DamalsKino

ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Unterhaltung Seite 2 von 3

Skandal in der Botschaft

Illustrierte Filmbühne Nr. 968 (E. S.) – „Tolle Verwicklungen um Victor de Kowa in einer Doppelrolle in der amüsanten Filmkomödie Skandal in der Botschaft“ verspricht uns die Werbeanzeige des Frankfurter Turmpalastes zu Weihnachten 1950.

Skandal-in-der-BotschaftIn der Zeit des beginnenden Kalten Krieges geht es zwischen den Weltmächten und den mit ihnen verbündeten Staaten in Ost und West natürlich auch um das Ausspähen von echten oder auch nur vermeintlichen „Geheimnissen”. Das Thema Atomspionage nimmt breiten Raum ein. Anfang Januar ist der Physiker Dr. Klaus Fuchs in London als sowjetischer Kundschafter enttarnt worden. Auch die Filmemacher nehmen sich dieser brisanten Themen an – entweder ernsthaft und spannend in aufregenden Thrillern verpackt, oder auf der Basis eher heiterer Verwicklungen. Letzteres ist bei der von Richard Eichberg produzierten Komödie Skandal in der Botschaft der Fall; um geheime Unterlagen nicht in die Hand einer fiktiven und namentlich nicht genannten totalitären Macht fallen zu lassen, bedient sich ein ebenfalls nicht näher bezeichneter (und natürlich böser Staat) der kriminellen Geschicklichkeit eines erfahrenen Geldschrankknackers, um an irgendwelche Geheimnisse heran zu kommen. Wer hätte das (nicht) gedacht?

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Kronjuwelen

Illustrierte Filmbühne Nr. 947 (E. S.) – Der deutsche Nachkriegsfilm spült neben einigen Qualitätsfilmen auch viele Produktionen in die Kinos, die völlig zu Recht schnell der Vergessenheit anheimfallen. Einer dieser Streifen heisst Kronjuwelen und ist eine recht krude Mischung aus Polit-, Unterhaltungs- und Kriminalfilm. Mit einer Freikarte gerate ich in das Luxor am Frankfurter Hauptbahnhof und in diesem verwirrenden Streifen.

KronjuwelenDie wenig originelle Geschichte spielt in einem Phantasiestaat, der von fremden Truppen besetzt wird, wobei die Besatzer in SS-ähnlichen Uniformen agieren. Ob das eine Anspielung auf die jüngste deutsche Vergangenheit sein soll, bleibt im DunkelnDie Story selbst ähnelt zwar vielen anderen, sie ist aber so wenig überzeugend auf Zelluloid kopiert worden, dass es selbst dem wenig anspruchsvollem Publikum schwer fällt, der Handlung zu folgen. Manche Besucher verlassen sogar das Kino. Sie erleben das tragische Ende nicht mehr, das seine Ursprung in einem Krieg hat: Fremde Truppen haben das Land besetzt, die Regierung beauftragt danach den Juwelier Willroy (Hans Nielsen), die Kronjuwelen in Sicherheit zu bringen. Willroy versteckt die wertvollen Kluncker im Atelier eines befreundeten Bildhauers in einer Frauenbüste. Die schöne Baronin Eva Skeravenen (Sybille Schmitz) – sie hat für die Büste Modell gestanden – gerät so unversehens in den Besitz des wertvollen Schmucks. Der Juwelier hat sich selbstredend längst in die schöne Baronin verliebt – und macht deshalb gemeinsame Sache mit ihr und einer Bande von kriminellen Diamantenschmugglern: gegen die Interessen seines Landes und entgegen den Wünschen seiner Regierung.

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Wenn Männer schwindeln

Illustrierte Filmbühne Nr. 863 (E. S.) – Es ist ein insgesamt doch belangloses Lustspiel, das Anfang März 1951 im „Metro im Schwan“ seine Frankfurter Premiere erlebt. Viel Durchschnittliches, gleichwohl aber einige pfiffige Dialoge und im Blickpunkt ein attraktives „Taxi-Girl“. Welche Rolle solche „Taxi-Girls“ im wirklichen Leben spielen, wird in Mitteilungen deutlich, die den männlichen Gästen oft in Bars und Unterhaltungscafés diskret präsentiert werden. 

