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Rio Grande

Illustrierte Filmbühne Nr. 1201. (E. S.) – Der Western-Klassiker Rio Grande wird Ende September 1951 in verschiedenen deutschen Städten, darunter im Frankfurter Eden im Ostend, für die Bundesrepublik erstaufgeführt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Colonel Kirby Yorke (John Wayne).

Rio Grande grünDieser Streifen, angesiedelt am gleichnamigen Grenzfluss zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, ist allerdings nicht nur ein Western der üblichen Sorte mit Knallerei und wilden Reiterjagden, sondern ein Kriegsfilm, in dem die US-Truppen einen erbarmungslosen Kampf gegen die indianischen Ureinwohner des Landes führen. Und der Film wird – wie allgemein üblich in US-Filmen (Ausnahmen bestätigen die Regel) – nicht aus der Sicht der Indianer erzählt, sondern aus dem Blickwinkel der Land-Eroberer; voll gestopft mit edlem „Patriotismus”. Wer den Streifen mit vielen Jahrzehnten Abstand im Jahr 2015 noch einmal sieht, erkennt in der erzählten Geschichte aus 1879 jenes System, das die Voraussetzungen für die politisch-militärischen Verhaltensweisen legte, die auch heute noch von den USA „gepflegt” werden – allerdings nicht mehr nur lokal auf dem Boden der USA, sondern weltweit. Eingebettet wird das Ganze in eine Familiengeschichte mit lange anhaltenden Zerwürfnissen, die sich aber in Luft auflösen, als die angreifenden – und natürlich bösen Apachen – von den guten Weißen besiegt werden. Wie könnte es anders sein? Es ist ein durch und durch amerikanischer Film.

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Tal der Leidenschaften

Illustrierte Filmbühne Nr. 1139 (E. S.) – Bürgerkriege haben ihre ganz eigenen Gesetze wie jedermann aus der Geschichte weiß. In Korea tobt in den Jahren zwischen 1950 und 1953 ein schlimmes Gemetzel zwischen dem Norden und den Süden. Schon früher gab es diese unheilvollen Auseinandersetzungen, die eingebrannt sind in das Gedächtnis der Menschheit. Zur Zeit des Koreakrieges läuft in Deutschland der Film Das Tal der Leidenschaften, der sich mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt.

Titelblatt der Filmbühne (© Filmverlag Unucka)

Erstmals ist dieser groß angelegte US-Film am 24. April 1951 im Frankfurter Metro im Schwan zu sehen und er vermittelt dem Zuschauer Ausschnitte aus der amerikanischen Geschichte. Dabei werden sowohl politische als auch private Geschehnisse lebendig gemacht. Alles spielt während der Präsidentschaft von Abraham Lincoln um 1861, zu einer Zeit also, als der Abfall der Südstaaten zum Ausbruch dieses unbarmherzig geführten Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten führt. Ganz eng verknüpft mit den vielfältigen kriegerischen Ereignissen ist das Geschick der Familie Dabney, die das wilde und fruchtbare Lebanon-Tal im Süden des Staates Mississippi in jahrelanger Arbeit kultiviert hat und nun mitsamt ihrer großen Plantage in den Strudel des Bürgerkriegs hineingerissen wird.

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Flammendes Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 1099 (E. S.) – In den Scala-Lichtspielen in der Frankfurter Innenstadt läuft im Sommer 1951 der Western „Flammendes Tal“ an – keine außergewöhnlich erwähnenswerte Sache, denn in diesem Technicolor-Streifen der Paramount werden die Zutaten der Wildwest-Geschichte nur auf die übliche Weise zusammengebraut, ohne jedoch nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Es sind ehemalige Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs, die nach Ende der Kampfhandlungen als Farmer arbeiten. Als auf ihrem Grundstück Kupfer gefunden wird, werden sie von kriminellen Geschäftsleuten aus der Stadt und dem windige Sheriff Lane Travis (McDonald Carey) auf übelste Art und Weise über den Tisch gezogen. Erst als der Revolverheld und Kunstschütze Johnny Carter (Ray Milland) den gebeutelten Schürfern auf die Sprünge hilft und sie sich mit seiner Hilfe zur Wehr setzen, müssen die Lumpen klein beigeben. Vorher freilich kommt es im Tal zu einer wilder Reiterschlacht unter den verfeindeten Gruppen, und danach versteht es sich von selbst, dass nicht nur die Guten gewinnen, sondern der auf der „richtigen” Seite kämpfende Carter und das schwarzhaarig-gelockte Tanzmädchen Lisa (Hedy Lamarr) – ihr Herz hatte zuvor noch einem der üblen Gesellen gehört –, sich selig den Armen liegen.

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Panik am Roten Fluss

Illustrierte Filmbühne Nr. 1068 (E. S.) – Knorrige, hartgesottene Menschen, meist karg im Reden, rasch im Handeln – das sind die Charaktere dieser Geschichte. Gefühle äussern sie meist nur in Blicken und dürren Gesten. Das Land dagegen atmet, der Staub der Prärie blendet die Augen, der Geruch der riesigen Rinderherde liegt über der Steppe, die rasende Flucht der Tiere reisst förmlich hinein in einen schier unentrinnbaren Strudel von Leidenschaft und Erbarmungslosigkeit. Das ist ein Stoff wie gemalt für einen Regisseur wie Howard Hawks, der den Film Panik am Roten Fluss in epischen, aber auch spröden Bildern dokumentiert.

Red RiverDieser ursprüngliche Western wird von Hawks nach einer Geschichte von Borden Chase erzählt. Sie ist unter dem Titel „The Chisholm Trail” in der „Saturday Evening Post” erschienen und hat einen historischen Bezug zu einem berühmten Rinderweg in den USA. Dieser „Chisholm Trail” ist ein Herdenweg, der hauptsächlich in den Jahren zwischen 1867 und 1887 benutzt wird, um Rinder aus dem Süden von Texas zum Verladebahnhof in Abilene in Kansas zu treiben, wo die Tiere dann mit der „Kansas Pacific Railway” in die Schlachthöfe des Osten  transportiert werden. Die Strecke – immerhin rund 500 Meilen (800 Kilometer) lang –, ist nach dem Geschäftsmann Jesse Chisholm benannt, der schon vor Beginn des Bürgerkrieges entlang dieser Route eine Reihe von Post- und Handelsstationen eingerichtet hat.

