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Sozialdrama

Fahrraddiebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 1168 (E. S.) Der Film Fahrraddiebe, der im August 1951 in die deutschen Kinos gekommen ist, weckt bei mir viele Erinnerungen an die erste Nachkriegszeit auch bei uns. Ein intaktes Fahrrad zu besitzen, das war in dieser schwierigen Zeit durchaus ein Privileg: und es gegen diebische Mitmenschen zu verteidigen (und zu behalten) das oberste Gebot.

FahrraddiebeWie wichtig ein solches Vehikel sein konnte, erlebte meine Familie nach dem Krieg im Frühjahr 1946, als es für uns Ausgebombte um eine Rückkehr-Genehmigung nach Frankfurt ging. Durch Erlass des Oberbürgermeisters, und abgesegnet von den Militärbehörden, war das zunächst nämlich untersagt. Für Handwerker wie meinen Vater gab es allerdings Ausnahmen, weil sie zum Wiederaufbau dringend gebraucht wurden. Um darüber mit dem Wohnungsamt zu verhandeln, waren zahlreiche Fahrrad-Touren notwendig, weil in Frankfurt auch längst nicht alle Straßenbahnen verkehrten. Einmal radelten meine Schwester und ich sogar aus dem Westerwald nach Frankfurt, erledigten alle Formalitäten und strampelten am nächsten Tag zurück, nachdem wir bei Bekannten für eine Nacht Unterschlupf gefunden hatten. In solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig ein Drahtesel sein konnte. Deshalb war mir die Lage des Plakatklebers Antonio in dem Film so gegenwärtig. Eigene Erlebnisse machen vieles, was anderen widerfährt, verständlicher. Das bezieht sich auch auf Antonio, den Plakatkleber, der in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg nach langer Arbeitslosigkeit endlich eine Stelle als Plakatkleber findet.

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Boulevard der Dämmerung

Illustrierte Filmbühne Nr. 1136 (E. S.) – Der von Billy Wilder meisterhaft inszenierte und von Kameramann John Seitz herausragend fotografierte Film Boulevard der Dämmerung – die Frankfurter Erstaufführung ist Anfang Mai 1951 im Metro im Schwan – kritisiert zwar außergewöhnlich offen das glamouröse Image der Filmmetropole Hollywood, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser „Traumfabrik”.

Das Selbstbildnis vom Sunset Boulevard – so lautet der amerikanische Originaltitel – ist eine Mischung zwischen Dichtung und Wahrheit. Es geht dabei um die Tragödie der einst überschwänglich gefeierten Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson), die nach dem Ende ihrer einst glanzvollen Karriere und besessen von dem Wunsch nach einem Comeback den jungen, aber mittellosen Drehbuchautor Joe Gillis (William Holden) an sich bindet, um mit seiner Hilfe ihren Traum von der Rückkehr auf die Leinwand zu verwirklichen. Anfangs unterstützt Gillis sie bei ihren Selbsttäuschungen, wendet sich aber bald ab von ihr und macht sie unbarmherzig auf die raue Wirklichkeit ihres Niedergangs aufmerksam. Im düsteren Leben inmitten einer Welt musealer Erinnerungen in ihrem Prunkhaus nistet tatsächlich in allen Ecken der Traum von neuem Ruhm, der von dem ihr sklavisch und bedingungslos ergebenen Butler Max (Erich von Strohheim) kritiklos unterstützt wird – wohl auch deshalb, weil er nicht nur ihr früherer Regisseur, sondern auch ihr erster Ehegatte war.

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Bandito

Illustrierte Filmbühne Nr. 1132 (E. S.)  – Für den italienischen Film ist es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fast selbstverständlich, sich mit der schwierigen, sozialen Situation der einfachen Menschen zu beschäftigen. Unter diesen Umständen entstehen einige der besten Streifen der Filmgeschichte. Darunter ist auch „Bandito“ von Alberto Lattuada aus dem Jahr 1946.