Wenn Männer schwindeln„In unserm Hause arbeiten Taxi-Girls“, so heisst es da erläuternd und den Besuchern wird lang und breit erklärt: „Taxi-Girls sind junge Damen und in Not gekommene Künstlerinnen und Studentinnen, die sich Ihre dezente Unterhaltung angelegen sein lassen. Sie sind dazu da, mit Ihnen zu tanzen und ein paar unbeschwerte Stunden zu teilen. Darüber hinaus erwarten Sie bitte nichts, was sich mit der Würde einer Frau nicht verträgt.“  Solche bewichtigendenWorte sind vor allem an die Geschäftsleute gerichtet, die viel Zeit in Hotels und Bars verbringen, um sich nach erfolgreichen Verhandlungen zu entspannen. Es herrscht eine gewisse „Goldgräber-Stimmung“, denn das „Wirtschaftswunder“ wirft – trotz immer noch drängender sozialer Probleme im Land  – seine Schatten voraus. Und die Betreiber solcher Begleitservices fragen aber auch: „Warum dies alles?“ und geben die Antwort: „Um Ihnen die Möglichkeit zu geben, gelegentlich nachts auszugehen, ohne mit zweifelhaften Vergnügungen in Berührung zu kommen und sich in gediegener Gesellschaft wirklich wohl zu fühlen.“

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Der Mann, der sich selber sucht

Illustrierte Filmbühne Nr. 839 (E. S.)  – Schon einige Jahre nach dem Ende des Krieges schwappen immer mehr Filme aus deutscher Produktion in die Kinos. Einer dieser Streifen ist Der Mann, der sich selber sucht mit Wolf Albach-Retty und Vera Molnar in den Hauptrollen. Am 18. August 1950 wird er im Turmpalast in Frankfurt in deutscher Erstaufführung gezeigt. 

Der Mann, der sich selberVon den bulgarischen Brüdern Peter und Michael Margaritoff – sie sind beide im Textilgeschäft tätig und sie verdienen ihr Geld hauptsächlich mit der Produktion von Opal-Nylonstrümpfen –, wird das Ganze finanziert. Der Vorgang ist typisch für die Fünfziger Jahre, als Branchenfremde ihr Vermögen in Filme investieren. Der Profit lockt viele an, anscheinend ist gutes Geld zu verdienen. Doch das stimmt nicht immer. Zwar sind die Kinos gut besucht und die Menschen stehen oft in Schlangen an den Kassen, doch es ist inzwischen auch ein Überangebot an seichter Unterhaltung auf den Leinwänden präsent. Deshalb wohl wird in Frankfurt wieder kräftig die Werbetrommel gerührt. Großspurig werden die Hauptdarsteller Wolf Albach-Retty und andere wichtige Mitwirkende als Premierengäste angekündigt, tatsächlich kommen dann aber nur die Schlagersängerin Rita Paul und der Komiker Bobby Todd. Gleichwohl ist das Publikum zufrieden, sieht es doch einen unterhaltsamen Film, der sich  positiv von anderer Massenware abhebt.

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Der Theodor im Fußballtor

Illustrierte Filmbühne Nr. 775 (© E. S.) Im Jahr 1949 führt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den so genannten Vertragsspieler ein. Erstmals dürfen Fußballvereine den Spielern der Oberligen eine Vergütung zahlen, was sehr verschämt als „Entschädigung” bezeichnet wird. Richtiger Profifußball bleibt aber nach wie vor verpönt. Die Bezahlung selbst ist eher ernüchternd. Richard Herrmann vom FSV Frankfurt – immerhin bereits ein angehender deutscher Nationalspieler – erhält zum Beispiel in einem Monat mit Grundgehalt, einer „Aktivitätszulage” und Prämien gerade 360 Mark. Nach dem üblichen Abzug von Lohn- und Kirchensteuer bleiben ihm netto 339,05 DM.

TheodorDiese  neuen „Vertragsspieler” oder auch die allgemeine Situation im Fußballsport spielen in Der Theodor im Fußballtor jedoch keine besondere Rolle. Denn es geht hier nicht um finanzielle Aspekte, Gehälter oder zusätzliche Prämien, sondern nur um Liebesgeschichten und Heiratssachen. Der Fußball ist in dem Film nur Staffage. Der in seine tüchtige Sekretärin verliebte Inhaber eines kleinen Reisebüros (Theo Lingen) – zugleich begeisterter Hobby-Kicker – sieht  in seinem Vereinskollegen Theo Haslinger jr. (Josef Meinrad) einen gefährlichen Rivalen um die Gunst der angebeteten Charlotte (Charlott Daudert). Die Spannung zwischen beiden wirkt sich negativ auf die ganze Mannschaft aus. Haslingers Vater (noch so ein Theodor) und zugleich Klub-Chef (Hans Moser) hat seinen Sohn aus diesem Grund aus dem Tor verbannt und dessen Liebeskonkurrenten aus dem Reisebüro – einen gelernten Feldspieler –  in den Kasten gestellt.

