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Komödie Musik

Professor Nachtfalter

Illustrierte Filmbühne Nr. 1070 (E. S.)  – Zur Frankfurter Premiere des Films Professor Nachtfalter am 23. Februar 1951 lässt sich die Direktion des Turmpalastes etwas ganz Besonderes einfallen: Zur Verlosung kommt unter dem Publikum ein Vespa-Motorroller, was der Tatsache geschuldet ist, dass auch Professor Wendler (Johannes Heesters) im Film auf einem jener schnuckeligen Zweiräder italienischer Provenienz unterwegs ist.

Professor NachtfalterAußerdem unternimmt der vor kurzem erst neu gegründete Vespa-Club aus Frankfurt am Premierentag ein Stadtrundfahrt, um dann am Eschenheimer Turm vor das Kino zu fahren, um danach dem Film geschlossen die Ehre eines Besuches zu erweisen. Diese durchaus hübsche Idee gefällt dem Publikum, noch mehr Spaß hat allerdings Helga Jockel aus Frankfurt-Ginnheim, denn mit der Nummer 008723 wird sie zur stolzen Besitzerin der ausgelobten Vespa. Das außerordentlich einfach konstruierte (und zu fahrende) Zweirad ist 1946 in Italien entwickelt worden  und findet erst im Jahr 1950 den Weg nach Deutschland. Auch der Herr Professor ist jugendlich-strahlend – wenn auch in der realen Wirklichkeit während der Aufnahmen schon 47 Jahre alt – und wird natürlich angehimmelt von seinen Schülerinnen im Mädchenpensionat am Bodensee.

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Lustspiel Musik

Liebe an Bord

Illustrierte Filmbühne Nr. 1062 (E. S.) – Die Jugend in der Bundesrepublik Deutschland scheint Anfang der 50er Jahre mit ganz unterschiedlichen Interessen unterwegs zu sein. Ein Teil geniesst nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges die zunehmenden Annehmlichkeiten des Lebens, vergnügt sich bei Tanzveranstaltungen und Kinobesuchen, andere hingegen engagieren sich verstärkt im politischen Leben und treten gegen die geplante Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auf.

Liebe an BordDoch diese Verhaltensweisen sind in Wirklichkeit durchaus kein Widerspruch, denn viele Menschen tun sowohl das eine wie auch das andere. Auch die rund 200 Teilnehmer ein Anti-Kriegs-Kongresses, der im März 1951 in Frankfurt am Main über die Bühne geht, sind durchaus keine verbiesterten „Jung-Funktionäre”, sondern sehr engagierte Vertreter  von Jugendorganisationen, die ”für aktive Neutralität und gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands” eintreten. Gleichwohl goutieren manche von ihnen natürlich auch ganz unbeschwert leichte Unterhaltungskost aus Hollywood. Der führende Filmkonzern Metro-Goldwyn-Mayer (Motto: „Mehr Stars als Sterne am Himmel stehen!”), ist in den Vierziger und Fünfziger Jahren berühmt für seine musikalischen Unterhaltungsfilme. Auch in Deutschland werden die Streifen – meist mit Esther Williams in den Hauptrollen –, gerne goutiert. Einer dieser Filme heisst Liebe an Bord, und obwohl das im Mittelpunkt stehende Schiff auf dem Meer herumschippert, ist der beliebte Schwimmstar diesmal nicht dabei.

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Melodram Musik Romanze

Toselli-Serenade

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Im März 1947 ist eine kleine Notiz in den Tageszeitungen zu lesen, der zufolge Kronprinzessin Luisa von Sachsen-Florenz am 23. März als arme Blumenfrau in Brüssel verstorben ist. Ihre Urne, so ist zu lesen, werde im Kloster Hedingen in Sigmaringen, der Grablege der Fürsten von Hohenzollern, beigesetzt.

