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Lustspiel

Es schlägt 13

Was Anfang der Fünfziger Jahre aus deutscher oder österreichischer Produktion in die Kinos kam, war von Ausnahmen abgesehen, in der Regel eher durchschnittlich; Unverbindliches war an der Tagesordnung, leichte Kost wurde wöchentlich neu angerichtet. Das hatte auch mit der schwierigen finanziellen Situation der Filmwirtschaft zu tun, zumal viele branchenfremde Geldgeber investieren und natürlich Profit machen wollen. 

Unter diesen Umständen waren Lustspiele besonders populär – sowohl bei den Produzenten als auch bei den Theaterbesitzern. Und das Publikum, das den Krieg längt vergessen hatte, ließ sich gerne auf diese Weise unterhalten. Als im Mai 1951 im Frankfurter Turmpalast das österreichische Lustspiel „Jetzt schlägt’s 13!“ (in Österreich: „ Es schlägt 13″) gestartet wurde, war dann an den ersten Tagen bei allen Vorstellungen der große Saal gut besetzt. Hans Moser und Theo Lingen waren das „Komiker-Traumpaar” in deutschen oder österreichischen Filmen. Sie hatten in zahllosen Streifen schon in den Dreissiger und Vierziger Jahren zusammen gespielt. Darunter in „Himmel auf Erden„, „Rosen in Tirol“, „Sieben Jahre Pech“, „Sieben Jahre Glück“ und „Wiener Blut„, um nur einige der bekanntesten zu nennen. 

In „Jetzt schlägt’s 13!“ gaben sie wieder ein kongeniales Duo. Das sah dann so aus: Theo Lingen als entlassener Diener Max sieht in seinem Nachfolger Ferdinand (Hans Moser) einen steckbrieflich gesuchten Verbrecher; dieser glaubt seinerseits das gleiche von Max und so entsteht bei ihren gegenseitigen Verdächtigungen und der kuriosen Detektiv-Spielerei ein heilloses Durcheinander – ganz im Sinne eines lachbegierigem Publikums. 

Der Ur-Wiener Moser und der Hannoveraner Lingen durften dabei ihr „mosern” und „näseln” so richtig ausleben. Die beiden wegen ihrer schlichten Rollen oft unterschätzten, aber glänzenden Schauspieler, übertrafen sich bei der Darstellung selbst. In vielen turbulenten Szenen und mit perfekter ihrer Situationskomik gaben sie ihren Rollen den entscheidenden Pfiff. 

Daten zum Film

Jetzt schlägt’s 13!“ ist ein österreichisches Lustspiel (Originaltitel: Es schlägt Dreizehn) aus dem Jahr 1950. In dem von der Helios produzierten Film führt E. W. Emo die Regie, als Hauptdarsteller agierten Theo Lingen (als alter Diener Max) und Hans Moser (als neuer Diener Ferdinand). In weiteren Rollen: Josef Meinrad, Susi Nicoletti, Gusti Wolf und Lotte Lang. – Begleitheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 884.

Erstaufführungen waren am 22. September 1950 in Österreich (Wien), am 22. September 1950 in der Bundesrepublik (Krefeld). In Frankfurt im Mai 1951 im Turmpalas tangelaufen, wurde es dort vom Autor am 26. Mai gesehen. – Im Fernsehen wieder einmal am Samstag, 29. August 2020 in 3sat die österreichische Fassung unter dem Titel „ Es schlägt 13″ gesendet.

Erstveröffentlichung dieses Beitrages am 30. Mai 2013

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Lustspiel

Hallo, Dienstmann

Manchmal findet der Interessent alter Spielfilme aus den späten 40er oder frühen 50er Jahren doch noch das eine oder andere schöne Stück im Fernsehen, wenn auch zu eher ungünstigen Zeiten. So am 22. August 2020 morgens um 10.30 Uhr der österreichische Film „Hallo, Dienstmann“ aus dem Jahr 1951. Das weckte in mir eine Erinnerung an Januar 1952, als in Frankfurt mit eben diesem Lustspiel die Rex-Lichtspiele als 52. Kino nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Betrieb aufnahmen.

Das neue Theater befand sich in der Kaiserstraße (damals noch Friedrich-Ebert-Straße), in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Betreiber waren Heribert Froechte und Hans Ulbrich, die auch schon am Bieberbau und am Turmpalast beteiligt waren. Der Saal lag im ersten Stock einer Passage, die zur Taunusstraße führte. Eine palastartige, breite Treppe führte in den Raum mit silbergrau abgesteppten Wänden, die allerdings ein wenig kühl wirkten. 

Vier Mitwirkende von Hallo, Dienstmann waren eigens nach Frankfurt zur Erstaufführung gekommen: Paul Hörbiger und die Hauptdarstellerin Maria Andergast – einige Jahre zuvor als „Mariandl”-Interpretin aus „Der Hofrat Geiger” in aller Ohren –, außerdem Regisseur Franz Antel und Komponist Hans Lang. Das Schlitzohr Hörbiger hatte wohl keine große Lust mit den neugierigen Presseleuten zu reden und begründete das in ironischer Übertreibung mit den Worten: 

Wissen’s mit mir können’s schwer über Filme reden, weil i niemols ins Kino geh!” 

Der Film selbst war eine heitere Verwechslungskomödie aus Wien, zum ersten Mal seit fünf Jahren spielten hier die österreichischen Haudegen Hörbiger und Hans Moser wieder einmal zusammen. Der Film war von Hörbiger, der als noch unbekannter Schauspieler den älteren Hans Moser bewundert hatte, initiiert worden. Der Inhalt sollte an Mosers berühmten Sketch „Der Dienstmann“ aus den Zwanziger Jahren erinnern und bot ihm die Gelegenheit, noch einmal seine populärste Rolle zu spielen.

Um was geht es? Professor Ferdinand Godai (Paul Hörbiger) hat sich für einen Maskenball als Dienstmann verkleidet. Frühmorgens trifft er, mehr als leicht angeheitert und immer noch kostümiert, in einem Bahnhofslokal auf den echten Dienstmann Anton (Hans Moser), und aus dieser Situation ergeben sich allerlei erquickliche Szenen. Vor allem, als Godai die junge Frau Brandstätter (Maria Andergast) kennenlernt, die sich als eine neue Kollegin von ihm entpuppt. Da hat er dann eine liebe Müh’ und Not, seine Verkleidung wieder loszuwerden. Und zum Finale erklingt das berühmt gewordene Duett von Moser und Hörbiger: „Hallo, Dienstmann!”

Wer das durchaus gelungene Lustspiel nach Jahrzehnten wieder seht, ist allerdings irritiert über die besonders im letzten Filmdrittel sichtbar werdende Prüderie und Sittenstrenge. Dies ist aber auch eine Gelegenheit für jüngere Menschen, sich in jene verklemmte Zeit hinein zu versetzen, die das private Leben und Lieben in den Vierziger und Fünfziger Jahren auf oft unerträgliche Weise einengte.

