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Krimi

Das Testament des Dr. Mabuse

Der Thriller „Das Testament des Dr. Mabuse“ aus dem Jahr 1933 war in der Bundesrepublik Deutschland erstmals im August 1951 zu sehen, in Frankfurt am Main wurde der Film am 11. September 1951 im „Bieberbau” an der Hauptwache gestartet.

testament dr. Mabuse

Der große Regisseur Fritz Lang hatte diesen Kriminalreißer 1932/33 in einer deutschen und französischen Fassung geschaffen, doch wurden beide Versionen wegen der Parabel auf die Naziherrschaft in Nazi-Deutschland verboten. Der Bezug zum Faschismus ist unübersehbar. „Die Essenz dieses Films ist”, so schreibt ein Kritiker nach der Aufführung in Frankfurt, „dass ein Wahnsinniger Gesunde so unter seinen Einfluss bringen (kann), dass sie in seinem hypnotischen Auftrag Verbrechen begehen.” Und der Journalist fährt danach fort: „Propagandaminister Goebbels’ Köpfchen begriff, dass eine solche Essenz nicht unter die Leute kommen durfte.” Doch abgesehen von den politischen Aspekten „ist der Film ein spannend und suggestiv inszenierter Thriller von außergewöhnlich kreativer Gestaltung” wie es in einer weiteren Beurteilung heisst.

Fritz Lang indessen hatte das Thema schon lange vor 1933 fasziniert, denn der Regisseur hat bereits 1922 einem zweiteiligen Stummfilm mit dem Titel „Dr. Mabuse, der Spieler” geschaffen, aber mit dem Aufkommen des Tonfilms ließ sich die Gestalt des ”genialen Verbrechers” noch dramatischer darstellen. So entstand die Geschichte eines Mannes, der zwar schon seit langem in einer psychiatrischen Heilanstalt lebt, aber mit Hilfe eines von ihm beeinflussten und manipulierten Arztes Angst und Entsetzen in der Welt verbreiten kann.

Die Beschreibung in der „Illustrierten Filmbühne Nr. 1237 von 1951 nimmt keinerlei Bezug auf die politische Brisanz des Films und schildert nur die kriminellen Machenschaften Mabuses und seines „Erben”. Im Detail heisst es dort in dürren Worten und holprigen Deutsch:

„Der Psychiater und Besitzer einer Nervenklinik, Professor Baum, hält Vorlesung über sein Lieblingsthema, über das Gehirn des ehemaligen Hypnotiseurs und späteren Falschmünzers Dr. Mabuse, der jetzt als unheilbar Wahnsinniger in seiner Anstalt lebt. Dr. Mabuse schreibt in seiner Krankheit Anweisungen für Verbrechen, die völlig sinnlos auf Zerrüttung der menschlichen Gesellschaft ausgehen. Diese Verbrechen werden ausgeführt durch seine Helfershelfer, deren Chef Professor Baum ist, der völlig unter dem Einfluss des Wahnsinnigen handelt.

Die Polizei steht machtlos vor den für sie rätselhaften Verbrechen, bis eines Tages ein heruntergekommener Assistent, der sich rehabilitieren will, Entdeckungen macht und den Namen Dr. Mabuse seinem früheren Chef Lohmann mitteilen kann. Als man nach Dr. Mabuse forscht, muss man feststellen, dass er inzwischen gestorben ist, ohne dass aber die Verbrechen aufhörten. Kent, ein Mitglied der Bande, will nicht mehr mitmachen, obwohl er weiß, dass dies seinen Tod bedeuten würde. Es gelingt ihm, trotz größter Lebensgefahr, die Polizei zu benachrichtigen, die inzwischen von sich aus auch Spuren zu anderen Mitgliedern der Bande gefunden hat.

Als man Professor Baum als Haupt der Verbrecher verhaften will, hat er bereits zu einem Anschlag auf die Chemischen Werke ausgeholt, deren Sprengung das Leben der ganzen Stadt vernichten würde. Es gelingt im letzten Augenblick, größeren Schaden zu verhüten. Baum ist, von der Polizei verfolgt, in seine Klinik geflüchtet. Kommissar Lohmann findet ihn, wahnsinnig geworden, auf dem einstigen Bett Dr. Mabuses sitzend, bei der Vernichtung der Schriften Dr. Mabuses…”

Daten zum Film

Das Testament des Dr. Mabuse (Illustrierte Filmbühne Nr. 1237) ist eine Literaturverfilmung aus dem Jahr 1932. Der Streifen (Nero-Film) im Erstverleih der Constantin nach einem von Regisseur Fritz Lang angeregten Roman von Norbert Jaques ist ein ScienceFiction-Thriller aus Deutschland und hat eine Länge von 122 Minuten; er wurde gleichzeitig in einer deutschen und französischen Fassung produziert. Regie führt Fritz Lang.

Unter seiner Leitung spielen Rudolf Klein-Rogge (als Dr. Mabuse), Oscar Beregi (als Professor Braun, Leiter einer Nervenklinik), Theodor Loos (als Brauns Assistent Dr. Kramm), Otto Wernicke (als Kriminalkommissar Lohmann), Klaus Pohl (als Kriminalassistent Müller), Wera Liessem (als Lilli), Karl Meixner (als Hofmeister), Camilla Spira (als Juwelen-Anna), Theo Lingen (als Karetzky), Paul Henckels (als Litograph), Gustav Diessl (als Kent), Rudolf Schündler (als Hardy), Karl Meixner (als Hofmeister). Das Drehbuch stammt von Thea von Harbou, an der Kamera stehen Fritz Arno Wagner und Karl Vash, die Musik komponiert Hans Erdmann. – Begleitheft zum Film: Illustrierte Filmbühne Nr. 1237.

