DamalsKino

ERICH STÖR schreibt über Filme und Kinos in der Nachkriegszeit

Kategorie: Zirkuswelt

Der Tiger Akbar

Illustrierte Filmbühne Nr. 1130 (E. S.) – Ab 25. Mai 1951 läuft in acht Frankfurter Stadtteilen der Film „Der Tiger Akbar“ an. Zusammengetan zur Erstaufführung haben sich das Anker (Fechenheim), das Adler (Ginnheim), Atrium (Heddernheim), Römer (Praunheim), Delphi (Preungesheim), Neues Theater (Höchst), Lichtspiele (Riederwald) und die Lichtspiele (Rödelheim). Hauptdarsteller des Streifens ist ein Mann, der auf eigentümliche Weise Kinogeschichte geschrieben hat.

Der Tiger AkbarDer Name Harry Piel ist uns Schülern und Jugendlichen geläufig, obwohl die meisten von uns nicht genau wissen, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Doch so ziemlich alle Eltern haben früher nach Kinobesuchen immer intensiv über die skurrilen Abenteuer des Sensationsdarstellers und über spektakulären Aktionen in seinen Filmen gesprochen. Kein Wunder, dass auf Schulhöfen und Straßen der Satz „Harry Piel sitzt am Nil, wäscht die Beene mit Persil” – mit zahlreichen Abwandlungen, die hier nicht erörtert werden sollen – ein beliebter Reim ist. Nun ist also eine gute Gelegenheit, Harry Piel selbst in einem seiner Filme kennen zu lernen.

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Truxa

Illustrierte Filmbühne Nr. 648  (M. F./E. S.)  – Als im Sommer 1950 in Frankfurt der Film Truxa in einer ersten Wiederaufführung nach 1945 in mehreren Kinos zu sehen ist, fällt mir auf, dass zwar einige übliche Klischees aus dem Milieu der Artisten und Varieté-Künstler verarbeitet werden, aber durchaus auch einige ideologisch gefärbte Momente eine Rolle spielen.

TruxaDas ist weiter nicht ungewöhnlich. In „Dritten Reich” werden gerne „exotische” Themen verarbeitet und dabei mit der vorgegebenen Propaganda auf subtile Art in Einklang gebracht. Die handelnden Personen werden dabei auch in eher „harmlosen” Filmen – Truxa steht zum Beispiel nicht auf der Liste der von den Alliierten nach der Kapitulation verbotenen Filme –  vor allem moralisch in eine bestimmte Ecke gestellt. Zum Beispiel wird das Verhalten der Tänzerin Yester (La Jana) negativ bewertet, weil sie sich ohne Rücksicht auf Konventionen den Lebenspartner selbst aussucht. Der Seiltänzer Truxa (Peter Elsholtz) hingegen endet als hoffnungsloser Alkoholiker, ganz zu schweigen von dem dubiosen Zauberer und Illusionisten Garvin (Ernst Fritz Fürbringer), dessen Verwerflichkeit mit einem Todessturz bestraft wird. Nur der junge und frische Husen (Hannes Stelzer) passt in’s Bild der „neuen Generation”.

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Manege frei

Illustrierte Filmbühne Nr. 604 (E. S.) – Der Mann in der Arena trägt eine viel zu weite Hose, bevorzugt außerdem Riesenschlappen an den Füßen und spricht neben seiner Muttersprache Französisch auch noch Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. Es handelt sich um einen gewissen Adrian Wettach, der unter seinem Künstlernamen Grock als Musicalclown weltberühmt geworden ist.

Manege freiDas besondere Markenzeichen des 1880 geborenen Schweizers ist die immer wieder langgezogene Frage „Waruuuuuum?” sowie die Antwort „Nit möööööglich!”. Bei seinen Auftritten in  Zirkusmanegen, Varietés, oder auf großen Bühnen bevorzugt der Clown als Requisiten gerne winzige Instrumente in viel zu großen Behältnissen. Zum Beispiel verpackt er eine Miniatur-Geige in einem riesigen Bass-Koffer, um dann sein Erstaunen über dieses Missverhältnis mit dem lang gedehnten üblichen „Nit möööööglich!” und einem ungläubigen Kopfschütteln begleiten zu können. Grock beherrscht die meisten Instrumente sehr gut, spielt meisterhaft auf dem Klavier und auf der Violine und komponiert außerdem viele Akkordeon-Stücke. Wie mir meine Eltern  erzählen, haben sie den Clown in den Dreissiger Jahren bei einer Vorstellung im alten Schumann-Theater in Frankfurt gesehen. Weil ich Grock – er hat sich als 70jähriger praktisch aus dem „Berufsleben” verabschiedet – wohl nicht mehr selbst live sehen kann, will ich mir wenigstens den Film Manege frei ansehen, der 1950 in die Kinos kommt und über sein Leben berichtet.

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Tromba

Illustrierte Filmbühne Nr. 372 (E. S.) – Im Frühjahr 1944 wird Frankfurt am Main von verheerenden Bombenangriffen der Alliierten heimgesucht. Am 18., 22. und 24. März, werfen britische und amerikanische Flugzeuge viele tausend Spreng- und Brandbomben auf die Stadt. Die Innenstadt wird fast völlig zerstört. Doch auch Stadtteile und Vororte sind betroffen. Viele Tote sind zu beklagen.