BanditoBildViele Gründe spielen für das, was Filmhistoriker als Neorealismus bezeichnen, eine gewichtige Rolle. Weil die Filmstadt Cinecittà vor den Toren Roms von Flüchtlingen belegt ist, und es an allen Materialen fehlt, die zum Filmen notwendig sind, gehen die italienischen Filmemacher auf die Straßen, drehen in den Trümmer der Städte und zeigen das Elend des besiegten Landes. Oft wird nur mit Laiendarstellern gearbeitet, weil kein Geld vorhanden ist. So entstehen unter anderen die Rosellini-Streifen „Rom – Offene Stadt”, „Paisà”, „Deutschland im Jahre Null” sowie „Fahrraddiebe” und „Schuhputzer” (von Vittorio de Sica), um nur einige der wichtigsten zu nennen. Auch der Film Bandito von Regisseur Alberto Lattuada gehört zu diesem Filmen, obwohl sich in diesem Streifen reißerische Elemente mit melodramatischen Akzenten vermischen. Anna Magnani, die Hauptdarstellerin wie in vielen italienischen Werken der Nachkriegszeit, ist neben den Regisseuren der große Star dieser Zeit.

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Meuterei auf der Bounty

Illustrierte Filmbühne Nr. 1112 und Berliner Filmkurier 2520 (E. S.) – Die „Meuterei auf der Bounty“ ist ein amerikanischer Filme, der bereits 1936 in Deutschland gezeigt worden ist, zu einer Zeit, als die Nazis den Vertrieb unliebsamer ausländischer Filme noch nicht unterbunden haben. Im Jahr 1951 wird der Streifen von Metro-Goldwyn-Mayer in einer  nagelneuen, synchronisierten Fassung wieder die deutschen Kinos geschickt.

Bounty

Der Film beruht auf dem Roman „Schiff ohne Hafen” von Charles Nordhoff und James Norman Hall und beschäftigt sich mit einem historisch verbürgten Ereignis aus dem Jahr 1789, wobei allerdings die Buch- und Filmdarstellungen nichts mit der Realität zu tun haben. Es wäre an dieser Stelle übertrieben, die wirklichen Geschehnisse im Detail zu beschreiben, denn inzwischen ist alles Wesentliche rund um die Meuterei von Historikern erforscht und niedergeschrieben worden. Doch als ich den Streifen Mitte Juni 1951 im Frankfurter Turmplast sehe, ist mir das alles noch unbekannt. So sehe ich einen spannenden und aufwühlenden Film, wenngleich die Brutalität und unmenschliche Härte von Kapitän William Bligh (Charles Laughton) erschreckend ist.

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Vulcano

Illustrierte Filmbühne Nr. 1067 (E. S.) – Die Nummerierung der „Illustrierten Filmbühne” ist wegen der Vielzahl von Filmen, die in die deutschen Kinos kommen, nicht immer chronologisch überschaubar. So ist Vulcano mit der höheren Nummer 1067 zum Beispiel in Frankfurt Mitte Februar 1951 schon in den Stadtteilkinos Schwanen (Bockenheim), Blumen (Bornheim), Filmbühne (Sachsenhausen) und Kurbel (Nordend) zu sehen, während „Stromboli” im Turmpalast – obwohl mit der niedrigeren Nummer 933 – erst am Freitag, 16. Februar, in Frankfurter Erstaufführung startet.

VulcanoVulcano stellt zwei Dinge in den Mittelpunkt: Einerseits die Menschen auf der kleinen Insel Vulcano nördlich von Sizilien, andererseits den Vulkan, der wie eine ständige Bedrohung für die auf dem Eiland lebenden Frauen, Männer und Kinder wirkt. Dabei ist Vulcano im Grunde genommen gar kein Spielfilm im üblichen Sinne, in dem ein sorgfältig  und dramaturgisch ausgeklügelter Handlungsablauf den Gang der Dinge bestimmt, sondern ein eher episodenhaft zusammen gestelltes Melodram, das in starken und eindringlichen Skizzen das karge Leben der Fischer und Handwerker anreisst, aber auch vertieft, vor allem als der Vulkan zu speien beginnt. Im Mittelpunkt steht Maddalena Natoli (Anna Magnanit), die jahrelang in Neapel als Dirne gearbeitet hat, und nun in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Als der schurkenhafte Fischer Donato (Rossano Brazzi) ihre jüngere Schwester Maria (Geraldine Brooks) verführen will, greift Maddalena ein, um ihr das eigene Schicksal zu ersparen. Der Vulkan steht dabei immer wie ein Mahnmal über all diesen schicksalhaften Vorgängen – auch über dem Leben der Menschen und der Düsternis ihres Daseins auf der winzigen, einengenden Insel.