Weltpremiere der französischen Fassung am 12. April 1933 in Paris, in Österreich am 12. Mai 1933 gestartet, westdeutsche Erstaufführung am 24. August 1951, in Frankfurt ab 11. September 1951 im Bieberbau zu sehen.

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Krimi

Entgleist

Illustrierte Filmbühne Nr. 1085 (E. S.) – Der Titel des Films „Entgleist“, der Anfang April 1951 im Frankfurter Roxy anläuft, ist doppeldeutig. Nicht nur ein Eisenbahnzug entgleist und bringt Leid über die Passagiere, sondern auch die Hauptfigur Helen Ferguson selbst – ohnehin schon mit diversen Problemen konfrontiert – wird aus ihrer Lebensbahn geworfen. 

EntgleistDas ist sechs Jahre nach Ende des Krieges in Deutschland – das tägliche Leben ist immer noch von manchen Mühen gekennzeichnet –, als Film nicht außergewöhnlich dramatisch, aber doch ähnlich dem, was manche Zuschauer selbst als eigene Schicksalsschläge haben verkraften müssen. Und aus diesem eigenem Erleben lässt sich manches besser verstehen. So auch bei diesem Drama, in dem Helen Ferguson (Barbara Stanwyck) – von ihrem brutalen Geliebten Stephan Morle (Lyle Bettger) im schwangeren Zustand verlassen und brutal gedemütigt –, im Zug die ebenfalls schwangere Patricia Harkness (Phyllis Thaxter) kennen lernt. Die junge Frau ist mit ihrem Mann Hugh (Richard Denning) auf der Reise zu dessen Familie. Helen Ferguson probiert gerade spaßeshalber den Ehering der anderen, als es zu einer Zugkatastrophe mit vielen Toten kommt. Wegen des Ringes an ihrem Finger wird sie für Patricia Harkness gehalten, die aber in Wirklichkeit mit ihrem Mann um’s Leben gekommen ist. Für Helen ergibt sich nun die Möglichkeit, mit der Identität von Patricia zu leben. Das wird begünstigt, weil niemand in der Familie Patricia Harkness zuvor gesehen hat.

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Heimatland Krimi

Grenzstation 58

Illustrierte Filmbühne Nr. 1078 (E. S.) – 1950 hat das Schmuggel-Geschäft in Mitteleuropa Hochkonjunktur. Nach einer Recherche der Hamburger Wochenschrift „Die Zeit” gehen der Bundesrepublik Anfang der Fünfziger Jahre jährlich rund 800 Millionen Deutsche Mark an Zöllen und Steuern verloren. Der Hauptanteil davon geht auf Kaffee- und Zigaretten-Schmuggel zurück, ein Rest (etwa ein Achtel) entfällt auf illegale Einfuhr von Tee, Schokolade und Nylonstrümpfe.

Grenzstation 58Das hat seine Gründe. Die Preise in den verschiedenen Staaten sind extrem unterschiedlich, Zölle und Steuern gerade in Deutschland exorbitant hoch. In der Bundesrepublik müssen immerhin 46 Prozent des Zigarettenpreises an den Fiskus abgeführt werden; auf jedem Kilo Kaffee liegen 10 Mark Steuer, auf einem Kilo Tee sogar 15 Mark. Und besonders der Schmuggel an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Belgien nimmt Besorgnis erregende Formen an, aber auch in den Alpen werden zwischen Italien, der Schweiz, Österreich und Bayern kiloweise Waren über die gefährlichen Saumpfade der Berge geschleppt. Kein Wunder, dass sich auch die Filmemacher auf das brisante Thema stürzen. Grenzstation 58 ist ein Beispiel dafür. Die Zöllner und Grenzbeamten an der Grenze zwischen Bayern und Tirol werden in dem Film von einer raffinierten Bande in Atem gehalten, wobei Grenzjäger Reitlechner (Heinz Engelmann) und seine Kollegen fast immer auf verlorenem Posten stehen. Die Menschen im Dorf – fast alle direkt oder indirekt verbandelt mit den Schmugglern und deshalb fast alle auch ein wenig korrupt –, lachen sich über die erfolglosen Einsätze der Staatsdiener in’s Fäustchen.

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Krimi

Das unheimliche Haus

Illustrierte Filmbühne Nr. 1071 (E. S.) – Noch ehe die Romane von Georges Simenon mit der Figur des Pariser Kriminalkommissars Maigret in den Fünfziger Jahren durch den Verlag „Kiepenheuer & Witsch” in der Bundesrepublik Deutschland zum großen Verkaufserfolg werden, gibt es einen französischen Film zu sehen, der ebenfalls auf einer Vorlage des belgischen Autors beruht: Das unheimliche Haus.

Das unheimliche HausMit diesem Film, der in Frankfurt am Main erstmals am 14. August 1951 im Roxy zu sehen ist, hat es freilich eine besondere Bewandtnis. Der Streifen ist nämlich während der Besetzung Frankreichs im Jahr 1941 von der Firma „Continental” hergestellt worden, einer eigens vom deutschen Propagandaminister Joseph Goebbels gegründeten Firma für subtile Unterwanderung der französischen Bevölkerung. Zwar ist die dem Film zugrunde liegende Fassung „Les inconnus dans la maison” unverfänglich, doch werden dem Kriminal- und Gerichtsfilm einige antisemitische Tendenzen beigemischt, was dann nach der Befreiung  1944 zum Verbot des Films in Frankreich führt. Weil die „Continental” in weiteren Filmen auf Werke von Simenon zurückgegriffen hat, wird der Autor nach dem Krieg von der Widerstandsbewegung heftig angegriffen.