Sie werden bald zu wichtigen Stützpunkte in den schönen, aber auch trostlosen Landschaften des Westens, vor allem, als es zum mörderischen Rindertreiben kommt. Diese Trecks sind vor allem dem Krieg zwischen den Nordstaaten und den Konföderierten geschuldet, denn über Jahre hinweg können die Rinder des konföderierten Texas nicht mehr in den Norden geliefert werden.

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Winchester 73

Illustrierte Filmbühne Nr. 1060 (E. S.) In den Frankfurter Kinos Roxy und Eden läuft am 13. April 1951 gleichzeitig der Film Winchester 73 an, der diesem berühmt gewordenen Gewehr ein filmisches Denkmal setzt. Dabei hat Regisseur Anthony Mann mit den Darstellern James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea, Stephan Mc Nally, Rock Hudson und Tony Curtis (die beiden Letztgenannten in frühen Filmen zu sehen) einen spannenden, aktionsreichen Western geschaffen.

Winchester 73Der Regisseur vermeidet dabei jedes ziellose Herumballern und Herumreiten. Blicke, Töne und die Gestik der Beteiligten schaffen vielmehr eine insgesamt ruhige Atmosphäre, was insofern von Bedeutung ist, als die meisten Amerikaner seit je her einen fast krankhaften Drang und Hang zu Waffen haben, und auch ihr Schießeisen oft locker genug sitzt. Das liegt weitgehend in der Geschichte des Landes begründet, in der die gnadenlose Eroberung des Territoriums gegen die Urbevölkerung eine zentrale Rolle spielt. Ob Indianer oder Gangster, ob privater Rachefeldzug oder kriegerische Auseinandersetzung wie im Bürgerkrieg: Revolver und Gewehre sind stets als Handwerkszeug der Gewalt parat. Insofern kommt es auch nicht von ungefähr, dass der legendär gewordene Revolver von Samuel Colt, das Henry-Gewehr und die Winchester aus der Geschichte der USA nicht wegzudenken sind. Die Winchester 73 ist in dieser Zeit wegen ihrer Zuverlässigkeit und Präzision überaus begehrt. Sie ist teuer (100 Dollar gegenüber 40 Dollar eines normalen Gewehres), weil nur einer von 1000 gefertigten Läufen – und zwar der allerbeste – für diese Serie verwendet wird. Im Film dient diese Büchse nicht nur dem Kampf gegen allerlei Gesindel, sondern sie ist auch „ritterliches Werkzeug” im friedlichen Wettschießen.

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Geächtet

Illustrierte Filmbühne Nr 1046 (E. S.) – Ein Wildwest-Film ohne besondere Tiefenwirkung ist der Streifen Geächtet aus dem Jahr 1943. Er kommt im März 1951 in die deutschen Kinos. Begleitet wird sein deutscher Start von zahlreichen Berichten in den einschlägigen Illustrierten und auch in der Tagespresse. Das hat seinen Grund im Auftritt von Jane Russell, die meist als „Busenwunder” apostrophiert wird, sowie den vielfältigen Hintergründen der Filmentstehung.

GeächtetIn Frankfurt wird der Film erstmals im April 1951 im Eden gezeigt. Als ich den Kino wenig später im Wall-Kino in Sachsenhausen anschaue, ist von all dem wenig zu spüren. Es ist ein Western der noch nicht einmal das Niveau der üblichen Sorte erreicht, und in dem Revolverheld Doc Holliday (Walter Huston) und Sheriff Pat Garret  (Thomas Mitchell) in erster Linie um ein Pferd streiten, während sich der junge Billy the Kid (Jack Beutel) in das Mädchen Rio (Jane Russell) verlieben darf, die im Film eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Die beiden heiraten sogar und fliehen über die Grenze, während Doc Holliday von Pat Garrett niedergestreckt wird. Das wirkt nicht nur alles recht harmlos, sondern ist auch ziemlich unbedarft auf die Leinwand gebracht. Der zu dieser Zeit acht Jahre alte Film hat jedoch 1943 nach seiner Premiere in San Francisco heftige Kontroversen ausgelöst. Einerseits stehen brutale Gewalt und auch sexuelle Andeutungen im Mittelpunkt, andererseits werden die legendenumwobenen „Westernhelden” durchaus mit ironischen Untertönen durch den berühmten Kakao gezogen.

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Der gebrochene Pfeil

Das neue Filmprogramm (E. S.) Eine echte Überraschung wird den Kinobesuchern Ende September 1951 im Frankfurter Filmpalast geboten, als der Film Der gebrochene Pfeil anläuft. Erstmals wird in diesem amerikanischen Western ein realistischeres Bild der Indianer gezeigt als das bis dahin der Fall ist. 

Der-gebrochene-PfeilRegisseur Delmer Daves präsentiert uns mit viel anerkennenswertem Ernst und gebührender Fairness den berechtigen Kampf der Apachen in Arizona gegen die unaufhaltsam vordringenden weißen Eroberer. Immerhin sind zu dieser Zeit (1870) schon vier Fünftel des nordamerikanischen Territoriums den Indianern abgejagt worden, doch in Arizona leisten die Apachen-Stämme unter ihrem Häuptling Cochise (Jeff Chandler) noch heftigen Widerstand. Gegen die aufmüpfigen „Rothäute“ wie die Ureinwohner stets rassistisch abqualifiziert werden, soll deshalb eine militärische Expedition eingesetzt werden, letztendlich mit dem Ziel, die Indianer auszurotten. Doch auf beiden Seiten gibt es Männer, die den absehbaren, blutigen Krieg vermeiden wollen. Dazu gehören der Regierungsbeauftragte General Howard (Basil Ruysdael) sowie der Trapper Tom Jeffords (James Stewart). Jeffords, der die Sitten der Apachen aus eigener Anschauung kennt, hat er doch zeitweise bei ihnen gelebt und ist mit der Indianerin Sonseeahray (Debra Paget) verheiratet, gelingt es schließlich, sowohl Cochise als auch Howard zu Verhandlungen zu bewegen. Obwohl es immer wieder blutige Zwischenfällen gibt, bei denen auch Jeffords indianische Frau stirbt, wird der Friede schließlich erreicht.