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Stromboli

Illustrierte Filmbühne Nr. 933 (E. S.) – Der italienische  Film Stromboli, in Zusammenarbeit zwischen dem neorealistischen Regisseur Roberto Rosselini und dem Hollywoodstar Ingrid Bergman entstanden, wird bei seinem Start in Deutschland 1951 von Zuschauern und Kritikern als zähes Melodram eher zwiespältig aufgenommen. 

Titel- StromboliWeil filmästhetische Gesichtspunkte für viele ohnehin keine große Rolle spielen, bleibt dieser Film vor allem in Erinnerung wegen der „echten“ Romanze zwischen Ingrid Bergman und dem Regisseur Robert Rosselini, die von den Hollywood-Mächtigen, ihren sehr willfährigen Schreiblakaien und der überaus prüden Öffentlichkeit zum „Skandal“ erhoben wird. Denn Ingrid Bergman ist zur Zeit dieser Liason noch mit dem schwedischen Arzt Petter Lindström verheiratet – und obwohl diese Ehe schon als zerrüttet beschrieben wird, lassen die tugendhaften Sittenwächter der USA kein gutes Haar mehr an der Schwedin.

Vor allem christlich-religiöse und puritanische Gruppen erheben ihre Stimme gegen die Schauspielerin. Der Senator Edwin C. Johnson, der sich lange, aber vergeblich um ein Verbot des Films in den Vereinigten Staaten bemüht, scheut sich nicht, das Paar sogar als „Apostel der Entartung“ zu apostrophieren und bedauert, dass aus seiner früheren Lieblingsschauspielerin nun eine „mächtige Kraft des Bösen“ geworden ist.

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Bitterer Reis

Illustrierte Filmbühne Nr. 860 (E. S.) – Bevor der italienische Film Bitterer Reis 1950 in die deutschen Lichtspieltheater kommt, gibt es schon überall in den Medien reichlich Gesprächsstoff in Illustrierten und Magazinen. An den Zeitungskiosken prangen Bilder von Silvana Mangano und hinter vorgehaltener Hand wird mit süffisantem Lächeln nur über ihren Busen geredet.

BittererReisDieses Szenario ist typisch für die krude, verklemmte  Moral in der Bundesrepublik Deutschland. Was den Film Bitterer Reis anbelangt, so steht denn auch bei den meisten Betrachtungen nicht der harte Klassenkampf, die bitterer Armut und die gnadenlos-brutale Ausbeutung der vielen Landarbeiterinnen auf den öden Reisfeldern des Piemont und der nahen Lombardei im Mittelpunkt, es wird dagegen mehr über die leidenschaftlichen Beziehungen von Silvana, Walter, Francesca und Marco geredet. Dass es sich bei diesem Film um eines der besten und filmisch eindrucksvollsten Werke des italienischen Neorealismus (Regie: Giuseppe de Santis) nach dem Zweiten Weltkrieg handelt, und einfühlsam, aber zugleich auch treffend die gesellschaftliche Situation der armen Landbevölkerung behandelt wird, bleibt – abgesehen von einigen ernsthaften Kritikern –, dem deutschen Publikum jedoch weitgehend verborgen. Dabei ist die Kameraarbeit sehr beeindruckend. Passagen von epischer Breite wechseln mit dem Blick weit hinaus über die grauen Reisfelder und die gebeugten Rücken – all dies untermalt mit dem heiterem Gesang der schuftenden Frauen und dem Fluchen der rücksichtslos antreibenden Aufseher.

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So grün war mein Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 766 (E. S.) – An diesen Film erinnere ich mich aus zwei Gründen besonders gut. Zunächst bringt die 20th Century Fox den Film unter der Bezeichnung Schwarze Diamanten heraus, ändert aber bereits kurz darauf den Titel in Anlehnung an den Roman und das US-Original in So grün war mein Tal. Außerdem verzichten die professionellen Zeitungskritiker auf ihre spitzen Federn und überlassen in Absprache mit dem Centfox-Verleih und dem Theaterbesitzer Wollenberg vom „Metro im Schwan“ in Frankfurt den Zuschauern die Beurteilung, was bei der Qualität des Films einigermaßen überrascht.

