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ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Melodram Seite 2 von 4

Der Mann, der zweimal leben wollte

 Illustrierte Filmbühne Nr. 859 (E. S.) – Das ist ein absonderlicher Film. Und nur schwer verdauliche Kost. Aber das ist Anfang der Fünfziger Jahre keine Seltenheit. Der deutsche Nachkriegsfilm befindet sich – im Gleichschritt mit politischen Entwicklungen der Adenauer-Ära – in einer Phase, in der die Lehren aus der Vergangenheit oft abgelöst werden werden von Unverbindlichkeit und Rückversicherung nach fast allen Seiten. 

Mann, der 2xaIn der Konsequenz kommen manche Machwerke  an’s Tageslicht. Auch Der Mann, der zweimal leben wollte ist ein nebulöses und sehr unglaubwürdiges Melodram – was sowohl an der Vorlage von Fred Andreas, als auch am Drehbuch von Harald Braun liegen mag. Auch Regisseur Viktor Tourjansky kann dem Ganzen kein Gesicht geben – was freilich bei der Vorlage nicht verwunderlich ist. Nach dem Besuch im Bieberbau bin ich erst einmal gespannt auf die Zeitungskritiken. Und die bestätigen die eigenen Erkenntnisse. Dieter Fritko schreibt am 21. Oktober in der „Frankfurter Rundschau“ mit harschen Worten: “Der Herr Professor (schreitet) einsam in jenen Nebel, der sowohl atmosphärisch als auch gedanklich den Film etwas verworren macht.“  So bekommt der ansonsten großartige Schauspieler Rudolf Forster also sein Fett weg. Ihm wird von Fritko außerdem attestiert, dass er „den soignierten Weltschmerz bis über die Grenze des Glaubhaften“ treibt. Das definitiv vernichtende Urteil: „Zusammen mit der unfilmischen Mimik der Burgtheater-Schule ergeben sich Eindrücke, die zuweilen an die Seelenzustände eines Sekundaners erinnern.“ Dem ist auch von meiner Seite nichts hinzuzufügen.

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Unter den Brücken

Illustrierte Filmbühne Nr. 798 (E. S.)  – Als sich am 24. Juli 1951 im Frankfurter Kino Bieberbau der Vorhang öffnet, ist ein Film zu sehen, der von den meisten Kritikern über den grünen Klee gelobt wird. Einer der professionellen Beobachter schreibt dann auch unter anderem, „das Glucksen des Wassers und das Rauschen der Schilfhalme (bilde) einen unaufdringlichen Hintergrund zu der zarten Liebesmelodie, unter der sich der Alltag der Schiffer verschönt.” (Dieter Fritko am 25. Juli 1951 in der Frankfurter Rundschau).

Unter den BrückenDie Handlung des Films ist eher schlicht und zeigt das einfache und karge Leben im rauen Alltag von Flussschiffern. Unter den Brücken erzählt dabei atmosphärisch sehr dicht die  Geschichte von zwei Männern und einer Frau. Das Zusammenleben dieser drei Menschen wird der Liebe wegen auf eine sehr harte Zerreissprobe gestellt. Hendrik Feldkamp (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth) sind die knorrigen Männer, die auf einer ihrer Fahrten die vom Leben enttäuschte Anna Altmann (Hannelore Schroth) auf ihrem Lastkahn mitnehmen. Beide verlieben sich in die junge Frau, so dass Spannungen und eine vorübergehende Trennung unvermeidlich sind. Doch ihre lange Freundschaft hält diesen Belastungen stand, und nachdem sich die junge Frau schließlich für Hendrik Feldkamp entschieden hat – was Willi eher notgedrungen dann auch akzeptiert –, setzten alle drei gemeinsam ihre Fahrt fort. Obwohl Unter den Brücken in den letzten Monaten der Nazi-Herrschaft gedreht worden ist, hebt er sich von vielen oberflächlichen Produktionen dieser „staatstragenden” Zeit ab. Die Schlichtheit der Bilder ist beeindruckend. Kameramann Igor Oberberg rückt nicht allein die Schauspieler und ihre Figuren in den Blickpunkt, sondern lässt auch die karge Landschaft, den Fluss und den Schleppkahn erzählen.