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Krimi

Späte Sühne

Illustrierte Filmbühne Nr. 1065 (E. S.) – Der Kriminalfilm Späte Sühne, viel besser einzuordnen als ein Streifen der so genannten Schwarzen Serie (Film Noir), bietet eine überaus spannende Handlung, knappe Dialoge, Milieuschilderungen von lebendiger Echtheit und in Humphrey Bogart einen Schauspieler von Format.

Als ich den Film Anfang Januar 1952 im Frankfurter „Roxy” sehe, werde ich an zwei andere Filme erinnert, in denen Humphrey Bogart die Hauptrolle spielt. „Der Malteser Falke” und „Tote schlafen fest”. Bogart wandelt als ehemaliger Offizier und Fallschirmspringer in Späte Sühne den Typ der Privatdetektive Sam Spade aus „Der Malteser Falke” und Philipp Marlowe aus „Tote schlafen fest” nur geringfügig ab. Die Handlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, ist natürlich anders angelegt, was teilweise auch eine anderes Herangehe erfordert. Allerdings zeichnet sich der Film (leider) auch durch einige überaus brutale Szenen aus, und der weibliche Co-Star Lizabeth Scott erreicht nie das Niveau von Mary Astor (Der Malteser Falke) oder Lauren Bacall (Tote schlafen fest), so dass ihre Rolle als gerissene Verbrecherin, die am Schluss bei einem Autounfall um’s Leben kommt, insgesamt wenig glaubhaft wirkt.

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Krieg Krimi

Tokio Joe

Illustrierte Filmbühne Nr. 996 (E. S.) – Ein Mann namens Tokio Joe wird in dem aufgewühlten Japan der Nachkriegszeit in die Tragödie einer Ehe und in die Machenschaften skrupelloser Elemente verwickelt, die in der Atmosphäre nach dem Ende des Krieges ihren kriminellen und politischen Geschäften nachgehen. Ein Film, der am 22. Mai 1951 im Filmpalast seine Frankfurter Erstaufführung erlebt.

Tokio-JoeDie Nachkriegsjahre unter amerikanischer Besatzung sind in Japan  turbulent – ähnlich wie auch in Deutschland. Schmuggler und Schieber machen im Land der aufgehenden Sonne ihre zweifelhaften Geschäfte. Das wird begünstigt, weil die Menschen im Land nach den verheerenden amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten tief verunsichert und verängstigt sind. Gleichwohl wird in dem Film einer eher menschliche, private Tragödie im Umfeld politisch-krimineller Elemente thematisiert. So entsteht ein gravierender Gegensatz zwischen dem harten Realismus des Milieus und der romanhaft überladenen Handlung, in der Pflichterfüllung und Liebe sich immer wieder gegenüberstehen. In der fiebrigen Atmosphäre des Films fehlen zwar auch kleine Seitenhiebe auf Militärbürokratie und Geheimdienst nicht, doch in erster Linie ist das Ganze ein Starporträt für Humphrey Bogart geworden, der diesen Film mit seiner Produktionsgesellschaft „Santana“ verwirklicht. Gleichwohl ist er am Ende nicht der strahlende Held, sondern als völlig desillusionierter Mann zum Scheitern verurteilt, den Opfertod mit eingeschlossen.

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Heimatland Krimi

Duell in den Bergen

Illustrierte Filmbühne Nr. 928 (E. S.) – Als ich kurz vor Weihnachten 1951 in den Astra-Lichtspielen im Frankfurter Gallusviertel den Film Duell in den Bergen (mit Luis Trenker und Marianne Hold) sehe, erlebte ich ein Bergdrama rund um das imaginäre Dolomiten-Dorf Valleverde. Zwei Zollbeamte werden dabei von Schmugglern erschossen. Ein krimineller Bergsteiger, der mit den üblen Gesellen zu tun hat, wird „umgedreht” und soll nun helfen, die bösen Buben zu schnappen – und deshalb kommt es hoch oben in den Dolomiten zum entscheidenden, letzten Kampf…

Duell in den BergenDer Namen Luis Trenker sagt mir nichts, als ich den Film sehe, der auch unter dem Titel Schmugglerkönig der Dolomiten erschienen ist. Erst später erfahre ich einiges über seine Rolle in den Jahren von 1933 bis 1945, in denen der gelernte Architekt, Bergsteiger, Bücherschreiber und Filmemacher sich bei den Nazis angebiedert hat, was wohl vor allem daran liegt, dass Trenkers Sicht der Bergwelt, seine Auffassung von Kameradschaft oder sein „Gemeinschaftssinn“ weitgehend mit dem Gedankengut der Nazis korrespondiert. Viele Kritiker sehen in ihm allerdings nicht nur einen opportunistischen „Mitläufer“, sondern einen Nutznießer des Regimes, obwohl er zeitweise bei den Mächtigen des Dritten Reiches in Ungnade gefallen ist. Doch über seine politische Vergangenheit ist anderswo genaueres zu erfahren… Luis Trenker kann jedenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nicht sofort wieder Fuss fassen – im Gegensatz zu vielen anderen Filmschaffenden, die nahtlos aus der Ufa-Zeit in den deutschen Nachkriegsfilm herüber geschwappt sind.

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Krimi

Asphaltdschungel

Illustrierte Filmbühne Nr. 889 (E. S.) – Am 28. April des Jahres 1950 erscheint in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ eine 30 Zeilen lange Besprechung des Films Asphaltdschungel. Das ist nichts Außergewöhnliches, denn jede Woche gibt es mehrere Kritiken zu neuen Filmen in den Kinos der großen Stadt. Doch ungewöhnlich ist – allerdings nur im Rückblick auf die Vergangenheit – , dass zwar die Darsteller Sterling Hayden, Jean Hagen, Sam Jaffe, Louis Calhern und andere für ihre Arbeit über den grünen Klee gelobt werden, über eine gewisse Marylin Monroe jedoch kein Wort verloren wird.