So-grün-war-mein-TalImmerhin ist der Film schon mit fünf Oscars ausgezeichnet worden und beruht auf dem berühmten Roman des Walisers Richard Llewellyn. Schwere Arbeit für die Laien also. Auch ich versuche mich mit einer Kritik an dem Film, der die Geschichte einer Familie namens Morgan am Ende des 19. Jahrhunderts in Südwales erzählt. Diese Familie führt im idyllischen Tal ein einfaches, aber zufriedenes Leben. Ruhe und Beschaulichkeit finden jedoch ein plötzliches Ende, als in der Gegend Kohlevorkommen entdeckt werden. Das ruft natürlich geldgierige Schlotbarone aus den Industriezentren auf den Plan, und die Arbeiter und Gewerkschaften halten dagegen. Auf der Jagd nach einer möglichst hoher Rendite nehmen die Grubenbetreiber nur wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Einheimischen und der vielen zugewanderten Kumpel, es kommt zum Streik und zu klassenkämpferischen Auseinandersetzungen, die tief in die Familie hineinwirken. Das Leben im Tal und auch die Menschen selbst verändern sich.

Wie durch diese Vorkommnisse auch der Zerfall der Familie Morgan beeinflusst wird, erzählt in Rückblenden der inzwischen alt gewordene Sohn Huw Morgan (Roddy McDowall). Dabei wird sein eigenes Leben als kleiner Junge, aber auch das Schicksal seiner Eltern (Donald Crisp und Sara Allgood), seiner Schwester (Maureen O’Hara) und seiner Brüder in den Zeitenläuften für die Zuschauer nachvollziehbar.

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Teufelskerle

Illustrierte Filmbühne Nr. 338  (E. S.) – Der Film Teufelskerle, der im Sommer 1949 in der gerade ausgerufenen Bundesrepublik Deutschland anläuft, passt so recht in die deutsche Nachkriegszeit. Der MGM-Streifen zeichnet sich durch eine lebendige Darstellung aus, ist  auch in schwierigen Situationen gewürzt mit Humor und hat überdies stark ausgeprägte humanistische Elemente. 

TeufelskerleDie Story beruht auf einer wahren Begebenheit und setzt Pater Flanagan (Spencer Tracy), der 1917 in Nebraska eine „Kleinstadt” (Boys Town) für entwurzelte Jugendliche ins Leben gerufen hat, ein Denkmal. Der Film trifft auch in Deutschland den Nerv der Zeit, denn während des Krieges und nach 1945 ist ein Großteil der Jugend ebenfalls – wie im Film gezeigt – aus der Bahn geworfen worden. Denn nicht nur unter den Erwachsenen ist die Kriminalität hoch, auch Jugendliche sind vom Virus des leichten und „schnellen Geldes” infiziert. Die Zeitung „Frankfurter Rundschau” muss immer wieder auf’s Neue über Gewalttaten berichten; so wird z. B. Ende 1947 bei einem Raubüberfall in der Feldbergstraße ein Schwarzhändler erschlagen; außerdem werden während des brutalen Verbrechens zwei völlig unbeteiligte Frauen erschossen. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges, vor allem die Kleinkriminalität ist weit verbreitet.

Unter solchen Umständen stimmt die im Film erzählte Geschichte von Pater Flanagan durchaus hoffnungsfroh. Die biographische Hintergrund bezieht sich auf den idealistischen Pater Flanagan, der 1917 in Ohama (Nebraska) eine Landfarm gründet, um  schwer erziehbare männliche Jugendliche auf ein „ordentliches Leben” vorzubereiten.

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Von Mensch zu Mensch

Filmpost Nr. 337  (E. S.) – In Frankfurt werden im Jahr Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre zahlreiche neue und respektable Lichtspielhäuser eingeweiht. Eines davon ist der „Filmpalast” in der Großen Friedberger Straße 26-28. Zur Eröffnung wird am 27. September 1949 der französische Film Von Mensch zu Mensch gezeigt, der das Leben von Henri Dunant, dem Begründer des Roten Kreuzes, nachzuzeichnen versucht.

Von Mensch zu MenschDer Filmpalast steht an einem traditionsreichem Platz. Schon seit 1929 werden hier Filme gezeigt; das Kino heisst zunächst Roxy-Palast, später dann auch „Pali“ (Palast-Lichtspiele). Und nach der Bombenzerstörung im Zweiten Weltkrieg baut August Reichard das Haus wieder auf und macht im wahrsten Sinne des Wortes einen Palast daraus. Satte 1500 Sessel stehen in dem prächtigen Saal, es gibt zusätzlich einen Rang und Seitenlogen, in denen allein fast 600 Besucher Platz finden. Es gibt auch einen Orchestergraben, in dem 50 Musiker Platz finden, grüner Marmor und indirektes Licht schaffen im Foyer eine heimelige Atmosphäre. Jedenfalls sind die ersten Zuschauer, die den riesigen Saal betreten, – darunter auch der Autor –, beeindruckt von dem Ambiente. Ich jedenfalls war nie zuvor in einem solchen Prachtbau.