Produktion & Besetzung

Produktion: Schönbrunn-Film (Österreich). – Regie: Franz Antel.- Drehbuch: Franz Antel, Lilian Belmont, Rudolf Österreicher nach einer Idee von Paul Hörbiger. – Musik: Hans Lang. Kamera: Hans Heinz Theyner. – Schnitt: Arnfried Heyne. – Darsteller: Hans Moser (Dienstmann Anton Lischka), Harry Fuss (Sohn von Anton), Annie Rosar (Lischkas Schwester Rosa), Paul Hörbiger (Prof. Ferdinand Godal), Susi Nicoletti (Godals geschiedene Frau), Weitere Darsteller: Maria Andergast, Rudolf Carl, Waltraud Haas.- Österreichische Premiere: Freitag, 18. Januar 1952 in Salzburg, deutsche Erstaufführung: Dienstag, 29. Januar, Rex-Lichtspiele in Frankfurt am Main. – Begleitheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 1441. 

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Familie Lustspiel

Mutter sein dagegen sehr!

August 1951. Wieder einmal herrschte großartige Premierenstimmung in Frankfurt! Wieder einmal wurde im „Turmpalast” am Eschenheimer Turm eine „Welturaufführung” präsentiert – jedenfalls legte Pressechef Schneider von der Verleihfirma Siegel-Monopol großen Wert auf diese Bezeichnung, warum auch immer.

Mutter

Es geht um das Lustspiel „Mutter sein dagegen sehr!„, in dem Ilse Werner, Paul Klinger und Paulchen Kemp die Hauptrollen spielen. Paul Klinger war bei der Erstaufführung „persönlich anwesend”, wie es so schön formuliert wurde, Paul Kemp war ebenso dabei wie auch der Komponist Peter Igelhoff und die drei Kinder Dagmar Jansen, Saskia Daniel und Heiko Kaiser. Ilse Werner war zwar verhindert, aber die Stimmung im großen Kinosaal war gleichwohl prächtig, was vor allem den drei Kindern geschuldet ist.

Der Autor dieses Berichtwar als blutjunger Reporter einer Jugendzeitschrift eingeladen, und fand deshalb schneller Zugang zu den Jugendlichen als so mancher älterer Kollege von den etablierten Tageszeitungen. So erfuhr er von Dagmar Jansen, die ein Meerschweinchen dabei hat, dass sie bereits vor diesem Film in einem kleinen Werbestreifen für Bleichmittel mitgemacht hat, und sie bedankte sich auch noch bei Doktor Eichler, der zwar nirgendwo im Film genannt wird, aber tatsächlich die ganzen Kinderszenen ohne Drehbuch und sonstigem Klimbim arrangiert hatte. Dieser Herr Eichler hatte schon beim „Doppelten Lottchen” dafür gesorgt, dass alles ohne Probleme abgelaufen war, er ist Spezialist für so genannte Kinderregie, was ihm aber von den Produzenten und Regisseuren nicht weiter gedankt wird. Deshalb fiel sein Name im Vorspann unter den Tisch. Der Ruhm hat andere Väter…

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Lustspiel Revue

Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen

Illustrierte Filmbühne Nr 1215 (E. S.) – Mit großem Rummel erlebt der Film Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen Ende September 1951 im Frankfurter Turmpalast seine Uraufführung. Der Herzog-Filmverleih scheut in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn weder Kosten und Mühen, um dem Publikum die Hauptdarsteller (und unter anderen auch Miss Germany, Miss Baden und Miss Westberlin) zu präsentieren.

JohannesbraunHöhepunkt ist die Ankunft eines Sonderzuges am Hauptbahnhof, und die Zahl 13 aus dem Filmtitel wird genutzt, um die Sache noch werbewirksamer zu machen. Denn der Zug läuft genau um 13.13 Uhr auf Gleis 13 ein, später steht der Zug noch einmal auf Gleis 1 des Frankfurter Südbahnhofs. Von 17.23 bis 18.13 Uhr werden hier nochmals Autogramme verteilt. Mit von der Partie sind der überaus gestresst wirkende Rudolf Prack, eine Grethe Weiser in bester Laune – sie reitet sogar auf einem Esel durch die Sperre an Gleis 13 –, Hans Richter und Kurt Pratsch-Kaufmann. Der Bahnhof ist überfüllt mit Autogrammjägern und „Seh-Leuten”, die einen Blick auf ihre Leinwand-Lieblinge erhaschen wollen. Am Bahnsteig herrscht dichtes, fast gefährliches Getümmel, halb Frankfurt scheint an diesem sonnigen Donnerstagnachmittag auf den Beinen zu sein. Am nächsten Tag berichtet die „Frankfurter Rundschau”:

„Der Bahnhofsvorplatz glich einem Hexenkessel. Eine halbe Stunde lang verhinderte das begeisterte Publikum die Abfahrt des Omnibusses. Es war ein (…) turbulentes Volksfest.”

Am Ende sind die Schauspieler restlos erledigt, denn zwischen all dem Trubel und den Autogrammstunden präsentieren sich auch noch bei mehreren Vorstellungen dem Publikum im Turmpalast.

Anfang der Fünfziger Jahre sind Schönheitswettbewerbe der große Hit in der Bundesrepublik Deutschland. Zwar hat es solche Wettbewerbe schon in den 30er Jahren gegeben, aber die Nachkriegszeit – verbunden mit beginnendem wirtschaftlichem Aufschwung –, bringt die Lawine der Miss-Wahlen erst so richtig in’s Rollen. Erster Veranstalter ist eine Modezeitschrift, später tritt „Opal” als Geldgeber auf, sind doch die gleichnamigen „Feinstrumpfwerke” aus Schleswig-Holstein daran interessiert, ihre Beinkleider mittels werbewirksamer Miss-Wahlen an die Frau zu bringen. Jedenfalls solange bis die Firma 1962 Konkurs anmelden muss…

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Lustspiel

Die Frauen des Herrn S.

Illustrierte Filmbühne Nr. 1180 (E. S.) – Erstaufführung eines deutschen Films im Bierbau im August 1951. Hoffnungen auf ein satirisches Lustspiel werden freilich nicht erfüllt, wenngleich es die Werbung verspricht.

Herr SEs geht – verfremdet versteht sich – um die Rolle der vier Besatzungsmächte in Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Thema ist nach 1945 in mehreren Filmen thematisiert worden. Die Briten machen den gangsterhaften Kriminalstreifen „Der dritte Mann”, die Schweizer drehen das Drama „Die Vier im Jeep” – ebenfalls mit Schauplatz Wien – , die Deutschen versuchen es mit einer Art satirischem Lustspiel mit dem Titel Die Frauen des Herrn S. Als Besatzungstruppen fungieren Makedonen (Amerikaner), Kreter (Briten), Perser (Russen) und Korinther (Franzosen). Sie werden dabei auf die Schippe genommen, doch nicht immer gelingt dies. Das politische Ränkespiel des Philosophen Sokrates als geheimer Ratgeber der Regierung im antiken Athen. Die Geschichte dient als Rückprojektion, um politische und weltanschauliche Probleme der Nachkriegszeit zu karikieren; das weitgehend niveaulos aufgezogene Lustspiel weist freilich nur geringe satirische oder kabarettische Elemente auf.