ToselliAn diese kleine Notiz werde ich erinnert, als fast auf den Tag genau fünf Jahre später, an Gründonnerstag, 22. März 1951, im Frankfurter Filmpalast ein so genannter „historischer Liebesfilm“ gezeigt wird. In den Nachmittagsvorstellungen läuft an diesem Tag noch der Film „Der Bandit und die Königin” mit Cornel Wilde, aber für 21.00 Uhr wird als besonderes Ereignis die Premiere des Films Toselli-Serenade annonciert. Die Zeitungsinserate versprechen großspurig das „klingende Dokument einer unmöglichen Liebe”. Damit nicht genug. Sie verheissen außerdem noch „den ersten weltbewegenden Liebesskandal und das erste weltbewegende Liebeslied dieses Jahrhunderts.” Große Worte fürwahr! Die Französin Danielle Darrieux und der Italiener Rossano Brazzi spielen das historische Paar. Im Anzeigentext liest sich das so: „Kronprinzessin Luise von Sachsen und Enrico Toselli in allem Glück und allem Leid, das ihnen das Schicksal vorzeichnete”. Der Film bezieht sich weniger auf das Leben des Komponisten Toselli, sondern in erster Linie auf die Liebesgeschichte und Ehe zwischen ihm und Prinzessin Luisa von Sachen-Florenz.

Da trieft das Schmalz aus jedem belichteten Meter Film, doch die Realität und der teilweise doch sehr kitschige Inhalt klaffen meilenweit auseinander. Liebe, Krankheit, Verzicht und Tod werden in unwirklichem Gartenlauben-Stil zusammengepantscht, so dass die wichtige historische Rolle der Kronprinzessin als unabhängige, sich gegen alle Konventionen durchsetzende Frau nicht gewürdigt wird.

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Musik

Der Jazztrompeter

Illustrierte Filmbühne Nr. 904 (E. S.) – Als der junge Jazzfan Emil Mangelsdorff 1949 aus der Kriegsgefangenschaft nach Frankfurt  zurückkehrt, ist er überwältigt von der Entwicklung der Jazzmusik in Deutschland, wo der Bebop-Stil den bisher dominierenden, federnden Swing abgelöst hat. „Noch bevor ich diesen Stil auf dem Instrument spielen konnte, habe ich ihn gefühlt,” wird der später zu Ruhm gekommene Saxophonist Mangelsdorff später einmal sagen. 

In den zahlreichen Soldatenclubs der Amerikaner in und um Frankfurt  treten zu dieser Zeit viele deutsche „Jazzer“ auf, die schon in der Nazizeit – als diese Art Musik verboten war und nur heimlich gespielt werden durfte – ihrer Leidenschaft gefrönt hatten. Geld erhalten sie für ihre Auftritte bei den „Amis“ natürlich nicht, dafür aber unter Umständen eine Mahlzeit, manchmal auch Zigaretten oder Zucker. Das sind begehrte Artikel in diesen Zeiten, in dem ein kultureller Umbruch stattfindet. Begleitet wird der musikalische Trend von amerikanischen Filmen wie zum Beispiel „Rhapsodie in Blau“, oder “Tag und Nacht denk ich an dich“, die auch weniger Jazzverrückte mit dieser “andersartigen“ Musik vertraut macht. Einer dieser Filme heisst Der Mann ihrer Träume – ebenfalls auch bekannt als Der Jazztrompeter oder Rhythmus, Leidenschaft und Liebe.

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Musik

Das gibt es nur in Texas…

Illustrierte Filmbühne Nr. 840 (E. S.) – Fast täglich ist 1950 die Sängerin Evelyn Künneke entweder zusammen mit Horst Winter oder Hans Albers im Radio mit dem Schlager „Was wissen sie von Texas“ (amerikanisches Original: „Deep in the Heart of Texas“) zu hören. Solche Hits versprechen gute Werbung und so ist es kein Wunder, dass noch im August ein Film mit dem Titel Das gibt es nur in Texas in die Kinos kommt. Klappern gehört eben zum Handwerk der Kinobranche.

Das gibt es nur in TexasDer amerikanischer Western aus dem Serial der „Drei Musketiere“ ist im Original nur 55 Minuten lang, das übliche Format für einen B-Film; hierzulande hat er aber plötzlich – und angepasst an den Zwei-Stunden-Rhythmus deutscher Kinos – eine Länge von fast 90 Minuten. Verlängert wohl mit einigen Resten des übrigen Schnittmaterials. Die  deutsche Werbeabteilung des Verleihs macht aus dem eher läppischen Film mehr als er tatsächlich ist. In den Zeitungen erscheinen dann auch Anzeigen, in denen ein „aufregender Wild-West-Film mit den drei Musketieren der Prärie” und mit dem bekannten Schlager „Was wissen sie von Texas…“ angepriesen werden. Als die großen Western-Helden werden Ray („Crash”) Corrigan, John („Dusty”) King sowie Max („Alibi”) Terhune für die Frankfurter Erstaufführung in den Eden-Lichtspielen angekündigt. Und dieses Trio gibt es den Bösewichten dann auch ordentlich. Halsbrecherische Hetzjagden zu Pferde und prächtige Knockouts reihen sich aneinander oder wechseln sich fast nahtlos ab.