Später erhält das Kino als erstes Lichtspiel-Theater in Frankfurt sogar Sitze mit neigbaren Rückenlehnen, was sich allerdings am Anfang als gewöhnungsbedürftig erweist, vor allem bei Filmen, bei denen sich vor Aufregung und Spannung unruhig bewegt wird. Schon wenige Wochen nach der Eröffnung verpachtet Reichard das Haus an den Stuttgarter Kino-König Willy Colm.

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Der Seewolf

Illustrierte Filmbühne Nr. 295  (E. S.) – In den Scala-Lichtspielen in Frankfurt am Main startet an Weihnachten 1949 der Warner-Spielfilm Der Seewolf nach dem Roman von Jack London. Die Werbung verspricht „Piratenleben, Meuterei auf See, Sensationen und Abenteuer voller atemberaubender Spannung” und weist zusätzlich daraufhin, der Film basiere auf dem immerhin besten Roman des Abenteuerschreibers.

Der Seewolf Ein guter Grund, sich diesen Film anzusehen. Unter mehreren Filmen suchen meine Freunde und ich uns diesen Seewolf aus, der vor Jahren schon von Hollywoods viel beschäftigtem Zelluloid-Schuster Michael Curtiz in Szene gesetzt worden war. 97 Minuten lang werden die bösartigen Untaten des berüchtigten Kapitäns Wolf Larsen (Edward G. Robinson)  gezeigt, doch es ist letztlich doch nur ein Unterhaltungsspektakel. Der grausame Kapitän Wolf Larsen rettet bei seinen Reisen über See Schiffbrüchige nur deshalb, um sie auf seinem Schiff gefangen zu halten und brutal auszubeuten. Die Solidarität ist gering, jeder auf dem Schiff ist sich in seiner Not nur selbst der Nächste..

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Captain Boycott

Illustrierte Filmbühne Nr. 226  (E. S.) – Als Captain Boycott im Jahr 1948 in den Kinos der britischen und amerikanischen Zone anläuft, können sich viele so genannte „Städter” ein gutes Bild von den Problemen der Landbevölkerung machen, haben sie doch als „Evakuierte” lange Zeit in Dörfern gelebt. Deshalb sind ihnen die Vorkommnisse in dem englischen Film nicht ganz fremd. Denn Differenzen zwischen Großbauern einerseits und kleinen Landwirten sind auch da – wenn auch in abgemilderter Form – immer wieder aufgetreten.

Captain BoycottIm Mittelpunkt von Captain Boycott steht ein weitaus größeres Problem. Es geht um den Widerstand irischer Landpächter und Landarbeiter gegen die massive, brutale Unterdrückung und Ausbeutung durch die Großgrundbesitzer, exzessiv vorgeführt vom adligen Earl of Erne und seinem recht rüden Verwalter und Geldeintreiber Charles Boycott (Cecil Parker). Es ist ein höchst sozialpolitischer Film, allerdings eingebettet in einer ziemlich am Rande des Geschehens spielende Liebesgeschichte zwischen dem patriotischen Landwirt Hugh Davin (Stewart Granger) und der hübschen Anne Killain (Kathleen Ryan). Schauplatz des Geschehens ist Irland im Jahr 1880, als ein schon länger schwelender Konflikt offen ausbricht, weil das schlechte Wetter dem Land eine Missernte beschert hat. Der Earl of Erne und auch Captain Boycott bleiben vom Wunsch nach einer Pachtminderung ziemlich unberührt. Charles Boycott selbst – ein ehemaliger, strammer englischer Armeeoffizier – reagiert stattdessen mitleidlos mit Räumungsbefehlen, setzt Arbeiter aus der Stadt Ulster als Erntehelfer ein und lässt diese durch Soldaten beschützen.