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Lustspiel

Hilfe, ich bin unsichtbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1174 (E. S.) Ohne jede inhaltliche Bedeutung ist das Lustspiel Hilfe, ich bin unsichtbar, das am 2. September 1951 im Luxor am Hauptbahnhof seine Frankfurter Erstaufführung erlebt. Gleichwohl bleibt mir der Film in guter Erinnerung, denn just zur gleichen Zeit darf ich erste Erfahrungen in der „praktischen Filmarbeit” machen.

HilfeZunächst zum Film: Der Inkassovertreter Fritz Sperling (Theo Lingen) ist zwar ein liebender, aber auch sehr „vergnügungssüchtiger” Ehemann, der in seiner Freizeit das mühsam verdiente Geld – sehr zum Leidwesen seiner jungen Frau (Inge Landgut) – in technische Experimente steckt, um einen Apparat zu entwickeln, der die Menschen unsichtbar machen soll. Irgendwann wird er tatsächlich unsichtbar, und setzt seine Umwelt in gehörige Verwirrung, muss aber schnell erkennen, dass die Welt auch für einen Unsichtbaren nicht gerade vergnüglicher wird. Um wieder sichtbar zu werden, benötigt Sperling sogar eine gewisse Menge alkoholischer Getränke, was ihn unversehens vor die Frage stellt, entweder unsichtbar und nüchtern zu sein, oder sichtbar und betrunken. Die sich daraus ergebenden Situationen halten den Film mit zahlreichen komischen Szenen am Laufen, ohne jedoch Beifallstürme auszulösen. Es ist eben ein Lustspiel, wie sie zu dieser Zeit massenweise in die Kinos gespült werden. Immerhin aber sind Theo Lingen, Grethe Weiser, Fita Benkhoff, Hubert von Meyerinck und Joseph Offenbach zu dieser Zeit Garanten für beste Unterhaltung. Für mich persönlich aber ergibt sich nach dem Film sogar die Chance, selbst bei einem Film „mitzuarbeiten.

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Lustspiel

Das späte Mädchen

Illustrierte Filmbühne Nr. 1154 (E. S.) – Die Frankfurter erleben Anfang Juni 1952 ein zunächst nebensächlich erscheinendes Ereignis, das aber die Bundesrepublik in den Jahren danach entscheidend mit prägen wird. Am Ostbahnhof eröffnet nämlich Josef Neckermann das erste Versandhaus in Deutschland.

Das späte MädchenMitte Juni eröffnet im Nordend aber auch ein weiteres Frankfurter Kino. Es ist das inzwischen 54. Lichtspiel-Theater in der wachsenden Mainmetropole und ein Neubau im Erdgeschoss eines Geschäfts- und Wohnhauses. Betreiber sind die Brüder Friedrich und Helmut Wollenberg mit ihrer Hessenfilm GmbH. Nach der Straße, in dem es errichtet worden ist, wird das Theater Glauburg-Palast genannt. Die „Frankfurter Rundschau” schreibt am 23. Juni über das Theater: „Der geschmackvolle, in zartem Reseda und Altrosa gehaltene Zuschauerraum mit der muschelförmigen, hellen Decke macht einen behaglich-ruhigen Eindruck. Von allen 750 mit hellbraunem Cord bezogenen Flachpolsterstühlen hat man einen guten Blick auf die Leinwand.” Auf dieser Leinwand sehen die Premierengäste in festlicher Stimmung den deutschen Spielfilm Das späte Mädchen, von dem jedoch niemand genau einzuordnen weiß, ob es ein Melodram, ein Liebesfilm oder eine leichte Komödie ist.

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Lustspiel

Weltrekord im Seitensprung

Illustrierte Filmbühne Nr. 1084 und Filmkurier Nr. 3072 (E. S.) – Im „Dritten Reich” ist das Medium Film ein wichtiges Propagandamittel; doch die Nazi-Ideologie wird nur in relativ wenigen Filmen, darunter „Stukas”, „Hitlerjunge Quex”, „Ich klage an”, „Kolberg„” „Jud Süß” unverhohlen zur Schau gestellt. Denn der zuständige Propagandaminister Goebbels setzt vor allem nach 1939 auf unpolitische Unterhaltungsfilme, weil leichte Kost angesichts der harten Realität des Krieges die Menschen bei Laune halten soll.

Weltrekord im SeitensprungDie Mehrheit der deutschen Produktion umfasst Lustspiele, Operetten, im Ausland spielende Kriminalfilme und melodramatische Heimatfilme. Wie vom Fließband rauschen sie in die Kinos. Einer dieser vielen Filme heisst Weltrekord im Seitensprung, wird im Januar 1940 uraufgeführt und kommt elf Jahre später als Reprise wieder in die bundesdeutschen Kinos. In Frankfurt ist er 1951 in der Harmonie in Sachsenhausen zu sehen. Der etwa 100 Minuten lange Streifen ist ein derber Sçhwank um einige Frohnaturen in der fiktiven Stadt Dingelsingen und bierselige Bayern in München während des Oktoberfestes. Erzählt wird die Geschichte eines im Ruhestand lebenden Hoteliers, der sich bei einem Kegelturnier in München auf amouröse Abwege begibt, was zahlreiche Verwicklungen in München und danach in seiner Heimatgemeinde auslöst.

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Lustspiel Musik

Liebe an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 1062 (E. S.) – Die Jugend in der Bundesrepublik Deutschland scheint Anfang der 50er Jahre mit ganz unterschiedlichen Interessen unterwegs zu sein. Ein Teil geniesst nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges die zunehmenden Annehmlichkeiten des Lebens, vergnügt sich bei Tanzveranstaltungen und Kinobesuchen, andere hingegen engagieren sich verstärkt im politischen Leben und treten gegen die geplante Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auf.

Liebe an BordDoch diese Verhaltensweisen sind in Wirklichkeit durchaus kein Widerspruch, denn viele Menschen tun sowohl das eine wie auch das andere. Auch die rund 200 Teilnehmer ein Anti-Kriegs-Kongresses, der im März 1951 in Frankfurt am Main über die Bühne geht, sind durchaus keine verbiesterten „Jung-Funktionäre”, sondern sehr engagierte Vertreter  von Jugendorganisationen, die ”für aktive Neutralität und gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands” eintreten. Gleichwohl goutieren manche von ihnen natürlich auch ganz unbeschwert leichte Unterhaltungskost aus Hollywood. Der führende Filmkonzern Metro-Goldwyn-Mayer (Motto: „Mehr Stars als Sterne am Himmel stehen!”), ist in den Vierziger und Fünfziger Jahren berühmt für seine musikalischen Unterhaltungsfilme. Auch in Deutschland werden die Streifen – meist mit Esther Williams in den Hauptrollen –, gerne goutiert. Einer dieser Filme heisst Liebe an Bord, und obwohl das im Mittelpunkt stehende Schiff auf dem Meer herumschippert, ist der beliebte Schwimmstar diesmal nicht dabei.