Doch irgendwie kommt alles zu einem guten Ende. Der junge Haslinger kehrt ins Tor zurück, Lubitz versucht sich lieber wieder als Mittelstürmer und verzichtet zu Gunsten von Haslinger. Bis zu diesem glücklichen Ende gibt es viel Krach im Haus Haslinger: Versöhnung, Trennung, Tränen und Versöhnung.

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Absender unbekannt

Illustrierte Filmbühne Nr. 623  (E. S.) – Wieder einmal gemeinsam zeigen die vier Stadtteilkinos Schauburg (Bornheim), Titania (Bockenheim), Harmonie (Sachsenhausen), Kammer-Lichtspiele (Höchst) ab Freitag, 17. März 1950, in Frankfurt am Main in Zweitaufführung den Film Absender unbekannt, nachdem die Komödie am 24. Februar im Metro im Schwan gestartet ist.

Absender unbekanntDer locker gedachte Streifen ist durchaus nett und mit einigen hübschen Dialogen versehen, allerdings klatschen sich die Kino-Besucher nicht gerade vor Begeisterung auf die Schenkel. Das wäre gewiss auch zu viel verlangt. Die „Real-Film“ aus Hamburg versucht immerhin in Ansätzen etwas mehr zu bieten als nur Geplapper an einer Mädchenschule. Der Kritiker der „Frankfurter Rundschau” meint jedenfalls, die Handlung sei zwar belanglos, „aber witzig pointiert.” Dabei wird auch in einigen karikierenden Szenen die Prüderie der beginnenden Adenauer-Ära auf’s Korn genommen, aber diese Versuche sind eher halbherzig und bleiben in Ansätzen stecken. Real-Boss Walter Koppel hat zu dieser Zeit gewiss anderes im Sinn als sich in scharfer Gesellschaftskritik zu üben. Der Produzent muss zwangsläufig einiges an seichter Unterhaltung abliefern, um mit den Gewinnen aus solchen Streifen dann ambitioniertere Projekte verwirklichen zu können. Dem von den Nazis verfolgten Koppel geht es in dieser Hinsicht genauso wie dem Berliner CCC-Chef Arthur Brauner. Nur erfolgreiche leichte Ware macht Ernsthaftes  möglich.

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Kleine Melodie aus Wien

Illustrierte Filmbühne Nr. 332 ( E. S.) Im August 1949 wird wieder ein Kino in Frankfurt eröffnet. Diesmal sind es die Schützenhof-Lichtspiele in der Bergerstraße 173. Die Besitzer namens Herold haben zur Premiere in das knapp 500 Besucher fassende Kino nach Bornheim eingeladen. Gezeigt wird der österreichische Unterhaltungsfilm Kleine Melodie aus Wien. Als Hauptdarsteller treten Paul Hörbiger und Maria Andergast in Erscheinung.

Kleine Melodie aus WienWie üblich haben die Kino-Besitzer die nahe und fernere Konkurrenz zur feierlichen Eröffnung ihres neuen Theaters eingeladen. Vom Geschäftsführer des Harmonie-Kinos habe ich eine Eintrittskarte erhalten. Das kleine, musikalische Lustspiel hinterlässt freilich keine bleibenden Spuren. Erstaunlich aber ist, dass noch vor den Dreharbeiten zum legendären Carol Reed-Film „Der dritte Mann” – er wird erst ein Jahr später das Nachkriegswien in seiner wirklich tristen Vielfalt dokumentieren –, schon ziemlich viel Zelluloid mit sehr banalem und sentimentalen Inhalten belichtet wird. Immerhin aber gibt die überall herrschende Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg dem Streifen wenigstens die Aktualität und den sozialen Hintergrund, der die Story des Films erst ermöglicht. Ansonsten ist es eher belangloses Zeug.

Musiklehrer Griebichler tut sich jedenfalls erst einmal ziemlich schwer damit, dass das Wohnungsamt eine junge Witwe namens Weber samt ihrer drei Kinder in sein Haus einquartiert, doch wird der Herr Professor unter dem Einfluss der charmanten Frau und Mutter immer zugänglicher und weicher.

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Große Freiheit Nr. 7

Illustrierte Filmbühne Nr. 289 (E. S.) – Ein Besuch in Offenbach verschlägt mich an (und in) den Gloria-Palast. Dort läuft seit 19. August 1949 Große Freiheit Nr. 7. Es ist ein Farbfilm, der im amourösen und geheimnisvollen St. Pauli und seiner Reeperbahn spielt. Ob sich meine naive Vorstellung von dunklen Kaschemmen, grell geschminkten Frauen und ihren zahlungskräftigen Freiern bestätigt. Schon aus diesem Grund ist ein Kinobesuch geradezu „Pflicht”.

