Kategorien
Lustspiel

Hallo, Dienstmann

Nach einer Idee von Paul Hörbiger, der nie ins Kino geht

Manchmal findet der Interessent alter Spielfilme aus den späten 40er oder frühen 50er Jahren doch noch das eine oder andere schöne Stück im Fernsehen, wenn auch zu eher ungünstigen Zeiten. So am 22. August 2020 morgens um 10.30 Uhr der österreichische Film „Hallo, Dienstmann“ aus dem Jahr 1951. Das weckte in mir eine Erinnerung an Januar 1952, als in Frankfurt mit eben diesem Lustspiel die Rex-Lichtspiele als 52. Kino nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Betrieb aufnahmen.

Das neue Theater befand sich in der Kaiserstraße (damals noch Friedrich-Ebert-Straße), in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Betreiber waren Heribert Froechte und Hans Ulbrich, die auch schon am Bieberbau und am Turmpalast beteiligt waren. Der Saal lag im ersten Stock einer Passage, die zur Taunusstraße führte. Eine palastartige, breite Treppe führte in den Raum mit silbergrau abgesteppten Wänden, die allerdings ein wenig kühl wirkten. 

Vier Mitwirkende von Hallo, Dienstmann waren eigens nach Frankfurt zur Erstaufführung gekommen: Paul Hörbiger und die Hauptdarstellerin Maria Andergast – einige Jahre zuvor als „Mariandl”-Interpretin aus „Der Hofrat Geiger” in aller Ohren –, außerdem Regisseur Franz Antel und Komponist Hans Lang. Das Schlitzohr Hörbiger hatte wohl keine große Lust mit den neugierigen Presseleuten zu reden und begründete das in ironischer Übertreibung mit den Worten: 

Wissen’s mit mir können’s schwer über Filme reden, weil i niemols ins Kino geh!” 

Der Film selbst war eine heitere Verwechslungskomödie aus Wien, zum ersten Mal seit fünf Jahren spielten hier die österreichischen Haudegen Hörbiger und Hans Moser wieder einmal zusammen. Der Film war von Hörbiger, der als noch unbekannter Schauspieler den älteren Hans Moser bewundert hatte, initiiert worden. Der Inhalt sollte an Mosers berühmten Sketch „Der Dienstmann“ aus den Zwanziger Jahren erinnern und bot ihm die Gelegenheit, noch einmal seine populärste Rolle zu spielen.

Um was geht es? Professor Ferdinand Godai (Paul Hörbiger) hat sich für einen Maskenball als Dienstmann verkleidet. Frühmorgens trifft er, mehr als leicht angeheitert und immer noch kostümiert, in einem Bahnhofslokal auf den echten Dienstmann Anton (Hans Moser), und aus dieser Situation ergeben sich allerlei erquickliche Szenen. Vor allem, als Godai die junge Frau Brandstätter (Maria Andergast) kennenlernt, die sich als eine neue Kollegin von ihm entpuppt. Da hat er dann eine liebe Müh’ und Not, seine Verkleidung wieder loszuwerden. Und zum Finale erklingt das berühmt gewordene Duett von Moser und Hörbiger: „Hallo, Dienstmann!”

Wer das durchaus gelungene Lustspiel nach Jahrzehnten wieder seht, ist allerdings irritiert über die besonders im letzten Filmdrittel sichtbar werdende Prüderie und Sittenstrenge. Dies ist aber auch eine Gelegenheit für jüngere Menschen, sich in jene verklemmte Zeit hinein zu versetzen, die das private Leben und Lieben in den Vierziger und Fünfziger Jahren auf oft unerträgliche Weise einengte.

Produktion & Besetzung

Produktion: Schönbrunn-Film (Österreich). – Regie: Franz Antel.- Drehbuch: Franz Antel, Lilian Belmont, Rudolf Österreicher nach einer Idee von Paul Hörbiger. – Musik: Hans Lang. Kamera: Hans Heinz Theyner. – Schnitt: Arnfried Heyne. – Darsteller: Hans Moser (Dienstmann Anton Lischka), Harry Fuss (Sohn von Anton), Annie Rosar (Lischkas Schwester Rosa), Paul Hörbiger (Prof. Ferdinand Godal), Susi Nicoletti (Godals geschiedene Frau), Weitere Darsteller: Maria Andergast, Rudolf Carl, Waltraud Haas.- Österreichische Premiere: Freitag, 18. Januar 1952 in Salzburg, deutsche Erstaufführung: Dienstag, 29. Januar, Rex-Lichtspiele in Frankfurt am Main. – Begleitheft: Illustrierte Filmbühne Nr. 1441.