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Lustspiel

Hochzeit im Heu

Illustrierte Filmbühne Nr. 1036 (E. S.) – Als eine vergnüglich-harmlose Sache stellt sich der Film Hochzeit im Heu nur auf den ersten Blick dar. Der Film erlebt Anfang Juni 1951 im Bieberbau seine Frankfurter Premiere und es flimmert eineinhalb Stunden hübsche Unterhaltung über die Leinwand – nicht krachledern, sondern mit besinnlichen Untertönen, wenn gelegentlich auch durchaus derb – doch immerhin ist es eher eine Tragikomödie denn derber Bauernschwank, und durchaus verbunden mit kritischen Untertönen.

Der Wiener Schriftsteller, Journalist und  Autor Ludwig Anzengruber (1839-1889) gilt vielen als kritischer Zeitgenosse mit einem Hang zur sozialen Gerechtigkeit. Gewiss kein Sozialist im herkömmlichen Sinne, aber doch ein Mann, der sich nicht dem Bild von einer heilen Welt  verschrieben hat. Auch „Der Meineidbauer”, „Der Kreuzlschreiber” oder „Der Pfarrer von Kirchfeld”, um nur einige Beispiele zu nennen, legen Zeugnis davon ab. In seinem  Theaterstück „Doppelselbstmord”, auf dem der Film beruht,  greift Anzengruber das uralte Drama von „Romeo und Julia” auf, verbindet die ländliche Liebesromanze aber mit sozialen Aspekten einer bäuerlichen Dorfgemeinschaft. Dabei ist das Thema wahrhaftig nicht neu. Im Film hat Regisseur Arthur Maria Rabenalt indessen schmunzelnd und detailgetreu ein hübsches Bild vom dörflichen Leben in den Bergen gezeichnet, von Liebe, Hass und häuslicher Tyrannei natürlich, von Menschen eben und von Käuzen. So ist daraus ein Heimatfilm geworden, der sich mit Blick auf den Ursprungsautor Anzengruber und dessen Bodenhaftung deutlich von anderer Massenware dieser Zeit abhebt.

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Lustspiel

Die fidele Tankstelle

Illustrierte Filmbühne Nr. 999 (E. S.) – Es ist schon einigermaßen erstaunlich, mit welcher Schlichtheit das deutsche Kinopublikum zu Beginn der Fünfziger Jahre konfrontiert wird. Allerdings werden Klamotten und Schwänke wie Die fidele Tankstelle von den Besuchern auch toleriert und goutiert. Die Nase zu rümpfen, wäre deshalb kaum angebracht. Als der Film zwei Tage vor Silvester 1950 im Frankfurter Turmpalast anläuft, ist der große Saal jedenfalls ausverkauft. 

Die fidele TankstelleDas allgemein übliche Normalbenzin kostet im Jahr 1950 zwischen 50 und 60 Pfennige pro Liter. Doch der Bedarf an Treibstoff steigt ständig, denn mehr Menschen als je zuvor, können sich zu dieser Zeit ein Auto zulegen – immerhin sind zu dieser Zeit schon knapp zwei Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen – und diese Vehikel brauchen reichlich „Trinkwasser”.  Kein Wunder, dass nun Herr Alois Hinterholzer (Joe Stöckel), der schlitzohrige Wirt vom Weißen Lamm mit einer Tankstelle direkt an seinem Gasthaus versucht, aus dem natürlichen Bedürfnis der Motoren Kapital zu schlagen. Außerdem möchte er nicht nur Sprit an den Mann zu bringen, sondern auch sein darbendes Gasthaus mit neuem Leben erfüllen. Der Wirt lässt in Erwartung hoher Umsätze seinen Knecht Jakob (Erhard Siedel) zum Tankwart ausbilden und der Dorfschmied Wastl (Beppo Brem) rüstet in der Hoffnung auf zahlreiche defekte Automobile seine Schmiede in eine Reparaturwerkstatt um.

Doch leider werden die hochfliegenden Pläne auf Gewinn schnell zunichte gemacht, denn am Tag der Eröffnung lässt sich kein einziger Autofahrer blicken. Doch als der Fahrer eines voll besetzen Reisebusses anhält, um Kühlwasser nachzufüllen, entfernt der listige Hinterholzer den Verteilerfinger am Bus und bugsiert die Reisegesellschaft umgehend in sein Wirtshaus, währenddessen  Schmied Wastl den angeblichen „Defekt“ zu beheben versucht. Doch plötzlich läuft alles aus dem Ruder…

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Lustspiel

Wildwest in Oberbayern

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Im Frankfurter Turmpalast sehe ich Mitte Dezember 1951 einen sogenannten Filmschwank, der sich bei näherem Hinsehen als eine Klamotte ersten Ranges entpuppt: Wildwest in Oberbayern nennt sich der 87 Minuten lange Streifen und er lebt in erster Linie von altbewährten Ladenhütern der Filmkomik.

Wildwest-in-OberbayernEine Berliner Filmproduktion will beim Ochsenwirt Alois Salvermoser einen Wildwest-Film drehen, steckt deshalb Einheimische aus Oberbayern in Indianer-Kostüme und lässt sie in Kriegsbemalung um den Marterpfahl tanzen. Obwohl es wirklich nur ein derber Spaß ist, widmet sogar die Zeitschrift „Der Spiegel” dem Streifen ein paar Zeilen und schreibt: „Lautreicher Zusammenprall von Berliner (Schnauze) und bayerischen Maßkrügen bei Wildwest-Filmaufnahmen der Ruck-Zuck-Gesellschaft. Regisseur Dörfler und Joe Stöckel parodieren dabei Berlin, Oberbayern, den wilden Westen und (unfreiwilligerweise) sich selber.“ Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Doch warum auch nicht ein bisschen Klamauk? Das Kinopublikum ist zu dieser Zeit leicht zufrieden zu stellen, lacht auch über die ältesten Kalauer und hat einen Heidenspaß, wenn die Magd Zenzi (Lucie Englisch) als „Prärie-Lola“ auftritt und der Ochsenwirt Alois Salvermoser (Joe Stöckel) den „Wilden Büffel“ spielt. Und ein gewisser Herr Bietschke (Rudolf Platte) gibt unterdessen dessen den nervösen und wildgewordenen Aufnahmeleiter.