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Jesse James – Mann ohne Gesetz

Illustrierte Filmbühne Nr. 960 (E. S.) – Wer war Jesse James? Ein Kämpfer gegen das Unrecht oder nur ein gewöhnlicher Bandit?  Darüber streiten sich die Historiker längst nicht mehr, obwohl die filmische Aufarbeitung seines Lebens noch 1950 bei vielen Jugendlichen Kinobesuchern zur allgemeinen Verwirrung beiträgt – wie das so ist mit Biografien, die sich nicht immer an der historischen Wahrheit orientieren. Auch der Film Jesse James, Mann ohne Gesetz dient nicht der Auf-, sondern der Verklärung des lange volkstümlichen, aber auch skrupellosen Verbrechers.

Jesse-JamesDavon weiß ich noch nichts, als ich den Streifen im Januar 1951 in den Scala-Lichtspielen sehe. Jedenfalls glorifiziert der vom amerikanischen Filmverleih 20th Century Fox verbreitete kleine Werbetext – auch im wesentlichen abgedruckt in der „Illustrierten Filmbühne“ Nr. 960 – Jesse James als einen großartigen Gutmenschen: „Jesse James, ein junger Farmer, tapfer, treu und tollkühn, ein Mensch, der nicht begreifen kann, dass Unrecht im Namen des Gesetzes begangen wird, der sich widersetzt und nie die Sehnsucht nach dem Frieden verliert.“ Eine solche heroische Beschreibung ist nicht nur für die noch unbedarften Kinogänger einleuchtend, sondern verkauft sich als „Legende“ auch in den Medien viel besser. Dass das für das Geschäft förderlich ist, versteht sich am Rande.  Die Wahrheit ist jedoch oft viel prosaischer, auch wenn sie vielen von den jungen Kinobesuchern erst später klar wird. Viele Quellen belegen die Entwicklung vom aufmüpfigen, jungen Mann zum Banditen. Und beim Vergleich wird deutlich, dass sich Produzent und Regisseur nicht lange mit der historischen Wahrheit aufgehalten haben.

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Die Höllenfahrt nach Santa Fé

Illustrierte Filmbühne Nr. 915 (E. S.) – Es ist zwischen 1945 und 1950 eine Eigentümlichkeit der Kino-Szene, dass ausländische Produktionen oft erst mit einer gewissen Verspätung  in den deutschen Verleih kommen. Gerade deshalb sind manche große Stars in ihren Erstlingserfolgen erst zu sehen, nachdem schon andere ihrer Filme gezeigt worden sind. Ein Beispiel dafür ist Höllenfahrt nach Santa Fé (mit John Wayne). Obwohl schon 1939 gedreht, kommt der Streifen – bedingt auch durch die Kriegsereignisse und die Filmpolitik der Nazis – erst Ende 1950 nach Deutschland.

HöllenfahrtZu dieser Zeit sind von John Wayne schon das „Haus der sieben Sünden”, „Die Freibeuterin”, „Die Hölle von Oklahoma” und einige alte B-Western der Republic (wie etwa „Der schwarze Reiter”) zu sehen gewesen, aber seine ganz großen Erfolge werden erst später noch kommen. Nun allerdings sehen wir im Oktober 1950 mit elfjähriger Verspätung erst einmal die Höllenfahrt nach Santa Fé nach einer Erzählung von Ernest Haycox, deren Originaltitel allerdings „Stage to Lordsburg”) heisst. Der deutsche Filmtitel wird später durch den schlichten amerikanischen Originaltitel Stagecoach (Postkutsche) ersetzt. Auch der Name Ringo nach dem Namen des Haupthelden wird gelegentlich verwendet. Für das Publikum und für uns junge Filmfreaks ist es zunächst nur ein Western ohne große Bedeutung. John Wayne ist hierzulande (noch) keine große Nummer. Und für amerikanische Postkutschen interessiert sich der deutsche Mensch in diesen Tagen nicht sonderlich, er beschäftigt sich vielmehr gedanklich mit seiner eigenen „Kutsche”. Denn just einen Tag nach der Erstaufführung des Films gibt das VW-Werk in Wolfsburg eine Preisreduzierung für die schon berühmt gewordenen „Käfer” bekannt.

Demnach sinkt der Preis für das Standardmodell von 4800 auf 4400 Deutsche Mark, das Exportmodell wird statt für 5450 nun für 300 Mark weniger angeboten. Das ist für den autobesessenen Bundesbürger ein wahrhaft spannenderes Thema als ein Wildwest-Streifen.

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Buffalo Bill – der weiße Indianer

Illustrierte Filmbühne 892 (E. S.) – Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Als am 29. Dezember des Jahres 1950 die deutsche Uraufführung des Farbfilms Buffalo Bill, der weiße Indianer im Frankfurter Kino Luxor ansteht, haben sich Theaterbesitzer Wollenberg und die Verleihfirma 20th Century Fox wieder einmal etwas Besonderes einfallen lassen. Sie präsentieren Saorevo, den angeblich einzigen noch lebenden indianischen Gefährten des legendären weißen Büffeljägers.

Buffalo BillDer 70-Jährige lebt im Westerwald, sein Vater soll Häuptling gewesen sein, sein Großvater sogar „Medizinmann“. Ob das alles stimmt, sei dahingestellt, jedenfalls tritt der Mann in farbenfrohem Federschmuck in mehreren Vorstellungen vor das Publikum und erzählt abenteuerliche Geschichten nicht nur über Buffalo Bill selbst, sondern auch über die vielen Kriege des Weißen Mannes gegen die Indianer bei der Erschließung des Wilden Westens. Er macht das gekonnt und die Auftritte  sind so erfolgreich, dass sich die nahe gelegenen Bars Tabu und Royal sogleich veranlasst sehen, sich der weiteren Dienste des alten Mannes zu versichern. Wollenberg – in Frankfurt für spektakuläre Werbeaktionen bekannt und fast berühmt – geizt in den Zeitungsinseraten außerdem nicht mit zugkräftigen Schlagwörtern.