AsphaltdschungelDas ist auch keineswegs erstaunlich. Die junge Monroe, auch hier als naive Blonde eingesetzt, ist nur in drei Szenen zu sehen, zusammen gerechnet dauert ihre Anwesenheit auf der Leinwand nicht mehr als fünf Minuten. Sie ist nur eine Nebendarstellerin und noch weit entfernt vom großen Ruhm späterer Jahre. Gleichwohl wird sie später einmal sagen, dass dieser Film einer ihrer besten Darbietungen enthalte. Tatsächlich wirkt die Monroe in den wenigen Szenen mehr als präsent. Ohnehin ist es ja nicht das Anliegen von John Huston, einen Star zu lancieren. Dem Regisseur fasziniert vielmehr der Stoff, der auf einem Roman von W. R. Burnett beruht. Erzählt wird darin das Drama eines zwar gelungenen, aber bei der Verteilung der Beute doch gescheiterten Juwelenraubes und die Zerwürfnisse unter den beteiligten Gangstern. Der Film prägt sich dabei tiefer in das Gedächtnis ein als es sonst Kriminalreißer tun. Das hat gute Gründe, weil alles aus der Sicht der beteiligten Gangster beleuchtet wird.

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Krimi

Der Fall Rabanser

Illustrierte Filmbühne Nr. 883 (E. S.) – Am 17. Januar 1950 wird auf das bekannte US-Geldtransportunternehmen Brink’s in Boston ein brutaler Raubüberfall verübt, bei dem elf bewaffnete Männer immerhin über 1.2 Millionen US-Dollar an Bargeld und über 1,5 Millionen US-Dollar in Schecks, Zahlungsanweisungen und anderen Wertpapieren erbeuten. Es ist der bis dahin größte bewaffnete Raubüberfall in den Vereinigten Staaten.  

RabanserEs könnte durchaus sein, dass dieses dreiste Bubenstück Pate gestanden hat beim Film Der Fall Rabanser, den die „Junge Film-Union“ im Frühjahr 1950 in Bendestorf bei Hamburg belichtet. Aus zeitlichen (und inhaltlichen) Gründen ist es denkbar, denn auch in dem Streifen von Kurt Hoffmann, der am 19. September 1950 in den Kölner Hahnentor-Lichtspielen seine deutsche Uraufführung erlebt, wird ein Raubüberfall auf Geldtransporteure durchgeführt, wobei – zugeschnitten auf deutsche Verhältnisse – freilich „nur“ eine halbe Million DM geraubt werden. Allerdings werden dabei zwei Kassenboten kaltherzig erschossen. In Verdacht kommt schnell der Reporter Peter Rabanser (Hans Söhnker), der gerade an einem Tatsachenbericht unter dem Titel „Ich raubte eine halbe Million“ arbeitet, in dem er ein solches Verbrechen ziemlich genau und exakt beschreibt.

Ist Peter Rabanser also der Strippenzieher; ist er sogar der Mörder? Fragen über Fragen! Das wäre beim sympathischen Rabanser natürlich zu einfach, und niemand will es so recht glauben, zumal eher Rabansers Bruder Georg (Paul Dahlke) Grund für einen solchen Raubzug hat, schließlich ist er bis über beide Ohren verschuldet. Auch im Nachtlokal von Baronin Felten (Ilse Steppat), in dem sich allabendlich „mehr als zweihundert Jahre Gefängnis versammeln“, gibt es einige Verdächtige.

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Krimi

Die schwarze Natter

Illustrierte Filmbühne Nr. 862  (E. S.) – Im Jahr 1950 jagt immer noch eine Filmpremiere die andere; überall in Westdeutschland eröffnen Lichtspielhäuser aller Größenordnungen ihre Pforten. Besonders amerikanische Filme überschwemmen das Land. So wird auch am 29. September erstmals der Warner-Streifen Die schwarze Natter gezeigt. Doch vier Tage vorher geschieht – weitgehend jedoch unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – etwas, das die Kinolandschaft bald entscheidend verändern wird.

Schwarze NatterNoch ahnt zwar niemand von den vielen Kinobesitzern oder -pächtern wirklich Schlimmes, doch als der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) in einem ehemaligen Bunker in Hamburg zur Probe den ersten Fernsehsender in Betrieb nimmt – die regulären Sendungen beginnen allerdings erst Ende 1952 –, werden bereits die Weichen für die tiefe Krise der Branche gestellt. Von all dem haben wir – eine kleine Gruppe von Kino-Enthusiasten – jedoch keine Ahnung, als wir uns zum spontanen Besuch des Kriminalfilms Die schwarze Natter entschließen. Denn Fernsehen liegt für uns noch außerhalb jeder Betrachtung und interessiert uns auch nicht. Wir sind vielmehr gespannt auf das Geschehen im Film, von dem uns in den Zeitungsinseraten 110 Minuten Spannung pur versprochen werden. Der Film ist tatsächlich interessant, aber in einer Hinsicht doch auch enttäuschend. Wir gehen ins Kino, um Bogart zu erleben, werden aber lange mit einer unwirklichen Gestalt konfrontiert, die nur in Umrissen zu sehen ist und die Umgebung nur aus ihrer eigenen Perspektive wahrnimmt.

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Krimi

Frau ohne Gewissen

Illustrierte Filmbühne Nr. 690 (E. S.) – Kriminalität existiert in vielen Facetten. Raub, Diebstahl, Betrug, Mord, Korruption – und das sowohl in der Wirklichkeit wie auch im Kino. Auf der Realität beruht jedenfalls eine Meldung von Ende September 1950, der zufolge ein gewisser William O’Brien, Polizeidirektor von New York, zurücktreten muss, weil einige seiner korrupten Beamten der Dienststelle Bestechungsgelder in Millionenhöhe kassiert haben; erfunden ist dagegen der Film Frau ohne Gewissen, der allerdings durchaus auch der Wirklichkeit entsprungen sein könnte.