Große Freiheit Nr. 7Hans Albers spielt die Hauptrolle, Ilse Werner ist eine junge Frau, die den ruhelosen Seebären dazu überredet, sich vom Milieu und Rummel auf St. Pauli zu verabschieden und wieder auf einem Schiff anzuheuern. Alles ist umrahmt von Seemannsromantik und viel Gefühlsduselei. Doch stets ist auch ein Hauch von der tristen Realität im Hamburger Vergnügungsviertel zu spüren. Albers aber gefällt mir außerordentlich gut. Er gibt den raubeinigen, aber seelenguten Hannes Kröger. Der mimt im knalligen Vergnügungslokal Hippodrom, das seiner Lebensgefährtin Anita gehört, den Sänger und Anreißer. Doch die „Stimmungskanone” Kröger ist in Wahrheit unglücklich, sehnt sich wieder nach Arbeit auf einem Schiff und den Wellen des Meeres. Viel Seemannsgarn also.

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Miranda

Illustrierte Filmbühne Nr. 271  (E. S.)  – Ein Kinobesuch in Sachsenhausen im Frühsommer 1949 beschert mir mit Miranda einen britischen Film, der sich nicht an den harten Realitäten des Lebens orientiert, sondern sehr phantasievoll zur Unterhaltung des Publikums beiträgt: – in einem Jahr, das nebenbei bemerkt recht wichtige politische Vorgänge bereit hält.

MirandaDie attraktive und charmante Miranda sorgt in London für einiges Aufsehen, sowohl in dem Hotel, in dem sie logiert, als auch bei einem Besuch in der Oper. Kein Wunder also, dass mehrere männliche Bewerber intensiv um die Gunst der jungen Frau buhlen. Doch die Schöne ist in Wirklichkeit eine Meerjungfrau. Nur der Arzt Paul Marten, der sie zur Beobachtung aus dem Meer bei Cornwall nach London gebracht hat, weiß um dieses Geheimnis. Doch Clare Marten, die eifersüchtige Frau des Arztes, enthüllt nach dem Studium eines Lexikons auf eher uncharmante Art die Wahrheit über Miranda, indem sie ihr knallhart die Bezeichnung „Seekuh” verpasst. Das aber bringt die Meerjungfrau auf schnellstem Weg zurück in den Atlantik. Das ist mehr als schade –  wie ich und einige andre Zuschauer nach dem Kinobesuch finden, denn jetzt muss man sich täglich auf’s Neue mit alltäglichen Vorgängen im wirklichen Leben befassen. Und der Zauber ist auch schnell verflogen…

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Die Kupferne Hochzeit

Illustrierte Filmbühne Nr. 252  (E. S.) – Es ist schon eine seltsame Sache mit dem deutschen Kino in der Nachkriegszeit. Nach einer kurzen Periode mit einigen  „Trümmer- und Problemfilmen” flimmern auch schon längst wieder einige so genannte Reprisen (also Filme aus der der Nazizeit) über die Leinwände und bei den Produzenten geht es relativ rasch im alten und gewohnten Trott mit der Zelluloid-Belichtung weiter. Trümmer werden immer weniger gezeigt, die Macher verlegen die Handlungen deshalb oft aufs Land.

Kupferne HochzeitEin Film, der sich überaus ambitioniert gibt, aber doch nur die Strickmuster und auch die alten Klischees wiedergibt, ist der Streifen Die Kupferne Hochzeit, der am 15. Dezember 1948 im Luxor am Frankfurter Hauptbahnhof recht großspurig als Welturaufführung annonciert wird, obwohl er gleichzeitig auch in vielen anderen Städten startet. „Sieben Jahre Ehe heiter betrachtet” – das  verspricht die sehr freundlich-nette Werbebotschaft in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau”. Als Darsteller werden Hertha Feiler, Peter Pasetti, Sybille von Gymnich, Hans Nielsen, Hilde Classen, Bum Krüger, Albert Florath und Erich Ponto ins Rennen geschickt. Die Regie hat Heinz Rühmann übernommen, der mit seiner Comedia auch als Produzent auftritt. Drei befreundete Ehepaare, in deren Beziehungen es kriselt, treffen sich am Tag der kupfernen Hochzeit, dem verflixten 7. Jahr also, um Wege aus ihren Alltagsproblemen zu finden, was ihnen dann auch dank der Ratschläge eines inzwischen verstorbenen Lehrers gelingt.  Ganz hübsch von Rühmann in Szene gesetzt, aber auch nicht umwerfend.

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