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Musik

Die Königin vom Broadway

Illustrierte Filmbühne Nr. 742  (E. S.) – Im Frühjahr 1950 ist die Tänzerin und Filmschauspielerin Rita Hayworth Dauergast in allen einschlägigen Filmpostillen und Illustrierten. Denn das „Pin-up-Girl” hat am 27. Juni des Vorjahres in Vallauris bei Cannes in ihrer bereits dritter Ehe den pakistanisch-indischen Prinzen Ali Khan geheiratet. Rita Hayworth, die eigentlich Margarita Carmen Cansino heisst, wird im Dezember Mutter ihrer Tochter Yasmin, während sich Prinz Ali weiter in seiner Rolle als internationaler Playboy gefällt. Schon 1951 trennt sich das Paar. Offiziell wird die Ehe 1953 geschieden. 

Königin vom BroaswayAls Die Königin vom Broadway am 6. April 1950 im Frankfurter Luxor-Kino anläuft, ist die Hayworth wegen dieser privaten Ereignisse natürlich täglich und überall in den Schlagzeilen, selbst in seriösen Tageszeitungen sind darüber Berichte zu finden, auch die Wochenschauen haben sich des Themas angenommen. Weil der Hollywood-Star sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet, ist das auch Grund genug, nun zur Frankfurter Premiere in das Luxor zu gehen. Und es ist auch klar, dass die Firmen, bei denen sie gedreht hat, tunlichst darum bemüht sind, kräftig Kapital aus dem  Interesse zu schlagen: Immerhin ist das ganze Drumherum ja auch ein bisschen verrucht für die 50er Jahre. Wohl auch aus diesem Grund kommt der schon 1942 gedrehte Streifen jetzt in die deutschen Kinos.

Erzählt wird darin die Geschichte des amerikanischen Komponisten Paul Dresser (Victor Mature), der vom Broadway-Star Sally Elliott (Rita Hayworth) erst geliebt, dann verstossen und am Ende doch von ihr geheiratet wird. Wie fast immer in solchen biografischen Filmen stimmt vieles mit der Realität nicht überein, obwohl die Geschichte auf einen Roman von Theodor Dreiser („Mein Bruder Paul”) basiert: – und dieser ist immerhin der Bruder des Liederschreibers. Gleichwohl kapriziert sich die Film-Story auf eine fiktive Liebesgeschichte und stellt vor allem die Musik Dressers, der 1906  im Alter von nur 49 Jahren gestorben ist, in den Vordergrund.

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Musik

Mexikanische Nächte

Illustrierte Filmbühne Nr. 618 (E. S./M. F.) – Im Dezember 1950 erscheint in der Münchener Illustrierten „Quick” erstmals eine von Manfred Schmidt gezeichnete Comic-Serie namens Nick Knatterton; und die in Frankfurt beheimateten amerikanischen Film-Verleiher veranstalten in 18 deutschen Städten Vorführungen für bedürftige Kinder; Sonja Ziemann und Rudolf Prack werden als beliebteste deutsche Filmschauspieler mit dem Bambi ausgezeichnet; „Das doppelte Lottchen” startet in der Bundesrepublik. Und an Weihnachten hat der Streifen Mexikanische Nächte in den Scala-Lichtspielen in deutscher (und Frankfurter) Erstaufführung seine Premiere.