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Maria Walewska

Illustrierte Filmbühne Nr. 705 (E. S.) – Die Romanze zwischen Napoleon und der polnischen Gräfin Maria Walewska dient der bis dahin sehr erfolgreichen US-Company Metro-Goldwyn-Mayer im Jahr 1937 zur Verwirklichung eine melodramatisches Films, der allerdings die Erwartungen beim amerikanischen Publikum und bei der Kritik nicht erfüllt und zum Kassenflop wird – was mich auch nicht wundert, als ich den Streifen 1950 im Frankfurter Bieberbau sehe.

Maria WaleskaIn der aufwendig inszenierten Handlung von Maria Walewska wird unterschwellig suggeriert, ein edler Zweck könne auch außergewöhnliche Mittel wie eine Liebesbeziehung rechtfertigen, um die Befreiung eines Landes von der Herrschaft Napoleons zu erreichen. Zwar bietet Greta Garbo eine durchaus gute Darbietung (obwohl das die meisten Kritiker anders einschätzen), doch das eigentliche Problem ist, das das gewählte Thema niemanden wirklich zu interessieren scheint. Weil sich die Produktionskosten nach 127 Drehtagen am Ende auf rund 2,7 Millionen Dollar belaufen, die Zuschauer aber ausbleiben, kommt es zu einem Verlust von etwa 1,4 Millionen Dollar. Zu dieser Zeit das größte Verlustgeschäft bei einer MGM-Produktion.

Die Firma versucht daraufhin das Image des großen Stars zu verändern und aus ihr eine Komödiantin zu machen. Die Schwedin dreht jedoch nur noch zwei weitere Filme. Erst die Komödie „Ninotchka”, danach „Die Frau mit den zwei Gesichtern”. Doch der Wandel in das anderes Rollenfach will nicht so recht gelingen, die Karriere der Garbo neigt sich deshalb dem Ende entgegen.

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Die Lady von Shanghai

Illustrierte Filmbühne Nr. 650  (E. S.) – Der Film Die Lady von Shanghai ist für mich verwirrend und verstörend. Auch die Filmkritiker sind sich nicht qanz  einig bei der Beurteilung, Columbia-Chef Harry Cohn lässt den Streifen von über 150 Minuten um eine Stunde kürzen, er hat angeblich Angst um das Image von Rita Hayworth, die hier nicht die „göttliche, strahlende Diva” gibt, sondern eine eher bösartig-verruchte Frau. Cohns Eingreifen ist künstlerisch nicht zu tolerieren, aber für den Filmmogul geht es um’s Geld.

Lady von ShanghaiAuch in der Zeitung lese ich Seltsames. Die Premiere war nicht wie üblich in New York oder Los Angeles, noch nicht einmal in den USA. Vielmehr wird der Film zunächst am 24. Februar 1947 erstmals in Frankreich uraufgeführt, danach läuft er in Finnland, Großbritannien, Australien, Schweden und Mexiko. Erst 15 Monate später erlebt der Film am 9. Juni 1948 seinen USA-Start, weil Cohn den Streifen zunächst auf Eis gelegt hat. Der Produzent glaubt nicht an einen irgendwie gearteten Erfolg. Er ist immer noch wütend. Cohn versteht die Handlung nicht. Nebenbei bemerkt keine Seltenheit bei Studiobossen. Er will demjenigen 1000 Dollars zahlen, der ihm die Story des Films erklären kann. Die meisten können es nicht. Auch ich betrachte als junger Mann das Gesehene eher ratlos. Doch der Cohn will natürlich sein investiertes Geld zurück, zumal ihm diverse Geldgeber im Nacken sitzen. So gibt er dann doch noch Grünes Licht für die US-Aufführung. Der Matrose O’Hara (Orson Welles) verfällt jedenfalls der ebenso schönen wie reichen Elsa Bannister (Rita Hayworth) und wird unversehens in eine dubiose Mordsache verwickelt. Schließlich muss er erkennen, dass er von Elsa nur als nützliches Werkzeug benutzt worden ist.