TrombaAuch die Elisabethenstraße, in der unsere Familie gewohnt hat, brennt völlig nieder, und wir werden schließlich in den rauen Westerwald evakuiert. Neben den unzähligen Häusern und Gebäuden wird im westlichen Stadtteil Griesheim auch das kleine Filmtheater „Die Neue Lichtbühne” ein Raub der Flammen. Das ist angesichts des allgemeinen Infernos nicht wirklich wichtig, doch an die dramatischen Vorgänge dieser Tage werde ich fünf Jahre  später erinnert, als ich in der „Frankfurter Rundschau” eine kleine Notiz entdecke, in der von der Wiedereröffnung dieser „Neuen Lichtbühne” berichtet wird. Das Kino ist an einem neuen Platz – wo einst die Turnhalle der TG Griesheim stand – wieder aufgebaut worden. Zur Premiere wird dort dann am 1. Oktober 1949 das deutsche Zirkusdrama Tromba gezeigt. Der Film hat seine Frankfurter Erstaufführung (in Anwesenheit der Schauspielerin Gardy Granass) im Luxor und in der Scala bereits im Juli hinter sich gebracht, jetzt taugt er sogar noch für eine Stadtteil-Premiere.

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Artistenblut

Illustrierte Filmbühne Nr. 286  (E. S.) – Das Schwanen-Kino in der Leipziger Straße 91, nahe des großen Straßenbahn-Depots an der Bockenheimer Warte, wünschen uns allen per Zeitungsanzeige ein „Frohes Weihnachtsfest 1949”. Aus diesem schönen Anlass wird dort der Film Artistenblut gespielt. Gelegenheit für einen Besuch, ergibt sich für mich erst nach den Feiertagen.

ArtistenblutDoch wer weiß schon vorher, was ihn erwartet? Versuch und Irrtum liegen dicht beieinander. Nach 96 Minuten weiß man, dass es einer jener vielen belanglosen Filme ist, die vier Jahre nach Ende des Krieges vermehrt  in die Kinos schwappen. Die Zeit, in der engagierte Filmemacher sich bemühten, kritisch mit der jüngsten Vergangenheit umzugehen,  geht dem Ende entgegen; vor einigen Monaten ist die  Bundesrepublik als neuer Staat entstanden und nun rückt immer mehr der kommerzielle Aspekt in den Vordergrund, wobei törichte Unterhaltung immer modischer wird. Gedreht von den zwei Firmen Komet und Ondia, die nach diesem Streifen geschäftlich nicht mehr so recht reüssieren können, wird die Zeit im Kino dann doch weniger zu einem wirklichen Genuss und Festprogramm. Zwar werden einige in diesem Genre populäre Darsteller, darunter Hans Richter, Hubert von Meyerinck und Grethe Weiser ins Rennen geschickt, aber trotz dieser Namen bleibt die Angelegenheit dünn. Die Handlung bietet jedenfalls insgesamt wenig Spritziges, auch der Einfall, einen als Kaufmann eher unzufriedenen Ex-Clown (Hans Richter), per Verwechslung mit einem Doppelgänger wieder in seinem geliebten, alten Beruf zu hieven, ist wenig überzeugend.

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Tonelli

Illustrierte Filmbühne Nr. 43 (E. S.) – In der Palette, einem kleinen Varieté-Theater in Frankfurter Stadtteil Bornheim, tritt Ende August 1948 neben dem Kabarett “Plus und Minus” auch die junge Filmschauspielerin Mady Rahl auf. Gleichzeitig läuft nur einen Kilometer südlich in den Zoo-Lichtspielen der Film Tonelli, in dem sie eine der beiden weiblichen Hauptrollen spielt. Wie man sieht, müssen auch bekannte Filmstars in der schwierigen Nachkriegszeit sehen, wo sie bleiben (oder arbeiten). 

TonelliDer Film ist eine so genannte Reprise, ein 1943 uraufgeführter Bavaria-Streifen, der von den amerikanischen Militärbehörden aber direkt nach Ende des Krieges wieder zur Vorführung freigegeben wird, weil er fast blitzartig  als „unbedenklich” eingestuft wird. Tatsächlich geht es in dem Zirkus-Melodrama aber ziemlich schwerfällig zu, jedenfalls bei weitem nicht so leicht wie zum Beispiel in dem Singspiel „Im weissen Rössl”, das gleichzeitig in dem nur wenige Meter vom Zoo-Kino entfernten „Althoff” als ein einmaliges Gastspiel des Deutschen Theaters aus München gegeben wird. Besitzer Franz Althoff hat auf dem Zoo-Gelände einen Zirkus-Festbau errichtet und dieser „Palastbau“ spielt in der Nachkriegszeit in Frankfurt eine bedeutende Rolle als Stätte kultureller Darbietungen der leichteren Art. Jedenfalls lassen alleine die über 200 Mitwirkenden der Rössl-Revue den Film Tonelli nebenan ziemlich alt aussehen. Das ist auch kein Wunder. Die Mixtur aus dem zu dieser Zeit im Film beliebten Artisten-Milieu, einem Ehedrama und einem dubiosem Kriminalfall ist einfach eine Spur zu melodramatisch, um wirklich gefallen zu können.

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