Als der Film am 5. Januar dann im Luxor am Hauptbahnhof in die zweite Woche geht, ist von „atemberaubender Spannung“ die Rede und von einer „grandiosen Inszenierung, die „alles andere weit in den Schatten“ stellt. Doch es braucht eigentlich solcher Übertreibungen nicht. Denn tatsächlich ist die zwiespältige Lebensgeschichte des Trappers, Postreiters, Kutschenfahrers, Kundschafters, Siedlers und späteren Show-Unternehmers William F. Cody (1846-1917) in dem Technicolor-Film höchst beeindruckend erzählt.

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Goldschmuggel nach Virginia

Illustrierte Filmbühne Nr. 887 (E. S.) – Der blutige amerikanische Bürgerkrieg in den Jahren von 1861 bis 1865 bildet den Hintergrund des Films Goldschmuggel nach Virginia, obwohl das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Der Konflikt, der mit der Niederlage der Konföderierten aus dem Süden endet, ist in den 105 Minuten allgegenwärtig, wenngleich das Ganze eher als einer der üblichen Western dargeboten wird. 

GoldschmuggelDer Film kommt mit allen Zutaten daher, die einen solchen unterhaltsamen Western eben ausmachen: die schrillen Saloons und Bars, staubige Straßen, Prügeleien, Revolverduelle, rasante Ritte, Kerle von Schrot und Korn, Schlauheit und Feigheit, Heldentum – und natürlich die große Liebe. Dass bei solchen Ingredienzien die tieferen Ursachen für den Krieg weitgehend ausgeblendet bleiben, ist aus Sicht der Filmproduzenten durchaus verständlich. Denn Aufklärung ist nicht ihre Sache, sie haben das kalkulierbare Geschäft mit viel Profit auf ihren Fahnen geschrieben. Wohl deshalb auch erfährt der Zuschauer nur ganz am Rande des Films von der permanent andauernden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, von der Sklaverei in den Südstaaten, der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten und dem nach und nach folgenden Austritten von South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas, North Carolina aus der Union.

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Die Hölle von Oklahoma

Illustrierte Filmbühne Nr. 843 (E. S.) – Es ist ein einfacher Wildwest-Film, der am 14. September 1951 in der Scala in Frankfurt anläuft. Er ist nicht psychologisch überladen wie viele andere des Genres, aber in seiner Schlichtheit ein typisches Produkt der Republic Pictures, die auf solche Unterhaltungskost spezialisiert ist, wobei die simple Machart ja nicht immer nur Schlechtes hervorbringen muss.

Hölle von OklahomaIn dem Film geht es um die sehr ertragreichen Ölquellen im Indianergebiet, wobei sich zwei gegensätzliche Männertypen im heftigen Streit gegenüber stehen. Das schwarze Gold steht schließlich für Macht (und damit natürlich vor allem Geld). Das alles ist ja nicht nur ein Filmthema. Just an dem Tag, als in Frankfurt der Streifen erstmals gezeigt wird, hat der britische Premierminister Clement Attlee in der Nähe von Fawley bei Southampton die größte Ölraffinerie Europas eröffnet. Nach offiziellen Angaben der Regierung spart Großbritannien damit immerhin Devisen im Wert von jährlich 100 Millionen Pfund ein (damals sind das satte 1,25 Milliarden DM) und ersetzt zu rund einem Drittel die bisherigen Lieferungen aus dem iranischen Erdölzentrums Abadan. Öl ist ein großes Politikum in einer Zeit, in der durch den Wiederaufbau und die stärker werdende Motorisierung erhebliches Energiepotenzial benötigt wird. Auch in dem Western geht es um das Thema Öl, Öl, Öl! Daneben kämpfen die zwei Männer nicht nur um die Macht, sondern – wer hätte das nicht vermutet? –  um die Zuneigung einer jungen Frau.

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California

Illustrierte Filmbühne Nr. 783 (E. S.) _ Im Luxor-Filmtheater am Hauptbahnhof in Frankfurt ist Ende Oktober 1950 ein Wildwest-Film zu sehen, der die Grenzen des Genres in manchen Bereichen überschreitet und neben dem Goldgräber-Wahn auch noch  hintergründige, politische Ränkespiele aufzeigt und außerdem in mancher Beziehung wie ein Abziehbild deutscher Nachkriegsgeschichte wirkt.

CaliforniaAuch das ferne Kalifornien ist im Jahr 1848 ein prächtiges Dorado für Glücksritter jeder Art: viele korrupte und karrieresüchtige Politiker sind ebenso darunter wie arbeitsame Goldgräber. Und alles, was der Kinobesucher in California vorfindet, gehört zwar zur klassischen Ausstattung von Wildwest-Filmen jedweder Art: diverse Tanzbars und Spielhöllen, Saloons, leichte Mädchen, Trecks, Cowboys, Soldaten, Rinderbarone, Gold-Claims, Geldgier. Das alles ist dem Publikum hinlänglich bekannt. Doch der Film geht über die üblichen Klischees weit hinaus und thematisiert die vorhandene  gesellschaftliche Strukturen des Landes an der Westküste. In der Zeit kurz nach dem Krieg gegen Mexiko will fast jeder sein Schäfchen in’s Trockene bringen – ob es nun um die winzigen Nuggets geht oder um politische Macht, die Motive ähneln sich. Das wird auch im Film sichtbar.

Die meisten Menschen, die diesen zusammen gewürfelten Haufen bilden, plädieren für einen Anschluss des Landes an die Vereinigten Staaten, weil sie sich davon einen persönlichen Vorteil erhoffen. Die korrupte Oberschicht will Kalifornien jedoch selbst beherrschen und ihre Macht absichern. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

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San Antonio

Illustrierte Filmbühne Nr. 768 (E. S.) – Das ist ein Wildwest-Film wie er so rechts typisch ist für die Zeit Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre. Ein integer und einwandfrei daherkommender Held legt sich mit einer Bande von  Strauchdieben und anderen Verbrechern an, besiegt sie – einerseits mit der moralischen Keule, gelegentlich aber auch mit ein paar gut gezielten Schüssen – und landet  mit einer Stadthübschen im Hafen der Ehe, wobei die Dame auch mal  eine durchaus verruchte Sängerin sein darf.