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Lustspiel Revue

Die verschleierte Maja

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Der bewährte Zelluloid-Schuster Geza von Cziffra hat in den Nachkriegsjahren reichlich zu tun. Seine Spezialität sind musikalische Revue- oder Unterhaltungsfilme. Nachdem er bei der Hamburger Real-Film erst „Gabriela“ und danach sogleich „Die Dritte von rechts“  heruntergekurbelt hat, inszeniert er für die Pontus-Film Die verschleierte Maja. Cziffras Rezept ist einfach: Inhaltlich belanglose Geschichten, angereichert mit flotter Musik und tanzenden Frauen.

Die verschleierte-MajaGleichwohl rankt sich um Die verschleierte Maja ein politischer Skandal allererstes Ranges. Ursprünglich will nämlich die Hamburger Real-Film diesen Film produzieren; doch eine politische Intrige macht das unmöglich. Innenminister Robert Lehr ist in diese übers traurige Geschichte verwickelt. Deutsche  Filmproduzenten beantragen in der Regel so genannte Bundesbürgschaften, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Die finanziellen Zusagen des Bundes sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie werden – wie am Fall des Real-Chefs Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung jedoch als politisches Druckmittel missbraucht. Der Jude Walter Koppel wird 1951 denunziert, weil er von 1947 bis 1949 Mitglied der Kommunisten Partei Deutschlands (KPD) war und demzufolge – so der Vorwurf, „nicht würdig” ist, eine Bürgschaft zu erhalten.

Obwohl Koppel erklärt, dass seine KP-Mitgliedschaft eine Reaktion darauf war, dass seine Eltern von der Gestapo umgebracht worden sind, und er selbst jahrelang in Konzentrationslagern verbracht hat, bleibt Bonn unnachgiebig. Ähnlich wie bei McCarthy, dessen Ausschuss Filmschaffende der USA wegen angeblicher „unamerikanischer Umtriebe” verfolgt, wird Koppel in Bonn  vor einem Ausschuss gezerrt und erhält tatsächlich keine Bürgschaften für seine Filme.

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Lustspiel

Laurel und Hardy

Illustrierte Filmbühne Nr. 959 (E. S.) – Fest in der internationalen Filmgeschichte verankert ist der Ruhm von Stan Laurel und Oliver Hardy, die im deutschen Sprachraum allerdings als „Dick und Doof“ unter Wert vermarktet wurden. Als Anfang Dezember 1950 im Roxy  Stierkämpfer wider Willen anläuft, ist es ein Muss, sich diesen vermeintlichen Klamauk anzusehen, der in Wirklichkeit durchaus als „künstlerisch wertvoll“  zu betrachten ist.

StierkämpferEs ist zwar nicht gerade einer der besten Filme von Laurel und Hardy, der da über die Leinwand flimmert, aber kein noch so schlechtes Drehbuch, kein noch so abgedroschener Kalauer vermag die Lust an dem Komikerduo zu mindern, das im Laufe seines Filmlebens massenhaft Filme abgeliefert hat. Der Dicke und der Doofe machen ihren Unsinn wie eh und je. Und am schönsten ist es, wenn ihre Gags beinahe wie in Zeitlupe kommen – wie zum Beispiel in einer Springbrunnen-Szene, bei einer Eier-Darbietung oder zu Beginn des Stierkampfes. Stan, der mit Oliver in einer Detektivmission nach Mexiko gereist ist, muss dabei die Rolle eines Stierkämpfers übernehmen, weil er diesem zum Verwechseln ähnlich sieht. Wie immer in diesen Filmen geschehen um Laurel und Hardy und mit ihnen als Hauptpersonen jedenfalls an einem Tag so viel außergewöhnliche Dinge, wie bei normalen Menschen im Laufe eines ganzen Lebens. Diese Turbulenz – und der gleichzeitige, hintergründige Humor – macht den Erfolg aus, was sich immerhin in 106 gemeinsamen Produktionen (79 Kurzfilme, 27 Spielfilme) zwischen den Jahren 1926 und 1951 bewährt.

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Lustspiel

Die Nacht ohne Sünde

Illustrierte Filmbühne Nr. 921 (E. S.) – In Frankfurt am Main liegen auch im Jahr 1950 noch massenhaft Trümmer in der Innenstadt herum, doch es entstehen auch immer mehr Gebäude, darunter auch das neue Insel-Hotel in der Großen Gallusstraße. Das grünlich leuchtende Gebäude erlebt am 14. November eine Invasion von deutschen Filmstars, die zur Uraufführung des Filmes Die Nacht ohne Sünde im Turmpalast angereist sind.

Nacht ohne SündeWährend in der City also überall noch Schutt herumliegt, werden fast an jeder Ecke weitere Häuser aus dem Boden gestampft. Und auch die deutsche Filmindustrie bemüht sich darum, den Menschen mit eher harmlosen Filmen das Alltagsleben zu erleichtern und zu versüßen. Konfektionsware ist gefragt, und eine hinlänglich bekannte Schar von Darstellern hat unter diesen Umständen alle Hände voll zu tun, um beim Zelluloid-Belichten mitzuwirken. Und vor allem ist es üblich, dass die Verleiher zu den Premieren ihre wichtigsten Darsteller auf Presseleute und Publikum loslassen. Im Falle von Die Nacht ohne Sünde in Frankfurt ist es gleich eine ganze Heerschar: Die kesse Grethe Weiser vorneweg, der charmante Karl Schönböck in der zweiten Reihe, dazu der sympathische Paul Klinger sowie die hübsche Nachwuchsdarstellerin Bruni Löbel. Auch der österreichische Komponist Peter Igelhoff ist mit von der Partie – erst beim Pressegespräch im Hotel, dann vor dem Publikum im Turmpalast.

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Lustspiel

Drei Mädchen spinnen

Illustrierte Filmbühne Nr. 920 (E. S.)  – Anfang November des Jahres 1950 läuft im Bieberbau an der Hauptwache ein eher harmloses Lustspielchen an, das freilich  auch – wie so oft in dieser Zeit – von heftigem Trommelwirbel des Verleihers begleitet wird. So sind zur Frankfurter Premiere eigens die fünf Hauptdarsteller Adelheid Seeck, Albrecht Schoenhals, Renate Barken sowie Susanne und Maria Körber angereist, um sich dem geneigten Publikum vorzustellen. Applaus wird ihnen dann auch zuteil – und nicht zu knapp…

Mädchen spinnenDer Film läuft unter dem Titel „Drei Mädchen spinnen“, nachdem er zuvor unter der Bezeichnung „Drei Mädchen am Spinnrad“ – so lautet auch der 1932 erschiene Roman von Fedor von Zobeltitz – angekündigt worden ist. Der Verlag der Illustrierten Film-Bühne hat schon die ersten Exemplare drucken lassen, und muss nun umdisponieren. Später wird der Film auch als „Komplott auf Erlenhof“ vermarktet – angeblich auf Wunsch ausländischer Vertriebsfirmen. Sein letzter Titel heisst schließlich „Mutti muss heiraten“. das alles sind keine guten Voraussetzungen für ein einträgliches Geschäft. Am Ende steht dann auch ein finanzieller Misserfolg.