Frau ohne GewissenIm wahren Leben hat die Jagd nach dem großen Geld schon immer viele schwach werden lassen wie der Bestechungsfall von New York zeigt. Gleiches wird von den Film-Traumfabriken in Hollywood angeboten, doch dort begnügt man sich in der Regel nicht mit Bestechung oder Diebstahl. Mord und Totschlag sind die bevorzugten Themen wie auch Frau ohne Gewissen zeigt. Eine skrupellose Frau, ein Mann, der sich aus falsch verstandener Liebe in einen Mord verstricken lässt und ein väterlicher Versicherungschef bilden die Zutaten zu diesem Film, den ich im September 1950 – passend zu der aktuellen Meldung über die New Yorker Bestechungsaffäre – im Frankfurter Kino Roxy zu sehen bekomme. Schlichte Bestechung spielt in dem Streifen von Paramount freilich keine Rolle; es geht zunächst nur um Versicherungsbetrug und endet schließlich mit Mord in übelster Form.

Phyllis Dietrichson zieht in diesem „Tanz um das Goldene Kalb“ die Fäden. Der Film wird als lange Rückblende gezeigt. Der eigentlich biedere und harmlose Walter Neff (Fred MacMurray), ein Durchschnittsbürger und Versicherungsmensch, spricht gleich zu Beginn – von einer schweren Schussverletzung gezeichnet – ein umfangreiches Geständnis auf Tonband. Es ist eine Beichte für seinen Freund und Vorgesetzten Barton Keyes (Edward G. Robinson).

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Krimi

Export in Blond

Illustrierte Filmbühne Nr. 652 (E. S.) – In der Großen Friedberger Straße in Frankfurt am Main, nur wenige Meter von der Konstabler Wache entfernt, steht das Kino „Filmpalast“ mit sage und schreibe 1500 Plätzen. Das Kino ist ein  sehr beliebter Ort, wenn neue Filme anzuschauen sind. Doch der im November 1950 als Sensationsfilm annoncierte Krimi Export in Blond entpuppt sich als eine eher enttäuschende Erfahrung.

Export-in-BlondDie Besetzung lockt. Immerhin sind René Deltgen (als Kidnapper Frank Olman), Albrecht Schoenhals (als Bandenoberhaupt Gorla), Peter van Eyck (als Artist Peter Carste) mit von der Partie. Allerdings ist die weibliche Hauptdarstellerin dem Publikum weitgehend unbekannt. Die junge Catja Görna – sie spielt im Film die blonde Tänzerin Iris – wird jedoch in der Klatsch-Postille „Filmrevue” als die Ehefrau des Regisseurs Eugen York vorgestellt. Trotz gemeinsamer Bemühungen der Darsteller bleibt der Film schablonenhaft und anscheinend weit von jeder Realität entfernt. Denn ausgerechnet die Tochter des Mädchenhändlers Gorla wird zum Opfer einer Entführung und ins weit entfernte Rio de Janeiro verschifft. Obwohl der Film wegen seiner unrealistischen Machart nicht gefällt, schreibt das wirkliche Leben durchaus ähnliche Geschichten. Am 20. September des Jahres berichten viele Tageszeitungen, dass es der französischen Polizei gelungen ist, nach einer Hetzjagd durch ganz Frankreich eine international operierende Mädchenhändler-Bande dingfest zu machen. Die Gangster haben in Marseille eine Kellnerin entführt, um sie mit einem Schiff  von Dünkirchen aus in den Fernen Osten zu bringen.

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Krimi

Null Uhr 15, Zimmer 9

Illustrierte Filmbühne Nr.  614  (E. S.) – Am 15. August des Jahres 1949, rund drei Monate nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, steht eine Meldung im Bremer „Weser-Kurier”, dann folgen Berichte auch in anderen deutschen Zeitungen, darunter auch in den Frankfurter Blättern: Die Polizei sucht bundesweit einen Geldfälscher, der mit einem Komplizen 20-DM-Noten im Wert von immerhin 70 000 Mark gedruckt haben soll  und die Falsifikate nun unter die Leute zu bringen sucht. 

Null UhrDas ist freilich kein Einzelfall. Nur ein Jahr nach der Währungsreform von 1948 sind alleine nach Angaben der zuständigen Falschgeld-Dezernate in der Bundesrepublik Deutschland schon weit über 150 000 von nachgemachten Scheinen entdeckt worden. Diese Tatsache mitsamt Berichterstattung darüber, animiert auch die Filmemacher, sich dieses heißen Themas anzunehmen. So entsteht im Atelier Tempelhof bei der „Comedia-Film” in Berlin der Streifen Null Uhr 15, Zimmer 9 und es kommt ein Kriminalfilm der besseren Sorte heraus – was nicht bei allen deutschen Krimi-Filmversuchen der Nachkriegszeit der Fall ist. Die Handlung um eine weltweit operierende Dollarfälscher-Bande spielt sich im Jahr 1949 in einer deutschen Großstadt ab, Schauplatz ist das Hotel Leutner auf einem Pferderennplatz, in dem sich Betrüger und Hochstapler in der Maske von Biedermännern ein Stelldichein geben und dabei auch vor Mordplänen nicht zurückschrecken.

Das Interessante ist für mich, dass die Ereignisse deckungsgleich mit dem Zeitmuster des Filmes ablaufen. Das habe ich bis dahin noch nicht erlebt. Die Filmhandlung beginnt um 22,45 Uhr und endet um 0 Uhr 15, also nach 90 Minuten, was auch der tatsächlichen Filmlänge entspricht. Die Kino-Besucher werden durch eine eingeblendete Uhr im Film über den Stand der Dinge informiert. Das ist gute, spannende Unterhaltung.