San AntonioEs sind vor allem die ständigen Reibereien und handfesten Duelle mit Fäusten oder Revolvern zwischen Ranchern und Viehdieben, die viele dieser Filme prägen. Manches wirkt wie ein Abziehbild der internationalen Politik. Die Guten gegen die Bösen, wobei durchaus im wirklichen Leben nicht immer klar ist, wer denn nun eigentlich wer ist…

Als San Antonio im Februar 1951 im Harmonie-Kino in Frankfurt zu sehen ist, lockt aber vor allem die Besetzung mit Errol Flynn und Alexis Smith ins Kino. Die beiden Hollywood-Stars bleiben dem Zuschauer nichts schuldig. Der elegante Westerner Flynn, der als Clay Hardin im Clinch mit dem zwielichtigen Roy Stuart (Paul Kelly) liegt, befreit als einsamer Kämpfer für Recht und Ordnung  San Antonio von den Bösewichten dieser Welt. Ein Mann wie Flynn – wer hätte das nicht erwartet? – ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, und so starren wir alle gebannt auf die Leinwand und warten darauf, dass der gute Errol dem Spitzbuben schnellstmöglich das unsaubere Handwerk legt.

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Vogelfrei

Illustrierte Filmbühne Nr. 734  (E. S.) – An den berüchtigten italienischen Gangster Salvatore Giuliano werde ich erinnert, als ich im Herbst des Jahres 1950 in Frankfurt am Main den Western Vogelfrei sehe, obwohl der Film und seine Handlung mit dem kurz zuvor Erschossenen nichts das geringste zu tun haben. Das ist natürlich ungewöhnlich, aber vielleicht liegt es daran, dass die Zeitungen in diesen Wochen voll mit Nachrichten über die Jagd und den Tod des Sizilianers sind, der am 5. Juli 1950 beim Feuergefecht mit der Polizei erschossen worden ist.

VogelfreiNur wenig später kommt der Western in die Kinos und die Ähnlichkeiten des wirklichen Lebens in Sizilien und der Filmdarstellung (made in USA) sind nicht zu übersehen. Die beiden Helden“ sind Ausgestossene. Der 28 Jahre alte Giuliano, der neben seinen vielen kriminellen Raubzügen auch politisch aktiv ist und ein unabhängiges, separates Sizilien anstrebt, gilt lange als eine Art von Volksheld in seiner Heimat und kann sich auch immer wieder mit Hilfe von Bauern in den Bergen verstecken. Erst als nach seinem Tod bekannt wird, dass er Kontakte zur Mafia als auch zum Geheimdienst der USA unterhalten hat, wenden sich seine Anhänger mehr und mehr von ihm ab, sein „Ruhm“ bröckelt.

Doch die vielen Berichte über das Leben von Giuliano wirken nach, als ich dann die Filmgeschichte über Wes McQueen erlebe. Auch in diesem Wildwest-Film geht es um einen Gangster, doch verfolgt dieser keinerlei irgendwie gearteten wirren und politisch angehauchten Interessen wie Giuliano, sondern er will nach seiner Entlassung aus einem Bundesgefängnis eigentlich nur ein normales Leben beginnen.

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Die Wölfe von Kansas

Illustrierte Filmbühne Nr. 782  (E. S.) – Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1950 führt mich der Weg in die Halle des Frankfurter Hauptbahnhofes; dort soll ich in einem auch an den Festtagen geöffneten Tabakwaren-Laden für einen Bekannten noch ein nachträgliches Geschenk kaufen. Das ist nicht schwer, gibt es doch in den Geschäften inzwischen fast alles, was das Herz begehrt. Das macht sich gewiss auch in den Bilanzen der Geschäftsleute bemerkbar. Der Verband der Einzelhändler hat jedenfalls vor einigen Tagen von der positiven Bilanz des Weihnachtsgeschäftes berichtet.

WölfeNachdem das Geschenk besorgt ist, will ich ins Kino gehen. Im nahen Aktualitäten-Kino (AKI) laufen zwei Zeichentrickfilme, ausgewählte Bilder aus vier Wochenschauen sowie der Kulturfilm „Skifrühling”. Obwohl im ganzen Bundesgebiet zu dieser Zeit eine geschlossene Schneedecke liegt, reizt mich dieser Film nicht sonderlich. Das „Luxor”-Theater spielt den Film „Mädchen mit Beziehungen”, was auch nicht gerade verlockend ist. Ich schaue mir also die Plakate und Fotos im Schaukasten der nahen Lichtburg an – und offeriert wird hier ein Wildwest-Film,in dem ein gewisser William Boyd als Hopalong Cassidy die Hauptrolle spielt. Als Sheriff kämpft er gegen die Gangsterbande Die Wölfe von Kansas, die ein kleines Städtchen und dessen friedliche Bewohner mit Überfällen und Viehdiebstählen in Atem hält. Ein John Wayne ist das natürlich nicht, aber immerhin… Dagegen Hopalong Cassidy! Was für ein eleganter Mann das ist! Bisher habe ich in anderen Wildwest-Filmen meist nur ungehobelte Klötze, bärtige oder wortkarge Raubeine gesehen, doch Cassidy ist das Gegenteil.

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Der Held der Prärie

Illustrierte Filmbühne Nr. 696 (E. S.) – In dem Film Der Held der Prärie treten drei namhafte Persönlichkeiten aus der Pionierzeit des „Wilden Westens” auf: Wild Bill Hickok, Buffalo Bill und Calamity Jane, doch mit der historischen Wahrheit nehmen es Paramount als Produzent und Regisseur Cecil B. DeMille nicht so ganz genau; wahrscheinlich würde sie ohnehin nur stören. Doch was soll’s? Für die Western-Liebhaber ist es ein überaus sehenswerter Streifen mit großartigen Action-Szenen.