Mexikanische NächteDem Publikum ist schnell klar, dass es bei diesem flotten MGM-Spektakel weniger darum geht, einen plausiblen Handlungsfaden zu liefern, als vielmehr den erfolgreichen Star Esther Williams ins Bild zu setzen. Show und Musik sind deshalb Trumpf. Nur das feuchte Element – das eigentlich ureigene Arbeitsgebiet der Ex-Schwimmerin Williams – spielt diesmal nicht die Hauptrolle. Nur einmal ist der Star in einer kleinen Szene im Wasser zu sehen, und das steht im krassen Widerspruch zu ihren bisherigen, erfolgreichen Bade-Auftritten, zumal ihr schauspielerisches Talent nach eigener Einschätzung eher unterdurchschnittlich ist. Gleichwohl will MGM mal anderes mit ihr ausprobieren, und die Studio-Bosse lassen sie als Zwillingsschwester von Ricardo Montalban in die Arena ziehen. Ricardo verspürt nämlich keinerlei Lust sich mit den Stieren anzulegen, Esther dagegen schon. Während Ricardo also seiner musikalischen Leidenschaft frönt, zieht Esther in den Kampf. Das Täuschungsmanöver gilt dem sturen Vater, der natürlich den Sohn als berühmten Matador vor Augen hat.

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Musik

Tag und Nacht denk‘ ich an Dich

Illustrierte Filmbühne Nr. 608  (E. S.) –Es ist natürlich völlig widersinnig, in einem biografischen Film über eine bekannte Persönlichkeit wirklich die historische Wahrheit erfahren zu wollen. Eine korrekte Schilderung wäre langweilig und würde kaum ein ausreichend interessiertes Publikum finden. Deshalb wird auch in Tag und Nacht denk’ ich an Dich – der Film wird als die Lebensgeschichte des legendären Musical-Komponisten Cole Porter vermarktet –  an fast allen Ecken und Enden (und ganz offenherzig) geschummelt.

Tag und NachtCole Porter hat Cary Grant, den Darsteller seiner Person höchstpersönlich ausgesucht, aber nicht nur, um den finanziellen Erfolg des Films abzusichern. Mit dieser Wahl schafft er nämlich auch von sich selbst ein Bild, das in Wirklichkeit dem Charmeur Cary Grant gehört. Dass im übrigen die Warner-Produzenten, Drehbuchschreiber und der Regisseur Michael Curtiz es mit der historischen Wahrheit nicht ganz genau nehmen, ist durchaus gewollt, und wird auch von Porter selbst bestätigt, der nach der Premiere in New York im Juli ’46 sinngemäß sagt, in dem Produkt könne schon deshalb nichts stimmen, weil ja schließlich ein guter Film herauskommen sollte. Diese Erwartung erfüllt sich zwar nicht ganz, aber ein Publikumserfolg ist es allemal. Im übrigen aber zählt am Ende ohnehin nur die musikalische Wahrheit, nicht aber die filmische Vermarktung.

Jenseits aller Manipulationen gehören die Musicals „Kiss me Kate”(„Küss mich Kätchen”) und „Silk Stockings” (Seidenstrümpfe oder Ninotschka) zu den großen, unvergessenen Werken Porters. Auch die Evergreens „Night and Day”, „Begin the Beguine” und „True Love” (in dem Film „Die oberen Zehntausend”) sind in bleibender Erinnerung.

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Menschenbilder Musik Operette

Der große Walzer

Illustrierte Filmbühne Nr. 517 (E. S.) – Es geht allerorten wirtschaftlich (und auch sonst) sichtlich aufwärts in Deutschland: In der Bundesrepublik wird Anfang des Jahres 1950 die Rationierung von Lebensmitteln (mit Ausnahme von Zucker) aufgehoben. In der DDR werden gleichzeitig die Preise für Lebensmittel um 28, die für Fertigwaren um 32 Prozent gesenkt. Die Unterhaltung nimmt immer breiteren Raum ein im Leben der Menschen. Und in den Kinos wird viel Musik gemacht. So zum Beispiel auch in dem MGM-Streifen Der große Walzer.

Der große WalzerDer Film mit dem Zeichen des brüllenden Löwen bringt mir im Jahr 1949 die erste Begegnung mit der beschwingt-phantasievollen Musik des Walzerkönigs Johann Strauss (Sohn), den seine Familie in Wien im wirklichen Leben gerne beim Kosenamen „Schani” ruft. Auch wenn die Handlung mit dem wirklichen Leben von Johann Strauss kaum etwas zu tun hat und außerdem ziemlich kitschig daherkommt, bleiben doch die vielen Melodien in den Ohren der Kino-Besucher hängen. Vor allem die beliebten „Geschichten aus dem Wienerwald” und der Walzer-Hit „An der schönen blauen Donau” werden für viele zu einer bleibenden Erinnerung. Allerdings hat die im Film mit viel „künstlerischer Freiheit” und breit erzählte und dargestellte  Lebensgeschichte von Strauss (Sohn) indessen nicht einmal in Ansätzen mit der Realität zu tun. Und das ist sehr schade. Aber es ist auch schwierig genug, Biografien dem wirklichen Leben nach zu empfinden, wäre das Publikum dann doch eher enttäuscht.