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Heimweh

Illustrierte Filmbühne Nr. 616  (E. S.) – Die Zentrale des Filmverleihs von MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) in der Frankfurter Taunusstraße hat lange gezögert, ehe sie Heimweh 1950 in die deutschen Lichtspieltheater schickt. Einer der Gründe für die Zurückhaltung mag gewesen sein, dass die Bosse befürchteten, die durch Krieg gezeichnete junge Generation sei für den übersentimentalen Streifen (noch) nicht empfänglich.

HeimwehDoch im Herbst 1950 halten sie die Zeit dann für gekommen, um die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Buben und seinem Hund Lassie auf den Markt zu werfen. Die Zeit der so genannten „Trümmerfilme” ist längst vorbei – und über die Bewältigung der Vergangenheit wird kaum noch gesprochen. Der Kitsch breitet sich aus. Auch die Filme aus deutscher Produktion sind Massenware und eher durchschnittlich. Eine gute Gelegenheit also, den 1943 nach einer Kurzgeschichte von Eric Knight entstandenen Streifen endlich vorführen zu lassen. Die Story handelt von Joe (Roddy McDowall), der seine Hündin an einen Adligen verkaufen muss, weil seine Familie in Geldproblemen steckt. Obwohl Lassie weit entfernt auf einen Landsitz verbracht wird, kehrt der Collie, ausgehungert und erschöpft von seinem langen Heimweg, zu dem Jungen zurück. In den USA ist der Film ein großer Erfolg gewesen. Vielleicht, weil nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und dem daraus resultierenden Kriegseintritt der USA leichte, ablenkende Unterhaltung beim Publikum besonders gefragt ist. Die Firma MGM macht jedenfalls so gute Kasse, dass sogleich eine Serie aufgelegt wird.

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Die Nacht hat tausend Augen

Illustrierte Filmbühne Nr. 599 (E. S.) – Die Stadt Frankfurt ist zwar nicht zum  westdeutschen Regierungssitz gewählt geworden, gilt jedoch im Jahr 1950 wenigstens als die richtige „Hauptstadt” der US-Verleiher. Die amerikanischen „Major Companies” (MGM, Warner Bros., 20th Century Fox, Paramount, Columbia, Universal RKO und United Artists) haben nach Gründung der Bundesrepublik und DDR sowie der politischen Entwicklung um West-Berlin ihre Quartiere gleich mal  „sicherheitshalber” rund um den Hauptbahnhof aufgeschlagen. Gleichwohl werden viele Filme später als anderswo in die Premierenkinos gebracht. 

1000AugenDas erscheint seltsam, hat aber Gründe. Denn obwohl es zu dieser Zeit mit dem Metro im Schwan, Turmpalast, der Scala, Filmpalast, Bieberbau, Luxor, Eden und Roxy viele Premierenkinos in Frankfurt gibt, entsteht beim reichhaltigen Angebot doch ein  „Stau”. Außerdem sind die Theaterbesitzer vertraglich verpflichtet, bei hoher Zuschauerzahl die Filme um eine, zwei oder gar drei Wochen zu verlängern, was die Konkurrenz auf die Palme bringt, pochen die doch ihrerseits auf fest gebuchte Aufführungstermine. Das birgt einigen Zündstoff in sich und sowohl die Kinos als auch die Verleiher liefern sich deshalb manches Scharmützel. Auch der Film Die Nacht hat tausend Augen findet nach seinem bundesweiten Start an Weihnachten 1949 erst neun Monaten später (am 25. August 1950) den Weg nach Frankfurt. Kurioserweise ist die Zentrale der Paramount, die den  Streifen vermarktet, nur knapp zwei Kilometer Luftlinie vom Roxy-Kino entfernt, das den Film in Erstaufführung zeigt.