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Krimi

Konflikt

Illustrierte Filmbühne Nr. 606 (E. S.) – Die Trennung von Ehepartnern wird in der Regel durch eine vom Gericht ausgesprochene Scheidung vorgenommen. 1950 stehen in der Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel einer halben Million Eheschließungen rund 75.000 Trennungen gegenüber, was in etwa 14 Prozent ausmacht. Doch sowohl aus „moralischen” als auch finanziellen Gründen und wegen der immer wieder schwierigen „Schuldfrage” bleiben viele Paare doch zusammen. 

KonfliktVor allem engstirnige Moralapostel spielen in dieser Zeit – hierzulande, aber natürlich auch anderswo – eine wichtige Rolle. So löst nach Zeitungsberichten aus den USA sogar die eher belanglose Nachricht, dass die Schauspielerin Ingrid Bergman einen Sohn zur Welt gebracht hat, helle Entrüstung unter den Sittenwächtern aus. Denn Vater des Kindes ist nicht Bergmans Ehemann Petter Lindström, sondern der Italiener Roberto Rosselini. Mit dem Regisseur lebt die Schwedin schon seit der gemeinsamen Arbeit an dem Film „Stromboli” im Jahr 1949 zusammen. Unter dem einengenden Druck solcher Moralbegriffe versucht mancher Scheidungswillige das Problem einer Trennung auf ganz individuelle Weise zu lösen. Der Film Konflikt aus den USA veranschaulicht das eindrucksvoll. Ein völlig frustrierter Ehemann ermordet seine ungeliebte Frau. Der Grund dafür ist  sehr banal und in einer bürgerlichen Gesellschaftsschicht angesiedelt, in der Konflikte ohnehin immer eher unter der Oberfläche vor sich schwelen.

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Krimi

Reise nach Marrakesch

Illustrierte Filmbühne Nr. 495  (E. S.)  – Ferienreisen in ferne Länder bilden für die Mehrheit der Westdeutschen im Jahr 1949 immer noch die Ausnahme. Das Geld wird nur selten in einen solchen Urlaub investiert, weil andere Anschaffungen Vorrang haben. Auch die geltenden, straffen Devisenbestimmungen sind hinderlich für den Tourismus. Träumen ist allerdings erlaubt und in einigen Filmen dieser Zeit spielen exotische Kulissen zunehmend eine zentrale Rolle. So auch in Die Reise nach Marrakesch, die ein bisschen wie eine Lobbyarbeit für die sich etablierende Reisebranche wirkt… 

Reise-nach-MarrakeschAm 23. Dezember des Jahres 1949 veröffentlicht die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” eine Notiz, in der es heisst, der Film sei bei der Premiere vor geladenen Gäste in München ausgepfiffen worden. Völlig unmotiviertes Gelächter habe die Vorführung stark beeinträchtigt. Ein Herr Alfred Dahlmann, der Kritiker der „Süddeutschen Zeitung”, wird mit den vernichtenden Worten zitiert, dies sei der schlechteste Film gewesen, den er je gesehen habe. Regisseur Richard Eichberg dagegen mag das alles nicht so recht wahrhaben und vermutet eine „gezielte Störung.”

Außer in München wird der Film zeitgleich auch in Frankfurt bei der Eröffnung des aufgebauten Metro im Schwan nahe der Hauptwache gezeigt  und die Werbung in den Frankfurter Zeitungen lässt sich nicht lumpen: „Der erste deutsche Nachkriegsfilm mit Außenaufnahmen in Nordafrika”.

Das Kino im Steinweg gehört den Brüdern Friedrich und Hellmut Wollenberg, bietet sage und schreibe 1200 Besuchern Platz und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Zuletzt firmierte es als „Ufa-Theater im Schwan”, ehe es bei einem dreitägigen Bombenhagel im März 1944 unterging.

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Krimi Nachkrieg

Arlberg-Express

Illustrierte Filmbühne Nr. 325  (E. S.) – Dieser Film gilt vielen Filmfreunden gewissermaßen als Ausrutscher in der Alpenrepublik. Entgegen aller Wiener Operetten- und Walzerseligkeit, des üblichen wohlgefälligen Monarchen-Rummels und diverser Heimatschnulzen flimmert mit Arlberg-Express ein an vielen angelsächsischen Vorbildern orientierter Thriller über die Leinwand. Gewiss nicht so perfekt und gekonnt wie die Vorbilder, aber immerhin…

Arlberg-ExpressDer ungewöhnliche Film handelt von dem Musiker Hans Leitner (Paul Hubschmid), der nach seiner Soldatenzeit und der daraus resultierenden Gefangenschaft in die Hauptstadt zurückgekehrt ist, dort aber in seinem Beruf keine Arbeit findet, zumal er in dieser schwierigen Zeit in Wien weder ein Musikinstrument noch die zwingend notwendige Kleidung auftreiben kann. Es ist die Situation, die fast alle Menschen nach dem Ende des Krieges betrifft und die auch die Kinobesucher zur Genüge kennen. Und daraus rühren auch viele Verlockungen, um an vermeintlich leichtes Geld zu kommen. Auch Leitner ist davor nicht gefeit.