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Musik

Hallo, Fräulein!

Illustrierte Filmbühne Nr. 350  (E. S.) – Auf den Tag genau eine Woche bevor die Bundesrepublik Deutschland konstituiert wird, ist in München die Erstaufführung eines Filmes, zu dem die Hauptdarstellerin Margot Hielscher die  Vorlage geliefert hat. Das Hauptanliegen des Filmes ist die Jazzmusik, aber auch das in den Nachkriegsjahren permanent vorhandene Thema des „Fraternisierens“ zwischen den alliierten Siegern und den deutschen Besiegten. Der Film Hallo, Fräulein! reisst das Thema freilich nur locker an.

Hallo, FräuleinMargot Hielscher verarbeitet der Legende nach einige eigene Lebenserfahrungen. Die Schauspielerin und Sängerin hat nach dem Ende des Krieges 1945 in amerikanischen Soldatenclubs gesungen, aber auch vor deutschen Publikum; schließlich geht sie mit einer US-Band auf Tournee; alles das findet sich im Film wider, der vorgibt, die Situation in den ersten Jahren nach dem Ende des Krieges zu beschreiben. Doch in Wahrheit  ist davon nur am Rande die Rede. Die Hamburger Zeitschrift „Der Spiegel” schreibt ziemlich irritiert, der Film verwandele „den (…) Nachkriegssommer in eine heitere Auferstehungsstunde des Jazz.” Die Postille ist zudem ein wenig verblüfft, weil das Kino-Publikum „allem Anschein nach diese sweet-romantische Gegenwartsdeutung als wohltuend empfindet.”

Doch es ist der Geist dieser Zeit. Weil die so genannten „Trümmerfilme” den Verleihern und Kinobesitzern (und dem Publikum?) längst ein Dorn im Auge sind, wird die wenig erfreuliche Gegenwart der Monate nach dem Mai 1945 als unbeschwertes, musikalisches Lustspiel abgebildet. Die Handlung ist durchdrungen von Swing des Radio-Tanzorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks, wobei auch die Geige von Helmut Zacharias zu hören ist, ansonsten geht der Blick in eine deutsche Kleinstadt.

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Musik

Clara Schumanns große Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 333 (E.S.) – Es ist nicht die große Lust an diesem biografischen Film, der mich im November 1949 in’s Bieberbau treibt. Vielmehr ist der Besuch einer Freikarte geschuldet. Denn es fehlt mir in dieser Zeit (noch) jeder Bezug zu der Musik von Robert Schumann, Johannes Brahms oder Franz Liszt – und auch die Liebe der Pianistin Clara Wieck zu Schumann erscheint mir zunächst als Darstellung bürgerlichen Miefs.

Clara neuUnter solchen Umständen ist es klar, dass die Geschichte um den begabten Komponisten Robert Schumann und der jungen Pianistin Clara Wieck, die sich nach der Heirat ganz seiner Musik und der ständig wachsenden Familie widmet, nicht besonders attraktiv erscheint – zumal das Leben der Protagonisten schon etwas über 100 Jahre zurückliegt. Gleichwohl gefällt mir der Film dann wesentlich besser als zunächst gedacht. Dem Kinopublikum wird der weit gespannte Lebensabschnitt der Hauptpersonen in glaubhafter und recht lockerer Form erzählt. Der weite Bogen reicht dabei von der mühsam erkämpften Hochzeit Clara Wieck mit Robert Schumann bis zu dessen Ende in geistiger Umnachtung.

Und er macht die Enge des bürgerlichen Haushalts ebenso deutlich wie die stets von finanzieller Not begleiteten Jahre. Katharine Hepburn (als Clara Wieck-Schumann) und Paul Henreid (als Robert Schumann) geben den Szenen Kraft und Profil – und machen auch neugierig auf Details ihres Lebens.