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Die Weber von Bankdam

Illustrierte Filmbühne Nr. 208 (E. S.) – Eine beachtliche Flut von belanglosen deutschen Filmstreifen, amerikanischen Melodramen und auch britischen Kriminalreißern und Kostümschinken schwappt nach dem Krieg neben einigen wenigen deutschen„Trümmerfilmen”, die sich um Aufarbeitung der Vergangenheit bemühen, in die deutschen Kinos.

Weber von BankdamEiner der vielen englischen Filme heisst Die Weber von Bankdam, in dem auch einige sehr interessante sozialpolitische Aspekte erörtert werden, wenn auch unverhohlen aus der Sicht des Kapitals. Dabei steht der Blickwinkel der Besitzenden im Mittelpunkt, wobei sich um das Jahr 1860 ein Unternehmer und seine zwei Söhne in der Grafschaft Yorkshire bekriegen, um die Sicherung des Profits und des Erbes im konservativen und recht verkrusteten viktorianischen Zeitalter zu gewährleisten. Der Manchester-Kapitalismus hat Hochkonjunktur, die Arbeiter haben weder Rechte, noch eine soziale Absicherung. Gewerkschaften sind nicht zugelassen, Krankheit oder Arbeitslosigkeit werden von den Unternehmern schlicht als individuelle Risiken der Lohnabhängigen betrachtet. Die Arbeitszeit beträgt zehn bis zwölf Stunden, der Lohn reicht kaum, um die Existenzgrundlage zu sichern. Der Film schenkt dem wenig Aufmerksamkeit, sorgt sich dagegen eher um die Wohlhabenden. Immerhin sind viele dieser Probleme den Menschen im Nachkriegsdeutschland nicht gerade unbekannt, haben sie doch lange und täglich damit zu tun gehabt, sich in der schwierigen Wirtschaftslage über Wasser zu halten. Erst nach der Währungsreform ist einiges besser geworden.

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Die Entscheidung

Illustrierte Filmbühne Nr. 207 (E. S.) Als in den Ton-Lichtspielen in Rödelheim an Weihnachten 1948 der MGM-Film Die Entscheidung gezeigt wird, preisen der Kinobesitzer und der Verleiher den Film „als die bewegte Liebesgeschichte einer entsagenden Frau” mit Greer Garson „als Gestalterin einer echten Frauenrolle.” 

Die EntscheidungDer Film bietet jedoch wesentlich mehr als diese oberflächliche Reklame beschreibt, denn er zeigt Probleme im Zusammenhang mit Klassenkämpfen. Das ist gerade in der Nachkriegszeit von Bedeutung, denn wegen der schlechten Entlohnung und der insgesamt schwierigen Versorgungslage der arbeitenden Menschen kommt es immer wieder zu Protesten. So haben sich gerade Mitte November sowohl in der britischen als auch  amerikanischen Zone rund neun Millionen Arbeitnehmer an einem 24stündigen Generalstreik gegen die Preissteigerungen beteiligt. Auch im Film spielen – neben der Liebesgeschichte – streikende Arbeiter eine wichtige Rolle, sind allerdings nur Staffage, um der Love Story entsprechende Würze zu geben. Dass in der Darstellung dabei einige ungenaue Bilder von den Lohnempfängern gezeichnet werden, nimmt dem ansonsten guten Film leider einiges von seiner Glaubwürdigkeit. Mary Rafferty (Greer Garson) kommt als Tochter eines irischen Arbeiters im Jahr 1873 als neues Dienstmädchen in die Fabrikanten-Familie von William Scott nach Pittsburgh. Ihre Liebe zu dem Sohn des Hauses (Gregory Peck) führt zu vielen Komplikationen, zumal im Hintergrund die Standesunterschiede eine wichtige Rolle spielen – sowohl in objektiver Hinsicht, als auch bei den subjektiven Empfindungen der Beteiligten.

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Sozialdrama

Das grünende Korn

Illustrierte Filmbühne Nr. 120 (E. S.) – Der Titel dieses Films erzeugt eine mehr als positive Wahrnehmung. In Wirklichkeit ist es oft nur äußerlich so grün in Wales; der soziale Hintergrund der von Kohle geschwärzten Kumpel im Jahr 1895 in einer Bergarbeitersiedlung setzt freilich ganz andere Akzente.