Als ihm ein aus dem Zugfenster geworfener Koffer voller Juwelen vor die Füße fällt, erliegt er der Versuchung, sich an der Fundsache zu bereichern, ohne dabei freilich zu ahnen, dass er damit in den Dunstkreis einer international operierenden Schmugglerbande gerät. Die Situation wird ziemlich haarig für ihn, doch mit Hilfe einer jungen Frau (Elfi Gerhart) – er ist selbstverständlich verliebt in sie – versucht er mit dem Arlberg-Express ins Ausland zu entkommen…

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Krimi Melodram

Martin Roumagnac

Illustrierte Filmbühne Nr. 263  (E. S.) – Die Hansa-Lichtspiele in der Friedrich Ebert-Straße, wie die alte Kaiserstraße nach dem Krieg von 1947 bis zum 12. Mai 1955 in Frankfurt am Main offiziell bezeichnet wird  – eine Umbenennung, die der Neuordnung nach dem Krieg geschuldet ist, in der Bevölkerung aber wenig beliebt ist –, machen 1948 in einer Werbeanzeige darauf aufmerksam, dass „das Theater gut geheizt” ist, eine keineswegs absurde Einlassung der Kinobesitzer.

Martin RoumanacDer wertvolle Hinweis auf ein warmes Plätzchen ist der Tatsache geschuldet, dass die Winter in den Nachkriegsjahren bitterkalt sind in Frankfurt am Main und auch Heizmaterial trotz der bereits durchgeführten Währungsreform noch immer Mangelware ist. Außerdem steht Weihnachten vor der Tür. Gezeigt wird an den Feiertagen der französische Film Martin Roumagnac. Die Hauptdarsteller in dem Melodram sind Marlene Dietrich und Jean Gabin. In Tageszeitungen wird berichtet, Jean Gabin habe nach sieben Jahren Abwesenheit  aus Frankreich – er war vorübergehend (relativ erfolglos) in Hollywood und danach in der französischen Armee tätig – erstmals wieder einen Film in seinem Heimatland Frankreich gedreht, Marlene Dietrich dagegen steht nach dem Kriegsende erstmals wieder in Europa vor der Kamera. Es ist also durchaus eine filmische Attraktion. Über die Handlung des Films ist allerdings doch nicht so arg viel übrig geblieben.

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Krimi Nachkrieg

Razzia

Illustrierte Filmbühne Nr. 231 (E. S.) – Nach „Die Mörder sind unter uns”, „Freies Land”, „Irgendwo in Berlin” und „Kein Platz für Liebe” produziert die DEFA in Berlin mit Razzia ihren fünften Spielfilm und zugleich den ersten Krimi. Er wird in den Straßen der zerstörten Stadt an Originalschauplätzen gedreht, darunter auch am Brandenburger Tor, Reichstag, und der Siegessäule; es geht um  kriminelle Schwarzmarkt- und Schiebergeschäfte. Das realistische Nachkriegsgemälde wird finanziell zu einem der erfolgreichsten DEFA-Filme.

RazziaDie deutsche Uraufführung des Films ist am 2. Mai 1947 in der Deutschen Staatsoper in Berlin, später wird der Streifen auch in den Westzonen und in Frankfurt gezeigt, wo ihn der Autor zu sehen bekommt. Razzia gehört zu jenen typischen Nachkriegsfilmen, die sich einerseits durchaus auf realistische Gegebenheiten beziehen, und dazu auch die Kulissen einer zerstörten, geschundenen Weltstadt benutzen, sich aber gleichwohl auch ein wenig darin gefallen, mit erhobenen Zeigefinger zu agieren. Immerhin ist dieser Nachkriegskrimi überaus spannend erzählt, lässt die Emotionen hochkochen und ist in vielerlei Hinsicht sehr aufschlussreich. Er berichtet in eindrucksvollen Bildern von der wirren Nachkriegszeit in der politisch und auch militärisch aufgeteilten Stadt der Siegermächte, in der sich zwischen Armut und ersten Amüsierbetrieben, zwischen neuem Reichtum und armseligen Behausungen die Spekulanten und Kriminellen tummeln.

Die Versorgung der Bevölkerung ist schwierig, das macht spült den Schiebern Geld in die Kassen. Mehl und Fett sind äusserst knapp.In Bayern wird das Bierbrauen untersagt, damit genügend Getreide zum Brotbacken vorhanden ist. Um den Fettbedarf zu decken, sammeln die Menschen Bucheckern. Kein Wunder, dass überall der Schwarzmarkt blüht.

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Krimi

Achtung: Grün

Illustrierte Filmbühne Nr. 179  (E. S.) – Im Sachsenhäuser Wall-Kino von Herrn Kilian läuft Ende August 1948 der englische Kriegskrimi Achtung: Grün. Der Film ist Anfang des Jahres in der britischen Besatzungszone als deutsche Erstaufführung gezeigt worden. Das mysteriöse Geschehen spielt sich im Mediziner-Milieu ab.

Achtung GrünInteressanter als der Film ist eine neue Bestandsaufnahme der Kino-Situation in Frankfurt. Bei einem Blick in die diversen Kinoanzeigen der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” – etwa drei Jahre nach dem Kriegsende und zwei Monate nach der Währungsreform – wird Schwarz auf Weiß dokumentiert, dass zu dieser Zeit bereits schon wieder 24 Kinos Vorstellungen geben, die meisten davon freilich in den Vororten oder den Stadtteilen. Im stark zerstörten Zentrum der Stadt arbeiten bisher nur das ganz neue Luxor am Hauptbahnhof, die Scala am Rande zum Nordend sowie der Bieberbau direkt an der Hauptwache. Am Eden wird derweil letzte Handwerker-Hand vor der Eröffnung angelegt. Es fällt auf, dass dem Publikum überwiegend deutsche Filme angeboten werden, die meisten davon noch aus der Produktion von vor 1945. In 17 von den 24 Kinos der Stadt Frankfurt laufen solche Streifen – darunter allein viermal „Die Frau meiner Träume” mit Marika Rökk, zweimal „Der Herr vom anderen Stern” mit Heinz Rühmann.

Die sieben ausländischen Filme dagegen kommen fast alle aus England; nur ein einziger US-Streifen flimmert in diesen Tagen über die Leinwand. Das ist das Alkoholiker-Drama „Das verlorene Wochenende” in der Harmonie, unweit der Wall-Lichtspiele.