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Musik

Rhapsodie in Blau

Illustrierte Filmbühne Nr. 202 (E. S.) – Die Nazis mochten Jazzmusik nicht besonders und versuchten sie zwischen 1933 und 1945 auf Sparflamme zu halten und zu unterdrücken, ohne jedoch ein offizielles Verbot auszusprechen. Die deutschen Jazzer konnten ihre Lieblingsklänge aufgrund der Diktatur deshalb vor allem im Verborgenen genießen, dennoch gab es nach Kriegsende einen starken Nachholbedarf für diese Musik.

Rhapsodie in BlauViele Besessene versuchten nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den amerikanischen Offiziersklubs Fuß zu fassen, um sich dort an den Klängen der dort aufspielenden Bands zu erfreuen. Als dann 1948 der Film Rhapsodie in Blau in die Kinos kommt, ist das ein weiterer Schritt, um der jazzigen Musikgattung hier zum entsprechenden Stellenwert zu verhelfen. Dabei geht George Gershwins Bedeutung weit über den Jazz hinaus, hat er doch durch die Oper „Porgy and Bess”, durch  die Tondichtung „Ein Amerikaner in Paris”, einiger weitere Musicals sowie symphonischen Jazz wie der „Rhapsodie in Blue” die amerikanische Musikszene in vielen Stilrichtungen beeinflusst und mit geprägt. „Der Spiegel” sah in einer Besprechung nach der Aufführung des Films in Deutschland jedenfalls in Gershwin den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.”

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Musik

Adoptiertes Glück

Illustrierte Filmbühne Nr. 113 und 1221 (E. S.) – Die kesse norwegische Eiskunstläuferin Sonja Henie vergoldet ihr Talent schon seit 1936 in Revuefilmen – natürlich immer auf Eis – und der begabt-geniale Bandleader Glenn Miller gibt in diesen Jahren mit seinem berühmten Sound ebenfalls richtig Vollgas. In der Musical-Komödie Adoptiertes Glück sind beide zu sehen, Miller gibt dabei nicht nur den flotten, musikalischen Takt vor, sondern auch sein Debüt als Darsteller (Phil Corey).

Adoptiertes GlückAls der Film nach dem Zweiten Weltkrieg (1947) vom amerikanischen Militärverleih und der Export-Organisation der Verleiher (MPEA) in die deutschen Kinos gebracht wird, ist der Musiker schon seit drei Jahren verschollen. Als Todestag von Miller gilt der 15. Dezember 1944. An diesen Tag befindet sich der Musiker auf einem Flug von London nach Paris, wobei die kleine Maschine mit Glenn Miller an Bord über dem Ärmelkanal abstürzt. Über den Tod von Glenn Miller gibt es viele Theorien, wovon eine besagt, Millers Flugzeug sei von britischen Bombern getroffen worden, als diese sich auf dem Rückflug nach England ihrer überzähligen tödlichen Last – wie damals von den britischen Militärs aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben – vor der Landung in England „entledigt” hätten.

Doch wie auch immer es gewesen sein mag, bietet mir dieser Film zum ersten Mal den Genuss des legendären Miller-Klangs und gleichzeitig die Auftritte von Sonja Henie. Diese Filmshow und die Musik sind wie geschaffen dafür, um die schrecklichen Erlebnisse der vergangenen Jahre und die entbehrungsvolle Nachkriegszeit in den Hintergrund zu drängen.

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Melodram Menschenbilder Musik

Paganini

Illustrierte Filmbühne Nr. 52  (E. S.) – Ehrlich gesagt, habe ich noch nichts von Nicolo Paganini gehört, als ich im Sommer 1948 vor den Wall-Lichtspielen ein Plakat zu diesem Film betrachte. Gleichwohl interessiere ich mich für das Programm, aber nicht wegen des Geigers, sondern wegen der Hauptdarsteller Stewart Granger und Phyllis Calvert. Die beiden englischen Stars sind nach einigen anderen Filmen Idole an unserer Schule.