Das-grünende-KornIn unserer Schule wird 1946 das Fach Gemeinschaftskunde eingeführt. Lehrer Heinz M. versucht den Schülern, die in der Nachkriegszeit mit vielen eigenen Problemen konfrontiert sind, die Sinne zu schärfen für die Not anderer. Im Zusammenhang mit der Lage der Kumpel im deutschen Kohlenpott erklärt er uns auch die Situation der Bergarbeiter im 18. und 19. Jahrhundert in Wales. Er berichtet vom harten Leben in den Schächten; von der Armut  und den täglichen Sorgen der Familien. Die Löhne sind niedrig, die Mieten in den Werkswohnungen der Unternehmer überhöht. Die Abhängigkeit geht so weit, dass die Arbeiter die Lebensmittel zu überhöhten Preisen von den Bergwerksgesellschaften kaufen müssen, die diese vorher in Massen eingekauft haben. Die meisten Unternehmer ziehen die Kosten für diese Waren gleich vom Lohn ab. Vermeintliche (oder tatsächliche) schlechte Arbeitsleistung wird mit Lohneinbußen bestraft.

Kinderarbeit ist an der Tagesordnung, besonders betroffen davon sind die Buben. Wenn sie selbstständig genug sind, müssen sie als Handlanger in den Hüttenwerken zupacken. Weil sie noch klein sind, werden sie insbesondere dazu benutzt, um unter Tage die Förderwagen aus den hintersten, niedrigen Stollen herauszuziehen. Das, was uns der Lehrer berichtet, ist alles  auch im Film Das grünende Korn zu sehen, den ich wenige Tage später sehe.

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Sozialdrama

Das verlorene Wochenende

Illustrierte Filmbühne Nr. 60  (E. S./M. F.) – Als der Paramount-Film Das verlorene Wochenende im Jahr 1948 in die Frankfurter Kinos kommt, ist es für viele Zuschauer ein bedrückendes Ereignis, denn in den Jahren davor ist das Publikum durch die deutschen Firmen UFA, Terra, Tobis und andere  weitgehend mit leichten Komödien, seichter Unterhaltung oder Durchhaltestreifen „verwöhnt” worden.

Das verlorene WochenendeUnter solchen Umständen ist ein Film der so genannten „Schwarzen Serie” aus Hollywood dann doch ein recht starkes Kontrastprogramm. Doch abgesehen davon spielt Alkohol zu dieser Zeit auch im realen und wirklichen Leben des zerteilten Deutschlands durchaus eine Rolle. Bei den Bauern auf dem so genannten flachen Land ist noch immer der selbst gebrannte Schnaps aus Kartoffeln in „Mode”, in Frankfurt wird gelegentlich Bier-Ersatz auf Brotmarken der Lebensmittelkarten ausgegeben; klar, die Kriegsereignisse haben viele Menschen ohnehin aus der Bahn geworfen; die  Schwarzhändler verschieben Spirituosen. Das Thema Alkohol ist für die Zuschauer also nicht außergewöhnlich, sie sind jedoch stark beeindruckt von der intensiven Darstellung des Alkoholismus und seiner Folgen auf der Leinwand, kein Wunder auch, lässt das Drama um den New Yorker Schriftsteller und Trinker Don Birnam den meisten Besuchern den Atem stocken. Das Geschehen des Films bezieht sich dabei auf nur drei Tage, ein verlängertes Wochenende.

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Abenteuer Sozialdrama

Das große Treiben

Illustrierte Filmbühne Nr. 54  (E. S.) E– in spannender englischer Abenteuerfilm, der in Australien spielt und auf einer wahren Begebenheit beruht, kommt im Herbst 1947 in die deutschen Kinos; er zeigt eine  Kombination von persönlichem Engagement in den Kriegszeiten sowie Leidenschaft und Romantik, garniert mit überaus beeindruckenden Landschaftsaufnahmen: Das große Treiben, so der Titel, bezieht sich auf ein Ereignis zu Beginn des Weltkrieges, das eine Gruppe entschlossener Farmer bei der Rettung ihrer Rinder zeigt.

Das große TreibenIn den Frankfurter Metzgereien wird gegen die Vorlage der Lebensmittel-Marken im Herbst des Jahres 1947 gelegentlich auch Hammelfleisch aus Australien verkauft. Der Geschmack ist miserabel, und so ergibt sich zwangsläufig eine gewisse Abneigung gegen das Vieh aus dem fünften Kontinent. Mit solchen Vorbehalten geht jedenfalls mancher Besucher in einen Film, der in Australien spielt, wobei das natürlich völliger Blödsinn ist. Der Film entschädigt dann auch für das zähe Fleisch auf dem Mittagstisch, zumal die Geschichte spannend genug ist. Als nämlich japanische Truppen 1942 dem australischen Kontinent immer näher kommen, werden die dortigen Einwohner von der Regierung aufgefordert, ihre Heimat zu verlassen, ihre Habe zu vernichten und auch die Rinder zu töten. Doch eine kleine Gruppe von Ranchern und Führung von Dan McAlpine beschließt stattdessen, mit dem Vieh einen Monate anhaltenden Treck quer durch das endlose Land zu unternehmen. 1600 Meilen weit.

