Kategorien
Abenteuer

Der Herr der sieben Meere

Das Seeräuber-Drama mit Errol Flynn, Brenda Marshall und Claude Rains verkündet insgeheim auch einige interessante politische Botschaften.

Als ich im Januar 2021 im Fernsehsender „arte“ das Warner-Produkt „Der Herr der sieben Meere“ sehe, erinnere ich mich daran, diesen Film im Frühjahr 1948 erstmal in Frankfurt am Main gesehen zu haben. Dieses spannend-spektakuläre Seeräuber-Drama ist – wahrscheinlich von den Warner-Studios eher unbeabsichtigt – nicht nur ein schlichtes Abenteuer Spektakel –, sondern ein durchaus politischer Streifen, wobei Drehbuchautor Howard Koch und Regisseur Michael Curtiz einige diskrete Fingerzeige auf die Situation von 1940 liefern, egal ob gewollt oder unabsichtlich.

Herr der sieben Meere

Immerhin lässt sich der Anspruch auf die Weltherrschaft des spanischen Königs Philipp zweifellos auch als Hinweis auf Adolf Hitler interpretieren, währenddessen die britische Regentin Elizabeth zunächst einmal eine  taktisch motivierte Beschwichtigungspolitik betreibt, eine Haltung, die sich später auch zeitweise in der Tätigkeit von Winston Churchill wieder findet.

Es geht in dem mit glanzvollen Seegefechten und harten Enter-Szenen ausgestatteten Film also um harte Politik – letztlich um die totale Beherrschung der Weltmeere, was insbesondere auch wirtschaftlichen Konflikte zwischen Spanien und England hervorruft. Zwar herrscht offiziell Frieden zwischen diesen Staaten, doch der Schein trügt. Die Spanier rüsten ihre Flotte auf und bereiten sich unverhohlen auf einen Krieg gegen die Insel vor, England hält sich noch zurück, lässt aber viele seine Kapitäne als Seeräuber fungieren.

Einer davon ist Geoff­rey Thorpe (Errol Flynn), der viele spanische Schiffe – natürlich im geheimen Auftrag von Königin Elizabeth I. und ganz zum Nutzen des Vereinigten Königreichs – überfällt, ausraubt und versenkt. Doch als Thorpe das Schiff des spanischen Botschafters Don José Alvarez de Cordoba (Claude Rains) kapert und dabei Dona Maria (Brenda Marshall) als Geisel nimmt, entflammt seine Liebe zu dieser spanischen Hofdame. Ehe es nach einer Zeit der Irrungen zum glücklichen Ende kommt und Thorpe sogar geadelt wird, muss er freilich noch als Galeerensklave Fronarbeit leisten.

Daten zum Film

Der Herr der sieben Meere (Illustrierte Filmbühne Nr. 32 – zuvor auch Nr. 32 des 3. Jahrgangs) ist ein Warner-Film aus dem Jahr 1940 mit Errol Flynn (als Kapitän und Seeräuber Geoffrey Thorpe), Brenda Marshall (als spanische Hofdame Donna Maria), Claude Rains (als Don José Alvarez de Cordoba), Flora Robson (als Queen Elizabeth I). Weitere Mitwirkende: Donald Crisp, Alan Hale, Una O’Connor. Regisseur: Michael Curtiz. – Deutsche Stimmen: Klaus Miedel (Errol Flynn), Charlotte Radspieler (Brenda Marshall), Werner Pledath (Claude Rains).- Erstaufführung in den USA am 1. Juli 1940, Festpremiere am 10. August 1940 in New York City. Deutsche Erstaufführung am 7. Februar 1948 im Luitpold in München.