Held der PrärieGleichwohl spielt Propaganda in diesem Western eine recht große Rolle. Die weißen Westmänner Wild Bill Hickok (Gary Cooper) und Buffalo Bill  (James Ellison) bezwingen einen skrupellosen und profitorientierten  Waffenhändler, weil dieser Indianer beliefert, wobei die Tendenz eindeutig ist: Der „weiße Mann”, der den Westen erobert, ist der Gute, die „Rothaut”, die ihr Land lediglich gegen die Eindringlinge verteidigt, stellt das Böse dar. Klar, dass es im Film dann ein Indianer namens „Zerhauene Nase” ist, der Hickok hinterrücks meuchelt. Im wirklichen Leben hat jedoch ein gewisser Jack McCall den Revolvermann Bill Hickock in einem Spielsalon niedergeschossen. Und auch Calamity Jane – im Film als die Geliebte von Hickok präsentiert –, hat mit dem Westmann rein gar nichts zu tun.

Immerhin ist es freilich bei solchen Verdrehungen mit rassistischem Hintergrund erklärbar, warum dieser Film noch im Jahr 1940 als einer der wenigen  amerikanischen Filme zu dieser Zeit den Weg in deutsche Kinos findet. Auch die Machthaber des Dritten Reiches haben ja ihre „roten” Feinde.

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Herr des Wilden Westens

Illustrierte Filmbühne Nr. 660 (E. S.) – Die Eisenbahnen spielen in den USA zur Erschließung des Westens im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Der Bau der Strecke durch die „Union”- und „Central Pacific” in den Jahren von 1865 bis 1869 kostet Hunderte von Menschen das Leben, wofür vor allem das durch Profitgier erzeugte höllische Bautempo verantwortlich ist Mehrere Spielfilme dokumentieren später die Ereignisse. 

Herr des Wilden WestensAn die historische Bedeutung der Ost-West-Verbindung in den USA werde ich erinnert, als ich im Sommer 1950 in der Zeitung lese, dass US-Präsident Harry S. Truman die Eisenbahn-Trusts der Regierungskontrolle unterstellt hat, weil 300 000 ihrer Angestellten für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt haben. Just in dieser Zeit sehe ich in Frankfurt auch den Western Herr des Wilden Westens, in dem der Trassenbau ebenfalls Anlass für reichlich Mord und Totschlag gibt. Im Film löst die Ankunft der Bahnlinie in Dodge City jedenfalls eine Welle der Gewalt aus. Verbrecher und Betrüger beherrschen die Stadt; Korruption, Falschspiel, leichte Mädchen und Trinkgelage in den vollen Vergnügungstempeln prägen das Bild.

Als „Mann des Gesetzes” sorgt jedoch ein gewisser Wade Hatton (Errol Flynn) im Auftrag des Bürgertums in der wirtschaftlich aufstrebenden Viehmetropole von Kansas für Ordnung. Das zunächst durchaus geduldete Gangsterunwesen stört zunehmend ihre Geschäfte, und die örtlichen Politiker greifen bei ihren Bemühungen, für Ordnungen zu sorgen, auch auf Männer zurück, die selbst oft zweifelhaften Ruhm als Revolvermänner genießen. Auch Wade Hatton?

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Die Freibeuterin

Illustrierte Filmbühne Nr. 539 (E. S.) – Als der 42 Jahre alte deutsche Profiboxer Walter Neusel am Sonntag, 19. März 1950, in Berlin gegen den 24jährigen Conny Rux im Ring steht, hat er zweifellos die Schnauze gestrichen voll vom jahrelangen Preisboxen um Börsen, Titel, Pokale. Denn nachdem er vier Runden lang die Schläge von Rux hat über sich ergehen lassen, lässt er sich in der fünften auszählen und erklärt dem überraschten Publikum kurz und knapp: “Ich trete ab.”

Die FreibeuterinNeusel hat also keine Lust mehr auf Schlägereien, was man zu dieser Zeit im Kino von den Westernhelden John Wayne und Randolph Scott nicht unbedingt behaupten kann. In dem Film Die Freibeuterin (später Stahlharte Fäuste) liefern sie sich zum Gaudi eines begeistert johlenden Publikums eine der aufregendsten und spektakulärsten Schlägereien der Western-Geschichte.

Der Film ist schon 1942 gedreht worden und läuft ab 31. Januar 1950 in den deutschen Kinos. Wer Wildwest-Atmosphäre und Abenteuer jedweder Art zu schätzen weiß, kommt jedenfalls vor der Leinwand voll auf seine Kosten, ist doch die „regelfreie“ Prügelei zwischen den Kampfhähnen Wayne und Scott weit interessanter als im Berliner Ring der Faustkampf zwischen den Kontrahenten Walter Neusel und Conny Rux.

Es geht ja im Film auch um spannenderes als nur um drei läppische Kampfminuten bis zum nächsten Gong. Bestechliche Beamte, eine Saloon-Schönheit, raue Goldgräber und sonstiges zwielichtiges Gesindel, das sich in einer kleinen Stadt in Alaska versammelt hat, um im Goldfieber der 1890er Jahre ihre (ehrlichen oder meist unehrlichen) Geschäfte zu machen, prägen das Geschehen.

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Der Rächer von Texas

Illustrierte Filmbühne Nr. 520 (E. S.)  Anfang der Fünfziger Jahre läuft in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen der Film Der Rächer von Texas, was zwar ein recht unterhaltsamer Western ist, gleichwohl aber nicht an die großen Klassiker des Genres heranreicht. Immerhin hat der Film doch einige andere Qualitäten, die den Autor doch einigermaßen überraschen. Es sind geschliffene und durchaus humorvolle Dialoge zu hören. 

RächerIn der typischen Western-Geschichte reist der frühere Revolverheld John Sands, der als ehrbar gewordener Sheriff arbeitet, in’s ferne Texas, um seinen vor kurzem ermordeten Bruder zu rächen. Dort angekommen, wird er am Tresen eines Saloons sogleich angepöbelt und zum Duell aufgefordert. Doch John Sands wehrt lässig ab und erzählt dem Großmaul vom Ausgang einer Auseinandersetzung, die er zuvor mit einem Mann namens Billy gehabt hatte. Dieser habe ihn mit den Worten provoziert: „John, gleich gibt’s nen Mord, gleich liegst du im Dreck.” Sands zitiert nun selbst seine Antwort: „Billy sagte ich, fang mal an…”  – Sheriff Sands nippt am Whisky, ansonsten atemlose Stille im Raum. Der Schießlustige fragt nach kleiner Pause gespannt: „Und was geschah dann?” – John Sands: „Er schoss mich tot!” – Ziemlich cool und locker, wie die Jugend heute wohl sagen würde. Dieser trockene Dialog ist – als Autor erfahre ich das das erst Jahre später –, einem der ganz Großen der Branche zuzurechnen. Blake Edwards hat nämlich für den 1948 gedrehten Western als noch unbekannter Mann das Drehbuch geschrieben und auch eine kleine Rolle gespielt.

