – in englischer Sprache mit einkopierten deutschen Untertiteln – ist hübsch und unterhaltsam.

Kategorien
Komödie

Meine Frau, die Hexe

Illustrierte Filmbühne Nr. 77 (E. S.) – Wer kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Frankfurter Stadtteil Bockenheim in der Basaltstraße die amerikanische Komödie Meine Frau die Hexe anschaut  – ein turbulenter Spaß mit der glänzend aufgelegten Hexe Veronica Lake (Jennifer), der unvergessenen Susan Hayward (als Estelle) und dem Charakter-Darsteller Frederic March – bewegt sich auf politisch-historischem Grund, denn hier hat Rosa Luxemburg am 26. September 1913 eine flammende Rede gegen den Ersten Weltkrieg gehalten, worauf sie von den kaiserlichen Behörden umgehend „wegen Aufruhrs” verhaftet wird.

HexeDas Titania hat  eine recht bewegte Vergangenheit, was mir durchaus bewusst ist. Dort, wo ich die hinreissend schöne Hexe zu sehen bekomme, stand seit 1900 eine kleine Eisfabrik – sie belieferte den direkt daneben liegenden Schlachthof – und bald danach entstand erst eine Liederhalle und kurz darauf ein Treffpunkt der Gewerkschaften und Sozialdemokraten mit Bibliothek. Im Jahr 1928 errichtet der Gastwirt Müller ein Kino, modernisiert es 1941 und schliesst den alten Gastraum, um ein grösseres Foyer einzurichten. In den beiden Weltkriegen dient das Titania-Kino zeitweise als Lazarett, nach 1945 – das Gebäude ist bei den Fliegerangriffen fast unversehrt geblieben – werden die Titania-Lichtspiele wieder eröffnet, das Aus kommt Ende der Siebziger Jahre. 1985 nämlich wird das Gebäude von der Katholischen Kirche gekauft, und bald darauf von der Frankfurter Saalbau übernommen und zum Bürgerhaus umfunktioniert. Seit 1997 ist es vorübergehend Spielstätte des Galli-Theaters, ab Oktober 2005 heißt es wieder Titania-Theater und ist seit September 2011 die Heimstatt des „Freien Schauspiel Ensembles Frankfurt”.

Kategorien
Komödie

Die ewige Eva

Illustrierte Filmbühne Nr. 70  (E. S.) –  Ende Juli, Anfang August 1945 gibt es in Frankfurt am Main bewegte Tage. Die Lichtburg in der Kaiserstraße 74 nimmt als erstes Kino nach Ende des Krieges ihren Betrieb wieder auf. Das ist so wichtig für die Stadt, dass OB Dr. Kurt Blaum eine ziemlich aufmunternde Rede hält. Am 1. August des Jahres erscheint dann die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” als erste lizenzierte Tageszeitung in der amerikanischen Besatzungszone, 14 Tage später spielt die Schauburg in der Bornheimer Bergerstraße als zweites Frankfurter Lichtspieltheater die Die ewige Eva.

Die ewige EvaDer Film ist der erste amerikanische Spielfilm, der in Frankfurt gezeigt wird. Die erzählte Geschichte ist in diesem Zusammenhang nicht von allzu großer Bedeutung, wichtiger ist wohl, dass inmitten der Trümmer von Frankfurt das Kinoleben langsam aber sicher wieder Fahrt aufnimmt und den frustrierten Menschen in dem täglichen Wahnsinn wieder Hoffnung für die nahe Zukunft gemacht wird. Gerade deshalb ist diese leichte Kost – wenn auch nur in englischer Sprache und auch noch garniert mit deutschen Untertiteln, was das Publikum noch vor ziemliche Probleme stellt – genau das Richtige. Der witzige Streifen stammt vom jüdischen, deutschen Emigranten Henry Koster (Hermann Kosterlitz), der auf jeden Fall eine recht romantische Komödie abliefert und dabei mit einem Charles Laughton in einer Glanzrolle punkten kann. Die Story ist schlicht, aber ergreifend und durchaus gut erzählt. Um seinem schwerkranken Vater (Charles Laughton) eine letzte Freude zu machen, stellt der Millionärssohn Jonathan Reynolds jr. (Robert Cummings) dem Todgeweihten ein fremdes Mädchen (Deanna Durbin) als seine Braut vor, um ihm eine bevorstehende Hochzeit vorzugaukeln.

Kategorien
Komödie

Rendezvous nach Ladenschluss

Illustrierte Filmbühne Nr. 12  (E. S.) – Das Jahr 1947 ist auch in Frankfurt am Main geprägt von enormen Temperaturunterschieden. Im Januar und Februar hat eisige Kälte die ausgemergelten Menschen drangsaliert, im Sommer dagegen herrscht eine unbarmherzige Hitze, die Hundstage lassen Thermometer bis auf 38 Grad Celsius steigen. Die Straßen und Wege flirren im Sonnenlicht und die Kinder, die meist kein Schuhwerk haben, können barfuß kaum noch ihre Füße aufsetzen. Das Wetter der Nachkriegsjahre, in denen es ohnehin an allem fehlt, beutelt zusätzlich zu den Alltagsproblemen.

Rendezvous nach LadenschlussDie Schaufenster der Geschäfte in Deutschland sind immer noch leer, einiges wird weiter nur unter dem Ladentisch gehandelt, denn die Währungsreform kommt erst ein Jahr später. Ganz anders dagegen in einem Budapester Laden, in dem der tüchtige Alfred Kralik (James Stewart) und die junge Klara Novak (Margaret Sullavan) als Verkäufer arbeiten. Denn dort gibt es viele wohlfeile Leder-Geschenke und andere Accessoires im Überfluss – an diesen schönen Dingen erfreut sich wohl jeder, der sich im heißen Sommer in den Harmonie-Lichtspielen in stickig-warmer Luft den Film Rendezvous nach Ladenschluss ansieht.

Nach einem hintergründigen und auch turbulenten Versteckspiel mündet die Geschichte der so genannten „kleinen Leute” in einen romantischen Schluss. Kein wirklich großes Wunder, schließlich ist es ein Hollywood-Film, schließlich ist es Kino…