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Vagabunden der Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 583 (E. S.) – Zwischen Bleich- und Stiftstraße am Eschenheimer Turm öffnet fünf Jahre nach Ende des Krieges ein Kino, das zu den alten und bedeutenden in Frankfurt am Main zählt, seine Pforten. 1929 war das Lichtspielhaus Ufa-Palast Groß-Frankfurt aus einem Operettentheater entstanden, nun aber – Anfang der 50er Jahre – heisst das Kino  prosaischer nur noch „Turmpalast”, ist gleichwohl aber ein Prachtbau.

VagabundenLiebeDas Haus verfügt über 1200 Plätze und gehört zur GmbH von Siegfried Lubliner, Heribert Froechte und Hans Ulbrich, die schon seit knapp drei Jahren das Bieberbau an der Hauptwache als Premieren-Theater betreiben. Eine Kino-Eröffnung ist immer etwas Festliches, und deshalb bin ich auch diesmal gerne mit von der Partie. Es ist der 30. März 1950, gespielt wird in deutscher Erstaufführung der österreichische Film Vagabunden der Liebe. Wie zu dieser Zeit üblich, sind auch die Hauptdarsteller Paula Wessely und Attila Hörbiger anwesend und unterhalten das überaus festlich gestimmte Publikum mit launigen Worten. Die auch im wirklichen Leben verheirateten Künstler spielen auch in diesem Melodram ein Ehepaar, das durch eine aufstrebende, junge Filmschauspielerin eine kritische Zeit erlebt, aber am Ende doch wieder zusammenfindet. Allerdings resümiert die Ehefrau ernüchtert: „Gefühle sind Vagabunden. Manchmal verdingen sie sich wie Knechte auf einem Hof und haben den besten Willen zu bleiben. Aber nur ganz selten bleibt ein Gefühl immer und ewig am selben Fleck.” Das wirkt irgendwie dann doch sehr kitschig auf uns jüngere Zuschauer.

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Schatten der Nacht

Illustrierte Filmbühne Nr. 567  (E. S.) – In Frankfurt am Main fällt mir im Januar 1950 bei einer Straßenbahnfahrt eine Ausgabe des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel” in die Hände und ich lese darin einen recht süffisanten Bericht über einen Publikumstest in den Eimsbütteler Atrium-Lichtspielen. In diesem Kino läuft als Normalprogramm der Film „Schicksal aus zweiter Hand”, doch den 400 überraschten Zuschauern wird mitgeteilt, es werde nun der brandneue Film Schatten der Nacht gezeigt.

Schatten der NachtEs ist eine Test-Vorführung der Hamburger Real-Film, wobei die Produktionsfirma sich von den Zuschauern ein unbeeinflusstes Urteil „des Volkes“ erhofft, noch ehe durch professionelle Kritiker die Weichen in eine bestimmte Richtung gestellt werden. Wer den Film sehen mag, kann bleiben, wer sich auf den eigentlichen Film gefreut hat, erhält auf Wunsch sein Eintrittsgeld zurück. Alle bleiben, ist es doch ohne Zweifel eine große Ehre, einer solchen Publikums-Jury anzugehören. Nachdem dann der Vorhang  gefallen ist, werden die Fragebögen verteilt – und die Antworten sind unterschiedlicher Natur. Einige Besucher erleben den jungfräulichen Film dramatisch und tief bewegend (ein ergreifendes Frauenschicksal eben), andere Probanden finden die Handlung dagegen eher an den Haaren herbei gezogen und stellen die Frage, warum so renommierte Schauspieler wie Hilde Krahl und Willy Fritsch sich für die Umsetzung eines so miserablen Drehbuches (Heinz Otto Jahn) hergeben.

Die Vermutung liegt freilich nahe – und das ist wahrlich nicht schwer zu erraten –, dass der pekuniäre Aspekt bei ihrer Mitwirkung die entscheidende Rolle gespielt hat. Auch Mimen müssen schließlich leben.