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Krimi

Die Nacht der Zwölf

Illustrierte Filmbühne Nr. 175  (E. S.) – Im „Eden” in der Lange Straße, das vor noch nicht einmal zwei Monaten am Tor zum Frankfurter Ostend eröffnet worden ist, läuft Anfang Januar 1949 in Erstaufführung der Kriminalfilm Die Nacht der Zwölf. Es geht darin um Leopold Lanski, einen Betrüger und Heiratsschwindler, der – um seinen aufwendigen Lebensstil aufrecht erhalten zu können – zum Raubmörder wird.

Nacht der 12Dieses brisante Thema scheint sehr genau in die Nachkriegszeit zu passen, wirft aber auch einige Fragen auf. Die Jahre nach dem Krieg sind geprägt von Schiebern Schwarzhändlern und Glücksrittern – und da passt durchaus auch ein Heiratsschwindler gut ins Bild. Der Film ist durchaus spannend, hat aber für Zuschauer nur schwer erkennbare Fallstricke, denn irgendwann erfahre ich, dass die Handlung des Films auf einem Kriminalroman von Felicitas von Reznicek („Shiva und die Nacht der Zwölf”) beruht, dem später von Historikern bescheinigt wird, auf subtile Art der Nazi-Ideologie zu entsprechen. Doch wer als Jugendlicher kann das zu dieser schon Zeit wissen? Noch nicht einmal die Tatsache, dass der Film ein so genannter „Überläufer” aus der Nazizeit ist – Filme, die noch vor der Kapitulation fertiggestellt worden sind, aber erst nach Kriegsende aufgeführt werden – ist mir bewusst.

Der im Film geschilderte Fall ist auf den ersten Blick jedenfalls zu einleuchtend, um mehr darin zu erkennen als eine Kriminalgeschichte. Fallen doch auch mir in der Zeitung immer wieder Heiratsanzeigen auf, die den Verdacht aufkommen lassen, einigen Inserenten gehe es nicht um „ein angestrebtes Glück zu Zweit”  – wie es in den meist recht geschwollen Annoncen beschrieben wird –, sondern um finanzielle Vorteile.

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Reise ohne Hoffnung

Illustrierter Filmkurier, Wien. ohne Nummer (E. S.) – Am Dienstag, 16. November 1948, werden die Roxy-Lichtspiele in der Vilbeler Straße 29 am Rande der Frankfurter Innenstadt – an der Schwelle zum Nordend gelegen und in direkter Nachbarschaft zur Scala –, mit dem französischen Kriminalfilm Reise ohne Hoffnung nach dem Krieg wiedereröffnet.

Reise ohne HoffnungAn dieser Stelle hat es bereits seit dem Jahr 1915 Filmvorführungen und auch viele wechselnde Besitzer gegeben. Das Kino firmiert in seiner langen Geschichte dabei unter anderem mit den Namen Union-Theater (U. T.), Metropol und Universal. Als das Kino nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern des vom Bombenhagel völlig zerstörten Hauses wieder aufgebaut worden ist, nennt es ihre alte Besitzerin Elisabeth Suderland, die das Theater schon seit dem Jahr 1932 geführt hat, Roxy. Der Eröffnungsfilm ist zugleich Programm für die nur 21 Jahre lang dauernde Geschichte des neuen Kinos: Es laufen Kriminal-, Abenteuer- und Western, darunter viele Erstaufführungen, machen das Etablissement zu einem mehr als beliebten Treffpunkt Jugendlicher an den Wochenenden, zumal das anderweitige Unterhaltungsangebot in der Stadt noch eher bescheiden ist. Manchmal gibt es sogar Dramatisches. Gleichwohl muss auch dieses Kino Im Jahr 1969 schließen . Danach werden hier Möbel feilgeboten.

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Laura

Illustrierte Filmbühne Nr. 3 ( E. S.) – Über eine Frage streiten sich Kritiker und Cineasten schon beim Erscheinen von Laura in den USA 1944 und auch Jahre später noch in Deutschland. In welches Genre gehört der Streifen? Ist es „nur” ein Krimi oder ein „Film noir” der schwarzen Serie, ist es ein Mystery-Film oder ein Thriller, vielleicht aber auch nur eine Romanze? Die Antwort ist schwierig, vereinigt der Film in sich doch Elemente all dieser Gattungen.

LauraDer 9. Mai 1947 ist ein Freitag und fast genau auf den Tag genau zwei Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation ist die Lage der Menschen immer noch von alltäglichen Sorgen geprägt. In mehreren westdeutschen Städten treten sogar Tausende Arbeiter wegen der Versorgungslage und der mangelhaften Ernährung in einen Streik, sogar die Stadtverordneten von Braunschweig sind daran beteiligt. An diesem Nachmittag aber startet auch der amerikanische Film Laura, ein Reißer, der es in diesem Frühsommer in sich hat. So als ob der Wettergott sich dafür entschuldigen möchte, dass er mit der bitteren Kälte des Winters die Menschen drangsaliert hat, lässt er die Temperaturen nach oben klettern. In Hamburg zeigen die Thermometer an diesem Tag schon über 25 Grad Celsius, in Frankfurt werden sogar 30 Grad gemessen.

An diesem herrlichen Tag also startet der vielschichtige Film Laura, ein so genannter Streifen der „Schwarzen Serie”, die in den Vierziger Jahren in den USA Hochkonjunktur hat.Laura ist jenseits aller Genre-Diskussionen im besten Sinne ein herausragender Film, wobei Detektiv Marc McPherson im Mordfall der Werbemanagerin Laura Hunt ermittelt (Krimi). Verdächtigt werden sowohl ihre Tante als auch ihr Geliebter sowie ein Zeitungskommentator.