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Mit Büchse und Lasso

Illustrierte Filmbühne Nr. 518  (E. S.) – Am 6. März 1950 lese ich in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” eine kurze Besprechung über einen Film mit John Wayne. Der Kritiker kommt zu dem Schluss, dass Der Rächer der Enterbten ein  ordentlich und „gut fotografierter, schwungvoller Wildwest-Reißer nach altbewährter Hollywood-Machart ist: „Dunkle Morde, Schurkereien, zwei junge Damen, ein verwaiste Farm und etwas Liebe”, schreibt der Mann, „sind die Zutaten dieser Abenteuerlichkeit”. Und ergänzend: „Zwar alles nach Schema F, aber aus dem ff gekonnt!”

Mit Büchse und LassoGleichwohl ist mein Erstaunen groß, erhalte ich doch an der Kasse eine „Illustrierte Filmbühne” mit dem Aufdruck Mit Büchse und Lasso. Was hat das zu bedeuten? Bin ich vielleicht in den falschen Film geraten? Mitnichten. Vielmehr zeigt sich, wie diffizil, aber auch kopflos das Filmgeschäft sein kann. Erst zerbrechen sich die Verleiher lange die Köpfe, um einen wirklich guten, zugkräftigen Namen zu finden, geraten bei mangelndem Interesse des Publikums schnell in Panik, und versuchen mit einem anderen Titel neue Aufmerksamkeit beim Publikum zu erregen. Unklar bleibt allerdings, ob in diesem Fall eventuell juristische Probleme bei der Titeländerung eine Rolle spielen. Aber ungeachtet dessen bleibt es kurios und merkwürdig, dass dieser eher zweitklassige Wildwest-Streifen außer mit den Titeln Mit Büchse und Lasso und Der Rächer der Enterbten auch unter   den weiteren Bezeichnung In Arizona ist die Hölle los und Der Fremde aus Arizona in die Lichtspielhäuser geschickt worden ist. In Österreich heisst der Film sogar nur ganz schlicht nur Wildwest. Alles klar?

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Western

Überfall der Ogalalla

Illustrierte Filmbühne Nr. 515 (E. S.) – Als der Film Überfall der Ogalalla am 11. November 1949 in die bundesdeutschen Kinos kommt, gibt es noch durchaus frische Erinnerungen an die schwierigen Zeiten nach dem Krieg, als die Suche nach Verwandten und Angehörigen oftmals an den meist fehlenden Telefon- oder Telegrafenverbindungen scheiterte. Für viele Zuschauer in der Frankfurter Scala ist es sogar noch 1950 auf Grund solcher Erfahrungen aus der Nachkriegszeit nachvollziehbar, wie wichtig der schwierige und komplizierte Bau der Telegrafenleitung durch die USA 1861 gewesen sein muss. 

ÜberfallOgallalaIn Deutschland ist in den ersten Jahren nach dem Kriegsende vieles sehr problematisch, denn als nach der Kapitulation im Mai 1945 die öffentlichen Verbindungen ins Ausland (und teilweise auch innerhalb der Zonen) von den Alliierten gekappt worden waren, ist die Kommunikation zwischen den Menschen – besonders für jene, die intensiv nach Angehörigen suchen –  sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich gewesen. (Der Autor erinnert sich noch gut daran, wie schwierig es war, Kontakt zwischen der evakuierten Familie im Westerwald und dem in Frankfurt weilenden Vater auf zu nehmen). Erst ab April 1947 ist das Telegrafieren ins Ausland in kleinerem Umfang zugelassen, ab 1. November 1948 dürfen dann wieder Nachrichten ohne Einschränkung verschickt werden.

Vielleicht gerade wegen solcher eigenen Erlebnissen schärft der Streifen den Blick für die Wichtigkeit dieses historischen Bauvorhabens. Und was auf den ersten Blick wie ein billiger B-Western daherzukommen scheint, ist außerdem einer der authentischsten Filme des beliebten Genres. Regisseur ist schließlich kein Geringerer als Fritz Lang.

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Western

Der schwarze Reiter

Illustrierte Filmbühne Nr. 433  (E. S.) Wer sich außer für spannende Filme auch noch für Fußballspiele interessiert, muss als Frankfurter Ende Dezember 1949 ein paar bittere Pillen schlucken. Die Eintracht verliert nacheinander einige Spiele, was mehr oder weniger klaglos hingenommen wird. Doch dass darunter auch zwei deftige Niederlagen gegen die Kickers aus der Nachbarstadt Offenbach sind, schmerzt dann doch mehr als erwartet.

SchwarzerReiterErst schlagen die Kickers die „Adlerträger” im Punktspiel der Süddeutschen Oberliga am Bieberer Berg mit sage und schreibe 6:2 Toren, acht Tage später (am 2. Weihnachtsfeiertag) gibt es sogar am Bornheimer Hang – zu dieser Zeit ist es die Spielstätte der Eintracht – im Endspiel des Hessenpokals ein deftiges 1:4 gegen den ungeliebten Konkurrenten. Unter solchen Umständen kommt ein Kinobesuch gerade recht, um die Stimmung wieder zu heben. Das kann natürlich nur ein Western sein. Die Wahl fällt auf den Film Der schwarze Reiter, der alle Zutaten eines Wildwest-Streifens enthält. Sheriffs, Gangster im feinen Zwirn, Revolvermänner, Überfälle, Schiessereien, Barmädchen, Saloons, Viehdiebstähle und Landraub spielen eine wichtige Rolle, aber vor allem auch die Selbstlosigkeit einer nordamerikanischen Quäker-Familie.