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Mädchen mit Beziehungen

Illustrierte Filmbühne Nummer. 893 (E. S.) – Zur Frankfurter Premiere dieses Lustspielchens an Weihnachten 1950 trommelt der Allianz-Filmverleih in den Zeitungsannoncen wieder einmal mit markigen Worten. Angeboten wird dabei „ein Spiel von sprühender Lebenslust und unbesiegbarem Optimismus“ sowie „Irrungen und Wirrungen um Liebe und Geschäft.“ Gut gebrüllt! Aber falsch.

Mädchen mit BeziehungenDenn das angebotene „Filmchen“ ist ein nichtiges und einfallsloses Produkt, dem auch das bewährte Drehbuchschreiber-Duo Just Scheu und Ernst Nebhut kein tieferes Leben einzuhauchen vermag. Die Geschichte eines arbeitslosen Ingenieurs, der sich von seiner Braut nicht protegieren lassen möchte, und der seinen zukünftigen Chef eher zufällig und aus harmlosen Anlass – natürlich ohne ihn zu kennen – beleidigt, ist dann doch (auch schon in der literarischen Vorlage von László Vadnay) viel zu dürftig, um wirklich zu gefallen. Diese simple Idee wird dann ausgequetscht bis zum Geht-nicht-mehr, wobei immerhin die flotte Musik von Michael Jary (“Es wär‘ alles nicht so schwer, wenn es etwas leichter wär‘“) wenigstens für ein bisschen Wohlbefinden sorgt.

Unter diesen Umständen ist dem Film auch nur eine kurze Laufzeit im Luxor beschert. Selbst die immer wohlwollende Filmkritikerin Renate Bang von der „Frankfurter Rundschau“ sieht in diesem Lustspiel wenig Positives. Zwar attestiert sie, dass alle Darsteller wieder einmal ihre tausendmal bewährten Typenrollen spielen dürften, mag dem „Humor“ allerdings wenig abzugewinnen.

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Jetzt schlägt’s 13!

Illustrierte Filmbühne Nr. 884 (E. S.) – Was am Anfang der Fünfziger Jahre aus deutscher oder österreichischer Produktion in die Kinos kommt, ist mehr als durchschnittlich; Unverbindliches ist an der Tagesordnung, leichte Kost wird wöchentlich neu angerichtet. Es hat auch mit der schwierigen finanziellen Situation der Filmwirtschaft zu tun, zumal viele branchenfremde Geldgeber investieren und natürlich Profit machen wollen.

Jetzt schlägt's 13Unter kommerziellen Umständen sind Lustspiele besonders populär – sowohl bei den Produzenten als auch bei vielen  Theaterbesitzern. Und das Publikum, das den Krieg zu vergessen (und zu verdrängen) beginnt, lässt sich gerne auf diese nette Weise unterhalten. Als dann im Mai 1951 im Frankfurter Turmpalast das Lustspiel Jetzt schlägt’s 13 gestartet wird, ist an den ersten Tagen der große Saal gut besetzt. Das hat auch mit den Darstellern zu tun. Hans Moser und Theo Lingen sind das „Komiker-Traumpaar” in deutschen oder österreichischen Filmen. Sie haben in zahllosen Streifen schon in den Dreissiger und Vierziger Jahren zusammen gespielt. Darunter in „Himmel auf Erden”, „Rosen in Tirol”, „Sieben Jahre Pech”, „Sieben Jahre Glück”, „Wiener Blut” –  um nur einige wenige zu nennen.

In diesem Film geben sie wieder ein kongeniales Duo. Theo Lingen als entlassener Diener Max sieht in seinem Nachfolger Ferdinand (Hans Moser) einen steckbrieflich gesuchten Verbrecher; dieser glaubt das gleiche von Max und so entsteht bei ihren gegenseitigen Verdächtigungen und der Detektiv-Spielerei ein heilloses Durcheinander – ganz im Sinne eines lachbegierigen Publikums.

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Die Frau von gestern Nacht

Illustrierte Filmbühne Nr. 732  (E. S.) – Obwohl Dieter Fritko, der Kritiker der Zeitung „Frankfurter Rundschau”, nun nicht gerade begeistert ist  – er formuliert das so: „Die Frau von gestern nacht ist zwar der hundertste Film der Luxor-Lichtspiele, aber leider kein Jubiläumsereignis” –, sehe ich mir den neuen  Film an, der als „Jubiläum” im Kino am Hauptbahnhof Mitte Januar 1951 auf dem Programm steht.

Die Frau-von-gestern NachtDie frühen 50er Jahre sind eine Zeit, in der sich immer mehr Nachtbars und Lokale um zahlungskräftige Kundschaft bemühen und Cafés und Lokale in Mode sind, die zwecks zwischenmenschlicher Kontakte über Tischtelefone verfügen. Das große Kontakt-Lokal „Das Neue Zillertal” in Frankfurt (Werbung: „Wie in Grinzing”) verfügt gleich über 50 dieser Apparate. In der Nähe der Großmarkthalle steigen im Zirkusbau Oscar Hoppe die Catcher zur allgemeinen Belustigung in den Ring, das Revue- und Kabarett-Theater „Moulin Rouge” in der Weserstraße steht vor der Eröffnung. Doch nicht nur in Frankfurt, auch in anderen Städten beginnt das Leben zu pulsieren, nachdem das „Wirtschaftswunder” am Horizont erscheint. Die Atmosphäre dieser Zeit spiegelt sich auch in manchen Filmen wider.

Das Lustspiel Die Frau von gestern nacht ist so ein Streifen, der als Kulisse unter anderem den Berliner Kurfürstendamm und diverse Nachtlokale benutzt – so wie es zu dieser Zeit in vielen Unterhaltungsfilmen ist. Alles soll ein bisschen verrucht wirken. Der Inhalt des Lustspielchens ist freilich insgesamt dann doch eher belanglos.

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Maharadscha wider Willen

Illustrierte Filmbühne Nr. 719 (E. S.) – Im März 1950 versammeln sich in Berlin rund 400 Männer in den Ateliers der Central Cinema Company (CCC) in Spandau. Alle sind haarlos und 250 von ihnen werden schließlich ausgewählt, um in dem Lustspiel Maharadscha wider Willen als Statisten mitzuwirken

Maharadscha wider WillenEin Film also, der sich über Glatzköpfe lustig macht. Zwar ist das Thema zu dieser Zeit nicht von weltbewegender Bedeutung, aber Werner Siwik, einer der Filmkritiker der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ (FR), spricht am 12. September 1950 gleichwohl ein sehr spezielles Problem des Films an: „Wer noch ein paar Haarbüschel sein eigen nennt, wird sicher viel lachen. Wie die anderen reagieren, ist schwer zu sagen…” Na, denn! Hoffen wir also alle auf ein generöses Schmunzeln der Betroffenen, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Immerhin stammt die Idee zum Film vom jungen Berliner Filmproduzenten Artur Brauner, und da dieser selbst eine eher „hohe Stirn” sein eigen nennt, ist ihm eine gute Portion von Selbstironie nicht abzusprechen in der Geschichte um einen Friseur, der angeblich mit einem neuen „Wundermittel” für prachtvollen  Haarwuchs auf den bisher so leeren Häuptern sorgen kann.