Es ist ein Film mit halb dokumentarischem Charakter, da er sich teilweise auf tatsächliche Ereignisse bezieht. So ist ein fesselnder und zugleich auch großartig fotografierter Bericht über ein durch Kriegsgefahren hervorgerufene Situation entstanden.

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Sozialdrama

In Ketten um Kap Horn

Illustrierte Filmbühne Nr. 20  (© E. S.) – Irgendwie ist das Drumherum noch immer ein wenig beängstigend – als die Scala-Lichtspiele am 21. September 1947 mit dem Film In Ketten um Kap Horn den Betrieb wieder aufnehmen, bietet die Frankfurter Innenstadt ein Bild der Zerstörungen. Doch die Menschen strömen in die Kinos, Unterhaltung ist gefragt, auch wenn es nicht immer die beste ist… 

In Ketten um Kap HornDas Kino befindet sich ganz am oberen Ende der Schäfergasse (Hausnummer 29). Die Große Friedberger Strasse, die Alte Gasse, Petersstraße und die Vilbeler Straße bilden hier eine große Kreuzung; einst hieß dieser Ort nach der nebenan stehenden Kirche auch Petersplatz. Die inzwischen notdürftig hergerichtete, aber freundlich-helle Fassade des Traditionshauses täuscht freilich nicht über die Trümmerberge hinweg. Das Haus links neben dem Eingang ist völlig zerstört, rechter Hand sind die Außenfronten übersät mit Einschlägen von Bombensplittern, die Fensterhöhlen sind nur provisorisch hergerichtet. Und direkt neben dem Eingang, wo die Menschen in einer langen Schlange anstehen, liegen immer noch Berge von Schutt.

Die Menschen, die von Alltagssorgen geplagt werden, suchen hier nach Zerstreuung, wollen etwas erleben. Kino heisst das Zauberwort, auch bei dem Film In Ketten um Kap Horn. Es ist allerdings ein bisschen viel an Dramatik, was den Zuschauern da vorgesetzt wird, auch wenn das Ganze auf einem Tatsachenbericht von Richard Henry Dana (Brian Donlevy) beruht, der selbst auf dem Schiff mitsegelte.

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Revue Sozialdrama

Mädchen im Rampenlicht

Illustrierte Filmbühne Nr. 8  (E. S.) – 1947 kommt ein amerikanischer Revue-und Musikfilm in die deutschen Kinos, der persönliche Geschichten rund um die berühmten und legendären „Ziegfield Follies” erzählt. Ziegfeld selbst taucht nicht auf in dem Streifen – im Blickpunkt stehen vor allem die weiblichen Stars Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner; James Stewart ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Mädchen im RampenlichtDer Film läuft dann in Frankfurt irgendwann auch im Lichtspiel-Theater von Herrn Gustav Kilian in der Wallstraße 22 in Sachsenhausen und der Zeitzeuge Erich S. berichtet, auf welch eher eigenartige Weise er den Film Mädchen im Rampenlicht – und das sogar ohne jedes Billett – gleich mehrmals, aber nur in kleinen Häppchen zu sehen bekommt.

„Die Kopien waren sehr knapp und so mussten sich meistens zwei Kinos, die ziemlich dicht beieinander lagen, eine Wochenschau teilen. In Sachsenhausen waren das die Harmonie und das Wall-Kino. Mehrmals am Tag musste also die Kopie von dem einen in das andere Kino geschleppt werden. Und so wurden dann auch die Anfangszeiten so aufeinander abgestimmt, so dass das irgendwie immer klappte. Dabei gab es für uns kleine Botenjungen oft Gelegenheit, Teile des Hauptfilms zu sehen. So richtig komplett aber nie. Das spielte aber auch keine so große Rolle, denn es interessierte uns nicht so sehr die Handlung als vielmehr ein Blick auf Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner.”