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Gottes Engel sind überall

Illustrierte Filmbühne Nr. 366 (© E. S.) Die Nachkriegszeit hat einige recht unkonventionelle und ansprechende Filme hervorgebracht, ohne dass dabei auf die mächtige Pauke der „Vergangenheitsbewältigung” geschlagen wird. Gottes Engel sind überall – am 24. Februar 1950 ist er gleichzeitig in der Harmonie (Sachsenhausen), der Schauburg (Bornheim) und im Casino (Höchst) in Frankfurter Erstaufführung zu sehen – ist so ein feiner Streifen, der aus Österreich zu uns gekommen ist.

Gottes-Engel-sind-überallIn der Zurückhaltung von Regisseur Hans Thimig bei der Führung der Darsteller Attila Hörbiger (als handfester Haudegen) und Heiki Eis (als der herumirrende Bub) liegt die nachhaltige Wirkung dieses eigentlich schlichten Films, in dem die Geschichte eines österreichischen Soldaten erzählt wird, der in den letzten Tages des Zweiten Weltkrieges desertiert ist und sich nun von der Front in Deutschland bis nach Wien durchzuschlagen versucht. Da gabelt er unterwegs (und eher unfreiwillig) einen kleinen Jungen auf, der in den Wirren eines Fliegerangriffs von seiner Mutter getrennt worden ist und nun nach Hause tippeln will. Der Mann nimmt ihn unter seine Fittiche und gemeinsam stiefeln sie mühselig von Oberösterreich über das Salzkammergut und die Wachau in Richtung Wien.

Auf der beschwerlichen Wanderung entfaltet der kleine Dreikäsehoch eine geradezu entwaffnende Lebendigkeit, aber fern von jeder Altklugheit. So dominiert der Junge den Film auf eindrucksvolle Weise und schiebt selbst den erfahrenen Altmeister Attila Hörbiger ins zweite Glied, ohne dass dies dem Film irgendwie schaden würde. Ganz im Gegenteil: Weil Hörbiger fern jeder Eitelkeit klugerweise darauf verzichtet, sich auffällig in den Vordergrund zu schieben, bleibt dieser liebenswerte Film noch lange in unserem Gedächtnis.

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Und es ward Licht

Illustrierte Filmbühne Nr. 264  (E. S.) – Im November 1948 eröffnet Ludwig Reichard in der Lange Strasse 22 am Allerheiligentor an der Grenze zwischen der Innenstadt und dem Frankfurter Ostend das neu aufgebaute Lichtspiel-Theater Eden. Von außen her betrachtet ist es ein eher schlichtes Gebäude im Stil der Nachkriegszeit, innen wirkt es für die damalige Zeit Verhältnisse recht luxuriös, die rund 700 Plätze sind mehr als beeindruckend. Gezeigt wird der französische Film Und es ward Licht.

Und es ward Licht1948 gibt es viele Impulse zur Normalisierung des Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits im Juni hat die Währungsreform das wirtschaftliche Leben in eine neue Richtung gelenkt, wenngleich auch die in den Westzonen einseitig durchgeführte Umtauschaktion des Geldes die Spaltung Deutschlands beschleunigt. Auch in Frankfurt gibt es einige interessante Nachrichten. Der von den US-Streitkräften beschlagnahmte Palmengarten wird wieder für Deutsche geöffnet; im Oktober geht die erste Herbstmesse mit bereits genau 1771 Ausstellern über die Bühne. Obwohl die Veranstaltung nur an zwei Tagen für das Publikum geöffnet worden ist, kommen immerhin 300.000 Besucher in die Hallen. Und ein gewisser Herr Neckermann siedelt sich im Frankfurter Ostend mit einer Textil-Großhandlung an, aus der bald ein großes, mächtiges Versandhaus entsteht. Und der Filmboom nimmt seinen Lauf. In Frankfurt haben schon viele Lichtspielhäuser wieder geöffnet und spielen französische, britische, amerikanische und die ersten deutschen Nachkriegsfilme wie etwa „…und über uns der Himmel”. Längst werden auch so genannte deutsche Reprisen aus der Vorkriegs- und Kriegszeit gezeigt.

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