Das sich nun rasend schnell verbreitende Gerücht über das neue „Saatgut” ruft umgehend den Fabrikanten Kurt Seifert auf den Plan, produziert dieser doch selbst ein Mittel namens „Anti Glazin”, das freilich – wer hätte das (nicht) gedacht? – seine Wirkung nicht so recht zu entfalten vermag. Seifert macht sich im Film also auf den Weg in das kleine Dorf, in dem der „Wunderfriseur” seiner Tätigkeit nachgeht und wo sich deshalb bereits eine erkleckliche Zahl von Glatzköpfen versammelt hat: – alle natürlich in der Hoffnung, auf ihrem Haupt bald wieder reichlich Haare sprießen zu sehen.

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Kein Engel ist so rein

Illustrierte Filmbühne Nr. 658 (E. S.) – Eine leichte Irritation herrscht im D-Zug von München nach Frankfurt: Ende März 1950 sitzen in einem Erster-Klasse-Abteil die Schauspielerin Fita Benkhoff und der Regisseur Helmut Weiss sowie eine Ente namens Isolde, alle drei Mitwirkende des Lustspiels Kein Engel ist so rein. Sie sind unterwegs zur Uraufführung im „Metro im Schwan”, als ein dienstbeflissener Schaffner die „illegal” im Abteil mitreisende Ente in den Packwagen verweist, was sich am nächsten Tag in vielen Zeitungsberichten niederschlägt.

Kein-Engel-ist-so-reinDass die freche Ente Isolde vor ihrem ungewollten Platztausch noch eine unangenehme „Erinnerung” im gepflegten Polster hinterlassen hat, reizt die Leser ganz gewiss zum Schmunzeln, ist es aber auch eine wahre Geschichte? Oder vielleicht doch nur eine Zeitungsente, ein gelungener Werbegag des Pressechefs also, um die Filmpremiere in Frankfurt noch interessanter zu machen? Er hätte guten Grund dazu, denn die Handlung dieses neuen, deutschen Filmchens ist – wie so oft in diesen Monaten – eher bescheiden. Doch immerhin reizen die Berichte über diese Ente auch den Autor zu einem Besuch im Kino „Metro im Schwan“ an der Hauptwache , in dem sich Fita Benkhoff und Gardy Granass zusammen mit Regisseur Helmut Weiss einem durchaus erwartungsvollen Publikum vorstellen. Der Beifall ist – so vermerkt jedenfalls die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” am nächsten Tag fast ein wenig nebenbei  – „sehr herzlich!”  Denn schließlich ist das in diesen immer so, wenn bekannte Filmstars aufkreuzen.

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Dieser verrückte Mister Johns

Illustrierte Filmbühne Nr. 588  (E. S.) – Über die ganze Breite der Zeitung und am Kopf der Seite schaltet Willy Colm vom Filmpalast am 31. März 1950 in der Zeitung „Frankfurter Rundschau” eine Anzeige und bewirbt damit ein Columbia-Lustspiel, das als “Generalangriff auf das Zwerchfell” apostrophiert wird und den Titel Dieser verrückte Mister Johns trägt. 

Mister JohnsWeil der Filmpalast mit seinen 1500 Plätzen an diesem Tag mit großer Konkurrenz in der näheren und weiteren Umgebung zu rechnen hat, gibt es deftige Werbesprüche obendrauf – denn immerhin läuft im Konkurrenzladen „Turmpalast“   „Vagabunden der Liebe” mit Paula Wessely und Attila Hörbiger. In der nur einen Steinwurf  entfernten Scala startet „Himmel auf Erden” mit Heinz Rühmann, Hans Moser und Theo Lingen. Das Metro im Schwan lässt „Die Kartause von Parma” mit Gerard Philipe durch die Projektoren rattern, und im Luxor wird die „Geliebte nach Maß” mit Patricia Roc gezeigt. Es ist klar, dass ie Trommel besonders geschlagen werden muss. Offeriert wird aus diesem Grund dem hochverehrten Publikum also nicht nur „Das tollste Lustspiel des Jahres”, sondern auch „Der Welt größte Lachsensation”. Wer jetzt noch skeptisch ist, dem wird außerdem kühn unterstellt: „So haben Sie noch nie gelacht!” Als Garant für das Lachen ist laut Werbung der Komiker Red Skelton zuständig.

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Der Weg nach Rio

Illustrierte Filmbühne Nr. 573 (E. S.) – Bing Crosby, Bob Hope und Dorothy Lamour sind ein schauspielerndes Dreigespann, das zwischen 1940 und 1952 bei der Paramount eine Serie von Filmen realisiert, die unter dem Begriff „Comedy Road Movie” in die Filmgeschichte eingehen. Alle Streifen tragen den gleichen Grundtitel (Road to… / Der Weg nach…), nur die Namen der Zielorte wechseln. Anfang Juni 1950 sehe ich mit Freunden im Roxy den Film Der Weg nach Rio.

Weg nach RioDiese vergnüglichen, aber insgesamt doch insgesamt eher anspruchslosen Filme gefallen unserem kleinen Kreis von jungen Filmbegeisterten. In den Jahren nach 1945 werden sehr viele amerikanische und britische Streifen nach Deutschland geschickt, die meist zu düster sind für die Generation gebeutelter Kinder, denen der Sinn ohnehin eher nach Lachen als nach Weinen steht. Als die ersten Filme dieser „Road Movies” in unsere Kinos kommen, machen sie uns wirklich viel Spaß, denn sie wirken auf uns wie eine Persiflage auf viele Dschungel- und Tarzan-Filme dieser Zeit. Die Bedeutung des Namens von Bob Hope ist uns allerdings nicht so recht bewusst, Crosby dagegen haben wir schon in dem Film „Die Glocken von St. Marien” gesehen. Der Weg nach Rio ist jedenfalls sehr flott und unterhaltsam und strapaziert auch die Lachmuskeln. In der spritzigen Handlung retten Bing Crosby und Bob Hope als blinde Passagiere auf einem Schiff eine attraktive Frau vor einer Gaunerin, die mit hypnotischem Klimbim die Leute ausnimmt.

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Gefährliche Gäste

Illustrierte Filmbühne Nr. 564  ( E. S.) – Es ist höchst erstaunlich, wie sehr sich der deutsche Film wenige Jahre nach Ende des Weltkrieges in kaum zu überbietender Harmlosigkeit präsentiert. Auch der Hamburger Real-Film Gefährliche Gäste ist ein Musterbeispiel dafür. Einige Umstände bei der Produktion sind allerdings höchst dramatisch.