Die Hilfsbereitschaft dieser Familie namens Worth ist das zentrale Thema des Streifens. Es geht nämlich darum, ob der angeschossene Revolvermann Quirt Evens (John Wayne) bei ihnen den Weg in ein gewaltfreies Leben zurück findet. Evans ist angeschossen worden und hat Unterschlupf bei der Quäker-Familie gefunden, die ihn selbstlos gesund pflegt. In dieser Situation verliebt er sich nicht nur in die liebliche Tochter Penepole (Gail Russell), sondern er stellt sein ganzes bisherigen Dasein in Frage.

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Faustrecht der Prärie

Illustrierte Filmbühne Nr. 406 (E. S.) – Über den Wahrheitsgehalt der durch viele Filme über alle Maßen berühmt gewordenen Schießerei am 26. Oktober 1881 in Tombstone (Arizona) zwischen des berüchtigten Earp-Brüdern und dem Clanton-Clan klären Historiker des Wilden Westens Amerikas in ihren diversen Veröffentlichungen weit präziser auf, als wir es können (und wollen). Wir verlieren hier nur ein paar Worte über den Western Faustrecht der Prärie, der ab 1. November 1949 in den deutschen Kinos gezeigt wurde.

FaustrechtIn dem Streifen von Regisseur John Ford geht es vordergründig nur um den Konflikt zwischen den „guten” Earp-Brüdern und den vielen „Bösewichten” der „Clanton-Familie“. Oberhäupling Wyatt Earp, dessen Bruder bei einer Schießerei mit den Clantons getötet worden ist, lässt sich deshalb umgehend in Tombstone als Sheriff anheuern und befreit das Städtchen in Arizona mit Hilfe des Spielers Doc Holliday von der gegnerischen Sippe. Alles wahr oder alles Lüge? Egal. Das Publikum mag ja solche Geschichten, in denen meist nur wenige Fakten stimmen, die aber dennoch ins Reich der Hollywood-Träume entführen und historische Tatsachen verbiegen; hinzu kommt auch noch, dass in Deutschland in der Nazi-Zeit über die Geschichte Amerikas wenig gelehrt worden ist. Für die meist sehr jungen Kinobesucher – auch ohne Kenntnisse der tatsächlichen Ereignisse im Wilden Westen – ist der oft dunkel und düster wirkende Film im Jahr 1949 jedenfalls sehr sehenswert, zumal er  viel von den Verhaltensweisen der Amerikaner und ihren politischen Grundhaltungen verrät.

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Western

Der große Bluff

Illustrierte Filmbühne Nr. 30  (E. S.) – Einer der ersten und auch besten Western, die in den westlichen Besatzungszonen in die Kinos kommen, ist der 1939 gedrehte Film Der große Bluff mit James Stewart und Marlene Dietrich. Dabei darf ausreichend geschmunzelt werden, zählen doch die heiteren Szenen zum Besten in diesem Genre, vor allem, wenn der von den Bösewichten erwartete Revolverheld Destry mit dem Vogelkäfig aus der Postkutsche steigt und sich (anscheinend) der Lächerlichkeit preisgibt. 

Der-große-BluffDie Jugendlichen zwischen Zugspitze und Flensburg, die in der Nazi-Zeit solche Filme nicht mehr gesehen haben, mögen das natürlich durchaus, auch wenn  der gerade zu Ende gegangene Krieg auf der Leinwand im ballernden „Kleinformat” weitergeführt wird. Die raue und wilde Kleinstadt Bottle Neck (Flaschenhals) jedenfalls wird von ziemlich rüden Gangstern beherrscht (am der Spitze Brian Donlevy), der ehrenwerte Sheriff ermordet; als Witzfigur wird vom korrupten Bürgermeister (und Richter) der stadtbekannte Säufer Washington Dimsdale eingesetzt. Der jedoch hört unerwartet mit dem Trinken auf und holt seinen Freund Destry in die Stadt, um das böse Gesindel zu verjagen.

Doch dieser Destry hält sich – zur Enttäuschung von Dimsdale – eher an die Buchstaben des Gesetzes anstatt das Schießeisen zu benutzen. Es ist klar, dass  in diesem Film das Gute siegen wird – und ideologisch gesehen ist der Streifen gerade deshalb auch bestens dazu geeignet, die alliierten Maßnahmen zur „Umerziehung und Demokratisierung der Deutschen” in ihrer Zone zu befördern. Vor allem die Tendenz zu Recht und Ordnung prädestiniert den Film für diesen Zweck.

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Die Frau gehört mir

Illustrierte Filmbühne Nr. 2  (E. S.) – Im März des Jahres 1947 ist es noch immer kalt in Frankfurt, auch wenn das Schlimmste vorbei ist. Eine extreme Kältewelle hatte seit Dezember 1946 ganz Mitteleuropa umklammert. Die Temperaturen sind teilweise bis auf minus 30 Grad abgesunken, der Ärmelkanal ist fast völlig zugefroren, die Flüsse lange unpassierbar, der Frost greift bis zum Mittelmeer, Hunderte von Kälte-Toten werden registriert, die Monate Dezember, Januar und Februar werden in den Geschichtsbüchern fortan als „Hunger-Winter“ beschrieben.

Die Frau gehört mirDie rationierten Lebensmittel sind in diesen harten Tagen wieder knapper geworden, die zwei Tageszeitungen „Frankfurter Rundschau” und „Neue Presse” erscheinen wegen der geringen Papierzuteilung nur zwei- oder dreimal die Woche, aber in Frankfurt haben nach dem Krieg doch schon wieder 14 Kinos geöffnet. Schauburg und das Apollo in Bornheim, das Titania in Bockenheim, das Hansa und die Lichtburg in der Kaiserstraße am Hauptbahnhof, das Harmonie in Sachsenhausen, die Zoo-Lichtspiele im Ostend. Außerdem wird in den Stadtteilen Rödelheim, Höchst, Bonames, Eckenheim, Sindlingen und Fechenheim wieder gespielt. Gleich in fünf Häusern wird dabei der Wildwest-Film Die Frau gehört mir gezeigt.

Weil die Kälte Anfang März etwas abgeklungen ist, steht der Western auf dem Wunschzettel. Der Besuch am Sonntag ist jedoch nur zu Fuß von Sachsenhausen über den wieder aufgebauten Eisernen Steg und Römerberg in Richtung Innenstadt möglich – und von dort geht es mit der Tram nach Bornheim.