PaganiniDoch beim Betrachten der Schaukästen klingelt es bei mir. Habe ich nicht erst vor einigen Wochen in der Zeitung von einem mordenden Geigenspieler gelesen? Die Erinnerung an den Raub ist freilich nur dunkel im Gedächtnis geblieben, kein Wunder, denn zuviel Kriminelles ist in diesen höchst unsicheren Zeiten an der Tagesordnung; aber doch: ein Kellner ist es gewesen, der in der Frankfurter Innenstadt wegen einer kleinen Handvoll Schmuck seine alte Vermieterin erschlagen hat, womit er ohne Zweifel das Sprichwort: „Wo man singt, dort lass’ Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder”, dann doch ein klein wenig ad absurdum geführt hat. Mit Paganini hat das freilich alles nichts zu tun. Erst der Film gibt mir Auskunft über den italienischen Teufelsgeiger. Jetzt weiß ich, dass  Paganini – ist nicht schon der Namen Musik in unser aller Ohren? – ein begnadeter italienischer Geigenvirtuose und Gitarrenspieler ist. Trotz seines unattraktiven Erscheinungsbildes – aufgrund von verschiedenen Krankheiten wirkt er eher leicht verwachsen und unansehnlich – wird er durch seine außergewöhnliche musikalische Begabung und seiner faszinieren Technik bereits früh zu einer Legende.

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Melodram Musik

Schrammeln

Illustrierte Filmbühne Nr. 39  (E. S.) – Schon bald nach dem Ende des Weltkrieges haben in Frankfurt wieder zahlreiche Weinstuben in den Trümmern der Stadt geöffnet. Riart’s Bodega” am Dom ist eine erste Adresse, in der Petersstrasse empfängt das kleine „Juliette” seine Gäste, der „Brückenkeller” an der Obermain-Brücke kredenzt „gepflegte Weine und Unterhaltungsmusik”, in derReblaus in Sachsenhausen klimpert ein immer übertrieben gut aufgelegter Mann sowohl rheinische Schunkel-Lieder als auch Wiener Heurigen-Melodien.

SchrammelnUnd überall in diesen Lokalen – noch ist das knappe Angebot an Speisen und Getränken überschaubar –  ist auch ein kräftiger Schuss Schrammel-Musik dabei. Sie steht unsichtbar auf den noch dürftigen Speisenkarten. Doch was ist das nun eigentlich, diese Schrammel-Musik? Sie gilt Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts als typische Wiener Volksmusik und erhält ihren Namen nach den Geigen spielenden und auch selbst komponierenden Brüdern Johann und Josef Schrammel. Die beiden haben zusammen mit Anton Strohmayer (Gitarre) und Georg Dänzer (Klarinette) ganz Wien im Sturm erobert. Die Männer gelten neben Johann Strauß (Vater und Sohn) als wichtige Repräsentanten der leichteren Musik in Österreich. Deshalb ist es unvermeidbar, dass aus ihrer Lebensgeschichte der Film Schrammeln gemacht wird. Neben dem beachtlichen musikalischem Erfolg werden auch frühere finanzielle Not und  Streitigkeiten zwischen den Beteiligten ausgiebig abgebildet. Als der Film in den Harmonie-Lichtspielen gezeigt wird, strömt das Publikum in Scharen in’s Kino. Die gespielte Musik ist so recht nach dem Geschmack der Menschen in der Nachkriegszeit, um bei gefühlsduseligen Weinliedern Not und Elend der vergangenen Jahre zu vergessen.

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Musik

Wir machen Musik

Illustrierte Filmbühne Nr. 25  (E. S.) – Die Frankfurter Lichtburg liegt am Ende der Kaiserstraße und direkt am Hauptbahnhof. Das führt dazu, dass es nach dem Krieg in dem Kino keine starr eingerichteten Anfangszeiten gibt, sondern zwischen 10 und 22 Uhr ein ununterbrochenes Kommen und Gehen der Besucher möglich ist. Das bringt natürlich viel Unruhe in den Saal, ist aber für die  Bahnreisenden sehr angenehm, denn in andere Züge umzusteigen, kann zu dieser Zeit wegen der schlechten Verbindungen zeitraubend sein.

Wir machen MusikAllerdings stört es mehr als sonst, wenn ein Musikfilm auf dem Programm steht, weil die Schatten werfenden Besucher die Aufmerksamkeit stören. Das ist der Fall bei Wir machen Musik, der hier im Sommer 1948 zu sehen ist – Herstellungsjahr war 1942, der Film ist also schon sechs Jahre alt – und in dem es schlicht um das Thema Liebe, Ehe, Eifersucht und schließlich auch der unvermeidlichen Versöhnung mit Happyend zwischen dem Ehepaar Ilse Werner (junge Musikschülerin) und Victor de Kowa (Komponist) geht.