Gefährliche GästeEine sehr wichtige Rolle im Film spielen die drei Vagabunden „Boxer-Franz” (Hans Schwarz jr.), „Taschen-August” (Bobby Todd) und „Tango-Poldi” (Ludwig Röger). Doch noch bevor alle wichtigen Szenen „im Kasten” sind, stirbt plötzlich und unerwartet der als Kabarettist bekannte Röger. Geza von Cziffra, der Regisseur, improvisiert, in einigen noch zu drehenden Szenen muss ein Double eingesetzt werden. Doch Rögers Tod ist nicht das einzige Ungemach. Recht ausführlich berichten Tageszeitungen und Illustrierte kurz darauf, wie bei der Fahrt zu Außenaufnahmen in Travemünde das Auto mit Geza von Cziffra am Steuer und den Insassen Vera Molnar, Paul Kemp und Hannelore Morell verunglückt. Während Hannelore Morell und Ceza von Cziffra so gut wie unverletzt bleiben und Paul Kemp mit Rippenbrüchen davonkommt, erleidet Vera Molnar so schwere Verletzungen, dass sie erst nach langer Pause ihre gerade neu gestartete Filmkarriere fortsetzen kann.

Unter diesen schwierigen Umständen darf man von dem Film wohl nicht all zuviel erwarten, ohnehin ist es von der Konzeption her nur einer weiterer der zahlreichen deutschen Nachkriegsfilme mit durchschnittlichem Unterhaltungswert.

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Sag die Wahrheit

Illustrierte Filmbühne Nr. 195 (M. F.) Es ist eine faustdicke Überraschung für die Zuschauer in der Scala in der Frankfurter Innenstadt. Im Sommer ’48 läuft dort der Film Sag die Wahrheit, als in der Nachmittagsvorstellung mitten im Film das Licht angeht. Was das wohl wieder bedeuten mag, fragen sich die Zuschauer insgeheim, denn in der Nachkriegszeit gibt es aus diversen Gründen immer mal wieder Störungen in den Kinos – doch bleiben sie nicht lange im Unklaren.

Sag die WahrheitEin Mann mit Hut und Mantel tritt vor die Leinwand, begrüsst die Besucher mit einem vernehmlichen „Hallo” und gibt sich dann als Gustav Fröhlich zu erkennen. Dass der Hauptdarsteller so plötzlich hereinschneit, ist ungewöhnlich, werden doch Auftritte von bekannten Schauspielern in der Regel durch die Filmverleiher und Theaterbesitzer lange geplant und meist lautstark annonciert. Doch diesmal ist das Ganze eine überaus private Angelegenheit. Gustav Fröhlich hat an diesem Tag in der Frankfurter Innenstadt zu tun, kommt zufällig an der Scala vorbei und sieht die Plakate von Sag die Wahrheit. Er bittet den Theaterleiter um eine kurze Unterbrechung, die dieser natürlich liebend gerne zusagt. Fröhlich plaudert einige Minuten mit den Zuschauern und verabschiedet sich dann vom gut gelaunten Publikum. Dieser Kurzauftritt versöhnt die Zuschauer vielleicht auch ein wenig, denn der Streifen ist nicht gerade eine Glanzleistung der Produktionsfirma, obwohl die Idee durchaus einen gewissen Pfiff hat.

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Das Bad auf der Tenne

Illustrierte Filmbühne Nr. 107  (E. S.) – Neben den vielen ausländischen Filmen kommen 1947 auch immer mehr so genannte „Reprisen” in die Kinos. Das sind deutsche Filme aus der Nazi-Zeit, die von den alliierten Militärbehörden bei der „demokratischen Zurück-Umerziehung” der Bevölkerung als „unbedenklich” eingestuft und zur Vorführung wieder freigegeben werden.

Bad auf der TenneEiner davon ist der recht derbe Tobis-Schwank Das Bad auf der Tenne. In der ersten März-Woche läuft er im Union-Theater im westlichen Frankfurter Vorort Sindlingen. Es ist der fünfte deutsche Agfacolor-Farbfilm nach Frauen sind doch bessere Diplomaten, Das große Spiel, Die goldene Stadt und Münchhausen. Weil im Februar 1947 wegen der brutalen Kälte die Lichtspielhäuser in Frankfurt kurzzeitig geschlossen werden, um Heizmaterial zu sparen, strömen umso mehr Menschen nach der Wiedereröffnung am 18. Februar in die wenigen vorhandenen Kinos. Es sind dies im Zentrum nur die Schauburg, und das Apollo (beide in Bornheim) sowie die Lichtburg und das Hansa-Kino (in der Kaiserstraße). In den Stadtteilen sind die Zoo-Lichtspiele im Ostend, das Harmonie in Sachsenhausen und das Titania in Bockenheim geöffnet. Ausserdem wird in den weiter entfernten Stadtteilen Fechenheim, Höchst, Sindlingen, Rödelheim, Eckenheim und Bonames schon wieder gespielt. Und nach der bisherigen Flut von amerikanischen, britischen und französischen Streifen gibt es nun also auch wieder deutsche Filme in den Kinos.

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Peter Voss, der Millionendieb

Illustrierter Filmkurier Nr. 3360 a (E. S.)  – Peter Voss, der Millionendieb wird im Herbst 1946erstmals gezeigt, aber erst im August 1950 in Frankfurt am Main. Karl Anton hat das Unterhaltungsstück zwar schon von September 1943 bis März 1944 noch bei der alten „Tobis” abgedreht, aber der Film ist wegen des Krieges nicht mehr aufgeführt worden. 

Peter VossNach der Kapitulation fällt das Material in Berlin in die Hände der Alliierten und wird von sowjetischen Offizieren an die gerade in der Gründung befindliche „DEFA“ zur Bearbeitung und Vorführung übergeben. Der Film wird allgemein als unpolitisch eingestuft, obwohl er zu jener Art von Unterhaltung gehört, die von den Nazis immer gerne gesehen worden ist, um den Menschen inmitten der Kriegswirren eine heile Welt vorzugaukeln und sie auf diese Weise zum „Durchhalten” zu animieren. Im Jahr 1946 ist das Publikum jedoch schon längst mit anderen Problemen beschäftigt und werkelt intensiv am Wiederaufbau des Landes, was sich auch an den positiven Wirtschaftsmeldungen ablesen lässt. Zum Beispiel teilt In Frankfurt die amerikanische Militärregierung mit, dass im zurückliegenden Monat bereits wieder Waren im Wert von insgesamt 1,64 Millionen US-Dollar aus ihrer Zone ins Ausland exportiert worden sind.

Der Aufschwung kommt also in Gang, auch wenn überall noch die Holzvergaser herumfahren. Bei solchen Vorzeichen geht es dann um reine Unterhaltung. Allerdings hat kaum jemand real so viel Geld in den Taschen wie im Film fiktiv vorhanden ist. Dafür geht es – wie so oft bei Ufa, Tobis oder Terra in jenen Jahren – auch auf Grund der Romanvorlage höchst international und weltläufig zu.