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Drama Nachkrieg

Die Mörder sind unter uns

Erster deutscher Nachkriegsfilm aus dem Jahr 1946

Illustrierte Filmbühne Nr. 241  (E. S.) – Der erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Wolfgang Staudte bei der DEFA in Berlin realisiert. Am 20. Juli 2020 war er wieder einmal im Fernsehen zu sehen, und zwar auf dem deutsch-französischen Kulturkanal „arte“. Das Drama um Schuld und Sühne wurde am 15. Oktober des Jahres 1946 im sowjetisch besetzten Sektor (Admiralspalast) uraufgeführt. Die Mörder sind unter uns ist ein hochpolitischer Film und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals die Hauptrolle übernahm.

Hartnäckig hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands erstmals 1971 gezeigt worden, was auch in der Enzyklopädie Wikipedia so angegeben wird. Korrekt ist dagegen, dass der Film in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt). Und in Hannover wurde der Film zum Beispiel am 4. September des Jahres 1948 im Palast-Theater gezeigt. Richtig ist aber auch, dass der Streifen bald wieder aus den Kinos verschwand, da die geistige Restauration zu diesem Zeitpunkt offensichtlich bereits so weit fortgeschritten war, dass das Publikum sich mit der Verantwortung für die Vergangenheit nicht auseinandersetzen mochte.

Die Zeitung „Hannoversche Presse” beklagte in ihrer Ausgabe vom 11. September 1948 die Reaktionen vieler Kinobesucher und kommentierte:

„Die Reihe der Zuschauer, die protestierend das Theater verließ, beweist sehr genau, dass der Film unsere geistige Situation widerspiegelt; man sieht nun mal nicht gern in einen so nackten und scharfen Spiegel, sondern setzt lieber eine rosarote Brille auf.” 

Unter solchen Umständen wart es dann tatsächlich kein Wunder, dass der Film schnell in der Versenkung verschwand, befürchteten doch die gewinnorientierten Filmverleiher entsprechende Einbußen. Das Kulturarchiv der Fachhochschule Hannover machte in einer kritischen Analyse darauf aufmerksam, dass in dem Film nicht nur die Geschichte eines Kriegsheimkehrers erzählt wird, sondern auch eine „Bestandsaufnahme des materiellen und moralischen Trümmerfeldes” erfolgt, „das die NS-Zeit hinterlassen hat.”

Gleichzeitig, so kommentieren die Autoren, werde aber auch die Frage nach der individuellen Schuld gestellt. Die Hochschule kam in ihrer weiteren Betrachtung zu der Erkenntnis:

„Eine derartige Konfrontation aber führte 1948 zur Ablehnung durch das Publikum, dessen Interesse offenbar zunehmend bestimmt war vom wirtschaftlichen Aufschwung und Wiederaufbau, weniger jedoch der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit…”

Daten zum Film

Die Mörder sind unter uns (Illustrierte Filmbühne Nr. 241) war der erste deutsche Spielfilm, der nach dem Ende des Krieges gedreht wurde. Regisseur Wolfgang Staudte stieß bei seinem Projekt auf Ablehnung bei den westlichen Alliierten und verwirklichte den Film dann bei der DEFA (zu Beginn der Dreharbeiten noch in Gründung befindlich). Hauptdarsteller waren Wilhelm Borchert (als Kriegsheimkehrer Dr. Mertens, der in Berlin einem Hauptmann begegnet, der an der Ostfront den Befehl zu Vergeltungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung gegeben hat), sowie Hildegard Knef (als Susanne Wallner, die Mertens in letzter Minute davon abbringt, Selbstjustiz zu üben). Produzent war Herbert Uhlich. Der Film hat eine Länge von 85 Minuten. Wolfgang Staudte schrieb auch das Drehbuch.

Darsteller: Hildegard Knef (als Susanne Wallner), Erna Sellmer (als Frau Brückner), Arno Paulsen (als Ferdinand Brückner), Ernst Wilhelm Borchert (als Dr. Mertens), Christian Schwarzwald (als Otto). Kamera: Friedl Behn-Grund und Eugen Klagemann, die Musik stammt von Ernst Roters. Schnittmeister (und Regieassistent) war Hans Heinrich. Die deutsche Erstaufführung war am 15. Oktober 1946 im Admiralspalast im Ostteil von Berlin… (Erstveröffentlichung dieses Beitrages am 23.Mai 2012)